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Neu bei Grams‘ Sprechstunde: Immunsystem stärken?

| 10 Kommentare

Bei keiner Corona-Demo fehlt die Behauptung, ein „gesundes“ Immunsystem sei der beste Schutz vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 – verbunden mit dem Geraune, dass die Bundesregierung diese simple Tatsache absichtsvoll verschweige.

Aber so einfach ist es eben nicht, erklärt Natalie Grams in ihrer aktuellen Kolumne.

Generell ist es kaum möglich, ein normales gesundes Immunsystem zu stimulieren. Egal ob Vitamine, Mineralstoffe oder spezielle Kräuterextrakte, der wissenschaftliche Nachweis für eine solche Wirkung ist oft sehr viel geringer als die mitgelieferte Hoffnung.

In einigen Fällen lässt sich ein Vitamin- oder Mineralstoffmangel ausgleichen. Aber so etwas liegt viel, viel seltener vor als gemeinhin angenommen.

Das Versprechen der Immunstimulation ist tatsächlich oft überzogen. Und das ist sogar gut, weil eine Immunstimulation bloß in sehr seltenen Ausnahmen überhaupt sinnvoll ist.

Letztendlich gehe es um „Sport, Entspannung und Ernährung“.

Zum Weiterlesen:

  • Grams‘ Sprechstunde: Wie sich Abwehrkräfte stärken lassen, spektrum am 20. Oktober 2020
  • Corona-Faktencheck: „Ein fittes Immunsystem ist ein Garant gegen Covid-19“, Süddeutsche am 19. Mai 2020
  • 12 Fragen von „Knoblauch“ bis „Kalte Dusche“, tagesspiegel am 27. März 2020
  • Immunbooster und andere Versprechungen, GWUP-News am 13. April 2020
  • Stärken Sie Ihr Immunsystem (oder nicht), Psiram am 26. Januar 2013
  • Immunsystem – Mythen und Fakten I, Susannchen braucht keine Globuli am 14. März 2018
  • Immunsystem – Mythen und Fakten II, Susannchen braucht keine Globuli am 17. März 2018

10 Kommentare

  1. Ja, das wissen leider zu wenige Leute.

    Der Glaube an Vitamin C ist tief verwurzelt und auch auf andere Mittel wird vertraut. Manche wollen aber meiner Erfahrung nach auch unbedingt was einnehmen – ist ja auch einfacher, als Sport zu treiben und sich ausgewogen zu ernähren.

  2. Man kann sich doch gut vergegenwärtigen, was unser fantastisches Immunsystem an allgegenwärtigen Mengen von Bakterien, Viren und Sporen in jedem Moment des Lebens aus dem Weg räumt, natürlich besonders bei nahen Kontakten in Clubs, Stadien, bei Feiern und Konzerten etc – wenn man sieht, welche Beschränkungen wir uns jetzt wegen eines einzigen Virus auferlegen müssen.

    Hat man vorher nie wirklich drüber nachgedacht.

  3. herzlichsten Dank im Namen aller Autoimmunerkrankten zu denen ja nicht nur Diabetes, Darm, und Schilddrüsen Erkrankungen usw gehören, sondern auch was oft vergessen wird die vielen Allergiker.

    Wobei gerne verschwiegen wird: über 90% aller Allergien werden -nicht- von der bösen Chemie sondern von den „geliebten Naturstoffen“ ausgelöst. ua von Teebaumöl, Erdnüssen die keine Nüsse sind, vielen Obstsorten usw , usf.

  4. „„Sündenböcke gesucht!“
    „Kölner Arzt Doc Esser: Was für ihn am Lockdown keinen Sinn macht!“

    https://www.express.de/koeln/-suendenboecke-gesucht–koelner-arzt-doc-esser–was-fuer-ihn-am-lockdown-keinen-sinn-macht-37556032

    Was ist von seiner Aussage zu halten?

  5. @Pierre Castell:

    Sowohl Esser wie auch die Bundesregierung argumentieren derzeit im faktenfreien Raum.

    Die Politik bzw. Gesundheitsämter haben völlig die Kontrolle über die Nachverfolgung der Infektionen verloren – bei 75 Prozent der Erkrankungen sind offenbar die Kontakte nicht mehr nachzuvollziehen.

    Also sollen jetzt wieder grundsätzlich alle Kontaktmöglichkeiten beschränkt werden – aber da man sich an die Schulen, an die „große“ Wirtschaft und ans Private anscheinend nicht mehr rantraut, bleibt nur das übrig, was als „nicht essentiell“ angesehen wird, sprich: der Freizeitbereich.

    Evidenz dafür, wie viele Menschen sich wann und wo in Fitnessstudios oder im Kino angesteckt haben, gibt es meines Wissens nach nicht, insofern kann ich die Kritik von Herrn Esser zumindest nachvollziehen.

  6. @Pierre Castell

    Ich kann die Kritik von Doc Esser grundsätzlich nachvollziehen, bis auf einen Punkt:

    „Ich glaube, das war ein Knieschuss und die Politik hätte lieber an die Vernunft der Bürger appellieren sollen, zum Beispiel dahingehend, Familienfeiern so klein wie möglich zu halten und Abstand zu halten, anstatt ganze Branchen zu bestrafen“

    Diese Appelle gibt es jetzt seit einem guten halben Jahr, seit der erste Lockdown/Shutdown geendet hat. Was haben sie gebracht? Wenig bis gar nichts, wie man an der aktuellen Situation mit stetig steigenden Infektionszahlen sowie schweren Krankheitsverläufen sieht.

    Dieser Kommentar der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung fasst es gut zusammen:

    Ja, dieser neuerliche Lockdown ist ein Wortbruch, er ist, auch in dieser ‘Light’-Variante, eine Zumutung, und er ist ungerecht, weil er auch jene Geschäftsleute, Restaurantbesitzer und Veranstalter bestraft, die sich penibel an alle Vorgaben gehalten haben. Nur gehört zur Wahrheit eben auch, dass die Einsicht und die Disziplin jener großen Mehrheit, die in den vergangenen Wochen und Monaten Masken trug und Abstand hielt, einfach nicht reichte, um diese Situation jetzt zu vermeiden. Wahrscheinlich braucht es diese Verschärfung jetzt im Kampf gegen eine Pandemie, die auch jede Inkonsequenz und erst recht jede Uneinsichtigkeit so schnell bestraft.

    https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_88836612/presseschau-zu-corona-beschraenkungen-eine-entscheidung-mit-sprengkraft-aber-unumgaenglich-.html

  7. @RPGNo1:

    und er ist ungerecht,

    M.E. bleibt das der entscheidende Punkt, der auch kaum mehr vermittelbar ist: die willkürliche Fokussierung auf die s.g. „Freizeit“-Branche, die meines Wissens bislang nicht einmal im Verdacht steht, zu den Infektionstreibern zu gehören.

    https://science.orf.at/stories/3202478/

  8. @Bernd Harder

    Das Problem ist: Was können wir sonst tun?

    Es wurden schon Klagen angedroht. Wenn diese durchkommen und alles wieder aufgehoben wird, dann sehe ich schwarz für die Krankenhäuser und längerfristig für sehr viel mehr Teile der Wirtschaft, als es jetzt tut. Dann werden diejenigen aus der Freizeitbranche, die sich jetzt beschweren, nichts mehr sagen, weil sie es nicht mehr können. Sie sind pleite.

    Werden sich dann die Bundes- und Landesregierung zusammensetzen, um einen Lockdown a la Frankreich durchzusetzen, weil dann alle gleich „ungerecht“ behandelt werden und die Klagen einzelner Branchen somit nicht mehr greifen? Prost Mahlzeit.

    Ich bin ehrlich gesagt ratlos. Wie es die Regierungen machen, sie machen es falsch. Und das nur, weil 10-15 % der Bevölkerung (und damit meine ich nicht die Coronaleugner) in den vergangenen ihr persönliches Befinden über das Allgemeinwohl stellen. Nochmal: Nur gehört zur Wahrheit eben auch, dass die Einsicht und die Disziplin jener großen Mehrheit, die in den vergangenen Wochen und Monaten Masken trug und Abstand hielt, einfach nicht reichte, um diese Situation jetzt zu vermeiden.

    Vielleicht sollten sich auch einige der Leute, die jetzt klagen, an die eigene Nase fassen, dass sie nicht Konzepte für einen 2. Shutdown, der immer im Bereich des möglichen stand, getroffen haben.

    Auf Corona und den neuen Shutdown reagiert er gelassen: „Ich bin Mexikaner, ich bin Krisen gewohnt – Erdbeben, Hurrikane, Inflation, was auch immer“, sagt Zaldívar, der neben diesem Taco-Restaurant am Eppendorfer Weg in Hamburg noch ein weiteres auf Sankt Pauli betreibt. „Dass der nächste Lockdown kommt, war ja klar. Deswegen haben wir schon im Sommer neue Produkte für den Lockdown entwickelt. Zur Not können wir sechs Monate überleben.“
    […]
    „Wow, ich bin sprachlos“, sagt Taquería-Betreiber Zaldívar zu der Nachricht der Wirtschaftshilfen. Wie der deutsche Staat Gastronomen wie ihn unterstütze – auch mit der Corona-Soforthilfe im Frühling – „das darf ich nicht meinen Freunden in Mexiko erzählen, dann fangen die alle an zu weinen“, sagt der Mexikaner…

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/gastronom-ueber-corona-shutdown-viel-gelernt-aus-dem-ersten-lockdown-a-6ddf1478-2e09-48f1-8777-f338959095f1

  9. @RPGNo1:

    Sicher, es fehlt derzeit die bessere Idee.

    Ich sage ja, das ist rein meine heutige, persönliche, emotionale „Meinung“ zu dem „Lockdown Light“.

    Ich denke, zum einen ist der Punkt „Kontrolle“ der bisherigen Maßnahmen noch nicht ausgereizt.

    Zum anderen bin ich bisschen frustriert über „die Wissenschaft“, die wir sonst ja gerne hochhalten.

    Ich fülle seit Monaten dreimal am Tag bei McDonald’s ein Kontaktformular aus. Ich fülle ein Kontaktformular aus, wenn ich nachts um 23 Uhr alleine in einem riesigen Kinosaal sitze.

    Und dann stellt sich die Politik nach einem dreiviertel Jahr Pandemie hin und sagt: „Sorry, wir haben keine Ahnung, wo die Infektionen herkommen, eure Kontaktdaten könnt ihr in die Tonne treten, weil wir das gar nicht auswerten können, und die ganzen Hygienekonzepte auch, deshalb schießen wir weiterhin mit Schrot auf alles, was sich bewegt.“

    Finde ich persönlich arm.

  10. Das „Experiment Eigenverantwortung“ ist gescheitert. Krachend.

    Wir erleben jetzt die Diktatur der 10-15% Verantwortungslosen über die vernünftige Mehrheit. Denn ihr leichtsinniges Verhalten erfordert so drastische Maßnahmen. Die meiner Meinung nach nicht drastisch genug sind. Nicht in den Privatbereich einzugreifen, weil man „sich nicht traut“, halte ich für einen großen Fehler, denn dort sehe ich einen Haupttreiber der aktuellen Entwicklung.

    Wie der Lockdown II in Österreich aussehen wird, erfahren wir morgen. Ich bin gespannt.

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