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„Die Faktenaktivisten“: Das INH in der Badischen Zeitung und ein neuer Youtube-Film

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Im neuen Skeptiker (3/2018) blickt Dr. Norbert Aust auf die Gründung des Informationsnetzwerks Homöopathie (INH) vor zwei Jahren zurück.

Wir konnten uns eine Bühne erarbeiten, die wir einzeln, jeder für sich, nie hätten erreichen können und auf der wir die wissenschaftliche Sichtweise verbreiten können.

Zum – sagen wir – zweieinhalbjährigen Jubiläum gibt es dieses Geschenk:

Auch die Badische Zeitung (ansässig am INH-Gründungsort Freiburg) überrascht an diesem Wochenende mit einer mehrseitigen Homöopathie-Geschichte.

Zitiert wird darin unter anderem Dr. Natalie Grams:

Natalie Grams, Medizinerin und ehemalige Homöopathin, wertet die Debatte als Erfolg der eigenen Arbeit: 2016 hatte sie mit Mitstreitern in Freiburg das kritische „Informationsnetzwerk Homöopathie“ gegründet, das sie leitet. „Wir haben eine Menge erreicht“, findet sie. So sei die Homöopathie zuletzt in vielen Medien kritisch diskutiert worden. Nach Jahren des Wachstums stagnierten die Umsätze mit homöopathischen Medikamenten im vergangenen Jahr.

Der Beitrag ist insgesamt eher kritisch („Eine spezifische Wirksamkeit der Medikamente ist nicht belegt. Es gibt auch keinen Hinweis, dass Hochpotenzen in zellulären Systemen Wirkung haben.“), versucht aber dennoch, der Homöopathie die Existenzberechtigung nicht gänzlich abzusprechen.

Allerdings sagt am Schluss Cochrane-Chef Gerd Antes klipp und klar:

Auch Antes ist überzeugt, dass es in der Schulmedizin einen Mangel an Zuwendung gibt. Daraus eine Berechtigung für die Homöopathie abzuleiten, hält er jedoch für verfehlt:

Dann soll doch das Gesundheitssystem dem Arzt die entsprechende Sprechzeit geben – und das nicht Homöopathie nennen.

Daneben gibt’s ein Porträt über den Wirtschaftsinformatiker und INH-Unterstützer Johannes Güntert:

Kaum ein Tag vergeht, an dem er sich auf Facebook nicht in Debatten einmischt oder Esoteriker anprangert. Im Kern geht es stets um dieselbe Frage: Was sind Fakten?

Spätestens mit der Wahl Donald Trumps, des Kings of Fake, ist klar geworden, dass der gesellschaftliche Konsens darüber, was Fakten sind, nicht mehr existiert. Die Trennung von Tatsachen und Meinung, von Wissen und Glauben wird ausgehöhlt, teils mit voller Absicht, teils aus Ahnungslosigkeit.

Güntert sieht darin einen Rückfall ins Mittelalter. Wenn es so etwas wie einen postfaktischen Zeitgeist gibt, dann ist der Faktenaktivist aus dem Marktgräflerland Teil einer Graswurzelgegenbewegung […]

Wenn wir uns nicht mehr an Fakten halten, stürzen wir ab in die totale Beliebigkeit, warnt Güntert. Dieser Relativismus sei der Spielplatz, auf dem sich nicht nur Esoteriker, sondern auch Populisten wie Trump austobten.

Die Artikel können nach einer kostenlosen Registrierung auch online gelesen werden.

Zum Weiterlesen:

  • Ein Schlüsselerlebnis mit einer Hebamme machte ihn zum Homöopathie-Gegner, Badische Zeitung am 21. September 2018
  • Was kann die Schulmedizin von der Homöopathie lernen? Badische Zeitung am 22. September 2018
  • Aus für Homöopathie-Werbung auf Charité-Seite – wer steckte dahinter? hpd am 18. September 2018
  • SWR-Stellungnahme: „Wir können in der Berichterstattung über Homöopathie durchaus besser werden“, GWUP-Blog am 21. September 2018
  • Das „Netzwerk Homöopathie“: die offizielle Presseerklärung, GWUP-Blog am 1. Februar 2016

10 Kommentare

  1. @crazyfrog:

    Den Artikel der Ruhrbarone werden wir nicht teilen. Verbraucher als „Dummköpfe“ zu betiteln, ist kaum angezeigt und widerspricht vehement den Anliegen des INH, sachlich und höflich aufzuklären. Von einem solchen Stil von“Skeptikern“ distanzieren wir uns. Mag für Schenkelklopfer lustig sein – wir halten es da lieber mit Anna Zakrisson: „Seid freundlich! Wer folgt schon gerne einem A…loch?“

    Wir haben auf der „Susannchen“-Seite ebenfalls einen Artikel zum Thema homöopathische Zahnpasta: https://susannchen.info/?s=Zahnpasta

  2. @crazyfrog:

    Der Text bei den Ruhrbaronen ist kontraproduktiv, wenn er nicht völlig als Selbstbespiegelung gemeint sein sollte. „Aufklärerisch“ ist er nicht. Das INH schreibt unter seinen Zielsetzungen:

    „Wir fühlen uns einer sachlichen und auf nachprüfbaren Fakten basierenden Argumentationsweise verpflichtet. Auch Menschen, die unsere Sichtweise nicht teilen, insbesondere bei gegenteiliger Ansicht, begegnen wir mit persönlichem Respekt und der gebührenden Achtung, auch wenn dies umgekehrt nicht der Fall sein sollte.“

    Und in der Freiburger Erklärung heißt es:

    „Ziele unserer Kritik sind nicht der heilsuchende Patient und der einzelne homöopathisch arbeitende Therapeut, sondern die aufgebaute Lehre und die Institutionen des Gesundheitswesens, welche die Widersinnigkeit der Homöopathie längst erkennen könnten, aber dennoch nicht einschreiten.“

    Wie man glauben kann, mit einem solchen Beitrag wie bei den Ruhrbaronen, der die Konsumenten gleich im Titel und im ersten Satz als „Dummköpfe“ abkanzelt, einen konstruktiven Beitrag zu Aufklärung und Diskurs zu leisten, ist mir ein Rätsel. Von einer so daherkommenden „Homöopathiekritik“ distanziere ich mich (was im Endeffekt aber nicht verhindern wird, dass mit Häme irgendjemand irgendwann mal wieder so etwas als Beleg für die bösen und frechen Homöopathiekritiker insgesamt anführt).

    An anderer Stelle schrieb ich:
    „Kritisches Denken ist eine Tugend. Aber sie verkommt zur Untugend, wenn sie sich selbstverliebt nur darin gefällt, die eigene Kritikfähigkeit als solche unter Beweis zu stellen.“

  3. @Susannchen braucht keine Globuli/Udo Endruscheit:

    Und seit wann haben sich die Ruhrbarone nach den Wünschen und Statuten des INH zu richten?

  4. @ Jon Schnee
    „Und seit wann haben sich die Ruhrbarone nach den Wünschen und Statuten des INH zu richten?“

    Die Ruhrbarone sind ohne Zweifel eine eigene Organisation, die natürlich schreiben kann, über was und wie sie es will. Aber wir vom INH dürfen das auch. Und wir haben das Recht, darauf hinzuweisen, welchen Schaden man mit solchen Verbalinjurien anrichtet.

    Und wir dürfen uns von solchen Äußerungen distanzieren.
    Was ich hiermit bekräftige.

  5. @Jon Schnee:
    Wurde das von mir irgendwo implizit oder explizit verlangt? Sicher nicht. Ein Strohmannargument, das zu behaupten.

  6. So, liebe Leute – ich möchte hier im GWUP-Blog keine Auseinandersetzung zwischen den Ruhrbaronen und dem INH moderieren.

    Führt die Diskussion bitte dort im Kommentarbereich, wenn es unbedingt sein muss.

    Der einzige Anlass hier war eine kommentarlose Verlinkung eines hiesigen Stamm-Kommentators zu dem Artikel – sonst nichts.

    Ich persönlich kann beide Seiten verstehen:

    Ich kann nachvollziehen, dass ein solcher Text möglicherweise ein schlechtes Licht auf die Homöopathie-Kritik insgesamt wirft, was ich selbst auch bedauern würde.

    Ich kann aber offen gesagt auch nicht vollständig, zu 100 Prozent, nachvollziehen, warum man hier, an dieser Stelle,

    a) sich von einem Beitrag bei den „Ruhrbaronen“ distanzieren muss? Warum tut man das nicht dort (auch wenn ich persönlich sogar das für übertrieben halte – ich finde auch z.B. Trumps Politik nicht gut, sehe aber nicht, wo und warum ich mich davon „distanzieren“ müsste)?

    b) warum man ganz generell auf einen Artikel bei den „Ruhrbaronen“ mit langen Auszügen aus den Zielsetzungen von INH und Freiburger Erklärung reagieren muss?

    In dem Artikel wird weder das INH genannt, erwähnt, kritisiert o.ä., noch explizit der Anspruch erhoben, „Aufklärung“ über Homöopathie zu betreiben. Insofern kann ich auch „Jon Schnee“ verstehen.

    Man möge mir diese durchaus loyal zum INH gemeinte Kritik verzeihen – aber lassen wir mal bitte gut sein jetzt.

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