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Fußspray und Lebensenergie: Tachyonen in der Esoterik

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Sogar „Tachyonen-Polo-Shirts“ gab es mal – von unserem Eso-Universallieferanten Kurt Tepperwein.

Immer noch erhältlich ist ein Tachyonen-Fußspray. Und tachyonisierte Einlegesohlen („Happy Souls“).

Und natürlich gibt es Tachyonen-Therapien, die einen …

… neuen Weg zu körperlicher Heilung und geistiger Entwicklung“

verheißen.

Ein überaus langlebiges Buch dazu heißt „Unbegrenzte Lebenskraft durch Tachyonen“.

Und wie fast immer bei solchem Hirndurchfall weiß man nicht, ob die Autorenangaben wirklich ernst gemeint oder reine Satire sind:

Schon in den ersten Lebensjahren fiel er durch seine phänomenale Intelligenz auf. Vom sechsten Lebensjahr an beschäftigte er sich intensiv mit Naturwissenschaften, vor allem Biologie und Atomphysik.

Mit zwölf Jahren wandte er sich den Bereichen Ernährung und ganzheitliche Gesundheit zu. In den folgenden sieben Jahren entwickelte er bahnbrechende neue Konzepte zum theoretischen Verständnis und zur praktischen Anwendung der Naturgesetze für Ernährung, Naturheilkunde und geistige Entwicklung.“

Seltsam, dass bei einer Internetsuche besagter Autor lediglich durch unbegrenzte Laberkraft in einem taz-Interview sowie einen Psiram-Eintrag hervorsticht.

Wo doch die Deutsche Presseagentur schon vor Jahren schrieb:

Einem Tachyon-Entdecker dürfte der Nobelpreis sicher sein.“

In der Tat.

Der Physiker Dr. Holm Hümmler hat sich im Skeptiker 4/2002 mit Tachyonen beschäftigt und auch bei der GWUP-Konferenz 2003.

Tachyonen (von griechisch: tachys = schnell) entspringen lediglich den Rechenblöcken theoretischer Physiker. Diese überlichtschnellen Elementarteilchen ergeben sich als hypothetische Lösungen, wenn …

… man versucht, verschiedene, eigentlich unverträgliche Theorien in ein gemeinsames Rechensystem zu zwingen“,

erklärt Hümmler.

Aber beobachtet, nachgewiesen oder gar eingesetzt wurden Tachyonen noch nie.

Tatsache ist natürlich: Theoretische Vorhersagen aufgrund prinzipieller Überlegungen werden in der Physik mitunter tatsächlich irgendwann bestätigt. Elementarteilchen wie zum Beispiel das Top-Quark oder das Tau-Neutrino waren noch vor wenigen Jahren ebenfalls rein hypothetische Konstrukte.

Der Unterschied zu Tachyonen ist aber:

Man war sich der Theorien so sicher, dass der Nachweis von Quarks und Neutrinos nach gezielter Suche und mit hohem experimentellem Einsatz zwar Beifall, aber wenig Aufsehen auslöste.“

Ganz anders bei den Tachyonen:

Die meisten theoretisch angenommenen Tachyonen hätten, sofern sie existierten, in den bisherigen Messungen allein schon durch ihren Einfluss auf andere Messungen entdeckt werden müssen. Darüber hinaus haben seit Einstein Generationen von Physikern gezielt nach Tachyonen mit den vorhergesagten oder anderen Eigenschaften gesucht – ohne Erfolg.“

Aus diesem Grund gelten sie als eine Art „Hypothesen-Sondermüll, der schwer zu entsorgen ist“.

Nichtsdestotrotz gehören Tachyonen ebenso wie Quanten oder Biophotonen zum Steckkasten der modernen Gebrauchsesoterik.

Bei Astrodicticum simplex berichtet Dr. Florian Freistetter über eine einschlägige Veranstaltung.

Sein Fazit:

Vielleicht gibt es die Tachyonen tatsächlich. Wir wissen noch zu wenig über die fundamentalen Eigenschaften des Universums, um die Existenz überlichtschneller Teilchen rigoros ausschließen zu können.

Aber eines weiß man heute schon mit Sicherheit: Sollten Tachyonen existieren, dann lassen sie sich weder in Kristallen einfangen, noch in Massageöl und auch nicht in all den anderen Produkten, die man in den Esoterikgeschäften für teures Geld angeboten bekommt.“

Zum Weiterlesen:

6 Kommentare

  1. gibbet doch alles im onlinestore bei esoulk.de

    “ Tachyonen-Extrakt (Familienpackung)
    Wird schneller geliefert als bestellt! Im Gegenzug erwarten wir die Begleichung der Rechnung vor der Bestellung – alles klar?

    2 Euro/10 Liter-Kanister“
    und einen guten jahrgangstepperwein findet man im quantikochbuch unter http://www.esoulk.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=31:quanti-das-esospirituelle-krafttierkochbuch

  2. Wenn Tachyonen wirklich existierten, würden sie ganz schon an der Relativitätstheorie rütteln, da sie das „Dogma“ der Lichtgeschwindigkeit, als größte mögliche Geschwindigkeit, aufheben würden.

    Ich halte die Lichtgeschwindigkeit (c) und das Plank’sche Wirkungsquantum (h), diese Konstanten beschreiben fundamentale Grenzen des Universums. c ist die maximale Geschwindigkeit, mit der sich Informationen übertragen lassen, deshalb ist sie fundamental für die „Welt“. Stichwort: Lichtkegel.

    h hingegen ist die Grenze des Messbaren oder „wie die Welt quantisiert ist“ (um es ganz merkwürdig auszudrücken ;-)). Stichwort: Unschärfe Relation.

    Ich will nicht behaupten, daß es Tachyonen nicht geben kann, aber es würde so stark an dem Gebäude der bekannten Physik rütteln…

    Ja, es stimmt, Tachyonen ließen sich nicht so einfach einfangen, vor allen Dingen würden sie wahrscheinlich gar nicht groß mit der „normalen“ Materie wechselwirken – wenn sie existieren, dann sind es Teilchen, die noch vor den Photonen „geschaffen“ wurden.

    Aber sind nicht schon die Photonen „esoterisch“ genug? – Für sie vergeht weder Zeit noch Entfernung.

    Sie haben eine Zeitdilatation von ∞ und eine Längenkontraktion von 0 ;-)

  3. ^^^^ Ha…. was meint ihr denn, wo mein Nickname herkommt ;)

  4. Tach Tachy!
    …von Tachyonen vielleicht?

    …um noch mal auf meinem Punkt zurückzukommen, daß Tachyonen (wenn es sie denn gibt) wahrscheinlich kaum mit Materie wechselwirken.
    Deshalb standen schon Neutrinos in Verdacht, was sich aber als Messfehler herausstellte.
    Milliarden von Neutrinos „durchfliegen“ unsere Körper pro Sekunde, ohne uns zu beeinträchtigen. (60 bis 70 Milliarden Neutrinos pro Sekunde auf einer Fläche von 1 cm²).
    Deshalb wäre ich für einen Werbespruch:
    „Waschkraft durch Neutrino-Kraft“ ;-)
    noch etwas: Tachyonen würden, da schneller als Lichtgeschwindigkeit, in der Zeit zurückreisen, deshalb wären sie doch die ideale Quelle für ein Jugendelixier :-)
    Apropos: Der Main ist ein Jungbrunnen – wer aus ihm trinkt, wird nicht alt.

  5. Ist das nicht etwas kleinlich?
    Warum ist die Lichtgeschwindigkeit so gering?
    299.792.458 m/s…das ist bei den großen Entfernungen im Universum ein Witz…Warum war „Gott“ so kleinlich? Hatte er Angst, daß ihm der Mensch davonrennt? ;-)
    Spaß beiseite…jetzt kommt es dicke…
    die Antwort ist ganz einfach: Wenn man von einem Null-dimensionalen Anfang (Urknall) ausgeht und auch bei einer Inflation, war es in der Anfangszeit doch sehr eng und begrenzt im Universum, sodaß der Raum (trotz Inflation) sich nicht schnell genug ausdehnte, deshalb die „geringe“ Lichtgeschwindigkeit…und deshalb sind auch sehr viele wichtige Naturkonstanten „klein“, denn in der Anfangszeit, manifestierten sich die (Natur-)Gesetzte…daraus kann man auch ableiten, daß es keinen Schöpfer bedarf, da dieses Faktum für Naturgesetze spricht, die sich aus den Gegebenheiten „evolvierten“…mMn…

  6. …eigentlich ist so gesehen die ganze „Quantenphysik“ ein Beweis für den Urknall, denn die Quantenphysik zeigt die Auswirkungen von Non-Kausalität, denn am Anfang gab es keine Kausalität; „Gott“ sprach nicht: „Es werde Licht und es wart Licht“, nein die Kausalität, die wir aus dem Mesokosmos und Makrokosmos kennen, ist im Mikrokosmus zum Teil nicht vorhanden…Diese „Indizien“, sprechen für einen Anfang, in dem noch nicht alle Naturgesetze sich entfaltet haben…ich bezweifle sogar, daß es prä-kosmologische Gesetze gibt, dh es war keine Schöpfung, sondern „Evolution“…eine zufällige „Quantenfluktation“
    Die Tatsache, daß es „Vakumfluktuationen“ und „virtuelle Teilchen“ gibt ist ein „Foot-print“ des Urknalls.

    um wieder On-Topic zu kommen, deshalb glaube ich, daß es viele Menschen gibt, die denken es gäbe eine höhere Geschwindigkeit, weil die Relationen innerhalb des Universums so groß sind, daß man meinen könnte die Lichtgeschwindigkeit wäre klein und es müßte doch etwas größeres geben…
    So jetzt reicht es aber…gute Nacht ;-)

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