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Video: Crashprophet Markus Krall im Faktencheck Teil 2

| 5 Kommentare

Im Youtube-Kanal Verschwörung & Fakten ist heute der zweite Teil von

Markus Krall im Faktencheck

erschienen.

Der Kulturmarxismus bedroht uns!

Davon ist zumindest Dr. Markus Krall, Crashprophet und Bestsellerautor, überzeugt. Er wittert hinter allen möglichen gesellschaftlichen Veränderungen eine gesteuerte Agenda des Kulturmarximus, der seine Wurzeln in der Frankfurter Schule hat. Allerdings handelt es sich beim Kulturmarxismus um einen antisemitischen Verschwörungsmythos von Rechten, der mit der Realität nicht in Einklang zu bringen ist.

Ferner wird in dem Video gezeigt, was Markus Krall und sein Kollege Thorsten Polleit mit dem Milliardär August von Finck zu tun haben. Durch die Gründung der Atlas Initiative und des Mises Institus durch die beiden wird der Versuch unternommen, eine Basis und Gedankenführerschaft für rechte Ideen zu bereiten.

Das Video veranschaulicht, was an Kralls These zum Kulturmarxismus dran ist. Es entlarvt reale Verbindungen in der rechten Szene und zeigt die Funktion von Verschwörungstheorien in diesem Kontext.

Zum Weiterlesen:

  • Video: Crash-Prophet Markus Krall bei „Verschwörung & Fakten“, GWUP-Blog am 19. September 2020

5 Kommentare

  1. Der Vorwurf des Kulturmarxismus ist nicht per se ein antisemitischer Verschwörungsmythos. Sie kann aber in seiner Verabsolutierung eine antisemtische Verschwörungsideologie sein, die eher bei rechts(radikal) denkenden Menschen Verbreitung findet.

    Möglicherweise war der Vorwurf des Kulturbolschewismus ein geistiger nationalsozialistischer Vorläufer dieses Vorwurfs. Auch wenn ich den Begriff des Kulturmarxismus nicht für sonderlich seriös halte, lassen sich aus meiner Sicht Ursprünge anti-aufklärerische Ideologien im (Neo-)Marxismus und der Frankfurter Schule. Dazu gehören postmoderne, relativistische und konstruktivistische Ideologien, die mit einer progressiven Absicht Einzug in die akademische Welt halten. Einige Vertreter dieser Ideologien sind die Critical Whiteness Theory und die Critical Race Theory.

    Es mag wiederum rechte, rechtslibertäre oder rechtsradikale ideologische Kritiker geben, die den „Kulturmarxismus“ aus politisch-motivierten Gründen diskredtieren wollen, Kritik an den genannten Ideologien pauschal (neu)rechten zuzuschreiben halte ich aber ebenfalls für anti-aufklärerisch. Schon Karl Popper erkannte, dass mit manchen Vertretern der Frankfurter Schule bzw. ihren Theorien etwas nicht stimmte, insbesondere ihrer Art sich möglichst kompliziert auszudrücken und den Anschein den Intellektualität zu erwecken.

    Skeptiker sollten aus meiner Sicht eigentlich wissen, dass man mit Verschwörungsmythos-Vorwürfen vorsichtig sein sollte und dieser auch zu politisch-motivierten Zwecken genutzt wird.

  2. @Karl Kloos:

    etwas verwirrt hat mich die Aussage von Prof Grumke über die Frankfurter Schule als in den USA entstanden.

    Ich weiß nicht, ob es die gleiche Frankfurter Schule ist, wie die von Adorno & Co, die auch auf den Humbug von Freud und Hegel aufsetzen. Letztere stufe ich auch als anti-aufklärerische Ideologie ein, die auch erheblich von den Aussagen von Marx und Engels abweicht, die auf Wissenschaft und Industrialisierung setzten wenn auch mit anderen Eigentumsverhältnissen.

    Davon abgesehen halte ich Markus Krall ebenfalls für einen Verschwörungstheoretiker und finde den Beitrag insgesamt als hilfreich.

  3. Wenn das hier bei Wikipedia stimmt https://de.wikipedia.org/wiki/Cultural_Marxism_(Schlagwort)

    , dann ist der Kulturmarxismus sehr wohl antisemitisch.

    Zitat

    Vertreter der Alt-Right-Bewegung wie Andrew Breitbart, Stephen Bannon und Paul Joseph Watson verbreiten die Verschwörungstheorie, jüdische Emigranten wie Theodor W. Adorno oder Herbert Marcuse, die in der NS-Zeit in die USA kamen, hätten den Cultural Marxism importiert, um die amerikanischen Werte zu unterminieren und eine Weltregierung zu ermöglichen.[4]

    Roger Schawinski: Verschwörung! Die fanatische Jagd nach dem Bösen in der Welt. NZZ Libro, Zürich 2018, S. 168 f.

  4. @Skeptikertante: Erstens wäre wenn überhaupt der Begriff oder der Vorwurf des Kulturmarxismus anti-semitisch.

    Ich bleibe dabei: Nur weil es neurechte bzw. rechtsradikale Leute gibt, die diesen Begriff in anti-semitischer Absicht verwenden, ist er nicht an sich anti-semitisch. Nach der gleichen oder ähnlichen Logik, wäre Kapitalismuskritik oder die Rede von „dem Kapital“ per se anti-semitisch oder eine anti-semitische Verschwörungsideologie, da diese Begriffe auch von Antisemiten benutzt wird, um ihren Antisemitismus unter dem Deckmantel der Kapitalismuskritik zu verbreiten.

    Wikipedia verweist bei dem Begriff „Kulturmarxismus“ nicht nur auf das politische Schlagwort der neuen Rechten, sondern auch neutrale auf akademische Strömungen: „marxistische Strömungen innerhalb der Kulturwissenschaft (cultural studies)“. Vom Gegenteil würde ich mich überzeugen lassen, wenn klar wäre, dass dieser Begriff schon in seinen Ursprüngen anti-semitisch und verschwörungsideologisch geprägt oder beabsichtigt war.

    Da es sich beim Marxismus um eine Ideologie handelt, die Frankfurter Schule und ihre Nachfolger darauf aufbauen, sollte legitime Kritik möglich sein, ohne jemanden gleich politisch rechts verorten zu können. Da sich diese akademischen Strömungen eher in den sozial- oder kulturwissenschaftlichen Bereichen tummeln, scheint es nicht völlig verkehrt zu sein, bei Kritik einen Begriff zu verwenden, der Kultur und Marxismus beinhaltet.

    Die im Video gemachte Aussage, dass es bei dem Kulturmarxismus um pseudointellektuelle Verpackungen für einen uralten Verschwörungsmythos halte ich aus diesen Gründen nicht für besonders differenziert.

    Ich finde, dass das Video sich unglaubwürdig macht, wenn er glaubt, er könne mit politischen Werturteilen skeptische Kritik praktizieren. Die Argumentation halte ich auch für völlig unskeptisch: Weil Kralls Buch verschwörungstheoretisch ist, erübrigt sich eine Widerlegung des Kulturmarxismus (8:30).
    „Man muss ganz deutlich sagen, was der Kulturmarxismus ist. Ein antisemitischer Verschwörungsmythos. Eine Art Erkennungsbegriff für rechte und rechtsextreme. Das ist es. Punkt.“

  5. @Karl Kloos

    Ich möchte in dem Kontext auf meine Quellen verweisen. Es ist in der politikwissenschaftlichen Diskussion belegt, dass es sich beim Kulturmarxismus, wie von Krall verwendet, um einen antisemitischen Verschwörungsmytos handelt. Siehe dazu auch die Einschätzung vom Antisemitismusbeauftragten Michael Blume.

    Deine Argumentation ist hingegen widersprüchlich:

    „Der Vorwurf des Kulturmarxismus ist nicht per se ein antisemitischer Verschwörungsmythos. Sie kann aber in seiner Verabsolutierung eine antisemtische Verschwörungsideologie sein, die eher bei rechts(radikal) denkenden Menschen Verbreitung findet.“

    „Ich finde, dass das Video sich unglaubwürdig macht, wenn er glaubt, er könne mit politischen Werturteilen skeptische Kritik praktizieren. Die Argumentation halte ich auch für völlig unskeptisch: Weil Kralls Buch verschwörungstheoretisch ist, erübrigt sich eine Widerlegung des Kulturmarxismus (8:30).“

    Diese beiden Aussagen sind widersprüchlich.

    Der Kontext, in dem Krall das Narrativ nutzt, wird klar aufgezeigt. Krall führt den Mythos ja eben nicht aus, nur an, daher kann man da auch nichts im Detail widerlegen. Der Kulturmarxismus ist nur ein Chiffre für Rechte (siehe dazu auch die Quelle der AAS und die im Video gezeigte Herleitung von Prof. Grumke).

    Ferner machst du einen 2 Fehler:

    Es gibt 2 Bedeutungen des Begriffs Kulturmarxismus. Siehe auch dazu die Quelle AAS unter meinem Video. Das stellst du ja auch selber fest. In welchem Sinne Krall es nutzt, ist dabei völlig unstrittig und im Video belegt. Wenn du das ernsthaft bezweifeln willst, dann widerlegt den Punkt doch bitte.

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