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Homöopathen-Kritik an den Skeptikern: Geht’s noch ein bisschen peinlicher?

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Von Harald Schmidt stammt der Wunsch, er giere nach „brillanten Verrissen“.

Können wir gut verstehen.

Auch wir Skeptiker warten seit Jahrzehnten darauf, dass die Homöopathie-Verfechter unsere Kritik unwiderlegbar ad absurdum führen und endlich den ultimativen Beweis führen, dass ihre Methode etwas taugt.

Allein: Es kommt nichts.

Womit wir stattdessen permanent belästigt werden, sind Repliken, die vor Denkfaulheit, Selbstgefälligkeit, mangelndem Reflexionsvermögen und unverrückbaren Glaubensüberzeugungen strotzen.

Zwei aktuelle Beispiele:

Die Carstens-Stiftung rezensiert das Buch „Die Homöopathie-Lüge“ von Dr. Christian Weymayr/Nicole Heißmann, und zwar unter der neckischen Überschrift:

  • Welche Stilblüten doch der dogmatische Materialismus treibt.“

Namentlich traut sich der Autor/die Autorin gar nicht erst in Erscheinung zu treten – wohl ahnend, dass die eigenen Stilblüten genügend Stoff für einen Kabarett-Abend bei der nächsten GWUP-Konferenz liefern könnten.

Greifen wir einfach mal mitten hinein in die pralle Unverständigkeit des tapferen Defender of Homeopathy:

Um unliebsame Phänomene wie die Homöopathie von vornherein vom wissenschaftlichen Diskurs auszuschließen, prägen die Autoren den Begriff der Szientabilität (in etwa zu übersetzen mit „Wissenschaftsfähigkeit“). Gemeint ist hiermit die Vereinbarkeit eines Phänomens mit den herrschenden paradigmatischen Grundüberzeugungen der scientific community. Ist diese nicht gegeben, soll es einfach ausgeblendet und nicht weiter untersucht werden.“

Nö.

Es geht bei der Scientabilität mitnichten um (wandelbare) „Grundüberzeugungen der scientific community“ – sondern um (unwandelbare) Naturgesetze.

Diesen widersprechen die Grundannahmen der Homöopathie, so wie analog auch ein „geistartiges Fliegen“ schlicht gesagt unmöglich ist.

Und selbst wenn es lediglich um „paradigmatische Grundüberzeugungen“ ginge, was nicht der Fall ist – auch für einen grundlegenden Paradigmenwechsel hat die Homöopathie keinerlei Potenzial, da sie nicht einmal ein allgemein akzeptiertes, auf naturwissenschaftlichen Grundsätzen fußendes Prinzip aufweist.

Weiter:

Ein solches hermetisch abgeschlossenes Weltbild hat mit Wissenschaft nichts zu tun. Kennzeichen einer wissenschaftlichen Theorie ist nach Karl Popper, dass sie prinzipiell widerlegbar sein muss. Genau das ist hier nicht der Fall: An die Stelle der Widerlegbarkeit der Theorie tritt die vollständige Immunisierung gegen alles, was sie als falsch, oder zumindest unvollständig, erweisen könnte.“

Wo ist was genau „nicht der Fall“?

Wovon redet der Autor an dieser Stelle?

Die Homöopathie hat nicht einmal den Ansatz einer „Theorie“ zu bieten, über die man wissenschaftlich befinden könnte, sondern sie basiert auf dem autoritär-dogmatischen Regelwerk ihres Erfinders, ohne dass es objektive Kriterien dafür gäbe, welche von Hahnemanns „Erfahrungen“ richtig und welche falsch gewesen sind.

Oder anders gesagt: Das hermetisch abgeschlossene Weltbild der Homöopathie hat mit Wissenschaft nichts zu tun.

Genau aus diesem Grund braucht man sie auch nicht mehr weiter wissenschaftlich zu untersuchen – und eben deshalb ergeht Weymayrs Forderung nach Scientabilität.

Weiter:

Der unbefangene Blick wird angesichts unzähliger Heilerfolge, einer Fülle von positiven klinischen Studien zur Homöopathie sowie über 1500 Experimenten aus der Grundlagenforschung, von denen der weitaus größte Teil auf einen Unterschied zwischen Lösungsmittel und Hochpotenz hinweist, einräumen müssen, dass wir – vorsichtig gesprochen – sehr ernste Hinweise haben, es mit mehr als Placebo zu tun zu haben.“

An dieser Stelle würden die Lachmuskeln unseres imaginären Kabarett-Publikums schon leichte Überanstrengung signalisieren.

Ein Autor/eine Autorin der Carstens-Stiftung hat also den „unbefangenen Blick“, um Homöopathie objektiv zu beurteilen?

Ok, schauen wir uns die Beweisführung mal an.

  • „Unzählige Heilerfolge“?

Das ist kaum mehr als eine implizite Berufung auf die unsinnige „Wer heilt, hat Recht“-Phrase, gepaart mit Ignoranz gegenüber den zahlreichen Gründen, warum Homöopathie zu wirken „scheint“.

  • „Eine Fülle von positiven klinischen Studien“?

Wir empfehlen die „Gesamtschau der Studien zur Homöopathie“.

Und wer dann immer noch mit den angeblichen Top-Studien von Frei bis Frass wedelt, darf sich gerne eingehend mit deren Zerpflückung bei Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie beschäftigen. Wir sind sicher, auch Dr. Norbert Aust giert nach brillanten Verrissen.

  • „Über 1500 Experimente aus der Grundlagenforschung“?

Wow, die Homöopathie hat also endlich ihre unsinnigen Grundannahmen zweifelsfrei belegt?

Wo sind dann bitte die Nachweise für ein „Wassergedächtnis“, für eine „geistartige Kraft“, für die Wirksamkeit des „Potenzierens“ etc.?

Und wieso hat das Nobelpreis-Komitee noch keine Kenntnis von dieser Revolution der Physik und der übrigen Naturwissenschaften?

Weiter:

Vor 250 Jahren hätte man es vermutlich für schwer vorstellbar gehalten, dass Menschen rund um den Globus dereinst mit Mobilfunktelefonen kommunizieren werden; vor 500 Jahren wäre man womöglich wegen solcher Ideen auf dem Scheiterhaufen gelandet.“

Jetzt gründelt der Rezensent bloß noch im Bodensatz seiner, äh, „Argumentation“.

Erstens fordert kein Skeptiker, Homöopathie zu verbieten oder gar Homöopathen zu verbrennen – hier suhlt der Autor sich in einer anmaßenden Märtyrer-Pose, die auch dann noch albern wäre, wenn das Prinzip der Scientabilität sich tatsächlich durchsetzen würde.

Denn auch dann stünde es den Homöopathen völlig frei, weiterzuforschen und zu praktizieren.

Nur die widersinnigen und durch nichts zu rechtfertigenden Privilegien wie Kassenfinanzierung, Binnenkonsens, Apothekenpflicht etc. würden endlich wegfallen.

Zweitens hat vor 500 Jahren deshalb niemand einen Gedanken an Mobilfunk verschwendet, weil es keinerlei Grundlagen gab, die eine solche Idee hätten befeuern können.

Und übrigens auch vor 250 Jahren noch nicht.

Erst als die Übertragung von kodierten Signalen über elektrische Leitungen in der Praxis umgesetzt wurde (1833), nahm die Entwicklung der Telekommunikation Fahrt auf und kreierte über viele Zwischenstationen das, was wir heute als Mobilfunk nutzen.

Ganz anders die Homöopathie, die 1810 im Hahnemannschen „Organon“ festgeschrieben wurde – und die a) damals schon auf einem Irrtum beruhte und b) sich seither im Wesentlichen nicht weiterentwickelt hat.

Weiter:

Die Argumentationsweise der Autoren erinnert denn auch an die Szene aus Brechts „Leben des Galilei“, in der die versammelten Gelehrten dazu aufgefordert werden, durch ein Fernrohr zu blicken, in welchem Galilei einen neu entdeckten Jupitermond eingestellt hat. Sie weigern sich alle, auch nur einen Blick durch das Gerät zu tun und versuchen, unter Berufung auf Autoritäten zu beweisen, dass dort gar kein Himmelskörper sein könne.“

Au weia, jetzt wird’s nur noch peinlich.

Die Skeptiker weigern sich keineswegs, die Argumente und Ergebnisse der Homöopathen zu prüfen – nur kommt bei diesen Überprüfungen regelmäßig heraus, dass nichts dran ist.

Als Beispiel sei nur James Randis Begutachtung der Beneviste-Versuche mit „hoch potenziertem“ Wasser genannt.

Aber verlassen wir an dieser Stelle unseren Carstens-Kritiker, ehe das Maß des Erträglichen vollends überschritten wird.

Denn auch unser zweites Beispiel wartet – natürlich – mit dem „Scheiterhaufen“ auf, auf dem wir Skeptiker die Homöopathie angeblich „verbrennen“ wollen.

Als Autor fungiert ein „Heilpraktiker und Sportpädagoge“, der einen Blog für „Alternative Medizin, Naturheilkunde und Wellness“ betreibt.

Was sein Artikel

Neuer Studiengang Homöopathie im Kreuzfeuer“

eigentlich zum Ausdruck bringen will, bleibt indes weitgehend unklar.

Irgendwo in dem Textchen ist von „inhaltlicher Leere“ die Rede, und es beschleicht uns der Verdacht, dass damit womöglich das Gegreine des Schreibers selbst gemeint sein könnte.

Irgendwie missfällt dem Blogger-Kollegen, dass unsere Kritik an dem undurchsichtigen Gebaren der Steinbeis-Hochschule Berlin von Spiegel-Online zu einem „unumstößlichen Omen für inhaltliche Leere bei Lehre und Forschung“ an der geplanten Homöo-Akademie aufgeblasen worden sei.

Häh?

Die „inhaltliche Leere bei Lehre und Forschung“ an der „Hochschule für Homöopathie“ resultiert daraus, dass Homöopathie eine anti-wissenschaftliche Luftnummer ist.

Und weil die Steinbeis-Hochschule das wohl sehr genau weiß, versucht sie ihr „Transfer-Institut“ in Traunstein so zu transferieren, dass sich letztendlich keiner mehr politisch verantwortlich dafür fühlt.

Das eine ist Kritik an der mangelnden Scientabilität der Homöopathie, das andere eine Beanstandung des Zulassungsverfahrens für die „Homöo-Akademie“ – soweit klar?

Was die „fundamentalistisch negativen“ Skeptiker an dem geplanten Studiengang überhaupt auszusetzen haben, können der „Heilpraktiker und Sportpädagoge“ sowie seine eifrigen Kommentatoren selbstredend erst recht nicht verstehen.

Versuchen wir es mal so:

Laut BA braucht ein Sportpädagoge ein „abgeschlossenes Studium im Bereich Sportpädagogik oder Sportwissenschaft“.

Was hätte der Autor wohl gesagt, wenn auf dem Lehrplan seiner Uni statt Bewegungsanalysen und Geräteaufbau zum Beispiel „Quidditch im Wandel der Zeiten“ oder „Rennbesen im Test“ aufgetaucht wäre?

Und genau darum geht es, wie Dr. Norbert Aust gerade noch einmal dargelegt hat:

Was wird Ihr Studienabschluss in Zukunft noch wert sein, wenn …“

Und wer sich jetzt fragt, warum hier in unserem Blog schon wieder ein überlanger Beitrag in Sachen Homöopathie sein muss, der sei abschließend auf den Ratgeber-News-Blog verwiesen:

Homöopathie: Warum diese ganze Schreiberei dagegen?“

Zum Weiterlesen:

  • “Die Homöopathie-Lüge” – ein Interview (Teil 1), GWUP-Blog am 23. Dezember 2012
  • “Die Homöopathie-Lüge” – ein Interview (Teil 2), GWUP-Blog am 23. Dezember 2012
  • Interview mit Dr. Christian Weymayr bei Nachdenken bitte
  • Welche Stilblüten doch der dogmatische Materialismus treibt …, Carstens-Stiftung am 14. März 2014
  • Darüber lachen und vergessen? Homöopathie und Scientabilität, GWUP-Blog am 8. Januar 2014
  • Homöopathie, Scientabilität, Frollein Doktor und die Belege, GWUP-Blog am 15. Januar 2014
  • Homöopathie: Parallelwelt ohne Naturgesetze, GWUP-Blog am 2. Februar 2011
  • Hat Recht, wer heilt? GWUP-Blog am 2. August 2013
  • Warum Homöopathie zu wirken scheint, GWUP-Blog am 9. Oktober 2011
  • Wissenschaft und Esoterik am Beispiel der Homöopathie, Gedankenwerkstatt am 14. Februar 2014
  • Gesamtschau der Studien zur Homöopathie, Detritus am 27. April 2013
  • Anwendung individueller homöopathischer Medikamente bei ADHS – Studie von H. Frei et al., Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 7. Mai 2013
  • Homöopathie bei schweren Atemwegsproblemen – Studie von Frass (2005), Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 13. Oktober 2013
  • Neuer Studiengang Homöopathie im Kreuzfeuer, Yamedo am 10. März 2014
  • Was wird Ihr Studienabschluss in Zukunft noch wert sein, wenn …“ Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 13. März 2014
  • Homöopathie: Warum diese ganze Schreiberei dagegen? Ratgeber-News-Blog am 14. März 2014

17 Kommentare

  1. Die Rezension der Carstens-Stiftung wurde auch auf Amazon veröffentlicht. Der Name des Rezensenten ist Jens Behnke:

    aus einer Ankündigung: http://www.carstens-stiftung.de/artikel/alles-placebo-homoeopathie-auf-dem-pruefstand.html

    „Jens Behnke studierte Kommunikationswissenschaft und Philosophie und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Carstens-Stiftung : Natur und Medizin. Als langjähriger Kenner der Homöopathie promoviert er derzeit bei Prof. Harald Walach (Leiter des Institutes für transkulturelle Gesundheitswissenschaften, Frankfurt/Oder) zum Thema „Homöopathie und Wissenschaftstheorie“. Herr Behnke betreut u.a. die Nachwuchsarbeit der Carstens-Stiftung im Bereich der Arbeitskreise Homöopathie sowie das Wilseder Forum für (Medizin-)Studierende.“

  2. @Dominik:

    << Als langjähriger Kenner der Homöopathie promoviert er derzeit bei Prof. Harald Walach (Leiter des Institutes für transkulturelle Gesundheitswissenschaften, Frankfurt/Oder) zum Thema „Homöopathie und Wissenschaftstheorie“. << Vermutlich kann man auch nur dort mit sowas reüssieren. Echte "Wissenschaft" würde so aussehen, dass die Homöopathen endlich anerkennen, dass Homöopathie auf jeder Ebene längst falsifiziert worden ist.

  3. Was soll dieses von großem Missionseifer auf beiden Seiten getragene Hin und Her von Glaubenssätzen eigentlich bewirken? Auch die Idee von den „(unwandelbaren) Naturgesetzen“ ist letztlich Glaubenssache. Also: Was soll das? Wem soll es helfen?

    Adressaten dieses Blogs sind doch wohl erwachsene Menschen, die schon gelernt haben, selber zu denken. An die wird man mit Parodien, mit Verächtlichmachung und auch mit Bekehrungsschriften nicht herankommen. (Es kann natürlich auch sein, dass das hier nur für Skeptiker gedacht ist, denen man einen Spaß bereiten will. Nun ja.)

    Orientieren wir uns am Hofnarren: Er hält dem Fürsten und der Welt den Spiegel vor. In ähnlicher Haltung können wir uns auf das kritische Hinterfragen sonderbarer Nachrichten und Meinungen beschränken und das Weitere der Urteilskraft der Adressaten überlassen.

    So gibt es wenigstens eine kleine Chance, dass der eine oder andere etwas dazulernt.

  4. @Till:

    << Auch die Idee von den "(unwandelbaren) Naturgesetzen" ist letztlich Glaubenssache. << Klar, ich habe gleich Pause, werde mal aus dem vierten Stock springen - bin sicher, dass die Gravitation nur eine Glaubenssache ist. << und das Weitere der Urteilskraft der Adressaten überlassen. << Ich empfehle Ihnen, meine Argumente mit denen des Carstens-Referenten zu vergleichen und hernach beides mit Ihrer individuellen Urteilskraft zu bewerten. Allein dass dies möglich ist, ohne herumzuklicken, zeigt doch, dass Ihrem Anliegen Genüge getan wurde, oder? << Orientieren wir uns am Hofnarren: << Woran *Sie* sich orientieren, bleibt Ihnen unbenommen, aber ich rate dazu, das nicht zu verallgemeinern.

  5. @Till

    „Auch die Idee von den “(unwandelbaren) Naturgesetzen” ist letztlich Glaubenssache. Also: Was soll das? Wem soll es helfen?“

    Aber für viele Esoteriker scheinen diese Naturgesetze eher eine Bequemlichkeits-Sache zu sein.

    Wenn es bequem ist, dann reitet man darauf, wie exakt manche Naturgesetze denn doch seien (z.B. die Feinstrukturkonstante) und dass das unmöglich kein Zufall sein kann. So viele und so viele Stellen nach dem Komma genau!

    tja… oh Wunder… aber ist das nicht das Wesen eines Naturgesetzes, dass es eben nicht variabel sondern sehr genau ist?

    Jetzt sind es plötzlich die Naturgesetze für Sie eine reine Glaubenssache…

    Also doch Bequemlichkeits-Sache…. wenn es bequem ist Naturgesetze heran zu ziehen um etwas behaupten zu können dann sind sie real… wenn es aber bequem ist sie als eine Glaubenssache an zu sehen, sind sie es plötzlich… nur eine reine Glaubenssache.

    Finden sie nicht, dass das ein wenig grotesk ist?

  6. @Bernd Harder, nihil jie

    Katagorienfehler tun der Diskussion nicht gut. Also: Wer anstelle der „Idee von den (unwandelbaren) Naturgesetzen“ konkrete Naturgesetze einfügt, produziert Unsinn.

    Mit den „(unwandelbaren) Naturgesetzen“ kann nicht unser Wissen über die Natur gemeint sein. Denn unser objektives, also subjektiv prüfbares, Wissen über die Natur ist durchaus wandelbar. Nach Karl Raimund Popper sogar unausweichlich so. Das zeigt beispielsweise die Ersetzung der newtonschen Mechanik durch Einsteins Relativitätstheorie.

    Wer von „unwandelbaren Naturgesetzen“ redet, meint offenbar Eigenschaften der „Dinge an sich“. Und dazu kommen mir mehrere Fragen in den Sinn: Woher weiß derjenige, dass diese Eigenschaften unwandelbar sind? Und woher weiß er überhaupt von solchen Gesetzen? Und wie sehen diese Gesetze aus? Das sind rein metaphysische Fragen und die Suche nach Antworten überfordert unsere geistigen Möglichkeiten. Da hilft nur noch der Glaube. Und genau das habe ich oben gemeint.

    Auch wenn dieser Satz schon vor langer Zeit aufgeschrieben worden ist, er bringt das Problem auf den Punkt: “Es sind uns Dinge als außer uns befindliche Gegenstände unserer Sinne gegeben, allein von dem, was sie an sich selbst sein mögen, wissen wir nichts, sondern kennen nur ihre Erscheinungen.” (Immanuel Kant)

  7. @Till:

    < < Das sind rein metaphysische Fragen << Korrekt - und daher eigentlich irrelevant für unsere reale Diskussion über Homöopathie und deren Grundannahmen. Denn diese stehen im Widerspruch zu sehr konkreten Naturgesetzen und -konstanten, siehe z.B. den aktuellen Skeptiker-Artikel "Die Placebo-Republik": http://www.gwup.org/zeitschrift/skeptiker-archiv/1234-skeptiker-42013

  8. @Till
    Die Newton’sche Mechanik wurde nicht durch die Relativitätstheorie ersetzt, wenn dann war es vielleicht die Newton’sche Gravitation ;-)

    Aber auch das ist falsch. Die Newton’sche Gravitation ist ein Spezialfall der Allgemeinen Relativitätstheorie (ART).

    Die ART zeigt nicht, daß das die Newton’sche Gravitationsgesetz falsch ist, sondern eine gute Näherung, die die ART erweitert.

    Natürlich könnte auch eine sogenannte Quantengravitation ein besseres Verständnis der Gravitation liefern, aber dadurch würde ART niemals falsch sein…

  9. Was wird aus der Datenbank „Homöopathiefreie Apotheken“?

    Da ist erst eine Apotheke eingetragen.

    http://www.homoeopathiefreie-apotheke.de/

    GvC

  10. Wer nachlesen mag, dass Homöopathen auch zu origineller Kritik imstande sind: Auf einen Kommentar zur schwachen Quantentheorie in der Fachzeitschrift Homeopathy (Band 97, Ausgabe 1, Seiten 50-51, 2008) erhielt ich vor Jahren die Antworten

    Treating Leick with like (Lionel R. Milgrom) mit dem Zitat I have adopted implicitly a post-modern stance. This acknowledges there is no such thing as an objective reality that has only to be unveiled, and exists whether we observe it or not, and irrespective of the method in which it is approached. Leick et al.explicitly adopt what is, in my view, an outdated positivist model of reality and science. This is a reasonable approximation for most of what we do and sufficient for structures like washing machines or airplanes. However, it is neither correct nor sufficient for more intricate problems, such as the therapeutic process.“
    Modern or post-modern? Local or non-local?

    A response to Leick (Harald Walach). Polemisches Zitat: „No doubt Dr Leick and his colleagues will see it differently. They view likes of Milgrom, Walach, and others as charlatans, a danger to enlightenment, progress and rationality. The “crime” which we are commiting in Leick’s view is that of imagination, and extrapolation.

    Es folgen Anekdoten aus der Wissenschaftsgeschichte, die jeweils illustrieren sollen, wie die damalige Orthodoxie revolutionäre (und im Nachhinein als richtig erkannte) Erkenntnisse bekämpfte.

    Vermutliche Logik: Weil das Establishment gegen Homöopathie ist, ist Homöopathie richtig.

    (Jeweils Band 97, Ausgabe 2, 2008)

  11. …festhalten kann man: Naturgesetze sind nicht dem Wandel unterworfen, sondern die Erkenntnis derer…

    Zwar gibt es Wissenschaftler, die von einer Theorie der sich in einer Evolution befindenden Naturgesetzen ausgehen, da das Universum ein Verhalten an den Tag legt, das sich schwer mit dem Standardmodell in Einklang bringen lässt. Das Universum dehnt sich immer schneller aus; es wird scheinbar nicht durch die Gravitation gebremst, was man vermuten könnte. Dafür macht man die Dunkle Materie/Dunkle Energie verantwortlich.

  12. Jetzt, weil es schon so spät ist, dann gibt es die volle Packung ;-)
    Vielleicht ist unser„Erfahrungsraum“ nur ein Spezial-Fall eines Hilbertraum

  13. ich find´s ja immer wieder lustig, wie diese Leute versuchen mit ein paar Schlagworten zu beeindrucken, z.B. „dogmatischer Materialismus“.

    Der Gegensatz zum Materialistischen Weltbild ist das, was sich mit dem Material gar nicht mehr auskennen muß:
    Ein sinnbefreiter Konsumismus!

    Der Konsum von Gegenständen und Dienstleistungen, von denen Esoteriker und Homöopathen meinen, sie wären mit einem spirituellen Mehrwert aufgeladen.
    Keine Ahnung davon, wie etwas funktioniert!…dafür suhlt man sich genüßlich in einem oberflächlichen Wellness-Mystizismus wie die Schweinderl im Dreck. …was der entsprechenden Klientel dann nebenbei noch wahnsinnig tiefgründig vorkommt, aber genau das Gegenteil davon ist: Die ganz primitive Oberfläche, einfache Analogien für einfache Leute.

    …und deshalb bin ich ja ganz gerne Materialist:
    http://chiemgaugemseneier.wordpress.com/2012/10/21/das-materialistische-weltbild/

    Die Traunsteiner Esoterik-Homöopathie-Hochschule ist gerade mir als Chiemgauer unendlich peinlich.

    Bleibt zu hoffen, daß der neue Landrat dazu die gebotene Distanz hält. Davon ist auszugehen, so wie ich die beiden kenne.

  14. @Philippe Leick:

    Objektive Realität? Wahrheit?

    Nein, das gibt es natürlich beides nicht. Wer das immer noch annimmt, ist ein Positivist.

    Korrekt ist selbstverständlich der Relativismus, Konstruktivismus und Postmodernismus.

    Wer hier Ironie vermutet, hat wahrscheinlich zuviel davon gelesen:
    http://blog.zeit.de/schueler/2014/03/18/boghossian-angst-wahrheit/

    oder das hier:
    http://www.nachdenken-bitte.de/wissenschaft/eleganter-unsinn-ii-science-war-oder-naturwissenschaft-vs-geisteswissenschaft/

  15. @Stephan
    Ja, ein Dogma der Wissenschaften sollte es nicht geben (können), aber dem ist nicht so. Objektive Wahrheit gibt es nicht.
    aber es verhält sich so, wie ein hyperbolischer Winkel zu einem euklidischen Winkel…im Kleinen ist er 90 Grad, im Großen stimmt das nicht mehr, aber im Kleinen ist es richtig. So ist es auch mit dem „Dogma“ der Wissenschaft. Wir Menschen können niemals von uns behaupten, wir seien objektive Detektoren ()
    Aber, was wir immer anerkennen sollten ist die „Summe der Erfahrungen“, der Gruppe – nicht das Individuum zählt, sondern die Wahrnehmung der Gruppe, selbst wenn diese nicht stringent genug ist.
    Vielleicht müssen wir uns damit abgeben nicht die Naturgesetze an sich zu verstehen, sondern nur das Epiphänomen dessen zu erkennen.
    Ich weiß, ich liefere damit „Argumente“ für die Esoterik, aber das sehe ich nicht so, sondern nur die Wahrheit, kann Klarheit schaffen…

  16. …nach „Detektoren“ in Klammern, sollte ein Verweis auf Wikipedia sein:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Unsch%C3%A4rferelation

  17. Na ja, ganz gut ;-)
    Ich wußte, daß ich des Nächstens irgendetwas postete, aber ich wußte nicht mehr was ich postete, aber ich bin ganz zufrieden damit, bis auf den Vergleich von einem „hyperbolischen Winkel“…aber der Rest, dem stimme ich ganz zu. :-)
    Es ist die „verfluchte“ Quantenphysik, die Probleme bereitet…unser „objektiver“ Verstand wird an eine Grenze geführt; und diese Grenze ist prinzipieller Natur, dh wir sind nicht fähig, die „Objektive Wahrheit“ wissenschaftlich zu ergründen…und man darf hier auch die Frage stellen, ob es überhaupt eine „Objektive Wahrheit“ gibt, oder sie nur ein Konstrukt unseres Gehirns ist. Alles in Frage zu stellen, ist eine der besten „Waffen“ der Erkenntnis, aber dessen bedienen sich auch die „Feinde“ der Erkenntnis; aber deshalb sollte man sich nicht diesen Fragen verweigern…und ich denke, das ist eine Aufgabe der Philosophie…nicht nach den Sternen zu greifen, sondern die Fakten auf den Boden der Tatsachen zu bringen…

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