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„Verschwörung & Fakten“: Die Radikalisierung der Ulrike Guérot

| 40 Kommentare

Im Oktober 2021 ist das letzte Video von Verschwörung & Fakten zu Ulrike Guérot erschienen.

Seitdem hat die Politikwissenschaftlerin einen obskuren Brief von „81 Wissenschaftlern“ an die Bundestagsabgeordneten mitunterzeichnet, in dem eine Corona-Impfpflicht kurzerhand für „verfassungwidrig“ erklärt wird.

Joseph Kuhn schreibt dazu in seinem Blog Gesundheits-Check:

Das Papier enthält so ziemlich alles, was in den letzten Monaten an gefälligen Studien und eigenwilligen Datenanalysen in der [Querdenker-] Szene ventiliert wurde. Die Evidenzgrundlagen des wissenschaftlichen Mainstreams fehlen dagegen weitgehend, die ganz abgedrehten Sachen von Sucharit Bhakdi, Stefan Lanka & Co. übrigens auch.

Man hat sich sichtlich um seriös erscheinende Pseudowissenschaft bemüht.

In dem verschwörungsideologischen Blog Rubikon News veröffentlichte Guérot einen „Exklusivabdruck“ aus ihrem neuen Buch „Wer schweigt, stimmt zu“, der sich wie ein Hyperventilationsanfall liest:

Zuerst räumen wir auf, jeder in seinem Land. Wir überantworten die Verantwortlichen dem Internationalen Strafgerichtshof, sollte sich herausstellen, dass es nicht die Fledermaus war, sondern doch ein Labor, das uns das Virus beschert hat, wie der dänische Sonderbeauftragte der UNO kürzlich leakte. Wir bitten die USA, sich um Anthony Fauci und Bill Gates zu kümmern.

Wir schließen die Weltgesundheitsorganisation WHO und durchforsten ihre finanziellen Verstrickungen mit der Pharmaindustrie. Wir lassen die dunklen Gestalten von Pfizer und Co nicht entkommen, wie wir damals, vor zehn Jahren, die Banker haben entkommen lassen.

Wir setzen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss ein. Wir wählen einen neuen Kanzler, der wieder rote Linien kennt. Wir ernennen neue Verfassungsrichter, die wieder das Recht und die Freiheit verteidigen, anstatt uns zu sagen, dass Not kein Gebot kennt. Wir entlassen alle Mitglieder des Ethikrates, die permanent Ethik und Politik verwechselt und sich dem biopolitischen System angebiedert haben, anstatt Menschlichkeit und Würde zu verteidigen.

Wir verweigern ein zentrales Impfregister. Wir verzeihen den Intellektuellen, die uns durch Schweigen verraten haben — und das waren viele —, und geben ihnen das Buch von Julien Benda Der Verrat der Intellektuellen von 1927 zu lesen. Wir weisen sie darauf hin, dass es ihre Aufgabe gewesen wäre, die Banalität des Guten zu durchschauen und die Freiheit zu verteidigen.

Was soll man dazu sagen, außer vielleicht:

Das Erschreckende daran ist, dass Guérot ernsthaft zu glauben scheint, mit solchen Ausfälligkeiten zu deeskalieren und nach Möglichkeiten „sozialer Heilung“ zu suchen, wie das Cicero-Magazin erklärt.

Das ist ähnlich daneben wie seinerzeit das (von ihr ebenfalls mitgetragene) „Corona-Aussöhnungspapier“, das in Inhalt und Wortwahl mitnichten zu einer wie auch immer gearteten „Aussöhnung“ beiträgt (dazu z.B. hier und hier).

Ein weiterer Buchauszug findet sich bei Telepolis:

Die Frage ist, ob es dabei wirklich nur um den Schutz vor Corona, Immunität oder gar Gesundheit geht oder um die Installation von Bewegungs- und mithin Überwachungssystemen, vorangetrieben, als nächstem Wertschöpfungszyklus, von einer gigantischen Tech-Branche, deren Namen alle kennen – Google, Amazon & Co. –, die wiederum auf das engste verbandelt ist mit Finanzgiganten wie Blackrock oder Vanguard. Beide zusammen übernehmen jetzt den „Sicherheitsrat“ des autoritären Kapitalismus.

Wenn wir uns an den üblichen Kennzeichen einer Verschwörungstheorie orientieren (Nichts ist so, wie es scheint; alles, was auf der Welt geschieht, wird von Hintergrundmächten in negativer Absicht planvoll manipuliert) – wie soll man Guérots Ausführungen dann anders nennen?

Dass die Politologin sich hier „in die Dystopie eines alles umfassenden biotechnologischen Überwachungsstaates hineinsteigert“, ist noch milde ausgedrückt.

Deutlichere Worte findet Verschwörung & Fakten in einem neuen Video:

Ich habe mich wohl geirrt. Ich attestierte Guérot 2021, „nur“ Desinformation und Fake News zu verbreiten […] Wir brauchen als Gesellschaft kritische Denkanstöße zum Thema Freiheit. Diese müssen und sollen vorherrschende Diskurse irritieren.

Das ist aber nur sinnvoll und zielführend, wenn man dabei auf dem Boden der Wissenschaft bleibt. Empirie, Statistik oder naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu leugnen, weil sie nicht in die eigene Position passen, ist dabei schädlich. Und häufig der erste Schritt in Richtung Verschwörungserzählung.

Zum Weiterlesen:

  • Video: „Ulrike Guérot goes Querdenken?“ – Teil 3 bei „Verschwörung & Fakten“, GWUP-Blog am 8. Oktober 2021
  • Wissenschaftlicher Konsens, Evidenzsynthesen und Verunsicherungsbomben, Gesundheits-Check am 11. März 2022
  • Harald Walach, der Verschwörungstheoretiker, Gesundheits-Check am 12. März 2022
  • Markus Gabriel in der Höhle des Löwen oder auf dem Weg in den Obskurantismus? Gesundheits-Check am 13. März 2022

40 Kommentare

  1. „Von Querdenken zu 9/11-Verschwörungstheorien: Ein Thread zu Ulrike Guérot“:

    https://twitter.com/lust_bonn/status/1432704926912757762

  2. Wenn dieser Vergleich wirklich von Frau Guerot ist – ich verstehe ihn nicht. Geht das nur mir so?

    https://twitter.com/NameUnklar/status/1503800476344668176

  3. @ Martina Rehken:

    Nein, geht mir auch so. Der Text ist unsinnig. Blut allerdings spende ich schon heute.

  4. @Ich/Martina:

    Ich auch:

    https://www.facebook.com/bernd.harder.92/posts/4220896261271177

    Ich habe jetzt einige Minuten ernsthaft angestrengt über diese Passage von UG nachgedacht – keine Ahnung, was das soll.

    Also eine Impfpflicht ist der erste Schritt zum Organraub, oder was?

    Die Dame hat zu viele Filme gesehen

    https://de.wikipedia.org/wiki/Fleisch_(1979)

    oder Romane gelesen (wobei dieses Buch großartig ist):

    https://de.wikipedia.org/wiki/Alles,_was_wir_geben_mussten_(Roman)

  5. Ausufernde lebenspraktische Hinweise der Ulrike G.

    Heute fragt Sie Ihr Nachbar, für einen Handgriff zwei Minuten rüberzukommen. Morgen fragt Sie Ihr Nachbar, ob Sie sich von ihm auf Lebenszeit willenlos versklaven lassen.

    Heute helfen Sie einem blutenden Radfahrer auf die Beine. Morgen stehen Sie 24/7 allen Radfahrern dieser Welt zur Verfügung.

    Heute gehen Sie in die Badewanne. Morgen versinken Sie im Marianengraben.

    Heute setzt der Fußballer zum Kopfball an. Morgen prallt sein Kopf gegen den Mond.

    Immer Vorsicht.

  6. … Wenn Sie heute an Ihren Nächsten denken, dann werden Sie morgen in die Sklaverei verkauft werden.

    Habe ich Frau Prof. G. jetzt richtig verstanden?

  7. Ich kann aus inzwischen mehreren Diskussionen über die „Ausfälligkeiten“ (nett formuliert) der Dame bestätigen:

    Ihre Anhängerschaft sieht in ihr offenbar eine Lichtgestalt menschlichen Wohls und in ihren Thesen eine Botschaft wahrhaft göttlicher Weisheit und unendlichen empathischen Wohlwollens.

    Nix Faschismus, nix Dystopie. Best woman since Jesus!

    Dass hier unverhohlene Machtansprüche artikuliert werden, Aufrufe zu einer „Abrechnung“ (Stichwort Nürnberg 2.0), garniert mit der Ankündigung von Teilamnestien … , wird nicht gesehen.

    Damit scheint sie einen Zentralnerv von Teilen der Querdenker-Szene zu treffen. Ich meinerseits zerbreche mir den Kopf darüber, wie ein intelligenter Mensch so abdrehen kann.

  8. Habe das Buch heute gekauft und das Quergedachte quergelesen. Frau Guérot hat kein nachdenkliches Buch geschrieben, sondern ein agitatorisches Pamphlet:

    Das Virus ist recht harmlos (aber vermutlich aus dem Labor), die Impfung wirkungslos, die Impfschäden enorm (unter Verweis auf Kuhbandner), die Regierung verbohrt, die Bevölkerung ideologisiert, die Wissenschaft korrupt, Gerichte und Medien haben versagt und hinter allem steht eine abgrundtief bösartige Macht, „die um ihr Ableben weiß“ (…) und nichts andere kennt „als die Negation des Lebens“.

    Vieles ist schlicht sachlich falsch, ganze Passagen strotzen vor logischen Bocksprüngen, manches hat Satire-Qualität.

    So schreibt sie z.B. am Ende ihrer oben im Blog angesprochenen Abrechnungsphantasien, „wir“ werden der UN-Charta einen Satz anfügen, in dem „wir ein „Recht auf analoges Leben (…)“ fordern, also ein Recht darauf, ohne Smartphone leben zu können.“ Ich finde, das Recht auf Latte macchiato und ein Leben ohne Dosenbier sollte da auch stehen.

    Eingangs berichtet sie, sie sei im März 2020 von österreichischen Polizisten von einer Parkbank aus der Frühlingssonne gescheucht worden. Sicher absurd, aber derart traumatisierend, dass es einen mental völlig entgleisen lässt?

    Dieses Buch hat das Potential, ihr akademischer Grabstein zu werden.

  9. @Joseph Kuhn:

    Dieses Buch hat das Potential, ihr akademischer Grabstein zu werden.

    Aber nicht doch – alles nur eine „Rufmordkampagne“, auf die sie immer wieder verweist.

    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1162039.corona-ausgrenzung-untergraebt-demokratie.html

  10. Erschreckend, dass Menschen sich selbst für demokratisch und menschenrechtlich argumentierend halten und dabei solch faschistische Träume niederschreiben wie Frau Guérot. Sie qualifiziert sich damit für die nächste Konferenz an Kubitscheks Institut für Staatspolitik und für einen Platz im europäischen Wahkampfteam von Trump…

    Es ist unfassbar, wie man sich derart selbstgerecht in eine Parallelrealität reinsteigern kann. Zeit für die Uni Bonn zu handeln!

  11. Ja, es ist erschreckend und zutiefst traurig. Diese Frau muss irgendwo falsch abgebogen und in den Kaninchenbau der alternativen Parallelwelt abgetaucht sein, in der alles Kopf steht, Schwarz Weiß, Krieg Frieden und Lüge Wahrheit ist.

    Es liegt mir fern diese Frau zu verteidigen, aber auch sie ist ein Opfer. Wie um alles in der Welt soll man auch ohne Hilfe diese perfide Propaganda-Maschinerie durchschauen? Unmöglich. Irgendwo sind da die Einfallstore, die dann weiter zu neurechten, illiberalen, rechtsnationalen, antisemitischen und sektiererischen Inhalten führen.

    Es sind aber nicht nur die. Wir müssen auch über diese alternative Ökoszene reden, die den oben genannten in Sachen Holzköpfigkeit in nichts nachsteht und langsam dabei ist völlig durchzuknallen. Neulich schimpfte eine Frau, weil jemand die Enten mit Weißbrot fütterte. Weißbrot sei bekanntlich Abfall. Achso dachte ich, ich war der Auffassung es sei ein Lebensmittel. Ich verstehe, dass es da mit Weizen gewisse Unverträglichkeiten gibt, aber zu sagen Weißbrot sei Abfall, ist dann doch ziemlicher Unsinn. Was würde wohl ein Jemenit über solch eine Aussage denken?

    Vielleicht sind das die Einfallstore, vielleicht ist es vom bösen Zucker und dem bösen Weißbrot ja nicht mehr weit zum bösen Impfstoff. Von dort aus kommt man direkt zur bösen Pharmaindustrie, Bill Gates ist da auch gleich um die Ecke, Plandemie, Great Reset, und die Straße weiter unten findet man direkt die Eliten, die Juden und die Reptiloiden. Kann man nicht verfehlen.

    Jedenfalls sollte jemand in Guerots Umfeld recht bald mal Klartext mit ihr reden. Es macht schon ein wenig Angst wenn man bedenkt, dass da draußen eine nicht unwesentliche Menge Menschen fehlgeleitet, aufgestachelt und mit übelsten Lügen vollgepumpt wurde.

  12. @ Arthur Dent:

    Ich vermute mal, ihr Umfeld ist schon ziemlich einseitig geworden, da wird kaum mehr jemand sein, der Klartext mit ihr sprechen kann oder will. In ihrem Buch schreibt sie ständig von irgendwelchen Freunden bei Zeitungen, Fernsehsendern oder sonstwo, die ihr bestätigen würden, was sie denkt.

  13. @Joseph Kuhn

    Ich denke, ihr berufliches Umfeld war gemeint. Sie ist ja offenbar Professorin an der Uni Bonn. Da hat sie dann auch vorgesetzte, z.B Rektor und Kanzler der Uni, sollte sie, was ich jetzt nicht nachgeprüft habe, in ihrem Fachbereich ganz oben stehen. Ansonsten gibt es ja auch noch innerhalb der Fachbereiche, Institute und Fakultäten diverse Leute, die was zu sagen haben.

    @Arthur Dent

    „Es liegt mir fern diese Frau zu verteidigen, aber auch sie ist ein Opfer. Wie um alles in der Welt soll man auch ohne Hilfe diese perfide Propaganda-Maschinerie durchschauen? Unmöglich.“

    Dem würde ich nur zustimmen, wenn Frau Guérot nicht habilitierte Akademikerin wäre. Man sollte irgendwann in der Laufbahn zur Professorin mal gelernt haben, wie man mit Informationen umgeht, gute von schlechten Quellen unterscheidet etc.

    Wäre sie die Ulli von nebenan, die nach dem Schulabschluss nie mehr was von wissenschaftlichem Denken gehört hat und die von Kollegen, die ihren Abschluss am Stammtisch gemacht haben, mit dem Querdenkerkram ständig zugesülzt wird, dann wäre sie ein Opfer.

  14. @Bernd Hader:
    Respekt! 300 Plasmaspenden…
    Finde ich gut.

  15. @Christian Becker

    Entschuldigen Sie, aber ich verstehe Ihre Argumentation nicht ganz. Ist man nur dann ein Opfer, wenn man keine Qualifikation besitzt? Nun, wie erklären sie sich dann ihr Verhalten? Ihr Fall ist umso dramatischer, weil sie trotz ihrer Qualifikation erfolgreich desinformiert wurde.

    Guérot is klar dem linken Spektrum zuzuordnen, also ist sie Antifaschistin. Das perfide an dieser neuen Art der Desinformation ist, dass anti-demokratische Inhalte im Gewand des Antifaschismus daherkommen.

    4 Jahre Trump im Weißen Haus waren schon alarmierend, und wenn man sich die Vordenker Putins wie Iwan Iljin ansieht, ist es denke ich nicht allzu übertrieben zu sagen, dass die Gefahr des Faschismus ziemlich konkret ist.

    Viele, die das Kapitol gestürmt haben, dachten sie würden die Demokratie retten, während sie eigentlich dabei waren das Gegenteil zu tun. Viele äußerten in kurzen Interviews, dass sie Trump so gut fänden, weil er als einziger noch für die Demokratie einträte. Die meisten können diese gewaltige Hinterlistigkeit und Verlogenheit nicht durchschauen.

    Frau Guérot hat mehrfach öffentlich gefordert die Nationalstaaten zu überwinden und in einen Europäischen Bundesstaat einzubetten. Ich kann mir vorstellen, dass sie gezielt geködert oder angegriffen wurde. Ich halte mittlerweile so ziemlich alles für möglich. EU-Gegner gibt es genug. Nun ist sie wohl außer Gefecht und äußert faschistoide Dinge ohne es anscheinend zu merken.

    Vielleicht hat sie vergessen, was sie in ihrer Akademiker-Laufbahn gelernt hat. Jemand muss ihr nun helfen, sich zu erinnern.

  16. @ Arthur Dent

    Die Ursachendes Abdriftens liegen vermutlich im emotionalen Bereich, rationales Denken wird ausgeschaltet.

    Z.B. Universitätsdozentin, Biologin, driftet massiv in die Esoterikszene ab, nachdem es keine Weiterbeschäftigung für die als wissenschaftliche Mitarbeiterin mehr gibt.

    Ulrike Guerot muss nicht unbedingt eine Lebenskrise haben, aber es geht ja beim Abdriften in VTs darum, irgendetwas emotional/kognitiv belastendes einzuordnen.

    Erschreckend ist, dass auch eine sehr gute Ausbildung nicht davor schützt, die Bodenhaftung zu verlieren.
    Und dass dem immer wieder ein Forum geboten wird.

  17. @Arthur Dent

    Meiner Meinung nach ist man dann Opfer, wenn man nichts für das kann, was mit einem geschieht.

    Dies wäre im Falle von solchem Verschwörungsgeschwurbel meiner Meinung nach jemand, der von wissenschaftlichem Denken und kritischem Umgang mit Informationen und der Bewertung von Quellen nicht viel am Hut hat, in dieser Hinsicht also unqualifiziert ist.

  18. @ Arthur Dent:

    Da fehlt mir die Verantwortung der mündigen Professorin, Erwachsenen, Frau. Du und ich und die meisten hier sind doch augenscheinlich nicht auf irgendwelche Köder reingefallen.

    Das Gewand des Antifaschismus, das sich Leute wie Trump, Putin oder diverse Querdenker umlegen, ist doch offensichtlich ein fadenscheiniger Mantel, der ziemlich gut zu erkennen ist. Ein Opfer scheint sie mir nicht zu sein, jedenfalls kein so einfaches.

    Mir scheint es eher so, dass manche Menschen, die sich bereits vor der Pandemie für besonders intellektuell und „besonders besonders“ hielten, nun ein Opfer dieser Eitelkeit sind.

    Menschen, die immer alle Seiten ohne Priorisierung abwägen, die sich für spezifisch nachdenkend halten, die verbreiten „plötzlich“ antiwissenschaftliche Werbung für MMR, bleiben ungeimpft, weil man ja soooo skeptisch ist und halten alles Böse bei anderen für möglich, die sie an ihre frühere echte Skepsis gegenüber Allem erinnern.

    Und dann igeln sie sich ein und behaupten, dass die Geimpften, die Evidenzbasierten, die Solidarischen ihnen die Freundschaft gekündigt und die Welt gespalten hätten. (Ja, anekdotische Erfahrung in meinem Umfeld)

    Ja, natürlich wird das Besonderheitsgefühl des scheinbaren Selbstdenkens von politischen Kräften wie Putins Regime, Trumps Putschtruppe und den Kubitscheks und Höckes und LePens dieser Welt weidlich genutzt und gezielt befeuert.

    Aber es ist doch bitte niemand gezwungen, nach dem ersten Reinfall direkt die nächsten Lügen und glauben und sich immer tiefer in diesen Sumpf zu begeben. Auch nicht Frau Guérot.

  19. Das Buch „Alles was wir geben mussten“ ist tatsächlich großartig und beweist, daß ein SF Roman zukunfts- wie gegenwartsbezogen kritisch sein kann, ohne daß blutrünstige Aliens oder entsetzliche Verschwörungen eine Rolle spielen müssen. Im Gegenteil wirkt die Beschreibung der Leben der Spendermenschen furchtbar normal …

    Die lange erwartete Fortsetzung von „Report der Magd“, „Die Zeuginnen“, gehört meiner Einschätzung nach ebenfalls zu diesem Genre. Den Film zum ersten Teil wage ich (noch) nicht anzusehen.

  20. @Magda Eckstein und alle, die geantwortet haben

    Wo wären wir ohne Bernd Harder, Joseph Kuhn und alle anderen, die uns helfen Dinge einigermaßen richtig einzuordnen? Ohne deren Hilfe würden wir doch auch völlig im Dunkeln tappen.

    Ohne diese Sensibilisierung, ja Immunisierung möchte ich fast sagen, wären wir doch genauso angreifbar und schutzlos gegenüber einer offensichtlich überzeugenden Manipulations-Maschinerie.

    Xavier Naidoo hatte höchstwahrscheinlich auch keine Ahnung von Geschichtsrevisionismus und Reichsbürgertum bevor er in diesen Sumpf gezogen wurde.

    Offenbar ist sie im Laufe der Pandemie mit Inhalten konfrontiert worden, die ihr das Gefühl vermittelten einen Überblick über die Geschehnisse zu bekommen, d.h. ihre Ausbildung als Politikwissenschaftlerin hat ihr erstmal gar nichts genutzt.

    Ich persönlich war schon ziemlich geschockt, als klar war, dass Webasto nicht das Ende war und wir es hier mit einem größeren Problem zu tun hatten. Die Bilder aus Bergamo, die Verlangsamung des öffentlichen Lebens bis zum kompletten Stillstand haben mich persönlich zutiefst erschüttert. Da kann man schon leicht aus der Bahn geraten.

    Sie ist zwar Professorin, das gibt ihr aber nicht die Fähigkeit souverän auf eine globale Pandemie mit einem der ansteckendsten Viren unter Sonne zu reagieren.

    Es ist müßig darüber zu spekulieren wie sie da rein geraten ist, und zutiefst beunruhigend zu sehen, dass so kluge Menschen wie sie so gnadenlos getäuscht werden können.

  21. @Arthur Dent:

    Ich danke Ihnen.

  22. @ Arthur Dent:

    Da sind wir doch beeinander: Wir sind froh, dankbar und erleichtert, dass wir uns u.a. hier fundiert informieren können. Wir sind dazu aber augenscheinlich in der Lage. Dass wir nicht alles selbst ergründen können und müssen, ist klar. Aber wir können unterscheiden zwischen seriös und begründet und wissenschaftlich und – ja: aufrichtig – und gefälscht, unwissenschaftlich, unseriös, verschweigend.

    Weshalb kann/macht/will… Ulrike Guérot das nicht auch tun? Bzw. weshalb nimmt sie diese Verantwortung (zum Ausgang aus der selbstverschuldeten usw.usf.) nicht an? Wieso hat sie sich täuschen lassen?

    Neinnein, du hast schon Recht, es ist müßig darüber zu spekulieren. Es ist nur manchmal so frustrierend…

    Und deinem Dank an Bernd Harder et al. schließe ich mich von Herzen gern an!

  23. @Magda Eckstein:

    Danke.

  24. @Magda Eckstein

    So, das liest sich ja fast als hätte Frau Guérot sich dafür entschieden sich täuschen zu lassen. Ein wenig unfair es so zu betrachten, finden sie nicht auch? Wieso diese Härte eigentlich?

    @Bernd Harder
    Nein, wir müssen ihnen danken!

  25. @ Arthur Dent:

    Weil auch Frau Guérot die Seiten der GWUP offenstehen oder diverse Podcasts, Videos, Artikel in Tages- und Wochenzeitungen und auf Onlinemedien, die kritisch (im besten Sinne) und transparent informieren, Quellen nennen, argumentieren.

    Ich finde also, sie hat zumindest auf intellektueller/rationaler Ebene keinen Grund, sich täuschen zu lassen.

    Oder auch keinen Grund, sich immer tiefer zu verstricken. Ich plädiere für die Selbstverantwortung in dem Maße, wie ich voraussetzen kann, dass ein Mensch fähig ist, sich Themen und Informationen zu erschließen.

    Aber, wie gesagt, es ist müßig zu überlegen, was das hier im Einzelfall war. Insgesamt wäre es spannend zu wissen, welche psychischen Grundvoraussetzungen bei Menschen womöglich übereinstimmen, die all ihrer Bildung und kognitiven Fähigkeiten zum Trotz auf Scharlatane reinfallen, die doch offensichtlich nur ihr eigenes Wohl sehen.

    Die Härte, weil es eigentlich nichts gibt, was mich mehr aufregt, als wenn Menschen ihre Urteilsfähigkeit aufgeben. Aber da muss ich dran arbeiten, dass ich gelassener werde (*grins, Lebensaufgabe).

    Merci fürs Debattieren!

  26. @Arthur Dent

    Deine großzügige Definition des Begriffs Opfer kann man auf fast alle Sachverhalte ausdehnen. Damit wäre eigentlich niemand mehr Schuld an seinen Handlungen sondern nur Opfer irgendwelcher Umstände.

    Deshalb habe ich oben auch klar zwischen einer Akademikerin wie Frau Guérot und einer fiktiven bildungsfernen Ulla unterschieden. Die eine hätte das Handwerkszeug (oder besser Hirnwerkszeug) gehabt, das Abdriften in immer obskurere Gefilde zu verhindern.

    Dann noch ein Buch zu veröffentlichen, das faschistische Ideen als probates Mittel verkauft, disqualifiziert sie meiner Meinung nach doch für die Opferrolle.

  27. @Christian Becker

    Ich wüsste nicht, wieso hier die Frage der Schuld überhaupt zur Debatte stehen sollte. Uns bleibt nur festzustellen, dass Frau Guérot aus Naivität oder welchen Gründen auch immer einer obskuren Täuschungsmaschinerie zum Opfer gefallen ist.

    Ich habe das lediglich in einem Nebensatz erwähnt, aber sie scheinen das als Rechtfertigung für ihre aktuellen Positionen zu interpretieren, dabei habe ich nur die Effektivität und Überzeugungskraft dieser Inhalte betonen wollen.

  28. @Arthur Dent
    „Ich wüsste nicht, wieso hier die Frage der Schuld überhaupt zur Debatte stehen sollte.“

    Nun ja, wegen dieses Satzes:
    „Es liegt mir fern diese Frau zu verteidigen, aber auch sie ist ein Opfer…“

    Vielleicht sehe ich den Begriff Opfer anders als Sie. Für mich ist ein Opfer eine Person, die schuldlos in eine Situation geraten ist, die für sie nachteilig ist.

    Das sehe ich bei Frau Guérot eben aus oben schon von mir und von anderen vorgebrachten Gründen nicht so.

    Deswegen habe ich mich an dem Satz auch gestört, denn indem man sie als Opfer bezeichnet, verteidigt man sie auch, selbst wenn es einem fern liegt.

    Aber Schwamm drüber,

    „dabei habe ich nur die Effektivität und Überzeugungskraft dieser Inhalte betonen wollen.“

    erklärt ja, was eigentlich gemeint war. Dem kann ich mich anschließen.

  29. @Christian Becker

    Bei allem Respekt, wie Sie den Begriff ‚Opfer‘ sehen ist doch irrelevant. Vielleicht ist es besser sich an der allgemein anerkannten Definition zu orientieren, des Dudens bspw, in dem steht: ‚Jemand, der durch jemanden, etwas umkommt, Schaden erleidet.‘

    Jemand oder etwas ist die Quelle dieser Inhalte. Jemand oder etwas, möchte Verwirrung und Unruhe stiften, Zweifel an Rechtsstaat, Institutionen und an der liberalen Demokratie säen, sie zersetzen und destabilisieren. Die Werte der Aufklärung und das Vertrauen in die Wissenschaft stehen ebenso auf dem Spiel.

    Auch der Wendler ist ein Opfer. Das macht den Unfug, den er hilft zu verbreiten, nicht weniger unsinnig.

  30. @Arthur Dent, mit vollem Respekt für Ihre Argumentation dafür, dass diejenigen, die destabilisieren wollen, da schon auch geschickt sind (Putins Netztrolle und Bots z.B.) – Ihr Beharren auf der Definition „Opfer“ für Menschen, denen exakt die gleichen Informationen wie Ihnen und mir zugänglich sind, wirkt etwas einseitig.

    Ja, die Tricks sind gut, trotzdem fallen doch Menschen _willig_ drauf rein, _wollen_ sich verführen lassen. Diese Argumentation führte in anderen Themenbereichen in sehr gefährliche Gewässer und sie steht mit einem Bein im Sumpf der Apologetik – damit kann man alle Verantwortung von sich weisen.

    Da mahne ich gern doch nochmal zur Vorsicht: Wir alle haben Verantwortung, Frau Guérot hat – auch – eine Selbstverantwortung für ihre Bildung, Informationsbeschaffung und als Wissenschaftlerin im Besonderen eine Verantwortung zum kritischen, auch selbstkritischen Umgang damit.

    Und es geht ganz sicher auch darum, wie hier wer von uns „Opfer“ konnotiert, ergänzend zum Duden – als schuldlos und bar jeder Mitverantwortung kann es doch nicht sein. Sonst könnten wir alle Bildung und Erziehung zu Mündigkeit und demokratischer Verantwortung sein lassen und uns dareinfügen, dass wir alle nur Propagandaopfer sind.

    Und bei aller Polemik eine ehrliche Frage: Wie hätte Frau Guérot verhindern können, drauf reinzufallen? Bzw. wenn sie das nicht gekonnt hätte, wie verhindern es andere?

  31. @ Magda Eckstein:

    Dass Menschen sich verführen lassen wollen, halte ich für eine psychologische Unmöglichkeit. Etwas zu wollen, ist bewusstes Handeln und niemand wird sich sagen, jetzt lasse ich mich mal täuschen.

    Wie jemand in seiner Haltung Schlagseite bekommt, sich vielleicht sogar schrittweise weiter radikalisiert, dazu gibt es einiges an Literatur aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen, von biografischen Prägungen über das Hineinschlittern in Sekten bis hin zur Radikalisierung im Terrorismus.

    Einschlägig sind auch die sozialpsychologischen Experimente zum Gruppendruck, nur exemplarisch siehe das berühmte Konformitätsexperiment von Ash: https://de.wikipedia.org/wiki/Konformit%C3%A4tsexperiment_von_Asch. Die Jugendgang, die gemeinsam gefährlichen Mist baut, wäre ein allen bekanntes Alltagsbeispiel.

    In bestimmten Situationen haben wir alle Probleme, unsere „epistemischen Tugenden“ anzuwenden und Widerstand gegen den nur allzu menschlichen confirmation bias zu leisten. Gespräche mit Menschen, die man ernst nimmt, können helfen, oder andere Kontexte, die zur Reflexion anhalten.

  32. @Magda Eckstein

    Welche Polemik? Offenbar scheitere ich meinen Standpunkt verständlich in Worte zu fassen.

    Nochmal: Ich fordere kein Verständnis für ihre aktuellen Positionen, deren Inhalt ich nicht einmal gänzlich kenne, aber den Worten Joseph Kuhns ist klar zu entnehmen, das scheint starker Tobak zu sein.

    Ich frage mich nur, was passieren soll, nachdem der nächste erfolgreich getäuscht wurde. Was geschieht, wenn wir wieder jemanden ‚gecancelt‘ haben? Sollen wir denn ewig so weitermachen?

    Natürlich können wir nicht applaudieren, wenn die Klassiker der Querdenker-Szene heruntergebetet werden. Gleichzeitig muss man sich überlegen, wie es denn weitergehen soll, wenn die Gräben tiefer und tiefer, und breiter werden. Das kann doch auch so nicht weitergehen.

    Ich versuche lediglich zu sagen, dass Guérot und Wendler nur Symptome eines gesellschaftszersetzenden Prozesses sind. Vielleicht sollten wir sie in den Kommentarspalten bitten, nicht mehr auf diese Scharlatane zu hören und endlich wieder ihren kritischen Verstand zu benutzen. Vielleicht wäre das vergebens. Vielleicht müsste das jemand tun, der diesen Personen nahe steht.

    Ich habe leider auch keine Lösung anzubieten. So kann es jedenfalls nicht weiter gehen.

  33. @Arthur Dent, nicht gescheitert, danke :-) Ernsthaft.

    @ Joseph Kuhn, ja, das war polemisch und plakativ.

  34. Zur Ambivalenz in der Entscheidungsfindung literarisch brillant bei Goethe:

    „… Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll
    Wie bei der Liebsten Gruß.
    Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
    Da war’s um ihn geschehn;
    Halb zog sie ihn, halb sank er hin…“

    aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fischer_(Goethe)

  35. Ein etwas unfreundlicher Troll-Kommentator meinte heute, warum wir nicht mal „mit“ Frau Guerot reden würden, anstatt über sie.

    Nun ja, erstens ist das hier ein Blog und kein Talkshow-Format.

    Zweitens: Was sollte der Erkenntnisgewinn eines solchen Gesprächs sein? Ihr Buch liegt uns ja vor, und das braucht Frau Guerot uns nicht noch einmal zu erklären.

    Wie die Dame auf (auch nur geringfügige) Kritik reagiert, kann man heute bei Welt+ nachlesen.

    Sie beantwortet praktisch keine Frage, weicht nur aus, relativiert, fühlt sich missverstanden etc.pp.

    Beispiele:

    Warum sie Nazi-Vokabular wie „Gleichschaltung“ (der Medien) verwende?

    Antwort:

    Ich vergleiche das nicht, und den Zusammenhang haben Sie mit Ihrer Frage erst hergestellt. „Gleichschaltung“ findet sich ohne Einschränkung als Eintrag im Duden.

    Äh – ja. Der Duden ist allerdings ein Rechtschreibwörterbuch, nichts weiter.

    Wenn ich „Gleichschaltung“ google, bekomme ich auf der ersten Seite zehn Einträge, von denen neun unmittelbar auf den Nationalsozialismus verweisen.

    Und im einzigen „neutralen“ Eintrag (Wikipedia) wird schon im zweiten Satz auf die NS-Zeit verwiesen.

    Erbärmlich für eine Professorin der Politikwissenschaft.

    Dann permanente Ausreden, wenn sie auf inhaltliche Schwächen angesprochen wird:

    Ich habe den Text in drei Wochen am Stück geschrieben, und nur mit grünem Tee.

    Dieses Kapitel habe ich zwischen 2 und 7 Uhr morgens geschrieben. Das war in mir und ich habe es einfach runtergeschrieben.

    Ich habe das Buch nicht als Politikwissenschaftlerin geschrieben, sondern es ist der Essay einer wütenden Bürgerin.

    Aha. Und das entschuldigt alles?

    Zur Passage „Wir überantworten die Verantwortlichen dem Internationalen Strafgerichtshof“ erklärt sie ernsthaft:

    Ich finde interessant, was Menschen in diesen Zeilen lesen, was dort aber gar nicht steht. Manchmal sagt das, glaube ich mehr, mehr über sie selbst und ihre Fantasien, als über die der Autorin.

    Aha, jetzt ist also der dumme Leser schuld, wenn er alles missversteht.

    Auf die Frage „Aber nehmen Sie Ihren Argumenten nicht die Kraft, wenn Sie sich eines solchen Vokabulars bedienen?“ sagt sie:

    Gucken Sie sich die anderen „Wir“-Sätze an. Es stehen auch sehr viele menschliche Sätze dort, zum Beispiel, dass wir aufhören, Kindern Stäbchen in die Nase zu stecken und sie stattdessen wieder an Blumen riechen lassen, oder dass wir nie wieder Spielplätze zusperren.

    Billigster Whataboutismus, Frau Guerot ist offenkundig nicht bereit, auch nur für einen Satz in ihrem Buch die persönliche Verantwortung als Autorin zu übernehmen.

    Nein danke, für ein Gespräch mit dieser Dame ist mir die Zeit zu schade.

  36. @Bernd Harder

    Danke, ich bin bedient.

    Frau Guerot ist auf dem Niveau der Schiffmanns, Jebsens und Naidoos angekommen. So sollte ihr man zukünftig auch entgegentreten. Die Dame hat nicht einen einzigen Funken Respekt mehr verdient.

  37. Für mich liest sich das so, als versteife sie sich in Abwehrreaktionen. Da kommt dann so ein Unsinn. Vielleicht stellt man ihr nur die falschen Fragen.

    Mich würde interessieren, ob sie sich darüber im Klaren ist, dass es massive Desinformationskampagnen (nicht nur) im Internet gibt und Menschen, die mit diesen Inhalten ihren Lebensunterhalt verdienen, oder ob sie wusste, dass es so ziemlich als erwiesen gilt, dass die Person hinter dem QAnon-Kult kein Insider des Weißen Hauses ist, sondern der Betreiber der Plattform, auf der die ersten ‚Drops‘ auftauchten, Ron Watkins. Ob sie das nicht seltsam finde, als Antifaschistin plötzlich auf rechtslastigen Portalen wie Rubikon zu Gast zu sein usw.usw.

    Ich würde ein Interview mit ihr ziemlich interessant finden. Vielleicht wäre ja einer der Kanäle, die im Blog präsentiert werden, dazu bereit. Wer weiß, auch wenn sie sich sicher in der Öffentlichkeit nichts eingestehen würde, würde vielleicht ein Denkprozess in Gang gesetzt, der sie langsam wieder zurück die Realität bringt.

  38. „Ich finde interessant, was Menschen in diesen Zeilen lesen, was dort aber gar nicht steht. Manchmal sagt das, glaube ich mehr, mehr über sie selbst und ihre Fantasien, als über die der Autorin.“

    – So dumm hab ich früher auch schon mal dahergeredet, wenn ich nicht weiterwusste. Heute schäme ich mich in Grund und Boden für solches und ähnliches, obwohl ich nie ein Buch schrieb oder Einfluss auf Publikum hatte.

    Vielleicht geht’s der Wissenschaftlerin Guerot auch mal so, und sie gewinnt den Respekt wieder.

  39. @ Arthur Dent

    Dass Verschwörungstheoretiker kognitive Dissonanz ausblenden bzw. irgendwie ausbügeln, darauf wurde ja schon hingewiesen.

    Die Ursachen für VT (Sektenzugehörigkeit, Extremismus u.ä.) liegen eher im mental/emotionalen Bereichen der jeweiligen Person als im Rationalen. War hier ja auch immer wieder Thema: Komplexitätsreduktion, Orientierung, Zugehörigkeit, Überlegenheit aufgrund vermeintlichem Spezialwissen.

    Dass auch eigentlich sehr qualifizierte Menschen da hinein“rutschen“ ist irritierend.

    Es ist aber eben auch die Frage, welche Plattformen jemand bekommt bzw. auch selber wählt.

    Ulrike Guerot würde sich vermutlich nicht auf ein Interview einlassen, das ihr kritische Fragen stellt. Es gibt aber eine erhöhte Sichtbarkeit solcher abgedrifteten Positionen.

    Das ist sehr heikel (da gibt es in der Tat einen gewissen Verführungseffekt), da gerade auch Menschen mit weniger Medienkompetenz) eher Fakenews aufsitzen können.

    Frau Guerot würde ich aber eher auf der Seite der „Verführer“ sehen. Da sie Ihre Position als Person des öffentlichen Lebens nutzt und bewußt in die Öffentlichkeit geht.

  40. Pingback: »Achtung! Wegschauen!« – Verschwörungsnarratologie für die „Mitte“ der Gesellschaft - OSTPROG

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