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Top-Wissenschaft und Spitzenhumor: „Science Busters“ auf Tournee

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Die „Science Busters“ sind für den Kommunikator des Jahres 2010 nominiert, eine Auszeichnung des Public-Relations-Verbands Austria. In der Begründung heißt es:

Das Quartett versteht es, auf breiter Ebene technisch-naturwissenschaftliche Inhalte auf lustvolle und unterhaltsame Weise zu vermitteln und liefert damit die überzeugende Demonstration davon, dass Physik nicht mehr das meistgehasste Fach der Schule sein muss und Wissenschaft durchaus für alle verständlich sein kann.“

Abstimmen (bis zum 20.10.) kann jeder, und zwar hier.

An diesem Donnerstag (14. Oktober) startet zudem die Deutschland-Tournee der „heißesten Science-Boygroup des Universums“. Die Premiere von „Wer nichts weiß, muss alles glauben“ ist in Hamburg (St. Pauli-Theater), danach geht’s nach Bremen, Dresden, Bonn, Karlsruhe, Frankfurt, Stuttgart, Berlin und Hannover. Kurz vor dem Tour-Auftakt sprachen wir mit dem „Science Buster“ Prof. Dr. Heinz Oberhummer:

Herr Professor Oberhummer, Sie haben bedeutende wissenschaftliche Beiträge zur Astrophysik und Kosmologie geleistet – hätten Sie je gedacht, nach Ihrer Emeritierung auf der Kabarett-Bühne zu stehen?

Allenfalls in meinen kühnsten Träumen hätte ich mir das während meiner Universitätslaufbahn vorstellen können. Oder dass ein Projekt wie die „Science Busters“ überhaupt Erfolg haben könnte. Aber jetzt bin ich schon seit vier Jahren nicht mehr an der Uni und kann endlich das machen, was ich immer schon machen wollte: nämlich den Leuten – und insbesondere der jungen Generation – zu erzählen, wie faszinierend Naturwissenschaft und Technik ist. Und dabei habe ich erfahren, dass die breite Öffentlichkeit sehr wohl an Physik interessiert ist. Man muss das Ganze nur unterhaltsam, spannend und vor allem verständlich rüberbringen.“

Unterhaltsam, spannend, verständlich: Für die meisten Ihrer Fachkollegen an den Universitäten sind das gleich drei Reizwörter auf einmal.

Ja, leider. Noch vor einem Jahrzehnt spielten Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit fast gar keine Rolle, wenn es um Beförderungen oder um die Besetzung von Hochschullehrerstellen ging. Das hat sich in den letzten Jahren etwas gebessert. Dennoch wäre aus meiner Sicht zu fordern, dass populärwissenschaftliches Engagement ebenso eine Rolle spielen sollte wie die Anzahl der Fachpublikationen, wenn es um die Entscheidung geht, ob jemand Professor wird.“

Allerdings sind Bühnenprogramme wie die der „Science Busters“ auch ziemlich zeitaufwändig.

Das stimmt. Früher, während meiner aktiven akademischen Laufbahn, hätte ich schon aus diesem Grund niemals Wissenschaftskabarett machen, regelmäßig im Radio und im Fernsehen auftreten oder Audio- und Video-Podcasts produzieren können. Denn die Popularisierung von Wissenschaft ist, wenn man das Ganze ernsthaft betreibt, in der Tat äußerst aufwändig. Einen Fachvortrag kann ich praktisch aus dem Stegreif halten – eine populärwissenschaftliche Präsentation dagegen braucht viel Zeit und ist harte Arbeit, um die fachlichen Inhalte so in Bilder und Sätze zu packen, dass sie auch verständlich sind.“

Professoren, die bei den Studenten sehr beliebt sind, werden von ihren Kollegen oft geschnitten. Erleben Sie mit den „Science Busters“ dasselbe?

Es gibt schon Kolleginnen und Kollegen, die neidisch sind. Ich verstehe das auch. Die arbeiten intensiv und hingebungsvoll an ihrer wissenschaftlichen Karriere und kommen trotzdem kaum in den Medien vor, während unsere Aktivitäten einige Aufmerksamkeit erregen. Aber insbesondere die wissenschaftlich hervorragenden und bekannten Kollegen begrüßen unser Engagement sehr und gratulieren uns zu unseren Erfolgen. Auch die Nominierung zum Kommunikator des Jahres wird in universitären und akademischen Kreisen die Wertschätzung unserer Arbeit sicherlich verbessern.“

Was können die „Science Busters“ denn realistischerweise bewirken? Wer an Engel glaubt, wird sich kaum von Ihrer Argumentation beeindrucken lassen, der Erzengel Gabriel „hätte ausgeschaut wie ein magersüchtiger Skispringer mit einer Flügelspannweite von neun bis zwölf Meter“.

Nein, mit überzeugten Gläubigen und/oder Esoterikern kann man nicht ernsthaft diskutieren. Also man kann es schon – es bringt bloß nichts. Aber es gibt eine nicht geringe Zahl von Unentschlossenen, die beispielsweise schon viel von Homöopathie gehört haben, aber nicht recht wissen, was sie davon halten sollen. Und diese Menschen wollen wir auf unsere Seite ziehen. Mit unseren Mitteln, und das sind in erster Linie Humor und Satire. Bei den Science Busters kann man über Homöopathen, Exorzisten, Ufo-Kontaktler, Seher und Nahrungslose lachen. Und wenn man über etwas lacht, nimmt man es nicht mehr ernst.“

Ein ausführliches Interview mit den „Science Busters“ steht im nächsten Skeptiker (4/2010) zu lesen, der Anfang Dezember erscheint.

Das Buch zur Tournee:

2 Kommentare

  1. Ich war in Dresden zur Vorstellung mit meinem 9 Jährigen Sohn und war absolut begeistert. Mein Freund Ronny Siegel war auch mit dabei und beschrieb hier seine Erfahrung. http://www.ploync.de/zeitgeschehen/294-die-science-busters-und-ihre-stippvisite-im-dresdner-wechselbad.html

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