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„Neue Ufo-Forschung“ oder Ghosthunting am Himmel?

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Seit etwa einem Jahr ist bei youtube ein Video online, dass angeblich „Ufos über dem AKW Neckarwestheim“ zeigt:

Aufgenommen und eingestellt wurde das Filmchen von Gerhard Gröschel, der sich als Pionier einer „neuen Ufo-Forschung“ sieht und im Januar das „Institut für technische Ufo-Forschung“ gegründet hat.

Der innovative Ansatz soll darin bestehen, dass Gröschel durch gezielte Suche einen echten Videobeweis erbringen will, anstatt zufällige Sichtungen im Nachhinein zu untersuchen.

Zu diesem Zweck hat der gelernte Elektroniker spezielle Kamerasysteme entwickelt, die Magnetfelder und Gravitation messen und sich dann automatisch einschalten, wenn die Sensoren ungewöhnlich hohe Werte registrieren.

Gröschel geht nämlich davon aus, dass Ufos „außerirdisch willentlich gesteuerte“ Fluggeräte sind, die ein künstliches Gravitationsfeld erzeugen (dazu wiederum wären theoretisch extreme Magnetfelder notwendig).

Dieser Zusammenhang ist allerdings völlig spekulativ und erinnert an den Techno-Mystizismus der „Ghosthunter“-Gruppen: Ohne zu wissen, was „Geister“ (hier: Ufos) überhaupt sind und welche Eigenschaften sie haben, setzt man hoch empfindliche und fehleranfällige Geräte auf sie an.

Gröschel ist indes davon überzeugt, mit seinen Überwachungsanlagen unter anderem bei Neckarwestheim aussagekräfte Fotos gemacht zu haben, mit den dazu passenden Messdaten. Ausführlicher erklärt er dies in einem eBook mit dem Titel „Ufos über AKW Neckarwestheim“.

Der kritische Ufo-Untersucher Dennis Kirstein kommt im journal für ufo-forschung jedoch zu einem vernichtenden Urteil:

Der Bildband ist gefüllt mit einfachsten Lichtreflexen auf oder vor der Linse, die mittels Bildbearbeitung bis zur Unkenntlichkeit vergrößert wurden. Ich möchte das salopp formuliert einfach nur Pixelpampe nennen.

Dank den Vorträgen professioneller Bildbearbeiter auf früheren Fachtagungen wissen wir heute, wie wenig an Information bei solchen Hochvergrößerungen tatsächlich noch übrig bleibt. Kommen dann noch, wie von Gerhard Gröschel verwendet, weitere Bearbeitungsfilter zum Einsatz, und wird ein minderwertiges Speicherformat ausgewählt (bspw. JPEG), geht der Großteil der Bildinformationen unwiederbringlich verloren.

Die in diesem eBook präsentierten Aufnahmen sind daher leider völlig wertlos.“

Für die aktuelle Skeptiker-Ausgabe (4/2013) haben die beiden GWUP-Mitglieder Bernd Cunow (Diplom-Ingenieur Elektrotechnik) und Dr. Philippe Leick (Physiker) Gerhard Gröschel besucht.

In ihrem Artikel über „Das Institut für technische Ufo-Forschung“ halten sie als Ergebnis fest, dass …

… der theoretische Unterbau dürftig ist und eine wirkliche Verifizierung der Ausgangsannahmen ebenso fehlt wie eine Methodenvalidierung.“

Nichtsdestotrotz ist Gröschel hoch anzurechnen, dass er sich einer skeptischen Analyse gestellt hat.

Auf der Webseite ufo-information.de findet sich seit heute ein 33-seitiger Bericht über Gröschels Institut und seine „neue Ufo-Forschung“.

Autor ist wiederum Dennis Kirstein, der auch ein ausführliches Gespräch mit Bernd Cunow und Philippe Leick geführt hat (Seite 12-23).

Sein eigenes Fazit:

Ich bin kein Freund davon, allzu persönlich zu werden, nichtsdestotrotz ist der Glaube an UFOs die entscheidende Motivation, die sich hinter den Aktivitäten von Herrn Gröschel verbirgt, und diese Tatsache spiegelt sich ganz offensichtlich auch in der Bewertung der Messdaten und der visuell festgehaltenen Objekte und Leuchterscheinungen wider.

Das System ist sicherlich nicht in allen Belangen schlecht und könnte durch Behebung der in diesem Artikel genannten Mängel eine Unterstützung für UFO-Forscher darstellen. Dazu müsste aber nicht nur für die Technik weitaus mehr Geld in die Hand genommen werden, sondern eine lückenlose Transparenz aller Messdaten und Dokumentationen der eingesetzten Technik und Software vorliegen.

Derzeit wirkt das System wie der Versuch eines versierten Elektronikbastlers, der zwanghaft außerirdische Fluggeräte in fragwürdigen Messdaten und Pixeln erkennen möchte.“

Zum Weiterlesen:

  • Auf Ufo-Jagd: Das Institut für technische Ufo-Forschung, ufo-information.de am 19. Dezember 2013
  • Das Institut für technische Ufo-Forschung, Skeptiker 4/2013
  • Gerhard Gröschel: UFOs über dem AKW Neckarwestheim – Neue Ufoforschung in Deutschland, Rezension bei jufof am 16. November 2013
  • GWUP-Thema: Ufos
  • Ghosthunting und Techno-Mystizismus, GWUP-Blog am 16. Oktober 2009

3 Kommentare

  1. Erinner ziemlich an die „Tranzendentalstimmenforschung“ mithilfe rauschender Radios wo irgendwannmal eine Stimme bestätigte: „Jaa Deppen glauben an Stimmen Toter im Radio . . . .“

    Tranzedentalvideoforschung reloaded . . . .

  2. mir ist ziemlich überklar warum da so ein hype drum geschieht:
    Es geht um Sinnproduktion, nicht nur Sinnproduktion, sondern Übersinnproduktion und zwar möglichst Sichtbare, damit das massenhaft stattfindende aber geforderte entsinnte Leben wieder Sinn macht und zwar welchen auch immer. Als möchten die Menschen deswegen wieder in einer Welt leben, in der ein sichtbares oder zumindest quasi trotzdem nachgewiesenes gottähnliches direkt auf die Menschen wirkendes, wie im alten Testament Wesen, vor dem man Furcht und Angst, aber bei möglich richtigem Umgang mit ihm, ihm entweder ein Schnippchen schlagen kann oder endlich wieder mal was findet was Werte wie ehr – FÜRCHTIGE Demut fordert aus der dann eine neue Handlungsmaxime oder innere sowie äußere Mission unter Anerkennung der daraus erwachsenden Übermacht UND deren etwas mehr über Sie „Wissende“ erwächst, das schon seit jahren immer sinnentleertere Handeln und Folgen der Menschen aufrechterhalten geworden wird.
    So ungefähr würde ich mal sagen: seht euch mal die Mischmaschsite: „Richplanet.net“ an. Oder muss ich mich oder sollte sich nicht jeder nicht mal fragen, wieviele 9/11s kleine wie grössere privatere oder orchestriertere inszenierte oder wenigstens zufällige entstandene Inszenierungen von sogenannter (Nicht)Realtität denn er eigentlich schon so insgesamt erlebt hat? Das Ausweglose ständig Gleiche im Hamsterrad sich befindende ist das Alien dass es tatsächlich gibt.

    bin müd sonst hättsch mich grammatikalisch und orthografisch mehr bemüht verständlicher zu schreiben. Aber ich wollte mich kurzfassen.

    Liebe Grüsse an egal welchen Skeptiker der das lesen sollte.

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