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„Der Exorzist“ – und die Fakten

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Seit einigen Tagen wandert der „Live-Mitschnitt eines echten Exorzismus aus dem Jahre 1971“ durch diverse Internetportale und -foren (z.B. grenzwissenschaft-aktuell):

Schon Jahre bevor Hollywood-Filme wie „Der Exorzist“ oder „Das Omen“ das Kinopublikum schockierten, übertrug das US-amerikanische Hörfunk- und Fernseh-Network NBC einen Live-Mitschnitt eines echten Exorzismus„,

schreibt GreWi dazu:

Bis zum damaligen Sendetermin war ein Exorzismus, hier in ungewöhnlich gemeinschaftlicher Weise durchgeführt von Rev. William Derl-Davis gemeinsam mit einem spiritistischen Medium, noch nie im Fernsehen gezeigt worden […] Dieses grenzwissenschaftliche Zeitdokument von 1971 steht jetzt wieder als Online-Video zur Verfügung.“
Aber warum jetzt?
Fast könnte man auf den Gedanken kommen, das so wundersam aufgetauchte Video soll den schleppenden Absatz von „True Haunting“ ankurbeln.
Dieses Buch erschien 2011 und schildert die angeblichen Hintergründe jener Teufelsaustreibung des englischen Exorzisten William Derl-Davis und des „Mediums“ Joseph DeLouis.
Sei es, wie es sei – jedenfalls ist der NBC-Exorzismus von 1971 mitnichten das Vorbild für den Gruselschocker „Der Exorzist“, der 1973 in die Kinos kam.
Die literarische Vorlage – der Roman von William Peter Blatty – erschien zwar tatsächlich auch 1971.
Aber die Idee dazu hatte Blatty schon, als ihm als 20-jähriger Literaturstudent an der George-Washington-Universität der Zeitungsartikel „Priest Frees Mt. Rainier Boy Reported Held in Devil’s Grip“ vom 20. August 1949 in die Hände fiel.
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Das jedenfalls schreibt Blatty selbst in seinem Buch „William Peter Blatty On The Exorcist: From Novel To Film“.

Verfasser des inspirierenden Zeitungsartikels sei Bill Brinkley von der Washington Post gewesen, der …

… eines der vielleicht bemerkenswertesten Ereignisse dieser Art in der jüngsten Geschichte der Religion“

aufgedeckt haben wollte:

Ein 14-jähriger Junge sei von einem katholischen Priester durch Exorzismen aus dem „Griff des Teufels“ befreit worden. Erst nach 25 bis 30 Sitzungen, die in Washington und St. Louis stattfanden, habe das Böse den Körper des Besessenen verlassen.

Der Junge aus Mount Rainier, einer Kleinstadt bei Washington, sei bei den Austreibungen gewalttätig geworden, habe übel geflucht und lateinische Phrasen rezitiert – obwohl er diese Sprache nie gelernt hatte.

Der Priester sei zwei Monate bei dem Jungen geblieben und habe mit eigenen Augen gesehen, wie sich das Bett, in dem der Junge schlief, „von selbst“ durch den Raum bewegt habe, hieß es in dem Artikel weiter.

Blatty war von den Schilderungen fasziniert.

In seinem dokumentarischen Buch „William Peter Blatty On The Exorcist: From Novel To Film“schreibt er, er habe selbst mit dem beteiligten Exorzisten und schließlich durch dessen Assistenten, Father Raymond J. Bishop, Einsicht in ein Tagebuch erhalten, das der Kirchenmann über die schauerlichen Ereignisse führte.

Es gab also durchaus ein reales Vorbild für Blattys Bestseller „The Exorcist“ und William Friedkins gleichnamige Verfilmung. Nicht jene Dämonenaustreibung von 1971, über die die NBC berichtete, sondern einen weitaus länger zurückliegenden Fall.

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Allerdings gab es auch dabei nichts wirklich Teuflisches oder Übernatürliches, deckte 1999 der Journalist Mark Opsasnick für das Strange Magazin auf.

Der vermeintlich „Besessene“ hieß Roland Doe und lebte in Cottage City, einer 1200-Seelen-Gemeinde etwa zwei Meilen von Washington D.C. entfernt.

Von dem „vielleicht bemerkenswertesten Ereignis dieser Art in der jüngsten Religionsgeschichte“ (Washington Post) blieb am Ende von Opsasnicks Recherchen nicht viel übrig – außer einem Jungen, der von einer überfürsorglichen Mutter mit verquasten okkult-religiösen Vorstellungen erzogen wurde und dessen Tante ihn in spiritistischen Praktiken unterwiesen hatte, sowie Geistliche, die in ihrem naiven Dämonenglauben auf Roland Doe hereinfielen.

Und schließlich ein begabter Autor und ein Filmemacher, die gemeinsam einen der erfolgreichsten Schocker aller Zeiten produzierten.

Zum Weiterlesen:

  • The Haunted Boy of Cottage City: The Cold Hard Facts Behind The Story That Inspired „The Exorcist“, Strange Magazine 20
  • The Exorcist’s Assistant: A Look Back at the Late Father Walter Halloran, strangemag.com
  • Alle Beiträge zum Thema „Exorzismus“ im GWUP-Blog
  • Exorzismus: Hoaxilla-Podcast Nr. 106 vom 4. November 2012

4 Kommentare

  1. Zufällig kommt wohl auch bald „The Last Exorcism Part 2“ in die Kinos.

    Trailer:
    http://www.youtube.com/watch?v=BySJLmciR5E

    IMDB:
    http://www.imdb.de/title/tt2034139/

  2. um in zukunft zu überleben sollte sich die kirche (beide) endlich mal von solchem absurden zeuchs trennen, sünde teufel und dem ganzen erfundenem kram, ihre eigenen „sünden“ = fehler und verbrechen ehrlich aufarbeiten, die karnevalskostüme ins museum, sich normal kleiden, und die priester zu den menschen etwas „sagen“ lassen statt von erhöhten plätzen schwurbel zu verkünden.
    erstaunlicherweise haben beide kirchen schon seit jahren einzelne die das obengesagte praktizieren.
    erst dann werden die absurditäten aufhören/einschlafen
    aber , aber leider ists nur ein traum.
    mfg. diabetiker

  3. Als Exorzismus (griechisch exorkismós „das Hinausbeschwören”) wird in den Religionen die Praxis des Austreibens von Dämonen oder Teufeln aus Menschen, Tieren, Orten oder Dingen bezeichnet. In einer Generalaudienz 1972 sagt Papst Paul VI all-wissend zum Exorzismus „Wer sich weigert, diese schreckliche Wirklichkeit als bestehend anzuerkennen, verlässt den Rahmen der biblischen und kirchlichen Lehre. Sie ist geheimnisvoll und Furcht erregend“.

    Don Gabriele Amorth als Exorzismus-Guru der RKK mit fast 90 Jahren nach über 30.000 Exorzitien kann die Hauskatze nicht mehr von Dämonen unterscheiden. An der Universität Regina Apostolorum lehrt er Exorzismus gemäß De Exorcismus et Supplicationibus Quibusdam, im Jahr 2003 werden Hunderte Priester zu Exorzisten ausgebildet. Im Neusprech der Kinderficker heißt das „Beauftragte im Befreiungsdienst“. Das klingt nicht sofort nach Graf Draculas Folterkammer

    „Besessene“ haben schwerste psychische Störungen oft mit pathologischen Hirnschäden. Die Medizin kennt genetische DNA-Schäden als Prädisposition von Schizophrenie, die Patienten haben weniger Synapsen, wobei bis zu 600 verschiedene Gene an den Symptomen beteiligt sein können. Für die RKK-Exorzisten sind Dämonen an aggressiv-erotischen Gefühlen schuld, die Exorzismus-Formeln finden sich in Gebeten und im Taufritual. Nach der RKK-Definition von „Besessenheit“ werden gute Geister angefleht um die fiktiven bösen Geister zu vertreiben:

    1) göttliche Zulassung einer Krankheit, eine teuflische Heimsuchungen, Schläge, Stürze, Unfälle usw.

    2) Verwünschungen durch Andere wie eine Behexung, wenn man etwas auf den Körper legt, durch Verfluchung, den Bösen Blick, Voodoo, Macumba-Zauber usw.

    3) Umgang mit gefährlichen Personen und Orten wie Zauberer, Kartenleger, Astrologen, Hexer, Spiritisten, Freimaurer, satanische Rituale, Okkultismus, Totenbeschwörung, Satanspakte, übernatürliche Kraft, sprechen fremder Zungen (Sprachen) usw.

    4) beständig schwere und vielfache Sünde durch teuflische Heimsuchung. Das sind Verbrecher und/oder Priester, die Drogen nehmen, huren und sexuell pervers handeln.

    Der Exorzismus als Schamanentum der Bronzezeit ist Unwissen, das jeder RKK-Analphabet als Kind erlernt. Die Kinderficker Sekte weiht unbedarfte Studenten zu Exorzisten. Eine Handvoll von Beschwörungsformeln bei bizarrer Kostümierung reichen als Qualifikation. Die Austreibung der Dämonen erfolgt nach Pater Amorth durch Beichte, heilige Messe, eucharistisches Beten und Kommunion. Nur treue Religioten der Kinderficker Sekte leiden unter Dämonen, normale Menschen bekommen Aspirin, Antidepressiva, Psychopharmaka oder notfalls die Gummizelle.

    Der Tod von Anneliese Michels 1976 gilt Unfall der RKK Exorzisten mit Bischof Josef Stangl, Pfarrer Ernst Alt und Salvadorianer Arnold Renz. Die 84 Tonkassetten zum Exorzismus belegen eine bewusste Inszenierung des RKK-Klerus. Die Kreuzigung der Nonne Maricica Irina Comici 2005 durch die Priester Daniel Corogeanu und die Nonnen Anastasia, Siluana, Bahomia gilt ebenso als „Unfall“. Die Beteiligen beteuern ohne Schuld in Gottes Auftrag zu handeln, sie erhalten hohe Gefängnisstrafen. In Woronesch reißt ein Lehrerehepaar der Tochter die Därme aus dem Leib, weil der Ehemann der Teufel ist und wartet auf die Auferstehung der Toten.

  4. Auch das noch:

    The director of The Exorcist, William Friedkin, has made a doc about the Vatican’s most famed exorcist with The Devil & Father Amorth.

    http://www.denofgeek.com/us/culture/the-devil-father-amorth/270305/the-exorcist-s-william-friedkin-to-release-exorcism-documentary-in-april

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