Neues von der Esoteriker-, äh Techniker Krankenkasse

Mehr braucht man dazu eigentlich nicht zu sagen:

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Schon vor drei Jahren haben wir darüber berichtet, dass die Techniker Krankenkasse eine Veranstaltung des dubiosen “Vereins zur Hilfe umweltbedingt Erkrankter” (mit Psiram-Eintrag) unterstützt.

Ein Ausrutscher aus Unkenntnis?

Mitnichten – sondern geschäftstüchtiges Kalkül. Auch 2017 ist die TK beim VHUE wieder mit an Bord, lesen wir im Science-Blog Gesundheits-Check:

Christian Bredl, Leiter der Landesvertretung der TK Bayern, eröffnet diese Tagung und die TK fördert die Tagung ausweislich des Tagungsflyers auch. Ob die TK damit die richtigen Akzente beim Thema Krebsprävention setzt?

Mir scheint, bei den Krankenkassen gibt es im Moment ein ganzheitliches Versagen, was die Abgrenzung gegenüber seltsamen Therapieangeboten und deren Vertretern angeht.”

Tatsächlich wirbt die TK allen Ernstes mit dem Slogan:

Von Homöopathie bis Hightech-Medizin – wir zahlen, was Ihnen hilft und wozu Sie das größte Vertrauen haben.”

Darauf könnte man jetzt ironisch antworten (Was ist zum Beispiel mit Quantenhomöopathie, Geistheilung, Feuerlaufen oder schlicht Single-Malt-Whisky?).

Oder dezent ein paar Tränen wegen Versichertengelder verdrücken, die von durchgeknallten Kassenfunktionären einfach mir nichts, dir nichts zum Fenster rausgeworfen werden.

Zum Weiterlesen:

  • Zum Beispiel TK: Was die Kassen so alles unterstützen, GWUP-Blog am 2. Februar 2014
  • Erstattung: Homöopathie-Fans bei der Techniker Krankenkasse geraten ins Schwimmen, GWUP-Blog am 7. März 2017
  • Umwelt und Krebs: Die Techniker-Krankenkasse und eine seltsame Tagung, Gesundheits-Check am 20. Mai 2017
  • Verein zur Hilfe umweltbedingt Erkrankter e.V. (VHUE) bei Psiram
  • John Gruia Ionescu bei Psiram
  • Schamanismus als Kassenleistung? derStandard am 6. Juni 2016

13 Kommentare zu “Neues von der Esoteriker-, äh Techniker Krankenkasse”


  1. 1 Jost Schwider 24. Mai 2017 um 21:03

    Welche KK gibt es eigentlich noch, die ausschließlich echte Medizin unterstützt?

  2. 2 gnaddrig 24. Mai 2017 um 21:12

    (…) Feuerlaufen oder schlicht Single-Malt-Whisky?

    Single-Malt-Whisky ist eine leider immer noch sehr unterschätzte Therapieform. Wenn eine Kasse dafür zahlen würde, würde ich sofort wechseln. Man könnte zur Not sicher auch ein komplexes System zur Zuordnung von Symptom auf Distille konstruieren. Da würden dann Höhe über N.N., Entfernung zum Meer, Alkoholgehalt in der Flasche und Verkostungsnotizen bekannter Fachleute und solche Sachen einfließen.

    Es gäbe früher oder später einen großen Richtungsstreit, ob nur schottischer Whisky geht oder auch irischer, amerikanischer, japanischer, indischer oder schweizerischer Single Malt. Und ob verdünnt werden darf oder soll. Auch eine On-the-Rocks-Fraktion wird sich konstituieren. Am Ende werden sie alle nach mehr Forschung rufen. Slàinte mhath!

  3. 3 Bernd Harder 24. Mai 2017 um 21:42

    @gnaddrig:

    << Slàinte mhath! << Verbindlichsten Dank.

  4. 4 Christian Becker 25. Mai 2017 um 07:55

    Ich habe ja mehr oder weniger aufgegeben, bei Diskussionen (z.B. momentan wieder bei der Deutschen Apotheker Zeitung) zur Homöopathie mein Senf dazu zu geben. Es kommen sowieso immer wieder die gleichen falschen Argumente, wie dass die Medizin nur Symptome behandelt, dass wir noch nicht weit genug sind, die Wirkung nachzuweisen (finde ich immer putzig) etc. pp.

    Was mich aber immer am meisten aufregt bei der Debatte, ob die Kassen zahlen sollen oder nicht (definitiv nicht), ist der Vergleich von KK-Aussagen, wie z.B. hier bei der TK “Von Homöopathie bis Hightech-Medizin – wir zahlen, was Ihnen hilft und wozu Sie das größte Vertrauen haben.”
    Wenn man als Apotheker dann aber mit Rezepten (z.B. für die TK) konfrontiert ist, und muss den Kunden sagen, dass Medikament X von Firma Y, das sie schon seit Jahren bekommen haben und am besten vertragen, nun eben nicht Rabattpartner ist und ausgetauscht werden muss (oder der Kunde es erstmal selbst zahlt und bei der KK einen Teil der Kosten wieder reinholen kann oder der Arzt ein Aut-Idem-Kreuz setzen muss, mit der Gefahr, von den Krankenkassen in Regress genommen zu werden für ihn und der Gefahr erheblicher Mehrkosten für den Patienten, oder der Apotheker ein Sonderkennzeichen setzt, mit der Gefahr, dass die Begründung der KK nicht passt und es eine Retaxation gibt…), dann kann man so einen Slogan schon in Frage stellen.

    Fast noch schlimmer ist es bei Hilfsmitteln, deren Abgabe in der Apotheke ja nun so gar keinen Spaß macht, weil erstens die Vertragspreise mickrig sind und man zweitens oft Genehmigungen einholen muss und evtl. noch eine Präqualifizierung haben muss, die nichts mit echter Qualifikation zu tun hat, sondern reine Bürokratie der GKVen ist.

    Mal abgesehen davon müsste man mal die Probe auf’s Exempel machen und sich eine Whisky kaufen und die Rechnung der KK vorlegen mit Verweis auf die Aussage, dass sie zahlen, was hilft und auf was man vertraut.

  5. 5 Bernd Harder 25. Mai 2017 um 12:35

    Anscheinend verzichtet die TK darauf, einen Vertreter zum Grußwort zu entsenden – mehr bislang nicht.

  6. 6 user unknown 26. Mai 2017 um 07:04

    Gibt es bei den Sozialwahlen irgendwen, der gegen Hokuspokus eintritt? Irgend einen?

    Verdi z.B. tritt auch geschlossen pro Homöopathie auf.

  7. 7 Bernd Harder 26. Mai 2017 um 07:52
  8. 8 Joseph Kuhn 26. Mai 2017 um 18:08

    @ user unknown:

    Ich bin für verdi in der Selbstverwaltung der Bayerischen Landesunfallkasse (allerdings nicht gewählt) und strikt gegen Homöopathie.

    Ansonsten ist es leider so: Viele Selbstverwalter sehen die Erstattung homöopathischer Leistungen als Dienst an den Versicherten, weil die das wollen (und von denen werden sie ja gewählt). Da schließt sich der Kreis zum Kundenfang der Kassenfunktionäre.

  9. 9 Christian Becker 27. Mai 2017 um 07:42

    Ich frage mich immernoch, warum “das wollen die Kunden” ein Argument sein soll.
    Die Kunden wollen auch, dass die Zuzahlung entfällt, die männlichen älteren Kunden hätten gern Potenzmittel (wirksam!) auf Kassenrezept (und mit der Indikation – manche können ja auch für andere Indikationen verschrieben werden) und 9 von 10 Frauen, die hier reinkommen, dürfen ihre Medikamente gegen Vaginalpilz selbst zahlen.
    Vor dem Hintergrund ist es schon seltsam, dass ausgerechnet die Homöopathie erstattet wird, weil “es die Kunden wollen”.

    Naja, wenn man mal davon absieht, dass es für Zucker ein sehr hoher Preis sind, sind im allgemeinen Vergleich Globuli günstiger (reiner Preisvergleich). Wahrscheinlich hat man sich deshalb dafür entschieden. Es ist schick, es kostet relativ wenig, man kann Kunden damit einsammeln. Das ist wohl die naheliegendste Erklärung.

  10. 10 Joseph Kuhn 27. Mai 2017 um 14:47

    @ Christian Becker:

    Den Kassenbetriebswirten geht es um selektives Marketing. Man will die gutverdienenden und gesunden Versicherten anlocken und von denen sind viele der Homöopathie gegenüber aufgeschlossen. Die alten Männer will keiner und was alle wollen, z.B. keine Zuzahlungen, ist auch egal. Nicht was “die Kunden” wollen, zählt, sondern was die berühmten “guten Risiken” wollen. Bei den Sozialwahlen ist die Gefechtslage komplizierter.

  11. 11 Bernd Harder 28. Mai 2017 um 15:12

    Mittlerweile ist ein Youtube-Video, das den TK-Chef Bayern Christian Bredl bei seinem Grußwort zu einer früheren VHUE-Veranstaltung zeigte, gelöscht worden. Was immer das bedeutet.

  12. 12 Lanzelot 5. August 2017 um 18:03

    Zu den Honks der VHUE gibt es neues zu berichten.

    Die waren tatsächlich dumm genug, auf einen Fake-Artikel des Satireprojektes “Kölner Abendblatt” der Seite Paul Newsmann anzuspringen.
    https://www.koelner-abendblatt.de/artikel/politik/chemtrails/afd/bundesregierung-bestaetigt-chemtrailprojekte-49238492.html

    Sensationell dämlich.

    https://www.psiram.com/de/index.php/VHUE_e.V.

  13. 13 crazyfrog 15. August 2017 um 12:44

    Die größte Eso-Krankenkasse Deutschlands entdeckt plötzlich die sprechende Medizin:

    https://wirtechniker.tk.de/2017/08/10/plaedoyer-fuer-die-staerkung-der-sprechenden-medizin/

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