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Offener Brief an Politikerin: „Beliebtheit“ ändert nichts an Unwirksamkeit der Homöopathie

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Das INH und der GWUP-Wissenschaftsrat haben einen offenen Brief an die bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml, und an alle Fraktionen im Bayerischen Landtag verfasst.

Den Anlass dafür gab eine Pressemitteilung der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag mit dem Titel „Naturheilkunde soll an Bayerischen Universitäten stärker verankert werden“.

Bei dem Termin, über den die CSU in ihrer Mitteilung berichtete, ging es allerdings nicht um Naturheilkunde, sondern um offenen Lobbyismus pro Homöopathie bei der Landtagsfraktion – in Anwesenheit der Staatsministerin für Gesundheit.

Ein Auszug:

Die Medizin ist pragmatisch und offen für neue Erkenntnisse, wie jede gute Wissenschaft. Dies führt dazu – und hat seit jeher dazu geführt -, dass Methoden, ungeachtet ihrer Herkunft oder ihres Alters, in den Kanon der Medizin aufgenommen werden, wenn sie eine spezifische Wirksamkeit nach wissenschaftlichen Kriterien nachweisen können.

Können sie dies nicht, kommt ihnen auch mit den Attributen „alternativ“, „komplementär“ oder auch „integrativ“ das Prädikat „Medizin“ nicht zu. Außerdem ist davor zu warnen, „Naturheilkunde“ mit diesen Begrifflichkeiten gleichzusetzen.

Bedeutungsvoll erscheint uns in diesem Zusammenhang die Erfahrung an der medizinischen Universität Wien, die das Fach Homöopathie eingeführt hatte, um einen kritischen Umgang mit der Methode zu lehren. Dies hat sich nicht bewährt, ist vielmehr sogar ins Gegenteil umgeschlagen.

Das Auftreten von Vertretern der Homöopathie als Vortragende (und vorgeblich „Sachkundige“) führte dazu, dass bei der Lehre die konkrete Anwendung der Methode statt der wissenschaftlich-kritische Blick in den Vordergrund geriet.

Aus unserer Sicht wäre einer kritischen Auseinandersetzung mit den Lehren der „Alternativmedizin“ durchaus Genüge getan, wenn man in den Grundlagenfächern aufzeigt, wie sehr solche Heilslehren zu der dem Hochschulwesen immanenten kritisch-rationalen wissenschaftlichen Sicht im Widerspruch stehen.

Zum Weiterlesen:

  • Offener Brief von GWUP-Wissenschaftsrat und INH an Staatsministerin Melanie Huml (Bayern), Informationsnetzwerk Homöopathie am 19. Dezember 2018
  • CSU-Landtagsfraktion und LMU-Ärztin für mehr Homöopathie an Universitäten, hpd am 19. Dezember 2018
  • Homöopathie auf der Intensivstation einer Uniklinik? br am 19. Dezember 2018
  • Esoterik-Adventkalender, Tür 19: Homöopathie-Missionare auf Safari, derStandard am 19. Dezember 2018

3 Kommentare

  1. Frau Huml ist approbierte Ärztin.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Melanie_Huml

    Allerdings scheint sie von evidenzbasierter Medizin nicht viel zu halten, wenn sie die Homöopathielobby unterstützt. Spielt sie womöglich mit dem Gedanken, eine blau-weiße gerautete Variante von Barbara Steffes zu werden?

  2. Laut Pressemitteilung hat sich Frau Huml „spontan dazugesellt“.

    War sie also rein „zufällig“ dabei, um mal ganz unverbindlich mit Kolleginnen zu plaudern, oder war das Treffen geplant? Und was wurde dabei gesprochen?

    Egal, der Strahlemann auf dem Foto, Herr Seidenath, beweist jedoch als gelernter Jurist, stellvertretend für die CSU-Fraktion, wissenschaftliche und medizinische Inkompetenz, und es ist absolut richtig, dass wir versuchen, den Anfängen zu wehren.

    Das unkritische Zitieren von irgendwelchen „passenden“ Umfrageergebnissen übt eine fatale Wirkung auf den Durchschnittsbürger aus und fördert die schwärmerische Kritiklosigkeit gegenüber der Wohlfühlmedizin.

  3. Das Phänomen scheint mir einfach erklärbar.

    Es gibt offenbar Zeiten, in denen man allem hinterherläuft, was mit dem Prädikat „Beliebtheit“ winkt und wirft alles andere der Einfachheit halber über Bord.

    Nun, eines der Leitwörter von Frau Huml in ihrer Regierungserklärung zur Gesundheitspolitik war „moderne Medizin“. Also bitte. Wobei man ein Auge auf die ständigen Versuche richten sollte, die wissenschaftliche Medizin mit dem Wort „konservativ“ abzuqualifizieren und weitaus älteres Zeug vom Abfallhaufen der Medizingeschichte als „modern“ zu propagieren.

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