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In Memoriam: Prof. Irmgard Oepen, Gründungspräsidentin der GWUP

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Meinen allersten Artikel für den Skeptiker schickte sie mir postwendend zurück.

Das war 1993. Als frisch volontierter Jungredakteur bei einer großen Zeitschrift war ich gerade der GWUP beigetreten und ging mehr oder weniger fraglos davon aus, fortan auch die Skeptiker-Publikation mit Beiträgen zu bereichern.

Es sollte schwieriger werden, als ich dachte.

Als Redaktionsleiterin des Skeptiker zeichnete damals Professor Irmgard Oepen – und erst nach einigen neuen Anläufen, manchen Diskussionen und Rewritings konnte ich schließlich meine ersten Artikel platzieren.

Viele Jahre später – inzwischen war ich längst Vorstands- und Redaktionsmitglied – erklärte sie mir mit ihrem typischen verschmitzten Lächeln, das sie nie ablegte, dass sie das ganze Procedere als eine Art Test betrachtet hätte.

Ich habe mich schon in der Kindheit entschlossen, bei Problemen am Leben zu bleiben, abzuwarten und den bestmöglichen Ausweg zu suchen“,

sagte Irmgard Oepen 2007 in einem Interview.

Auch die GWUP sah sie von Beginn an als langfristiges Projekt. Unser Engagement für Wissenschaft und kritisches Denken verglich sie oft und gern mit „Zähneputzen“: zwingend notwendig, aber zielführend nur in der immerwährenden Beharrlichkeit. An ihren Mitstreitern schätzte sie besonders „Energie, Phantasie und Profil“. Und sie selbst ging immer voraus.

Stets freundlich und verbindlich, aber kompromisslos in ihrem Anliegen, die Öffentlichkeit auf die Gefahren von unkonventionellen Behandlungsmethoden aufmerksam zu machen, hatte Oepen bereits in den frühen 1980er-Jahren erfahren, was es heißt, sich mit der mächtigen „Alternativ“-Lobby anzulegen.

1986 veröffentlichte sie mit dem Ostberliner Gerichtsmediziner Otto Prokop das Standardwerk „Außenseitermethoden in der Medizin: Ursprünge, Gefahren, Konsequenzen“. In der Folge formierte sich eine Hetzkampagne gegen die Hämatologie-Professorin am Marburger Institut für Rechtsmedizin. Die Ärztezeitschrift für Naturheilverfahren (Nr. 27/1986) fuhr den Schmähartikel „Kuckucksei im Nest der Rechtsmedizin?“ auf. 200 „Kollegen“ wandten sich mit einer Unterschriftenaktion an die Bundesärztekammer gegen Oepens Aktivitäten.

Just zu dieser Zeit wurde der heutige GWUP-Vorsitzende Amardeo Sarma auf Oepen aufmerksam:

Herr Sarma rief mich eines Tages an und frage mich, ob ich Präsidentin einer neu zu gründenden Gesellschaft werden wollte. „Ich werde Sie unterstützen, so gut ich kann“, war meine Antwort, „aber ich weiß nicht, wie ich aus dieser Situation hervorgehen werde, und Sie haben außerdem dann gleich meine Feinde am Hals“. Da meinte Herr Sarma nur: „Ihre Feinde können ruhig auch unsere Feinde werden.“

Und so kam es denn auch.

In der GWUP fand Oepen Unterstützer, Ko-Expertise und eine Organisationsstruktur. Die GWUP gewann mit Oepen eine Gründungspräsidentin, die die Skeptiker gleich zu Anfang dort positionierte, wo sie hingehören: ins Zentrum des kritischen Diskurses.

Die Zeit bezeichnete 1993 Oepen als „streitbare Schulmedizinerin“:

Mögen die homöopathischen Theorien früher einmal zeitgemäß gewesen sein, meint Irmgard Oepen, so hätten sie sich doch mittlerweile als irreführend und unwirksam erwiesen. Von der Homöopathie sollten sich Hochschullehrer folglich ebenso distanzieren wie von astrologischer Gesundheitsberatung oder vom Handlesen.“

Sie selbst bewertete ihren Einsatz für die Aufklärung so:

Wir haben dazu beigetragen, dass Menschen in Not sich nicht so leicht von einem Heilsversprecher verführen lassen, sondern über das gewaltige Risiko informiert werden, und dann ihre Entscheidung treffen können.“

Bis 1994 war Irmgard Oepen Präsidentin der GWUP und noch zwei Jahre länger leitete sie den Skeptiker.

2008 zog Oepen in das Wohn- und Pflegeheim der DRK-Schwesternschaft Marburg.

Zwei Bücherregale stehen in dem kleinen Zimmer im Wohnheim. Jeder Zentimeter ist genutzt. Meterweise Fachliteratur“,

schrieb ein Reporter der Oberhessischen Presse bei einem Besuch:

Schließlich hat ihr Beruf und die Forschung einen Großteil ihres Lebens ausgemacht.“

Und nicht zuletzt auch die GWUP.

Wir haben Professor Irmgard Oepen viel zu verdanken. Und ich auch.

Zum Weiterlesen:

6 Kommentare

  1. Danke für den gelungenen Text! Sie in der GWUP kennen lernen und erleben zu können, war auch für mich bedeutsam.

  2. Die Idee mit der Spende für das Pflegepersonal des Seniorenheims anstelle von Blumen und Kränzen finde ich echt super. Sonst wird ja eher um Spenden für bekannte Wohltätigkeitsorganisationen gebeten – aber posthum diejenigen zu bedenken, die einem die letzten Lebensjahre angenehmer gestaltet haben, ist mal etwas Neues. Hat da jemand zufällig eine Bankverbindung (ich finde im I-Net leider nichts, was spezifisch für die Pflege des Heimes wäre)?

  3. @noch’n Flo:

    Ja, gibt’s per PN.

  4. Sehr beeindruckende Frau mit Kämpfergeist und klarem Verstand. Danke liebe Frau Oepen für alles, was Sie für Patienten, Aufklärung und die GWUP getan haben.

  5. Frau Oepen war das erste GWUP-Mitglied, das ich bei meinem Eintritt im Jahre 1998 in die GWUP näher kennenlernen durfte.

    Sie hat sich gleich engagiert und rührend um mich als Neuling gekümmert, mir wertvolle Informationen zukommen lassen und mich gegen eine Spende an die GWUP mit allen bis dahin erschienenen und noch verfügbaren SKEPTIKER-Ausgaben versorgt.

    Es war immer eine Freude, sie auf SKEPTIKER-Tagungen (leider nicht mehr sehr lange) zu treffen und sich mit ihr auf der Grundlage ihres profunden Wissens auszutauschen.

    Nun hat uns diese eindrucksvolle Frau leider für immer verlassen, aber sie wird immer bei allen, die Sie gekannt haben, in bester Erinnerung bleiben.
    In Trauer
    Erich Bliemel
    Stuttgart

  6. @ Bernd Harder:

    „Ja, gibt’s per PN.“

    Danke dafür, habe zwischenzeitlich einen kleinen Betrag angewiesen. Auch wenn ich sie nie persönlich kennenlernen durfte, wusste ich doch um Frau Oepens Bedeutung für die Skeptikerbewegung im deutschsprachigen Raum. Ein grosser Verlust.

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