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„Präpotente Quadratschädel“: Deutsche Coronaflüchtlinge in Colonia Independencia

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Spiegel-Reporter Guido Mingels hat deutsche „Coronaflüchlinge“ in Paraguay besucht – oder wollte es zumindest. Allerdings bekam er „von den meisten keine Antworten“ auf seine Fragen:

Ein Auftritt in der „Systempresse“ ist für viele hier so verlockend wie eine Dreifachimpfung.

Und so geht es in seiner Geschichte „Oh, wie schön ist Paraguay“ eher um die deutsche Siedlung Colonia Independencia an sich, eine halbe Autotagesreise östlich der Hauptstadt Asunción gelegen, in der rund 30.000 Menschen leben:

Wie viele Deutsche nach Paraguay gekommen sind während der Pandemie, ist schwer zu beziffern. Die nationale Migrationsbehörde verzeichnete von 2020 bis Ende Mai 2023 rund 12.500 Anträge auf Aufenthaltsbewilligungen von Deutschen […] Der Bürgermeister von Colonia Independencia, José A. Resquin, schätzt die Welle der Neuankömmlinge während der Pandemie auf etwa 2000.

Das Wenige, was man über die geflohenen Impfgegner erfährt, berichten Altkolonisten dem Mann vom Spiegel:

  • Die neuen deutschen Zuwanderer seien „zu 90 Prozent Arschlöcher“. Außerdem „präpotente Quadratschädel“. Und „Hornochsen“. Alle jammerten nur und könnten einander nicht leiden.
  • „Nur Yogastunden anbieten oder Biogemüse ziehen reicht nicht“, viele fänden kein dauerhaftes Auskommen und unterschätzten die Kosten und Herausforderungen des Expat-Lebens in einem Schwellenland.
  • „Die Neuen wollen sich nicht integrieren.“ Die meisten sprächen kein Spanisch und lernten es auch nicht. Sie schickten zwar ihre Kinder an die Schule, wollten aber während der Pandemie die Maskenpflicht nicht einhalten, mogelten sich um die Masernimpfung herum, meckerten über die Unterrichtsmethoden. Für den deutschen Kirchenchor oder die deutsche Theatergruppe im Ort, die es schon seit vielen Jahrzehnten gibt, interessierten sie sich nicht.

  • Für die Deutsche Schule allerdings, gegründet 1956, waren die Neuankömmlinge „ein Segen“, wenn nicht gar die Rettung. Rund hundert neue Kinder habe die Privatschule bekommen, die Gesamtzahl wurde fast verdoppelt.
  • Das Virus, das in Deutschland aus Medien und Politik weitgehend verschwunden ist, lebt hier weiter in den Köpfen und Debatten, als gemeinsames Feindbild.

Nach „fünf Tagen und ein paar Dutzend Begegnungen in Colonia Independencia“ zieht der Reporter das Fazit:

Viele hier tun einem leid, weil sie sich unrettbar in ihren schiefen Weltbildern verlaufen haben. Und weil sie in der Fremde aus eigenem Verschulden genauso isoliert und ausgestoßen bleiben, wie sie sich in Deutschland fühlten. Andere machen einen wütend, besonders wenn sie ihre Kinder mitgeschleppt haben, denen sie ihren Wahn einbläuen und die für alles nichts können.

Daneben gebe es in Colonia Independencia natürlich auch „ein paar richtige Leben zwischen den falschen“.

Zum Weiterlesen:

  • Das vermeintliche Paradies der Corona-Freiheit: „Heilpraktiker, Wunderheiler und rechte Impfgegner“ in Paraguay, GWUP-Blog am 26. Dezember 2021
  • Video: Impfgegner in Paraguay, GWUP-Blog am 18. August 2022
  • Oh, wie schön ist Paraguay, spiegel+ am 23. Juli 2023

2 Kommentare

  1. Ich verlinke hier mal den folgenden Artikel, auch wenn er weniger mit Leerdenkern als mehr mit asymptomatischen Coronainfektionen zu tun hat.

    Studien haben gezeigt, dass mindestens 20 % der mit SARS-CoV-2 infizierten Personen asymptomatisch bleiben. Obwohl sich die meisten globalen Bemühungen auf schwere Erkrankungen bei COVID-19 konzentriert haben, bietet die Untersuchung asymptomatischer Infektionen eine einzigartige Gelegenheit, frühe immunologische Merkmale zu untersuchen, die eine schnelle Virusausscheidung fördern. Mit der Annahme, dass Variationen in den humanen Leukozyten-Antigen (HLA)-Loci den Prozessen zugrunde liegen, die eine asymptomatische Infektion vermitteln, haben wir 29.947 Personen, für die hochauflösende HLA-Genotypisierungsdaten verfügbar waren, in eine Smartphone-basierte Studie aufgenommen, die darauf ausgelegt war, COVID-19-Symptome und -Ergebnisse zu verfolgen.

    übersetzt mit DeepL

    https://www.nature.com/articles/s41586-023-06331-x

  2. Arte Re: Deutsche Querdenker in Paraguay

    Seit der Corona-Pandemie wanderten circa 2.500 Deutsche nach Paraguay aus. In Kolonien wie dem El Paraiso Verde, erhoffen sie sich ein Leben ohne Corona-Restriktionen in angenehmen Temperaturen. Auch die Maskenbildnerin Irina träumte vom Auswandern – und ist heute ernüchtert. Das Problem: Ihre Tochter ist dortgeblieben. Jetzt kämpft Irina um ihre Rückkehr.

    2016 gründete der Ex-Scientologe Erwin Annau das El Paraiso Verde, das grüne Paradies. Corona-Geimpfte sind dort unerwünscht. Er und seine Frau Sylvia verwandelten ein Feuchtgebiet von 16 Quadratkilometern im Süden von Paraguay in eine gigantische Gated Community mit bewaffneten Aufpassern.
    Die Maskenbildnerin Irina aus Dresden glaubte anfangs an die Versprechungen von einem sorgenfreien Leben bei sonnigem Wetter in einer fröhlichen Gemeinschaft. Sie zahlte für ein Haus im „grünen Paradies“ Geld an. Heute ist sie ernüchtert und kämpft um die Rückkehr ihrer Tochter, die im El Paraiso Verde geblieben ist.

    Auch andere deutsche Siedler sind enttäuscht. Sie sehen sich durch das undurchsichtige Geschäftsmodell des grünen Paradieses um ihre Ersparnisse gebracht. Viele gehen jetzt gerichtlich gegen die Betreiber vor.

    https://www.youtube.com/watch?v=DTGYbAy_vjo

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