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Homöopathen und Corona

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In unserer Zusammenfassung

Was hilft garantiert nicht gegen das Coronavirus? Angebliche „Alternativen“ im Fakten-Check

erwähnten wir es schon:

Die Verbraucherzentrale Brandenburg befasst sich mit einem „dreisten Fall“ von Werbung für homöopathische Globuli, die angeblich vor einer Corona-Ansteckung schützen:

Es gibt derzeit keine Arzneien, die eine Erkrankung mit dem neuartigen Corona-Virus verhindern können. Werbung, die so etwas suggeriert, führt in die Irre. Wir verurteilen Unternehmen, die die aktuelle Lage ausnutzen, um mit nicht belegbaren Aussagen oder Fake-News verunsicherten Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Zwar empfehlen sowohl der DZVhÄ als auch der Verband klassischer Homöopathen Deutschlands ihren Mitgliedern

… Zurückhaltung hinsichtlich jeder Art von homöopathischen Vorsorge- oder Therapie-Empfehlungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus

beziehungsweise

… Abstand zu nehmen von der Verbreitung von Ratschlägen zur Verwendung einzelner Arzneien zur Prophylaxe oder Behandlung der Erkrankung.

Allerdings hat Udo Endruscheit bereits darauf hingewiesen, dass „Verblendete“ beziehungsweise „Selbstberufene bar jeglicher Einsicht“ trotzdem …

… weiterhin das Informationsuniversum bevölkern und das, was sie als „Naturheilmethoden“ zu bezeichnen pflegen (einschließlich Homöopathie natürlich), propagieren.

In der Tat veröffentlichte der „Bundesverband Patienten für Homöopathie“ prompt den Kommentar eines homöopathischen Arztes, für den es „unerklärlich“ ist, dass „meine hochgestellten homöopathischen Arztkollegen plötzlich kalte Füsse [in puncto Corona] bekommen haben“.

Das (und wohl auch die Tatsache, dass so etwas wie grundsätzliche Einsicht in den Distanzierungen homöopathischer Vereinigungen nicht zu erkennen ist) hat heute Welt+ zu einem warnenden Artikel veranlasst.

Die Autoren berichten, dass gewisse „Hersteller von Pharmazeutika angesichts der Corona-Pandemie das große Geschäft wittern“:

Mit dem Verweis auf die Infektionskrankheit werben sie etwa für homöopathische Komplexmittel zur Stärkung des Immunsystems und der Fiebersenkung. Eine entsprechende Aussendung für die Bestellung von Musterpräparaten an deutsche Ärzte liegt Welt vor.

Sie zitieren einen Schweizer Homöopathen, der erklärt, Corona könne mit Homöopathie behandelt werden, indem „man die individuellen Symptome erfragen und anschließend das ähnlichste Arzneimittel wählen“ würde, „um die Lebenskraft des Patienten zu unterstützen“.

Und der bei Facebook „alternative“ Bücher zum Thema „Covid-19 und Homöopathie“ sowie einen homöopathischen Coronavirus-Kongress („Andere Sichtweisen auf die aktuelle Situation“) teilt.

Auch diesen „United to Heal“-Kongress hatte Endruscheit schon thematisiert.

Welt+ schreibt dazu:

Wer sich für den Kongress registrierte, bekam eine E-Mail, in der es hieß, es werde noch ein „Fragebogen der homöopathischen Ärzte zur SARS-CoV-2 Behandlung“ verschickt. Man wolle gemeinsame Erfahrungen bündeln – von „Ärzten, die Sars-CoV-2 behandeln“.

Als Kritiker kommen Dr. Christian Lübbers und Dr. Natalie Grams zu Wort:

„Es ist eine Vermessenheit der Homöopathen, zu glauben, hier überhaupt etwas zu sagen zu haben. Bei der Pandemie geht es um Leben und Tod – wer da wirkstofffreie und damit wirkungslose Mittel anpreist, handelt fahrlässig“, sagt Grams […]

Angesichts der vielen Scharlatane, die die Corona-Krise für sich ausnutzen, fordert Lübbers gar ein Verbot von homöopathischen Mitteln in Zeiten der Corona-Pandemie: „Es ist schlicht zu gefährlich, dass gerade in diesen Zeiten Menschen auf die falschen Versprechungen der Homöopathie hereinfallen.“

Zum Weiterlesen:

  • Wie Homöopathen mit Globuli Covid-19 heilen wollen, Welt+ am 25. März 2020
  • Bodensatz der Verblendung – Homöopathie in Corona-Zeiten, Keine Ahnung von Garnix am 20. März 2020
  • Homöopathie wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus! – sagt wer? Keine Ahnung von Garnix am 21. März 2020
  • Corona: Abzocker bewerben unsinnige „Medizin“, mimikama am 23. März 2020
  • Händewaschen oder warum Homöopathen sich nicht mit Semmelweis vergleichen können, GWUP-Blog am 23. März 2020
  • Natalie Grams im NDR: „Welche Heilkunst ist die richtige?“, GWUP-Blog am 25. März 2020
  • In Germany, a Heated Debate Over Homeopathy, undark am 16. März 2020
  • Mit Energiesymbol, Wasserkrug und Bircher-Müsli gegen Covid-19? Medwatch am 27. März 2020
  • Was hilft garantiert nicht gegen das Coronavirus? Angebliche „Alternativen“ im Fakten-Check, GWUP-Blog am 22. März 2020

12 Kommentare

  1. Der ‚Tagesschau‘-Faktencheck gegen Corona-Fakenews:

    https://www.tagesschau.de/faktenfinder/inland/corona-therapien-101.html

    Auch einige spezielle „Freunde“ des INH haben es hineingeschafft.

  2. Im Postfach von „Susannchen braucht keine Globuli“ ging gestern eine Mail ein, die zur Teilnahme am nächsten angekündigten Corona-Kongress einladen wollte (wohlgemerkt, einladen wollte als „Aussteller“ bzw. „Produktanbieter“):

    „Liebe Experten,
    wir vom Corona & Immun-Abwehr-Kongress Team grüßen Dich herzlich :-) (…)

    Da die Corona Pandemie weiter fortschreitet, werden wir gerade von Teilnehmern für unseren Corona & Immun-Abwehr-Kongress förmlich überrannt…

    Denn neueste Erkenntnisse zeigen, dass Menschen mit einem intaktenImmunsystem COVID-19 nicht zu fürchten brauchen. Dennoch tragen wir alle große Verantwortung füreinander.

    Wir haben Dich ausgesucht, da Du dich ja ebenfalls ausgiebig mit diesem Thema beschäftigst und daher der Meinung sind, dass sich Dein Publikum sehr gut mit dem Thema des Online Kongresses überschneidet. Daher möchten wir uns heute mit unserem Corona & Immun-Abwehr-Kongress bei Dir vorstellen, der vom 03.04. – 13.04.2020 stattfinden wird.

    Weil unserer Meinung nach das Thema für uns alle wichtiger denn je ist, haben wir uns zu 2 besonderen Verbesserungen entschlossen:

    1. Der Kongress wird als Corona- und Immun-Abwehr Kongress online gehen und wir werden noch viele weitere, spannende Experten mit Live Videos befragen.

    2. Wir geben dir als Partner diesmal sogar ganze 60% Umsatzbeteiligung, denn Hauptsache wir erreichen damit so viele Menschen wie es geht! (…)

    Durch die Brandaktuellen Themen „Immun-Abwehr“ und „Corona“, mit denen wir bei unserem Kongress in’s Schwarze treffen, können wir Dir eine erfolgreiche Affiliate-Aktion garantieren. (…)

    Leute, die sich anmelden, können kostenfrei teilnehmen und wenn sie möchten freiwillig das Paket kaufen.
    Du erhältst als Affiliate-Partner eine Provision von ganzen 60%!“

    Und so fort…

    Sind wir begeistert?

    Übrigens wird die Sache auf die Beine gestellt von einem Geologen, der ein Buch über „Essbare Wildpflanzen“ geschrieben hat, einem Klinikarzt (der schon als Medizinstudent auffällig war), der nach dem „Coimbra-Protokoll“ behandelt und sich deshalb für einen Vitamin D-Experten hält (was schwer damit zusammenzubringen ist, dass er gleichzeitig Fan der Paleo-Diät ist) und einem weiteren Klinikarzt, der alles und jedes mit „Ganzheitlicher Diätetik, Ernährungsformen, Heilfasten und Orthomolekularer Medizin“ behandelt.

    Wo zwischen fehlendem Verstand und fehlendem Gewissen soll man das nur einordnen?

    PS Das Susannchen-Team hat einstimmig beschlossen, das Angebot nicht anzunehmen.

  3. Erfahrungsbericht über einen „Doktor R., Allgemeinarzt und Homöopath aus einem Vorort von München“ beim Corona-Test:

    https://www.sonntagsblatt.de/artikel/kultur/ein-arzt-der-mehr-mitbringt-als-corona-teststaebchen

    Damit ist Doktor R. bei seinem Thema. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er uns für überflüssige Testfälle hält – und wenig vom Umgang mit der aktuellen Krise in Deutschland oder anderswo.

    Das Ganze sei nur Panikmache, ein Riesengeschäft für die Pharmaindustrie und den Berliner Virologen, der den Corona-Test erfunden habe, und es handle sich doch wirklich nur um eine starke Grippe. „Jedes Jahr sterben Tausende an der Influenza, ohne dass wir das öffentliche Leben auf null fahren.

  4. Ja nee, is klar:

    Meiner Einschätzung nach unterscheidet sich dieser Ausbruch nicht von all den anderen, die wir Homöopathen in den letzten 250 Jahren behandelt haben. Auf Facebook habe ich diesem Thema mehrere Beiträge gewidmet und besonders viele Informationen zusammengestellt. Ich empfehle Ihnen, dort reinzuhören. Hier an dieser Stelle will ich Ihnen eine kurze Zusammenfassung geben.

    https://www.narayana-verlag.de/spektrum-homoeopathie/corona-co-wenn-viren-uns-angst-machen

  5. @Bernd Harder

    Ob sich Frau J. C. wohl an ihre eigenen Ratschläge halten wird und ausschließlich das Banerji-Protokoll für SARS anwendet, falls Sie sich mit dem Coronavirus infiziert? Wird sie im Falle einer Verschlimmerung der Krankheit auch auf die künstliche Beatmung verzichten?

  6. Zu dem Text aus dem Narayana-Verlag, den Bernd gestern abend verlinkt hat: Es ist über das ganze Geschwurbel hinaus wirklich befremdlich (oder mit Spock: „faszinierend“), wie widersprüchlich die Hundertprozentigen argumentieren, oder besser: falsch im Sinne ihrer eigenen Lehre.

    Wenn etwa die Autorin indikationsbezogen und im Wortsinn ohne Ansehen der Person irgendwelche Kügelchen empfiehlt, ist das nämlich gar keine Homöopathie, sondern reine Medikamententherapie („wenn Kopfweh, dann Aspirin“ – egal, welche Lebensumstände oder was die Mutter in ihrer Kindheit mal hatte). Das ist genau das, was die der bösen „Schulmedizin“ sonst immer vorwerfen.

    Das ist „ganzheitlich“ in dem Sinne, dass die Ganzheitlichkeit aller Patienten dasselbe kriegt. Aber man bräuchte als Homöopath wohl mindestens 1% an Fähigkeit zur Selbstkritik, um das zu bemerken.

    Auch Empfehlungen zur Prophylaxe dürfen während einer Pandemie nicht fehlen, obwohl eine solche in der homöopathischen Lehre wegen des Ähnlichkeitsprinzips schlicht unmöglich ist.

    Das Gerede von der Dosierung ist natürlich sowieso Dampfplauderei, weil es dieses Konzept in der Homöopathie überhaupt nicht gibt. Jeder Homöopath denkt sich da was anderes aus, und systematisch verglichen wird da sowieso nichts. Ist ja alles total individuell, auch wenn man seine Empfehlungen an die Öffentlichkeit richtet wie zuletzt sogar die Ex-Vorsitzende des Zentralvereins der homöopathischen Ärzte mit dem Hinweis auf „Arsenicum Album“ gegen Covid19.

    Noch besser der Heilpraktiker, der der Autorin als Kommentator beispringt. Erst bezeichnet er sich als „klassischer“ Homöopath (Fun Fact: Das ist nicht dasselbe wie die ursprüngliche Hahnemannsche Homöopathie, guxtu hier: https://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Varianten_der_Homöopathie), der in einem Satz von der Homöopathie als „individueller Therapieform“ salbadert und praktisch gleich im nächsten Satz auf die indikationsbezogene Medikation einsteigt.

    Mit dem Satz, dass die Homöopathie wegen ihrer „Individualität“ nie in randomisierten Studien bewiesen werden könne, hat er immerhin recht. Auch wenn er es anders gemeint hat :-)

    Bedenklich hingegen seine Empfehlung, sich bei Gefühlen von „Angst und Panik“ ohne Konsultation irgendwelche Pillen einzuwerfen.

    Was ich noch nicht wusste: Dass man Globuli durch Auflösen in Wasser und „vor jeder Einnahme mit 5-10x (je nach Patientenempfindlichkeit) Umrühren“ „dynamisieren“ kann. Wieder was gelernt.

    Faszinierend, wirklich.

  7. @ 2xhinschauen
    Auch mit den randomisierten Studien hat er nicht Recht. Es gab seriöse Studien, die nach ausführlicher Anamnese (also ganz lege artis nach Homöopathen-Art) ein Mittel verschrieben bekommen haben und danach randomisiert entweder das Mittel, oder ein Placebo erhielten. Rate mal, was dabei herauskam.

  8. Das Ganze sei nur Panikmache, ein Riesengeschäft für die Pharmaindustrie und den Berliner Virologen, der den Corona-Test erfunden habe, und es handle sich doch wirklich nur um eine starke Grippe. „Jedes Jahr sterben Tausende an der Influenza, ohne dass wir das öffentliche Leben auf null fahren.

    Ja, klar…wenn wir die Pandemie laufen lassen würden – ohne Beschränkungen, dann würden die Toten, die einer starken Grippe, um ca. das 10fache übersteigen.

    Natürlich hat das SARS-nCoV-2-Virus nicht die Letalität eines Ebola-Erregers und auch nicht die eines Pocken-Virus, aber es handelt sich hierbei um eine Pandemie, die viele Menschen das Leben kostet und das sind nicht nur die Alten, sondern auch Junge, wobei natürlich die weniger betroffen sind.

    Auch gibt es Hinweise auf eine Lungenfibrose, auch bei leichteren Fällen, ob diese vollständig ausheilt ist auch die Frage.
    Die Stufe 2, in der man junge ohne Vorerkrankungen, wieder „freilassen“ will, kann man nicht so einfach beantworten, da Niemand weiß, welchen Schaden auch junge Patienten davontragen können.

    Aber abzuwarten, bis wir einen Impfstoff haben wird auch keine Option sein…die Entscheidungen, die die Verantwortlichen in den nächsten Wochen treffen müssen ist alles andere als leicht…und solange: bleiben wird dahoam, denn Dahoam is dahoam, so würde es unser nächster Kanzler sagen ;-)

  9. @RainerO

    Das brauche ich nicht zu raten, das kann ich hier nachlesen: https://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Studienlage

    Wie er schon sagte: Es ist nicht nachweisbar ;-))

  10. Es ist anstrengend, einen Online-Text zu lesen, der gefühlt nach jedem zweiten Satz von Werbung unterbrochen wird – nichtsdestotrotz:

    Natalie Grams bei Women’s Health:

    Warum homöopathische Globuli nicht vor Covid-19 schützen

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