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„Abenteuerlich“: Die Doku „Eingeimpft“ im Faktencheck

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Die Stuttgarter Zeitung hat sich „Eingeimpft“ zusammen mit dem Kinderarzt und Infektiologen Prof. Markus Rose vom Klinikum Stuttgart angesehen und einem Faktencheck unterzogen (kostenpflichtig bei StZPlus).

Einige Auszüge:

Schlüsselszene 1: Die Mutter Jessica möchte die Tochter Zaria nicht impfen lassen, weil sie eine Erkältung hat. Wie schlimm ist eine Impfung bei angeschlagener Gesundheit?

Rose: Ein banaler Infekt wie beispielsweise eine Erkältung, die ohne Fieber einhergeht, ist kein Grund, nicht zu impfen […] Problematisch ist vielmehr, wenn so bei den vielen Infekten in den ersten zwei Lebensjahren Kinder nicht zeitgerecht oder nicht vollständig geimpft werden.

Schlüsselszene 2: David Sievekings Partnerin Jessica wird noch während der Schwangerschaft geimpft – prompt liegt sie mit einem schweren Infekt wochenlang im Bett. Können Impfungen während der Schwangerschaft mehr schaden als nutzen? 

Eine Impfung – auch in der Schwangerschaft – kann keine wochenlange Krankheit verursachen, sagt Rose. Hier müsse zeitgleich ein zusätzlicher ­Infekt vorgelegen haben.

Schlüsselszene 3: Die Mutter Jessica sagt: „Allein das Gefühl, dass ich einem kerngesunden Kind etwas antue, tut mir weh.“ Kann ein Kind nicht von allein, auf natürliche Art und Weise ein gesundes Immunsystem entwickeln? 

Wir sehen in unseren Kinderkliniken immer wieder Kinder mit schweren Infektionen, die vermeidbar gewesen wären – hätte man sie geimpft, oder hätten die ­Eltern einen kompletten Impfschutz ­gehabt […] Was viele Eltern ebenfalls überschätzen, ist der sogenannte Nestschutz der Kinder – wonach insbesondere Säuglinge etwa über die Muttermilch vor Krankheiten geschützt sein sollen. Diese Leihimmunität, die während der späten Schwangerschaft entsteht, klingt in den ersten sechs Lebensmonaten wieder ab.

Schlüsselszene 4: Beim Kinderarzt kommt das Argument: Warum impfen, wenn das Kind doch kaum krank ist? Der Arzt antwortet: „Dass Ihre Tochter kaum krank ist, liegt daran, dass die meisten Kinder in Ihrer Umgebung durchgeimpft sind.“ Stimmt das?

 In dieser Szene wird endlich ein sehr wichtiger Aspekt angesprochen, der in dem Film sonst kaum Beachtung findet: nämlich der des Herdenschutzes […] Es gibt schließlich Menschen, darunter auch viele Kinder, die chronisch krank sind oder so ein schwaches Immunsystem haben, weshalb sie nicht geimpft werden können. Diese Menschen schützt die Gesellschaft durch die Impfung.

Schlüsselszene 5: Im Film stellt David Sieveking eine junge Frau vor, die an einer neurologischen Krankheit leidet, dem sogenannten chronischen Erschöpfungssyndrom. Ausgelöst sei es durch die Wirkverstärker einer Impfung. Können diese Aluminiumsalze tatsächlich dem menschlichen Nervensystem schaden? 

Die im Film von der Patientin genannten Beschwerden, die im Zusammenhang mit der Impfung aufgetreten seien, wie beispielsweise das Ausbleiben der Monatsblutung, nennt Markus Rose „abenteuerlich“. Er stellt klar: Geimpfte Personen leiden nicht häufiger an derartigen Krankheiten als Ungeimpfte. Zumal der Aluminiumgehalt in Impfstoffen weit unter den gesetzlichen Grenzwerten liegt. Wir nehmen täglich mehr Aluminium über unsere Nahrungsmittel auf.

Schlüsselszene 6: Der dänische Anthropologe Peter Aaby klärt den Regisseur über die unspezifischen Wirkungen von Impfstoffen auf: Demnach könnten Lebendimpfstoffe die Kindersterblichkeit zu einem gewissen Maß senken, während Totimpfstoffe den gegenteiligen Effekt hätten. Sollte man Aabys Vorschlag annehmen und mehr Lebend- und weniger Totimpfstoffe einsetzen?

Der Vorschlag Aabys wurde von der ­Weltgesundheitsorganisation geprüft – anhand der Impfstoffe gegen Tuberku­lose, Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten und Masern. Doch die Belege haben für eine Änderung der Impfempfehlungen nicht ausgereicht. Dass sich Eltern selbst ein eigenes Impfschema basteln, um der Theorie Aabys zu entsprechen, sieht Markus Rose kritisch: Auch wenn Eltern so das Gefühl erhalten, sie können sich an der Impfplanung aktiv beteiligen, riskiert dieses Abweichen vom öffentlich empfohlenen Impfplan einen unvollständigen Impfschutz.

Apropos Aluminiumsalze:

Auch das Pharma- und interessenunabhängige arznei-telegramm greift diese Frage in der aktuellen Ausgabe auf. Die Antwort deckt sich mit bisherigen Erkenntnissen.

Zum Weiterlesen:

  • Der Film „Eingeimpft – Familie mit Nebenwirkung“: Faktencheck zum neuen Impfstreit, Stuttgarter Zeitung am 25. September 2018
  • Aluminium in Impfstoffen, arznei-telegramm am 21. September 2018
  • Mit Impfgegnern kommunizieren – warum Werte wichtig sind, Ratgeber-News-Blog am 28. August 2018
  • Vierfach-Impfstoff soll besser schützen als in der letzten Grippe-Saison, tagesspiegel am 27. September 2018
  • Bürgerkrieg und Impfangst: Gerät Ebola im Kongo außer Kontrolle? spektrum am 26. September 2018
  • Stiche für die DDR – Impfen im Sozialismus, mdr am 26. September 2018
  • Eingeimpft“ in Heidelberg: Hin- und hergerissen vom Dokumentarfilm über das Impfen, Rhein-Neckar-Zeitung am 25. September 2018
  • „Impfen“ im Deutschlandfunk: Zwischen Herdenschutz und Verschwörungstheorie, GWUP-Blog am 23. September 2018
  • „Eingeimpft“-Premiere in Köln: Von Dialog keine Spur, GWUP-Blog am 11. September 2018
  • Schockierende Inhaltsstoffe in Grippe-Impfstoffen? – Faktencheck, mimikama am 7. Oktober 2017
  • Susannchens kleine Impfkunde (3): Zusatzstoffe und das liebe Geld

16 Kommentare

  1. @crazyfrog:

    „Am ersten Wochenende (Donnerstag bis Sonntag) haben sich deutschlandweit gerade einmal 1173 Zuschauer die Doku angesehen. Offensichtlich hat das große Medienecho der letzten Wochen ausgereicht, Anti-Sieveking-Antikörper zu bilden.“

  2. @Bernd Harder:

    Anti-Sieveking-Antikörper – Großartig. :D

    @Crazyfrog:

    Das mit Big Pharma gab mir zu denken.

    Vielleicht stecken die doch dahinter. Auf Seiten der Impfgegner. Schließlich darf so eine Katastrophe wie die Ausrottung einer Krankheit nicht noch einmal passieren. Das ist ja geschäftsschädigend.

    Das ist wie bei den Nachhilfeinstituten, die die Lehrer bestechen, damit sie schlechten Unterricht halten. (Frei erfundene Verschwörungstheorie).

  3. @crazyfrog:

    Bei der „WissensWerte“ darf er trotzdem nochmal rumtun:

    https://www.wissenswerte-bremen.de/B1_Dialog_-Eingeimpft—David-Sieveking-im-Gespraech+493

    Ob er zur Aluhut-Verleihung auch kommt?

  4. Meinen herzlichen Glückwunsch an David Sieveking zum Sieg. Der Hut steht ihm sicher gut. :)

  5. Christian Keils Analyse zum Film ist scharfsinning und bestechend. Vielen herzlichen Dank!

  6. Eine schrecklich nette Familie überlegt sich, ob sie ihre Kinder impfen lassen soll. Die Recherche ist naiv – für Impfgegner und -befürworter gleichermaßen.

    https://derstandard.at/2000096905823/Warnung-Der-Film-Eingeimpft-kann-Ihre-Gesundheit-gefaehrden?ref=article

  7. ARTE zeigt heute diesen Mist unter dem Label „Wissenschaft“:

    https://www.arte.tv/de/videos/060209-000-A/eingeimpft/

  8. @Proimpfen:

    Ja, der Herr Sieveking muss ja seine öffentlich-rechtlichen Fördergelder wieder einspielen.

  9. Und direkt vorher läuft mal wieder „Cholesterin, der grosse Bluff“. Muss wohl wieder einmal Medizin-VT-Tag bei arte sein.

  10. Mei, mei, mei, die Studio“diskussion“ nach dem Film war ja nochmal ein echtes Facepalm-Festival. Vor allem, wie Herr Sieveking sein Machwerk verteidigt hatte, inklusive Strohmännern und Torpfostenverschiebungen.

    Hat mal jemand ’ne neue Tischplatte für mich?

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