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Methadon und Krebs: „Quarks“ erklärt den aktuellen Stand

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Methadon und kein Ende:

Im November berichtete Quarks über die Erkrankung Krebs und erklärte dabei auch, warum Methadon noch nicht gegen Krebs eingesetzt wird:

Aufgrund der vielen Zuschauerreaktionen hat die Redaktion jetzt noch einmal ausführlich dazu Stellung genommen:

Nach den Kriterien evidenzbasierter Medizin müsste in der Forschung deshalb Folgendes passieren:

1: In Tierversuchen muss ermittelt werden, bei welcher Dosis welche möglicherweise erwünschten und unerwünschten (Neben)Wirkungen und Wechselwirkungen zu erwarten sind und welche Methadon-Dosis für weitere Studien und die klinische Anwendung sinnvoll wäre. Wobei zu den Nebenwirkungen zu sagen ist, dass man darüber aus der Zulassung für Sucht- und Schmerzmedizin schon viel weiß.

2: Um schließlich die Wirksamkeit von Methadon zur Co-Therapie von Tumoren beurteilen zu können, müssen prospektive, kontrollierte, randomisierte Studien mit Krebspatienten durchzuführen.


3: Zwei klinische Studien sind derzeit geplant. Forscher des Uniklinikums Ulm planen eine Studie mit Darmkrebs Patienten, Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg eine Studie mit Patienten mit Hirntumoren. Die Anträge beider Studien werden aktuell noch von der Deutschen Krebshilfe, dem potentiellen Geldgeber, begutachtet. Die Studien werden nur dann stattfinden, sofern die Gutachter den Anträgen zustimmen. Bis es erste Ergebnisse gibt, wird es also noch eine Weile dauern.

Zum Weiterlesen:

  • Wie Clickbait-Schleudern den Methadon-Hype ausnutzen, GWUP-Blog am 23. September 2017
  • Der Methadon-Hype: „Muster einer Verschwörungstheorie“, GWUP-Blog am 25. August 2017

6 Kommentare

  1. und ihr ahnt nicht, was in den Kommentaren wieder los ist…

  2. @ Eb:

    Bei so viel Dummdreistigkeit fällt mir allmählich nur noch eines ein: intellektueller Pöbel. Dunning Kruger in absoluter Reinkultur. Und nebenbei noch rechtes Gedankengut, eine teuflische Mischung.

  3. und die meisten sind irgendwelche Sockenpuppen, die sich gegenseitig beklatschen. Ich vermute in den fb Gruppen gibt es Leitfäden, wie man argumentieren soll. Aber wer steckt hinter den fakes?

  4. Hat sich tatsächlich doch wieder etwas getan, nachverfolgbar auf https://www.forum-substitutionspraxis.de/substitutionsmittel/methadon/methadon-in-der-krebsmedizin.
    Der Petitionsausschuß des Bundestags ist Friesen und Hilschers „Argumentation“ gefolgt: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/104746/Petitionsausschuss-unterstuetzt-Forderungen-nach-Forschung-bei-Methadon-in-der-Krebstherapie. Sehen wir mal, wann unser hyperaktiver Gesundheits-Jens darauf anspringen wird.

  5. @ crazyfrog (mit Verspätung): Danke für den Link!

    Bislang hat sich der Studienbeginn verzögert, soll aber in diesem oder dem nächsten Monat voraussichtlich starten:

    https://www.uniklinik-ulm.de/innere-medizin-i/gastroenterologie/tumoren-des-magen-darm-traktes-gastrointestinale-onkologie/mefox-studie-methadon-plus-chemotherapie-bei-metastasiertem-darmkrebs.html.

    Wie man sieht, hat es überhaupt nichts mehr mit Hirntumoren zu tun, sondern mit Dickdarmkrebs, wobei es sich um ein hochselektioniertes Patientengut handeln wird.

    Sehr aufschlußreich ist auch die dort verlinkte Stellungnahme der Deutschen Krebshilfe

    https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Stellungnahmen/Deutsche_Krebshilfe_Stellungnahme_Methadon_10_2019.pdf

    in der detailliert beschrieben wird, warum anderweitige Studien nicht zustande gekommen sind.

    Frau Dr. Friesen ist dabei im übrigen immer wieder als direkt oder indirekt an der Studienplanung Beteiligte aufgeführt. Was nebenbei bemerkt ihre Behauptungen, sie könne keine klinischen Studien anstoßen, aufs Schönste widerlegt.

    Unterdessen haben (nicht überraschend) die Neurochirurgen des UK Göttingen festgestellt, daß Methadon erhebliche Nebenwirkungen bei Hirntumorpatienten haben kann:

    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32060760/

    und auch vom UK Tübingen ist ein erschöpfendes Paper erschienen, welches sich kritisch mit der molekularbiologischen Rationale des Methadoneinsatzes beschäftigt:

    https://www.mdpi.com/2218-273X/10/6/917/htm.

    Zugleich bläst, nachdem es einen Wechsel an der Spitze des Ordinariats für Rechtsmedizin gegeben hat, Frau Friesen der Wind stark ins Gesicht, und dies hat alles, was eine kleine Skandalchronik braucht: Auftragsforschung an nichttödlichen Waffen, eine unklare Unternehmenskommunikation, eine in die universitären Belange sich einmischende Bundestagsabgeordnete und last not least die Südwestpresse als aufbauschende Zeitung:

    https://www.pressreader.com/germany/sudwest-presse-ulm/20200727/282080574161481

    https://www.pressreader.com/germany/sudwest-presse-ulm/20200623/282235192918648

    Die umfassenden Youtube-Aktivitäten von Friesen und ihrem Anhängsel Hilscher liste ich jetzt nicht auf, aber doch recht aufschlußreich ist folgender Verein, frisch gegründet und mit optisch ansprechender, jedoch (erwartungsgemäß) inhaltlich leerer Website: https://methadon-krebsbehandlung-verein.de/ – Impressum: Friesen, Hilscher, Miltner (der ehemalige Chef Friesens).

    Zu Hilscher übrigens noch eine kleine Anmerkung: Bereits vor ziemlich genau zwei Jahren hat er in einer obskuren, eher dem medizinischen Marketing zuzuordnenden Zeitschrift seine Ansichten zum Thema Methadon veröffentlicht (https://www.con-nexi.de/article-Methoden-in-der-Palliativbetreuung__y0pi.html):

    Selten habe ich dermaßen viel selektive Quellenzitationen, Halbwissen, „eminenzbasierte“ Ansichten und den Leitlinien widersprechende Empfehlungen gelesen. Ich werde das nicht weiter ausführen, es würde zu lang und uninteressant für Nicht-Mediziner, aber es bestärkt mich darin, daß Hilscher ganz und gar nicht kompetent ist.

    Dies waren, wie alle paar Monate, meine Zwofuffzich zum Thema – auch wenn ich beruflich bedingt nicht mehr so direkt am ganzen dran bin, macht es mir doch Sorgen, daß auf niedriger Flamme alles weiterköchelt. Und ich kann mir nicht gut vorstellen, daß die avisierte Studie des UK Ulm zu einer Beruhigung der Lage beitragen wird.

    Eher wird (erst in einigen Jahren allerdings) der Sturm losbrechen, wenn die Ergebnisse insbesondere nicht den Erwartungen von Friesen und ihren Unterstützern entsprechen.

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