Steve Jobs und die Pseudomedizin

Starb Steve Jobs, weil er pseudomedizinischen Behandlungsmethoden vertraute?

Diese Frage stand nach dem Krebstod des Apple-Gründers schnell im Raum, etwa im Skeptoid-Blog:

A Lesson in Treating Illness.”

Esowatch kondolierte Jobs diplomatisch mit dem allgemeinen Appell:

Wir brauchen mehr Geld für Forschung!”,

während auch Kritisch gedacht die alternativmedizinischen Abwege des 56-Jährigen (zurückhaltend) thematisierte.

Schwierige Sache.

Zwischenzeitlich sind weitere Beiträge zu dieser Problematik erschienen, etwa im Blog des US-Neurologen und Skeptikers Steven Novella (“The Complicated Legacy of Steven Jobs”), sowie im englischsprachigen Science-Blog Orac. In dem sehr ausführlichen Beitrag “Steve Jobs, neuroendocrine tumors and alternative medicine” heißt es unter anderem:

As he dieted for nine months, the tumor progressed, and took him from the high end to the low end of the survival rate.

We don’t know that this was the case, and we certainly can’t say that for sure–or even with a great deal of certainty. To reiterate, I would certainly agree that Jobs did himself no favors by waiting.

If I were his physician or the surgeon to whom he was referred, I would have done my best to talk him out of such a course of action, but I would do so more out of the uncertainty of not knowing how fast his tumor would progress.

So, is it possible, even likely, that Jobs compromised his chances of survival? Yes. Is it definite that he did? No, it’s not, at least it’s not anywhere as definite as Dunning makes it sound.

In fact, based on statistics alone, it’s unlikely that a mere nine months took Jobs “from the high end to the low end of the survival rate,” as Dunning puts it.”

Nichtsdestotrotz erfüllt uns mehr als nur leichtes Unbehagen, wenn fast parallel dazu die Heilpraktikerin Isolde Riede bei einer Tagung im Bodenseekreis ihre homöopathische “Amanita”-Krebstherapie öffentlich anpreisen darf.

Immerhin aber bekommt die Dame nicht nur bei Esowatch Gegenwind, sondern auch in der Regionalpresse (“Offene Tür für fragwürdige Krebstherapie” und “Nicht ausreichend dokumentiert”).

Damit ist der Südkurier erfreulicherweise deutlich kritischer als Die Presse in Wien, die sich dieser Tage mit einem Homöopathie-Artikel der Lächerlichkeit preisgegeben hat.

Dass “alternative Krebstherapie” bodenloser Unfug ist, kann man zum Beispiel im Blog Science-Based Medicine nachlesen.

Und Tote hat es in diesem Zusammenhang auch gerade wieder gegeben.

Nun ja, es gibt zwar ein Homöopathika “bei Schwindel”, leider aber noch keins gegen Schwindel – also gegen den homöopathischen Schwindel.

Dass vor dem Bundesverwaltungsgericht ernsthaft um die Dosierung homöopathischer Mittelchen gestritten wird, könnte man daher für Satire halten – ist es aber nicht.

Das hier ist bloß Satire – leider: “Neue EU-Verordnung schreibt Warnhinweise auf Globuli-Verpackungen vor.”

Weiter zu Teil 2.

21 Kommentare zu “Steve Jobs und die Pseudomedizin”


  1. 1 AndreasB 10. Oktober 2011 um 14:18

    Nur ein Detail am Rande: Das Blog heißt Respectful Insolence, Orac ist das Pseudonym des Autors.

  2. 2 Bernd Harder 10. Oktober 2011 um 14:31

    @Andreas: Danke.

  3. 3 Charles 10. Oktober 2011 um 21:32

    Das kann nur alles Quatsch mit Sosse sein. Verdreckt bloss Steve Jobs nicht mit solchem Mist. – Davon mal ganz abgesehen: Würden Sie, wenn Sie keine Chance mehr hätten, nicht an jedem Strohhalm festhalten? – Sie vielleicht schon oder nicht. – Steve Jobs: nicht vorzustellen. Punkt. Fertig.

  4. 4 Bernd Harder 11. Oktober 2011 um 10:23

    @Charles: Was ist daran Quatsch mit Soße? Und verdreckt wen womit?

    << Würden Sie, wenn Sie keine Chance mehr hätten, nicht an jedem Strohhalm festhalten? <<

    Bitte weniger empören, dafür gründlicher lesen: Steve Jobs hat zu einem Zeitpunkt, als er durchaus noch eine gute Chance hatte, durch wissenschaftsbasierte Medizin geheilt zu werden, auf eigene Verantwortung zu einer fragwürdigen pseudomedizinischen Behandlung gegriffen, ok?

  5. 5 Hans Meier 13. Oktober 2011 um 20:31

    Die Vermutungen über die Behandlungen die Steve Jobs gewählt – oder nicht gewählt – hat sind genau das: Vermutungen. Ich hätte etwas mehr Skepsis in diesem Blog erwartet.

  6. 6 Bernd Harder 13. Oktober 2011 um 20:34

    @Hans:

    Kann ich jetzt nicht ganz nachvollziehen – es steht drin, dass die Fragestellung schwierig und umstritten ist, und aus dem englischsprachigen Zitat geht hervor, dass die Frage kaum zu beantworten ist, was nun ursächlich fatal gewesen ist und was nicht.

  7. 7 Auggie Smith 21. Oktober 2011 um 13:27

    Heute bei Heise Online:
    http://heise-online.mobi/newsticker/meldung/US-Medien-veroeffentlichen-Auszuege-aus-offizieller-Steve-Jobs-Biografie-1364545.html

    Steve Jobs bereute laut Vorabauszügen, die operative Behandlung seines Bauchspeicheldrüsenkrebses um viele Monate herausgezögert zu haben, da sich der Tumor in diesem Zeitraum deutlich vergrößerte.

  8. 8 Daniel Fischer 21. Oktober 2011 um 15:05

    Dito im Guardian: “Walter Isaacson describes how Jobs initially tried to treat his pancreatic cancer with alternative therapies, including healing”.

  9. 9 rosableu 30. Januar 2013 um 06:18

    Zum einen denke ich jeder Mensch sollte für sich entscheiden dürfen, wie er sich egal wann behandeln möchte.
    Zweitens ist eine Ernährungsumstellung nicht gleichzusetzen mit einer Behandlung in klassischer Homöopathie.
    Und drittens hat er durchaus andere und konventionelle Therapien genutzt.

    Wären Statistiken sicher , wäre jeder persönliche Heilungsweg berechenbar und ist das nicht eher ein Wunsch wie eine Tatsache?

  10. 10 Bernd Harder 30. Januar 2013 um 10:53

    @rosableu: Da haben Sie schon recht.

    Andererseits haben umgekehrt natürlich auch wir (und andere “Skeptiker”/Kritiker) die Freiheit, darauf hinzuweisen, dass Patienten sich mit solchen Therapien in Lebensgefahr bringen oder möglicherweise daran gestorben sind.

    Denn vielleicht übersehen Sie eventuell ein wenig den Vorbildcharakter, den “Prominente” wie Steve Jobs für viele andere Menschen haben/hatten.

    Was die “Krebsdiät” angeht:

    http://www.rp-online.de/gesundheit/krebs/das-maerchen-von-der-krebsdiaet-1.2691260

  11. 11 Pierre Castell 30. Januar 2013 um 12:10

    @ Bernd Harder

    Das mit Steve Jobs war mir so auch noch nicht bekannt. Erstaunlich, dass so ein knallharter Geschäftsmann – was sein Leben angeht – derart unvernünftig handelt…

    Herr Harder, was man durch Ihren Blog alles erfährt, ist grandios. Respekt und vielen Dank für Ihre tägliche Mühe!

  12. 12 Bernd Harder 30. Januar 2013 um 12:10

    @Pierre Castell:

    Danke, sehr nett.

  13. 13 Bernd Harder 31. Januar 2013 um 11:15

    Im neuen “Skeptic”-Magazine geht es um das Titelthema “Steve Jobs und die Pseudomedizin” – werde ich mal lesen:

    http://www.skeptic.com/magazine/

  14. 14 Pierre Castell 31. Januar 2013 um 13:14

    @ Bernd Harder

    “…werd ich mal lesen…!”

    Nicht nur Sie – der Artikel ist auch für mich heute Abend vorgesehen (sowas muss ich in Ruhe lesen).

    Ein erneutes Danke für diesen hochinteressanten Link.

  15. 15 Bernd Harder 31. Januar 2013 um 13:18

    @Pierre Castell:

    Ich fürchte, es ist nur das Inhaltsverzeichnis online, nicht der Artikel.

    Hier scheint es eine ältere Version zu geben:

    http://www.skepticblog.org/2012/06/19/the-reality-distortion-field/

  16. 16 Pierre Castell 31. Januar 2013 um 13:25

    @ Bernd Harder
    Bin auch irritiert. War gerade auf der Website und sah nur die Titelseite. Gut, dann lese ich natürlich auch gerne die ältere Version, wobei mich der aktuelle Artikel verständlicherweise noch mehr interessiert hätte. Wird hoffentlich nicht zu lange dauern, bis die aktuelle Version online ist.

  17. 17 Vicky 31. Januar 2013 um 15:52

    Der Artikel ist hinter einer “Paywall”, und da es sich um die Coverstory handelt würde ich nicht damit rechnen, dass man die irgendwann demnächst kostenlos lesen kann – aber mit 4$ (momentan um 3€) für den Download (ganzes Magazin) kann man denke ich leben.

  18. 18 Pierre Castell 31. Januar 2013 um 20:36

    @ Vicky
    Ich tendiere dann aber mehr dazu, mir am Kölner Hauptbahnhof im Laden “Internationale Presse” das komplette Magazin zu kaufen…

  19. 19 Bernd Harder 31. Januar 2013 um 20:37

    @Pierre Castell: Das wäre für mich eine Sensation, wenn es das dort gäbe.

  20. 20 Vicky 31. Januar 2013 um 21:50

    @Pierre Castell
    Kann ich verstehen, ich halte auch lieber ein Heft in Händen als am PC zu lesen, aber ich wohne “auf dem Land”, so dass die Fahrt die ich auf mich nehmen müsste um eines zu bekommen teurer wäre als das das digitale Heft, vermutlich könnte ich mir sogar günstiger zuschicken lassen.

  21. 21 Pierre Castell 31. Januar 2013 um 21:59

    @ Bernd Harder
    Dies war nur ein Gedanke. Habe mich mit der Zeitschrift noch nicht auseinandergesetzt. Wenn dies eine Fachzeitschrift mit kleiner Auflage ist, dann wird da wohl nichts draus. Hatte in meiner Naivität einfach mal dumm gedacht, weil die dort in dem Laden im Hauptbahnhof ein riesiges Sortimnent sehr vieler Magazine haben. Allerdings muss ich gestehen, dass meine Erfahrungen diesbezgl. nicht die neuesten sind. Ist schon ca. 6 Jahre her, als ich dort zuletzt eine ausländische Zeitschrift kaufte (eine serbische Zeitschrift – und die war kommerziell).

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