Astrologie im Zeitalter des Postfaktischen

War nur eine Frage der Zeit, bis in der “postfaktischen Welt” auch die alten Irrationalismen fröhliche Urstände feiern.

Jedenfalls schreibt die Süddeutsche heute das “Comeback der Astrologie” herbei:

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Die mitgelieferte Erklärung passt fugenlos auch auf Homöopathie, Heilpraktikerei und die gesamte Esoterik:

Letztlich tut Astrologie, was sie schon immer tat. Sie erklärt einem, wer man ist, oder gibt zumindest vor, das zu tun. Vielleicht zahlen die Menschen gar nicht, um aus den Sternen ihre Zukunft gelesen zu bekommen, sondern für den Luxus, dass sich jemand ein paar Stunden lang mit ihnen beschäftigt und ihnen die Mühe abnimmt, sich der Selbsterkenntnis zu widmen.”

Zum Weiterlesen:

  • Das Comeback der Astrologie, Süddeutsche am 25. September 2016
  • Faktenflucht als Zeitkrankheit, GWUP-Blog am 6. März 2015
  • Dunning Kruger nation and the disparagement of expertise, The Skeptical OB am 8. September 2016
  • Schock! Entsetzen! Empörung! Die NASA verschiebt eben mal einfach so die Sternzeichen, GWUP-Blog am 21. September 2016
  • “Mein Horoskop stimmt immer!” Ja und? GWUP-Blog am 4. Mai 2013 (mit zahlreichen Links zum Thema Astrologie und Wahrsagen)
  • Zwillinge und Löwen bauen die meisten Unfälle? Nichts weiter als „statistischer Unsinn“, GWUP-Blog am 13. September 2015
  • Der neue „SchlauLicht“-Podcast zum Thema Horoskope, GWUP-Blog am 7. September 2016
  • Willkommen in der postfaktischen Welt, Cicero am 23. September 2016

10 Kommentare zu “Astrologie im Zeitalter des Postfaktischen”


  1. 1 Catweazle 26. September 2016 um 04:12

    Klingt nach GmbH -> Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung.
    Falls die Sterne für Lana Del Rey oder Cate Blanchett doch nicht mehr so gut stehen sollten, dann könnten die beiden nach Deutschland kommen und hier Heilpraktikantinnen werden.

  2. 2 Apokalender 26. September 2016 um 12:38

    Mein Lieblingsastrologe Rainer Bardel hat’s schon prophezeit: 2024 werden die Universitäten die Astrologie endlich als Wissenschaft anerkennen. Vielleicht sollte er statt in die Sterne mal in Poppers „Logik der Forschung“ gucken…

  3. 3 pederm 26. September 2016 um 18:04

    Ah, bäh – Logik UND Forschung, niemals! ;-)

  4. 4 Udo Endruscheit 27. September 2016 um 07:46

    Na Mahlzeit. Die Irrationalität bei der Pseudomedizin und ihren Hilfstruppen, den Heilpraktikern, kommt ins Wanken – und die Irrationalität der Astronomie soll fröhliche Urständ feiern. Interessanterweise mit der gleichen Begründung: Erfüllung von Wunschkatalogen des unkritischen Publikums und Befriedigung von Wellnessansprüchen ohne Rücksicht auf Rationalität und Wirksamkeit. Es ist zum Planeten anheulen.

  5. 5 pederm 28. September 2016 um 12:14

    @Udo Endruscheit: “Irrationalität der Astronomie soll fröhliche Urständ feiern”, hat da die Autokorrektur zugeschlagen? Das wäre ja schon richtig nett, wenn “Astrologie” automatisch getilgt würde.

  6. 6 Christian Becker 28. September 2016 um 12:40

    Sehr positive Auffassung, pederm.
    Aber eigentlich wäre es doch eher schlimm, wenn die Autokorrektur Astrologie zur Astronomie adeln würde.
    Besser wäre da Astronomie -> Sternzeichengeschwurbel oder so.

  7. 7 ChemDoc 28. September 2016 um 14:02

    Der ähnliche Klang von “irrational” und “irr” ist aber nur ein Zufall… :D

  8. 8 crazyfrog 1. Oktober 2016 um 14:09
  9. 9 Martin 1. Oktober 2016 um 15:52

    Warum wohl ist einstmals ASTROLOGIE entstanden ? Weil der Steinzeitmensch nachts am Himmel in diesem chaotischen Sternenbrei mit seiner Phantasie einen tieferen SINN gesucht hat. Heute sitzt der moderne Mensch vor der FernsehGlotze und sucht in diesem chaotischen Meinungsbrei nach einem tieferen Sinn…

  10. 10 Bernd Harder 1. Oktober 2016 um 15:57

    @Martin:

    Dazu auch:

    < < Bullshit verdrängt Journalismus: Am Ende des Aufklärungszeitalters << http://www.nzz.ch/feuilleton/medien/bullshit-verdraengt-journalismus-am-ende-des-aufklaerungszeitalters-ld.119758


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