Heilpraktiker: Bundesminister Gröhe sucht sein Heil im leisen Rückzug

Was wir vor vier Wochen schon befürchteten, ist jetzt amtlich:

Die angestrebte Reform des Heilpraktiker-Unwesens wird bestenfalls ein Mini-Reförmchen, berichtet DAZ-online:

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte kleine Änderungen an das Dritte Pflegestärkungsgesetz gehängt, das vergangene Woche vom Bundestag verabschiedet wurde.

bams_3

Demnach soll sein Ministerium bis zum Jahresende 2017 Leitlinien für die Zulassungsprüfung von Heilpraktikern erarbeiten – und anders als bisher soll die Prüfung nicht nur ausschließen, dass die zukünftigen Heilpraktiker eine „Gefahr für die Volksgesundheit“ sind, sondern sie sollen zukünftig auch dem einzelnen Patienten nicht schaden können, so das Gesetz.”

Von einer geregelten Ausbildung ist keine Rede mehr, ebensowenig von einer Beschränkung der Tätigkeitsfelder.

Bislang gibt es darob nur laue Kritik an Gröhe – der offenkundig längst in den Wahlkampfmodus geschaltet hat.

Zum Weiterlesen:

  • Bundestag ignoriert Heilpraktiker-Skandal, DAZ.online am 6. Dezember 2016
  • Heilpraktiker sollen strenger überprüft werden. So ein bisschen jedenfalls, irgendwie, GWUP-Blog am 2. November 2016
  • Anhörung im NRW-Landtag zum Thema „Heilpraktiker“: Anousch Mueller war dabei, GWUP-Blog am 28. November 2016
  • “Stern TV”-Einspieler über das Heilpraktiker-Unwesen jetzt online, GWUP-Blog am 1. Dezember 2016

9 Kommentare zu “Heilpraktiker: Bundesminister Gröhe sucht sein Heil im leisen Rückzug”


  1. 1 Skeptikus 9. Dezember 2016 um 19:32

    Es sind einfach nicht genügend Menschen gestorben, um es mal zynisch zu kommentieren.

    Der Handlungsdruck der Vernunft und Sachlichkeit reicht nicht. Es ist peinlich und ein Skandal und ich hoffe, dass sich Politiker nicht wundern, warum man ihnen oft nicht mehr zutraut, als Stammtischblödsinn wie bei Seehofer und Söder (CSU) oder naive Naturidealisierung wie bei den Bündnis/Die Grünen, um nur ein Beispiel zu nennen.

    Patientensicherheit zählt nicht, nur gefühlte Zufriedenheit der Wählergruppen. Unglaublich.

  2. 2 Karl-Heinz 10. Dezember 2016 um 15:10

    Wenn wir schon dabei sind, nehmen wir die Ausbildung der Schulmediziner doch auch gleich akribisch unter die Lupe. Und zwar nach JEDEM Todesfall nach einer Chemotherapie und nach JEDEM Todesfall nach einer Bestrahlung Krebskranker. Des Weiteren nach JEDEM Todesfall nach einer OP und nach JEDEM Todesfall nach und während der Einnahme verschreibungspflichtiger Medikamente. Und dann noch nach jedem Todesfall nach Verzehr eines Salamibrotes im Krankenhaus. Wieviele Todesfälle gab es bisher nach dem Verzehr von Salamibroten und wieviele nach dem Verzehr von Käsebroten in den Krankenhäusern? Ein Schelm, wer hier keinen Zusammenhang vermuten will! Sollte nur EIN Patient nach dem Verzehr eines Salami- oder Käsebrotes gestorben sein, muss hier dringend Abhilfe geschaffen werden, indem verbal auf den ganzen Berufsstand eingeknüppelt wird und die Ernährungslehre während des Studiums der Medizinstudenten dringend unter die Lupe genommen wird und auch hier neue Richtlinien und 99 Gesetze erlassen werden.

    Mal ehrlich: Was nützt ein langjähriges Studium, wenn Patienten trotz aller Behandlungen und teurer Diagnosen weiterhin sterben wie die Fliegen? Komischerweise kräht hier kein Hahn danach! Das ist ja völlig normal, dass hier massenweise gestorben wird – eines natürlichen Todes, an Multi-Organversagen und dergleichen… und alle nehmen es so hin.

    Hier wird wie immer mit zweierlei Maß gemessen. Man prüfe doch mal, welche Berufshaftpflichtversicherungen mehr Ausgaben zu tätigen haben! Die der Schulmediziner oder die der Heilpraktiker? Heraus käme nämlich ein für die Öffentlichkeit sehr interessantes Ergebnis, das aus gutem Grund aber nicht veröffentlicht wird. Das ergäbe nämlich ein völlig anderes Bild…

  3. 3 Bernd Harder 10. Dezember 2016 um 15:21

    @Karl-Heinz:

    << Und zwar nach JEDEM Todesfall nach einer Chemotherapie und nach JEDEM Todesfall nach einer Bestrahlung Krebskranker. << Gerne zum zirka 2876sten Mal: Natürlich kann eine Krebsbehandlung tödlich enden, weil Krebs nun mal kein Schnupfen ist und die evidenzbasierte Medizin Grenzen hat - um die sie auch weiß und an denen sie beständig forscht, Altes verwirft und Neues ausprobiert (empfehle zum Beispiel den Artikel im aktuellen GEO-Heft: "Warum wir Krebs nicht besiegen sollten"). Das hat aber nichts mit der Ausbildung der Ärzte oder falschen Therapien zu tun. Heilpraktiker dagegen haben a) weder eine Ausbildung noch b) geprüfte oder taugliche Behandlungsmethoden. Das ist der entscheidende Unterschied. Kurz gesagt: Eine evidenzbasierte Krebstherapie kann für den Patienten tödlich enden. Eine "alternative" Krebsbehandlung endet für den Patienten immer tödlich. << Wieviele Todesfälle gab es bisher nach dem Verzehr von Salamibroten und wieviele nach dem Verzehr von Käsebroten in den Krankenhäusern? Ein Schelm, wer hier keinen Zusammenhang vermuten will! << Eine komplett närrische Argumentation, offenbar verstehen Sie selbst nicht, was Sie eigentlich sagen wollen. << Was nützt ein langjähriges Studium, wenn Patienten trotz aller Behandlungen und teurer Diagnosen weiterhin sterben wie die Fliegen? << Wer stirbt konkret wo und woran "wie die Fliegen"? Kompletter Nonsens. << und alle nehmen es so hin. << Nö, niemand nimmt das so hin - aus diesem Grund gibt es unablässige und teure Forschung, um die Medizin stetig zu verbessern und weiterzuentwickeln. Derzeit werden in Deutschland rund 1000 Industrie-initiierte Arzneimittelprüfungen durchgeführt. Mit Abstand am meisten wird an Krebsmedikamenten geforscht. Etwa ein Drittel der jährlich zugelassenen Medikamente sind Onkologika, gefolgt von Arzneimitteln gegen Infektionskrankheiten. << Man prüfe doch mal, welche Berufshaftpflichtversicherungen mehr Ausgaben zu tätigen haben! Die der Schulmediziner oder die der Heilpraktiker? Heraus käme nämlich ein für die Öffentlichkeit sehr interessantes Ergebnis, das aus gutem Grund aber nicht veröffentlicht wird. Das ergäbe nämlich ein völlig anderes Bild. << Mit Sicherheit nicht. Der Grund dafür liegt u.a. darin, dass Ärzte in der Regel sofort verklagt werden, wenn sie einen Patienten nur schief anschauen. Fast niemand hingegen - und das wissen wir ganz konkret aus vielen Erfahrungen - traut sich, öffentlich zuzugeben, dass er auf Heilpraktiker-Quacksalberei reingefallen ist. Außerdem nehmen Heilpraktiker praktisch eine Patientenselektion vor: Als Gegenstand ihrer Methoden wählen sie üblicherweise leichte oder chronische Krankheitsbilder, wo Erfolge einfach zu erzielen sind beziehungsweise sich sogar ganz von selbst einstellen. Zum Beispiel deswegen, weil chronische Erkrankungen häufig ungleichmäßig verlaufen, was es einfacher macht, Zeiten zu finden, in denen die Behandlung zu helfen scheint. Das schafft natürlich Vertrauen, während alles Schwierige an die wissenschaftsbasierte Medizin verwiesen wird – die gegebenenfalls auch daran scheitert. Sie können so viele Whataboutism bringen, wie Sie wollen - kein Manko der evidenzbasierten Medizin macht "Alternativmedizin" auch nur einen Deut wirksamer.

  4. 4 Martina Rheken 10. Dezember 2016 um 22:39

    Hallo Karl-Heinz,

    du schriebst:

    “Das ist ja völlig normal, dass hier massenweise gestorben wird – eines natürlichen Todes”

    Ja, aus meiner Sicht ist das tatsächlich völlig normal, dass Menschen eines natürlichen Todes sterben – auch “massenhaft”, etwa 900 000 Menschen in Deutschland jedes Jahr.

    Magst dir deine Argumentation vielleicht noch mal gut überlegen?

  5. 5 Joseph Kuhn 11. Dezember 2016 um 08:01

    @ Karl-Heinz:

    Sie haben ja in gewisser Weise recht. In der normalen Medizin steht sicher nicht alles zum Besten, aber immerhin gibt es hier eine Vielzahl von transparenzschaffenden und qualitätssichernden Verfahrensregelungen und Institutionen.

    Im Heilpraktikerwesen gibt es jenseits der Prüfung durch die Gesundheitsämter nichts dergleichen.

    Man weiß nicht einmal, was Heilpraktiker so alles machen, es gibt keine Daten über die Behandlungsverfahren, deren Evidenzbasis, die Kompetenzen der Heilpraktiker, ihre Fortbildungen, über Behandlungserfolge oder Behandlungsfehler – ein einziges großes Dunkelfeld.

    Davon abgesehen ist es doch eine hochgradig ungute Argumentation, Missstände im Heilpraktikerwesen mit Missständen woanders zu rechtfertigen, finden Sie nicht?

  6. 6 diabetiker 11. Dezember 2016 um 09:30

    hallo karl heinz,

    du hast “ua.” einen grundsätzlichen denkfehler in deiner abstrusen argumentation—- der hp ist “kein berufstand” da er überhaupt keine ausbildung hat! steht wissens und intelligenzmäßig weit weit unter schrotthändler und trödler.

    ist also gewerbe. (leider erlaubt)

  7. 7 klauszwingenberger 12. Dezember 2016 um 08:22

    Eine Pseudomedizin, die entweder nie einen Notfall zu sehen bekommt, oder wenn doch einmal, an diesem mit buchstäblich tödlicher Sicherheit scheitert, kann man nicht im Ernst gegen richtige Medizin ausspielen.

  8. 8 crazyfrog 5. April 2017 um 10:11

    Heute abend im Fernsehen:

    “Deutschland – Paradies für Kurpfuscher?”

    http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/dokthema/heilpraktiker-ausbildung-kontrolle-100.html

  9. 9 Heid Hans-Peter 24. April 2017 um 16:51

    Heilpraktiker diagnostizieren mit untauglichen Mitteln und behandeln die gefundenen Leiden mit untauglichen Mitteln. Ein Skandal für ein Land, das sich für einen Hort der Aufklärung und der Wissenschaft hält.

    Es gibt die (wissenschaftliche) Medizin und es gibt Beschiss!

Kommentieren