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„Klares Zeichen gegen Verdrehung der Fakten“: Ein offener Brief an Professor Christian Drosten

| 20 Kommentare

GWUP-Vorstand und –Wissenschaftsrat haben einen offenen Brief an Prof. Christian Drosten mitunterzeichnet, der dem Virologen von der Berliner Charité breite Unterstützung signalisieren und ein „klares Zeichen gegen die ,Berichterstattung‘ hüstel Verdrehung der Fakten“ durch die Bild-Zeitung setzen soll.

Initiiert wurde die Aktion von der Facebook-Seite Denn sie wissen nicht, was sie tun: Impfgegner spenden für Impfaktionen. Unterzeichner sind Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen, „die sich seit
Jahren aktiv gegen Verschwörungstheorien, Hetze und die Verbreitung von Fake News“ engagieren, darunter Professor Schwurbelstein, der Goldene Aluhut, Philipp S. Holstein, Die Apothekerin und die Wiener Skeptiker.

In dem Brief heißt es unter anderem:

Wissenschaft ist neutral, objektiv und hält sich nicht für unfehlbar. Qualifizierte Kritik ist nicht nur willkommen, sondern sogar die Grundlage wissenschaftlicher Forschung. Was die BILD hier macht, ist das genaue Gegenteil davon. Sie reißt Informationsfetzen aus dem Kontext und versucht so ihre Leser mit vermeintlich kontroversen Schlagzeilen zu manipulieren.

Sie hingegen, Professor Drosten, haben im Namen der Transparenz und der Aufklärung immer versucht, nach dem aktuellen Stand der Erkenntnisse, für jeden Menschen verständlich, über die Lage aufzuklären. Dafür danken wir Ihnen.

Es scheint als sei die Welt verrückt geworden. Aber das liegt daran, dass die, die am wenigsten nachdenken, gern am lautesten sind. Wir stehen hinter Ihnen, wir sind zu Hause, wir halten uns an die aktuellen Empfehlungen und wir kämpfen auch weiterhin unermüdlich gegen die Verbreitung von Fakenews und Verschwörungsmythen.

Drosten hatte am Montag eine Anfrage der Bild öffentlich gemacht und damit eine Debatte über die Recherchemethoden des Boulevardblatts und Kampagnenjournalismus ausgelöst.

Eine Übersicht über den Vorgang findet sich bei Zeit-Online. In einem aktuellen Spiegel-Interview bekräftigt Drosten seine Kritik an der Bild-Zeitung, die eine Expertendiskussion über eine Vorstudie für eine Kampagne gegen den Virologen benutzt habe.

Der offene Brief kann auch von Einzelpersonen gezeichnet werden.

Zum Weiterlesen:

  • Was hinter der Anti-Drosten-Kampagne von Julian Reichelt steckt, tagesspiegel am 30. Mai 2020
  • Fragwürdige Methoden: Warum Bild-Chefredakteur Julian Reichelt Christian Drosten scharf kritisiert, kress am 25. Mai 2020
  • So cool lässt Prof. Drosten Bild und andere Hater abblitzen, volksverpetzer am 29. Mai 2020
  • Wie die „Bild“-Redaktion mit schmutzigen Tricks versucht, Christian Drosten zu zerlegen, bildblog am 5. Mai 2020
  • Wie die BILD-Hetze gegen Drosten der Wissenschaft schadet und damit uns allen, volksverpetzer am 27. Mai 2020
  • „Bild“-Chef Reichelt gegen Virologe Drosten: Bloß nicht vernünftig, SPON am 27. Mai 2020
  • Julian Reichelt bestreitet Anti-Drosten-Kampagne, Zeit-Online am 29. Mai 2020
  • „Bild“ & Kekulé gegen Drosten : Nachtreten bis zum Umfallen, faz am 28. Mai 2020
  • „Wir haben allerbeste Chancen“ – Virologe Drosten über Corona und die „Bild“, FAZ-Podcast am 26. Mai 2020
  • Virologen-Duell? Kekulé: „Drosten und ich wurden benutzt“, FAZ-Podcast am 29. Mai 2020
  • Virologe Christian Drosten über seine Rolle und die Medien: „In meinem Alltag kommt die ‚Bild‘-Zeitung nicht vor“, Spiegel Nr. 23/2020

20 Kommentare

  1. Naja, ein bisschen herablassend ist Drostens Tweet ja schon, immerhin ist BILD eine der führenden Fachzeitschriften für Risikokommunikation und für seine hohen wissenschaftlichen Standards bekannt.

  2. Da hat sich die BILD ein Eigentor geschossen!
    Am Anfang haben sie Drosten als neuen Messias verkündigt und jetzt ist er der Teufel…man wollte wohl Klicks generieren durch Virologen-Bashing.
    Die Kita- und Schulschließungen wurden nicht von dieser Studie beeinflusst, da sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht erstellt wurde.

  3. Sascha Lobo hat eine passable Interpretatation auf SPON: https://www.spiegel.de/netzwelt/bild-zeitung-gegen-christian-drosten-bloss-nicht-vernuenftig-a-1d69020c-870d-435b-a348-5ee447a975f4

    Demzufolge hat BILD in der Flüchtlingskrise schlechte Erfahrungen mit einer staatstragenden Haltung gemacht. Also orientiert man sich im Interesse von Klicks und Auflage jetzt wieder lieber an den Schreihälsen. Und nichts hilft da mehr (Muster Soros und Gates) als ein Teufel in Person.

    „Enteignet Springer!“ sagte man da früher ;)

  4. Über die Katastrophe „Bild“ muss ich nichts sagen. Dabei gerät aber in den Hintergrund, dass Droste als Virologe in eine zentrale Position gelangt ist (sich gedrängt hat?) und dabei mehrfach mit Cassandra-Meldungen und wilden Warnungen um sich geworfen hat. Er ist aber weder das – eigentlich zuständige RKI – noch Epidemiologe, sondern Virologe, also hinsichtlich der Verbreitung nicht vom Fach. Das von ihm vorgelegte Papier zu Kindern ist voller Fehler, bedenklichen Verallgemeinerungen von sehr kleinen Studien. So etwas „in die wissenschaftliche Diskussion“ zu geben, ist nicht der wissenschaftliche Diskurs sondern Meinungsmache.

  5. @Erich Wagner:

    So etwas „in die wissenschaftliche Diskussion“ zu geben, ist nicht der wissenschaftliche Diskurs sondern Meinungsmache.

    Ist m.E. ein Widerspruch: Natürlich muss man „so etwas“ (in diesem Fall ein Pre-Print/eine Vorstudie) in die „wissenschaftliche Diskussion“ geben – wohin denn sonst?

    „Meinungsmache“ haben die Medien daraus gemacht, indem sie sich auf einen Prozess stürzen, der üblicherweise praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.

    Und auch politische Entscheidungen beruhen üblicherweise nicht auf Vor-Publikationen, also welche „Meinung“ soll mit diesem Pre-Print konkret „gemacht“ worden sein?

  6. @Erich Wagner

    Das von ihm vorgelegte Papier zu Kindern ist voller Fehler, bedenklichen Verallgemeinerungen von sehr kleinen Studien.

    Und das können Sie beurteilen, weil Sie vom Fach sind? Oder verlassen Sie sich in Ihrer Expertise auf die Aussagen von Herrn Kekulé?

    Das Preprint-Verfahren haben Sie wohl auch nicht verstanden, wie mir scheint, denn kritische Rückmeldung von anderen Fachpersonen und Experten ist unbedingt erwünscht.

    Als Preprint bezeichnet man einen veröffentlichten wissenschaftlichen Beitrag in Manuskriptform, der im Gegensatz zum Postprint das Begutachtungsverfahren (Peer-Review) einer Fachzeitschrift oder eines Verlages noch nicht durchlaufen hat. Bei dieser Definition spielt es in erster Linie keine Rolle, ob das Manuskript bereits bei einem Verlag eingereicht bzw. zur Begutachtung zugelassen wurde oder nicht.

    Allerdings kann der Verlag die Veröffentlichung von einem Preprint eines akzeptierten Artikels im Verlagsvertrag verbieten. Ein Preprint eines Artikels unterscheidet sich in der Regel nicht nur im Layout von der veröffentlichten Verlagsversion, sondern auch inhaltlich, da die durch den Begutachtungsprozess geforderten Änderungen noch nicht enthalten sind. Die Preprints werden üblicherweise auf Preprintservern im Internet meist öffentlich zur Verfügung gestellt.

    Durch die Veröffentlichung von Preprints wird die Geschwindigkeit erhöht, mit der Forschungsergebnisse in der wissenschaftlichen Welt verbreitet werden. Einerseits ermöglicht dies kritisches Feedback von anderen Forschungsgruppen zur geleisteten Arbeit, ehe diese den formalen Begutachtungsprozess des Verlags durchläuft. Zum anderen kann die Wissenschaftsgemeinschaft auf den veröffentlichten Daten im Idealfall aufbauen und dadurch die eigene Forschungsarbeit schneller vorantreiben.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Preprint

  7. Heute in der SZ zum Streit um die Statistik der Kinderstudie, leider online noch hinter der Paywall:

    https://www.sueddeutsche.de/wissen/drosten-corona-kinder-1.4922439?reduced=true

    Man sollte Drosten wie allen in der Wissenschaft zugestehen, dass auch er irren kann, dass auch seine Studien Schwachstellen haben und dass auch er an der einen oder anderen Stelle mal meinungsstärker als faktenstark ist. Das ist ja nicht Umwerfendes. Heilige gehören zur Kirche und nicht zur Wissenschaft.

  8. @Joseph Kuhn

    Ich musst zu meiner Erschütterung feststellen, dass Christian Drosten nach eigener Aussage weder Gandalf noch Obi-Wan kennt. Dann kann das ja nichts mit ihm werden. :)

  9. @RPGNo1

    Waren Gandalf und Obi-Wan nicht die gleiche Person ?

  10. @ nihil jie:

    Nee, die waren ein Paar. Und ihr Sohn hiess „ALF“.

  11. @noch’n Flo

    Naja… zumindest besetzen sie wohl in beiden Erzählungen eine ähnliche Rolle. Mit dem Unterschied, dass der eine ziemlich blass und groß ist und der andere grün und klein :D

  12. @ RPGNo1:

    Nein, ist das wahr? Am Ende kennt er nicht mal Meister Yoda! Kein guter Virojedi er sein können dann, zu schwach gegen die dunkle Seite der Macht er ist.

  13. @ Bernd Harder:

    Ich hatte das Interview heute im Spiegel gelesen.

    Dass ausgerechnet die Bild-Zeitung, auf die der Begriff Lügenpresse nun wirklich zutrifft, sich anmaßt, Drosten wegen statistischer Feinheiten einer Studie anzugehen, ist an Absurdität nicht zu überbieten.

    Aber vielleicht übernimmt demnächst ja auch Trump das peer review für die CDC.

  14. @RPGNo1

    Ja stimmt Yoda war der mit dem grünen Outfit ;) Star Wars ist dann doch nicht so das meine gewesen.

  15. Das aktuelle Allzeithoch beim Ansehen der Wissenschaft kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die durch Fake News und Populismus entstehenden Risiken keinesfalls gebannt sind. In der Corona-Krise werden an Forscher Erwartungen gestellt, die zu Enttäuschungen führen müssen.

    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article208606103/Drosten-Kekule-Co-Weil-die-Forscher-um-die-Erkenntnis-ringen-kann-man-ihnen-vertrauen.html

  16. maiLab:

    Die Antwort auf eine der schwierigsten Fragen der Coronakrise droht vor lauter “Drama” um Drosten und BILD unterzugehen. Wir müssen mal sachlich und unaufgeregt über die Kitas, Kindergärten und Schulen sprechen und ob man es verantworten kann sie zu öffnen – oder sogar muss.

    https://www.youtube.com/watch?v=De5FGogMWzQ

  17. „Kampagne statt Kritik: Was bei «Bild» vs. Drosten schief lief“

    https://medienwoche.ch/2020/06/04/kampagne-statt-kritik-was-bei-bild-vs-drosten-schief-lief/

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