Politischer Aktionismus gegen Mobilfunkanlagen

Noch eine sinnfreie Aktion seitens der Politik im Vorfeld der Bundestagswahl:

Die Grenzwerte für Funkanlagen sollten “deutlich” gesenkt werden.

Dieser Vorstoß des baden-württembergischen Umweltministers Franz Untersteller scheiterte jedoch im Bundesrat.

Man fragt sich langsam, ob wissenschaftlich-technischer Sachverstand einem blanken Populismus Platz machen soll?

Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen) jedenfalls nahm die Entscheidung des Umweltausschusses des Bundesrats gegen niedrigere Grenzwerte bei Mobilfunkanlagen “mit großem Bedauern” zur Kenntnis:

Untersteller: Das ist eine verpasste Chance. Und eine Entscheidung gegen die Menschen. Weder wirtschaftlich noch politisch gibt es auch nur einen einzigen guten Grund, niedrigere Grenzwerte abzulehnen.”

Das mag sein.

Aber was es gibt, sind wissenschaftlich fundierte Gründe dagegen.

Kennen Untersteller und Co. die Forschung der letzten Jahrzehnten nicht?

Die These von der Schädlichkeit elektromagenetischer Wellen ist – sofern sie unterhalb der thermischen Schwelle liegen – nach jahrzehntelangen Untersuchungen verworfen worden.

Das Thema wurde auch im Skeptiker 3/2012 behandelt. Bei Psiram gibt es eine gute Übersicht.

Auch Abenteuer Forschung (ZDF) hat darüber ausführlich berichtet:

Es ist an der Zeit, dass diejenigen in allen politischen Parteien, die von Wissenschaft und und Technik noch etwas verstehen (und verstehen wollen), den ideologischen Eiferern in ihren Reihen Einhalt gebieten.

Gerade zu Wahlkampfzeiten.

Zum Weiterlesen:

17 Kommentare zu “Politischer Aktionismus gegen Mobilfunkanlagen”


  1. 1 Der Nesselsetzer 20. April 2013 um 15:39

    “Wissen Untersteller und Co. wirklich nicht, dass die Sendleistung von Mobiltelefonen erhöht wird, wenn die Leistung der Sender sinkt?”

    Sorry, aber das ist falsch.

    Die Sendeleistung des Mobilfunktelefons erhöht sich nicht, weil die Sendeleistung des Mastes reduziert wird. Richtig ist dagegen, dass bei reduzierter Sendeleistung des Mastes die Reichweite (des Mastes zum Handy, aber nicht umgekehrt) kürzer ist, und somit mehr Sendemasten in kürzeren Abständen gebaut werden müssen. Bei dem sich daraus ergebenden engeren Netz sinkt damit auch automatisch die Sendeleistung der mobilen Telefone, da auch für diese die Strecken dann kürzer sind.

    Wird jedoch nur die Sendeleistung der Maste reduziert und das Netz ansonsten nicht weiter ausgebaut, wird nur lediglich der Empfang im Mobiltelefon schlechter, die Sendeleistung des Telefons bleibt aber gleich.

  2. 2 Amardeo Sarma 20. April 2013 um 16:22

    @Der Nesselsetzer: Danke für die Richtigstellung. Der entsprechende Satz wurde entfert.

    Richtig ist, dass die Empfangsstärke an der Basisstation genutzt wird, um die Sendestärke des Mobiltelefons zu regeln.

  3. 3 Steffen 20. April 2013 um 16:46

    Na prima, wieder einmal populistischer Sondermüll aus den Reihen der Bündnis90/ Die Grünen. Ich bekomm von dieser Huschi-Fuschi-Fraktion immer wieder Brechreiz. Erinnert sich noch jemand an das Thema “Geplante Obsoleszenz”? Der Betreiber der Webseite “Murks – Nein Danke” sammelt lediglich Annektoten – erinnert einen Skeptiker unweigerlich an Heilungsgeschichten der Homöopathenfraktion. Das beispielsweise Akus in Elektrozahnbürsten aus hygienischen Gründen eingegossen ist (Bauartzulassung), wen kümmerts?
    Homöopathie? Die Grünen? Binnenkonsenz? …. dämmerts?

    Welches Loblied wurde im Fraktionskellerlein auf die Windernergie angestimmt – Herje. Heute lassen die Grünen zeitweise Windkraftanlagen außer Betrieb nehmen – Learning by Doing – man stellte fest, dass unter diesen Anlagen geschützte Vögel und Fledermäuse “zerhackt” auf dem Boden liegen. Kritiker, welche schon damals darauf hinwiesen, wurden kleingeredet.

    Anderes Beispiel? Enquetkommision 1996/98 – Sekten- und Psychomarkt? Wer hats blockiert? Genau, richtig, “Die Grünen”. Der Spökenkiekermarkt dankt es diesen heute noch.

    Und nun wieder populistisch aufbereitet – Elektrosmog durch Mobilfunkanlagen. Mein Wahlzettel wird ganz gewiss nicht grün sein, ;-).

  4. 4 Pierre Castell 20. April 2013 um 17:08

    @ Der Nesselsetzer

    Da ich schon seit über 20 Jahren mit Handy rumlaufe und wohl einer der ersten Handyoten in Deutschland war (ich erinnere mich noch daran, dass Leute hinter vorgehaltener Hand lästerten und mit ihren Händen die böse Scheibenwischerbewegung machten), beschäftige ich mich schon etwas länger mit “Strahlen, Funkwellen & Co”.

    Auch ich war verwirrt, aber nicht ganz sicher. Da ich mich – ehrlich gesagt – im Zweifelsfalle nicht blamieren wollte, habe ich nichts dazu geschrieben.

    Nun bin ich Dank Ihrer Richtigstellung ein wenig erleichtert. Gut, dass es aufmerksame Leser wie Sie, verehrter Nesselsetzer, gibt;-)

  5. 5 Amardeo Sarma 20. April 2013 um 17:15

    @Steffen und obwohl nicht das Thema selbst: Der Binnenkonsens wurde in den spät-70ern von der sozialliberalen Koaltion eingeführt und ist stets von allen Fraktionen und Regierungen gestützt und ausgebaut worden. In Sachen Paramedizin haben wir ein Problem mit allen Parteien.

  6. 6 Ralf 20. April 2013 um 19:54

    @Pierre Castell
    Leider machen auch Skeptiker Fehler und man darf nicht alles “dogmatisch” anerkennen, was die so schreiben ;-)…Nur Mut, wenn Sie einen Fehler erkennen.

  7. 7 Pierre Castell 21. April 2013 um 11:41

    @ Ralf
    Ja, sicher.
    Nur, WENN ich mich aber irren sollte, hätte ich mich zwischen den hier so vielen Akademikern wirklich volle Kanne blamiert.
    Und um mich im Zweifelsfalle in die Materie neu reinzulesen (um es nochmal konkret abzuchecken) fehlt mir die Zeit und ehrlich gesagt auch die Ausdauer.

    Zum Glück dürfte es wohl EXTREM SELTEN vorkommen, dass hier den Schreibern von Artikeln Fehler passieren…

    Und wenn doch: Dann bekommen wir erneut bestätigt, dass sich hinter den Berichten keine Schreibroboter sondern Menschen verbergen.

    Fleißige Menschen, die ihre Freizeit opfern und sich die Mühe machen, unentgeltlich uns Lesern mit interessanten Artikeln zu versorgen. An dieser Stelle mal ein besonderes DANKE dafür!

  8. 8 Bernd Harder 21. April 2013 um 11:42

    @Pierre Castell:

    << hätte ich mich zwischen den hier so vielen Akademikern wirklich volle Kanne blamiert. << Nein, wieso denn?

  9. 9 Pierre Castell 21. April 2013 um 11:56

    @ Bernd Harder:

    Nun, wenn ich einer Aussage im Bericht widerspreche und sie nach bestem Wissen korrigiere (so wie es hier “der Nesselsetzer” tat), sie dann aber doch falsch ist, würde ich das als peinliche Blamage bezeichnen. Denn ich hätte in solch einem Fall vorher sorgfältig kontrollieren müssen, ob ich mit meiner Korrektur richtig liege.

    “Der Nesselsetzer” hat zum Glück den Fehler bemerkt und darauf hingewiesen, wofür sich der Auto bedankt hat.

    Aber wie lächerlich würde es wirken, wenn z. B. ich einen scheinbaren Fehler entdecke, der allerdings gar keiner ist (weil ich mich irre)? Also mir wäre das unangenehm.

  10. 10 Bernd Harder 21. April 2013 um 12:26

    @Pierre Castell:

    << Nun, wenn ich einer Aussage im Bericht widerspreche und sie nach bestem Wissen korrigiere (so wie es hier “der Nesselsetzer” tat), sie dann aber doch falsch ist, würde ich das als peinliche Blamage bezeichnen. << Wieso, auch das passiert mir häufiger.

  11. 11 Pierre Castell 21. April 2013 um 13:00

    @ Bernd Harder
    “Wieso, auch das passiert mir häufiger.”

    Das kann man nicht vergleichen. Und zwar deshalb nicht, weil Sie hier als Autor mit Ihren unzähligen “hochwertigen” Berichten den Lesern die beste Referenz bewiesen haben. Solltes Sie sich dann tatsächlich mal irren, fällt das nicht ins Gewicht…

  12. 12 Gerry 21. April 2013 um 13:04

    Hier im Ort sind auch solche Schwachmaten als Bürgerinitiative unterwegs.

    Die wenigen Messwerte die die in den letzten 2 Jahren veröffentlicht haben liegen alle unter dem “Salzburger Vorsorgewert” von 1998 (1mW/m²).
    Trotzdem wurde auch von dieser Initiative eine Senkung der Grenzwerte gefordert.

    Na ja, es macht sich halt jeder so lächerlich wie er kann…

  13. 13 Eulenkönig 24. April 2013 um 09:49

    Selbstverständlich gibt es den Zusammenhang, dass bei schwächerem Empfang die Mobiltelefone am Kopf stärker strahlen müssen als die bei gutem Empfang. Sollte es überhaupt eine (bislang trotz aller Untersuchungen nicht gefundene) negative Beeinflussung unserer Gesundheit durch mobilfunkbedingte EM-Strahlung geben, dann ginge diese vom Handy aus, und nicht von den Masten, denn die im Körper wirksame Strahlung aus dem nahen Handy ist um ein Vielfaches höher als die vom nächstbesten Masten, selbst wenn man daneben wohnt und er mit UMTS, LTE und sonstwas ausgestattet ist.

    Man müsste also nach Befolgung dieser grünen Logik in der Tat viel mehr Masten aufstellen, um wieder eine gute Netzabdeckung in der ganzen Flächen zu erhalten. Das zahlen erst die Betreiber, aber letztlich die Mobilfunkkunden. Die werden leider beide von den Grünen nicht gefragt, die großartige “Bürgerbeteiligung” beschränkt sich hier allein auf die irrationalen Bürgerinitiativen.

    Ich wäre sehr gespannt darauf, wie die auf die vielen tausend zusätzlichen Masten reagieren würden. Ob sie sich wirklich darüber freuen? Wahrscheinlich würden sie sofort für noch viel niedrigere Grenzwerte plädieren und auch diese neuen Masten eifrig bekämpfen.

    Ich muss aber die baden-württembergische Landesregierung in Schutz nehmen. Die SPD-Seite ist nicht für eine solche drastische Absenkung der Grenzwerte (die ohnehin nur ein grüner Wunsch war) und sie will auch die Betroffenen und die Wissenschaft einbinden und fragen. Da der Antrag der Grünen aber erstmal scheiterte, läuft die Zeit nicht davon.

    Einen schönen Tag, und allzeit guten Empfang!

  14. 14 Manuel 8. Juni 2014 um 19:57

    Als Dipl.El.Ing. bin ich ja auch skeptisch und es gibt wirklich viele nutzlose Produkte. Es gibt hunderte Entstörer, Harmonisierer, Energetisierer… auf dem Markt. Die Preise schwanken zwischen 20 und 3000 Euro….. „Harmonisierung“ ändert am Feld, seiner Intensität, Frequenz, Art kein bisschen, das Feld ist und bleibt nach wie vor.

    Aber das was Ihr über die Grenzwerte schreibt und das die elektromagnetische Welle unterhalb des Grenzwertes keinen Einfluß hat ist Unsinn. Es gibt viele wissenschaftliche Studien, die eindeutig beweisen, dass Auswirkungen weit unterhalb des Grenzwertes bestehen.

    Hier nur ein paar Studien und vielleicht:

    Salzburger Landesklinken 2007 eine kurzen Exposition von 500 bis 3000 μW/m² führten zu statistisch signifikante Veränderung des Cortisolspiegels, des Immunglobulin-A-Spiegel und des es alpha-Amylase-Spiegels welche verlässliche Stress-Marker darstellen.
    (http://www.salzburg.gv.at/kurzbericht_gsm-studie_fuer_lhf_burgstaller.pdf )

    Persson B.R., Salford L.G. & Brun A. 1997: Blood-brain barrier permeability in rats exposed to electromagnetic fields used in wireless communication:
    Erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke für Albumin bei der Ratte bei gepulstem

    Feld (915 MHz, 0,0004 – 0,008 bis 1,7 – 8,3 W/kg) im Vergleich mit kontinuierlichem Feld.

    Phillips J.L., Ivaschuk O., Ishida-Jones T. et al. 1998: DNA damage in Molt-4 T-lymphoblastoid cells exposed to cellular telephone radiofrequency fields in vitro.:
    erhöhte DNA-Strangbruchrate durch Exposition gegenüber modulierten Feldern geringer Intensität (814 MHz, 2,4 mW/kg, 2, 3 oder 21 Stunden. bzw. 836 MHz, 2,6 mW/kg, 2, 3 oder 21 Stunden.) in menschlichen Lymphoblastom-Zellen.

    Höytö A., Luukkonen J., Juutilainen J. & Naarala J. 2008: Proliferation, oxidative stress and cell death in cells exposed to 872 MHz radiofrequency radiation and oxidants:
    Erhöhte Rate an DNA-Strangbrüchen und verstärkte Produktion von reaktiven Sauerstoff-Radikalen in menschlichen Neuroblastom-Zellen. Exposition gegenüber GSMmoduliertem Feld (872 MHz, 5 W/kg, 1 Std.) im Vergleich mit kontinuierlichem Feld.

    Capri M., Scarcella E., Fumelli C. et al. 2004: In vitro exposure of human lymphocytes to 900 MHz CW and GSM modulated radiofrequency: studies of proliferation, apoptosis and mitochondral membrane potential. et al. 2004:

    Exposition menschlicher Lymphozyten gegenüber einem GSM-modulierten Feld (900 MHz, 0,070 – 0,076 W/kg, 1 Std./Tag). Abnahme der Zell-Proliferation und Zunahme der Apoptose (programmierter Zelltod) im Vergleich mit kontinuierlichem Feld.

  15. 15 Amardeo Sarma 9. Juni 2014 um 12:38

    Wo sind die hier aufgeführten Studien veröffentlicht worden? Das geht hier nirgends hervor.

    Die Quellen fehlen überall.

    Beim PDF aus Salzburg handelt es sich um die Studie eines Privatunis: Am Ende steht: “Mehrere Publikationen in peer-reviewed Medizin-Journalen sind in Vorbereitung”. Wurde die Studie überhaupt irgendwo angenommen?

    Es gibt immer auch Studien mit einem positiven Ausgang auch wenn nichts dran ist. Schon statistisch muss jede 20. Studie (ohne andere Probleme, wie schlechte Methodik oder das File-Drawer Problem) positiv ausgehen.

    Man muss sich fragen, wie die Gesamtheit der Forschung aussieht.

    Die Ergebnisse des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms: Bewertung der gesundheitlichen Risiken des Mobilfunks vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als PDF findet man hier (2008).

  16. 16 Manuel 24. Juni 2014 um 16:58

    @ Amardeo Sarma

    so ein Unsinn, es ist der Autor, das Erscheinungsjahr und die genaue Bezeichnung der Studie aufgeführt. Das ist die Quelle!

    Wenn du wissen willst, wo diese überall veröffentlicht wurde, musst du dir halt die Mühe machen (ca. 1 Minute) dies in Google zu kopieren und dann siehst du schon, wo diese überall veröffentlicht wurden.

    Es gibt keine Studien mit einem positiven Ausgang, es gibt höchstens Studien, die keinen Effekt unterhalb des Grenzwertes nachweisen.

    Zum Thema Studien gibt es folgendes zu sagen:

    Forscher der Universität Bern haben 2006 in einer systematischen Analyse von Studien über die Wirkung von Mobilfunkstrahlen festgestellt „dass es bedenklich ist, wenn Unterschiede in den Studienresultaten auf die Finanzierungsart zurückzuführen sind, und nicht mit der Methodik erklärt werden können, also der Geldgeber
    einen Einfluss auf das Ergebnis hat“.

    Zu einem gleichen Ergebnis kam 2005 Prof. Henry Lai von der University in Washington der 221 Studien zum Thema
    Mobilfunk ausgewertet hatte. Er fand heraus, das wenn Studien von der Mobilfunkindustrie finanziert werden in 32 % (immerhin) ein biologischer Effekt unterhalb des Grenzwertes festgestellt wurde und in 68 % kein Effekt. Waren die Studien nicht von der Mobilfunkindustrie finanziert, dann waren wurden in 70% der Fälle biologische Effekte unterhalb des Grenzwertes festgellt und in 30 % keine Effekte. Das ist schon nachdenkenswert!

    Selbst bei BFS sind steht bei einigen Studien finanziert zu x% von dem Mobilfunkbetreiber Y, soviel zum Thema “Unabhängigkeit” des BFS.

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