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Initiative für Wissenschaftliche Medizin: gegen Nonsens und Irreführung der Patienten

| 8 Kommentare

In Österreich hat sich eine

Initiative für Wissenschaftliche Medizin“

gegründet:

Als Ärzte und Ärztinnen, die sich sowohl der modernen Wissenschaft als auch den Anforderungen der Medizinethik verpflichtet fühlen, erwarten wir von unseren Ärztekammern,  dass auch sie diese Prinzipien einhalten.

Als Wissenschafter und Wissenschafterinnen lehnen wir jede Form der Scheinmedizin und Irreführung von Patienten ab und fordern, dass moderne Wissenschaft die Basis der in unserem Land ausgeübten Medizin sein muss […]

Wir appellieren daher an die österreichischen Ärztekammern, der ihnen vom Gesetzgeber auferlegten Forderung nach Wissenschaftlichkeit in der ärztlichen Tätigkeit und Fortbildung zu entsprechen.

Wir fordern von ihnen einen Verzicht auf Kurse und Vergabe von Diplomen in irrationalen und oftmals esoterischen Diagnose- und Therapieverfahren, allen voran Homöopathie, Anthroposophische Medizin, Kinesiologie, Chinesische Diagnostik und Orthomolekulare Medizin, deren Wirksamkeit medizinisch-wissenschaftlich nicht nachweisbar ist.

Aktivitäten auf diesem Gebiet sollten privaten Initiativen von Ärzten und Patienten überlassen und nicht von den Ärztekammern aufgewertet werden.

Wir appellieren auch an das Gesundheitsministerium, die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben nach Wissenschaftlichkeit als Basis von medizinischer Tätigkeit in Österreich von den Ärztekammern einzufordern.“

Zu den Unterstützern gehören die GWUP-Wissenschaftsratsmitglieder Prof. Ulrich Berger, Prof. Edzard Ernst und Prof. Heinz Oberhummer, außerdem „Sciene Buster“ Werner Gruber, Dr. Erich Eder, Dr. Theodor Much, Dr. Ernst Bonek und DDr. Wolfgang Maurer von den Wiener Skeptikern sowie zahlreiche weitere Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.

Wer Unterstützer werden möchte, kann hier eine entsprechende Erklärung abgeben.

Über die neue Gruppierung schreibt heute profil:

Eines Tages platzte ihnen der Kragen.

Irritiert von den ausufernden Umtrieben faktenaverser Ärzte sowie davon, dass immer mehr Seminare in Pseudomedizin in universitäre Lehrpläne geschleust und Diplome für fragwürdige Heilmethoden verliehen werden, gründeten sie eine Gegenbewegung.

Theodor Much, Facharzt für Dermatologie, und Viktor Weisshäupl, Facharzt für Anästhesiologie, verfassten eine Resolution: „Initiative für Wissenschaftliche Medizin.“

Ende der Vorwoche schickten sie das Papier an das Gesundheitsministerium, die Ärztekammer und den Obersten Sanitätsrat, wobei sie ihre Beweggründe hervorstrichen: „Als Wissenschafter lehnen wir jede Form der Scheinmedizin und Irreführung von Patienten ab.“

Dann folgte der Appell an die Ärztekammern, der „Forderung nach Wissenschaftlichkeit in der ärztlichen Tätigkeit und Fortbildung zu entsprechen“. Man plädiere für einen „Verzicht auf Kurse und Vergabe von Diplomen in irrationalen und oftmals esoterischen Diagnose- und Therapieverfahren, allen voran Homöopathie, Antroposophische Medizin, Kinesiologie, Chinesische Diagnostik und Orthomolekulare Medizin“.

Sogleich unterzeichneten die Initiative rund 60 Wissenschafter, darunter viele Professoren und Primarärzte.“

Dieser Info-Text gehört zu dem lesenswerten Artikel „Pseudomedizin: Warum dürfen Ärzte Unsinn behaupten?“, der am Montag auch in der gedruckten profil-Ausgabe (11/2015) erscheint:

Grob faktenresistente Ärzte gehören sofort aus dem Verkehr gezogen.“

Zum Weiterlesen:

  • Pseudomedizin: Warum dürfen Ärzte Unsinn behaupten? profil am 7. März 2015
  • Reizthema Impfen: Der Hang zu abstrusen Heilslehren, profil am 24. Februar 2015
  • Initiative für wissenschaftliche Medizin, Kritisch gedacht am 8. März 2015
  • Kundenwünsche, Bedarfsorientierung und Wirksamkeit, Gesundheits-Check am 8. März 2015
  • A Scientist in Wonderland: Interview with Edzard Ernst, CSI am 27. Februar 2015

8 Kommentare

  1. endlich eine Initiative die der „Hokus Pokus Gläubigkeit“ (auch unter Ärztinnen und Ärzten sich ausbreitend)ein Leitbild entgegen setzt. Dummheit ist, wie es scheint, keine Frage der Intelligenz, sonderm eine Geisteshaltung.

  2. @ MR Dr. Wolfgang Wiesinger
    „Dummheit ist, wie es scheint, keine Frage der Intelligenz, sondern eine Geisteshaltung!“

    Naja, das kommt darauf an, was Sie konkret mit Dummheit definieren.

    Die Dummheit, die Sie meinen, könnte man aber auch blinde Arroganz nennen…

  3. TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) und Psychokinesiologie (zB nach Dr. Klinghardt)sollten nicht in einen Topf mit esoterischer Scharlatanerie geworfen werden. Da lehnen sich die Wissenschaftler zu weit aus dem Fenster…

    Die TCM ist staatlich anerkannt. In den westlichen Ländern finden exotische Inhaltsstoffe wie Spinnenbeine, Tigerpenis, Nashorn-Horn udgl. keine Verwendung.

    Die meisten schulmedizinischen Medikamente haben mehr Nebenwirkungen als tatsächliche Wirkung. Das ist doch gleichfalls „Schein-Medizin und Irreführung der Patienten“. Und wie Herr Gruber sagt, weiß man bis heute nicht, wie und weshalb Narkosemittel wirken.

    Man kann eben (noch) nicht alles nachweisen und belegen. Es benötigt ordentliche, umfassende Studien/Untersuchungen zu Themen wie:

    * Psychokinesiologie (nach Dr. Klinghardt)
    * Nahtoderfahrungen (vor allem jene, in denen Betroffene Dinge aus der Vogelperspektive wahrnehmen)
    * Leben zwischen den Leben (nach Dr. Michael Newton)
    * Wahrnehmungen sog. „Medien“ (zB Elfriede Beer, Langenegg)

    Ich bin kein blinder Anhänger irgendwelcher Ideologien und setze mich vor allem gegen Religioten zur Wehr. Dennoch denke ich, gewisse Dinge sind nach wie vor zu wenig erforscht, als dass man sie aufgrund des aktuellen Wissensstandes „verbieten“ könnte.

    Oder etwa nicht?

  4. @Abwäger:

    < < Die TCM ist staatlich anerkannt. << Der "Staat" erkennt keine Therapieformen an, was genau soll das bedeuten? << In den westlichen Ländern finden exotische Inhaltsstoffe wie Spinnenbeine, Tigerpenis, Nashorn-Horn udgl. keine Verwendung. << Siehe den Video-Tipp unten. << Die meisten schulmedizinischen Medikamente haben mehr Nebenwirkungen als tatsächliche Wirkung. Das ist doch gleichfalls “Schein-Medizin und Irreführung der Patienten”. << Nein, ist es nicht. Alles, was "wirkt", hat auch Neben-"Wirkungen". Das ist erstmal ein positives Zeichen. "Die meisten" müssten Sie erst einmal zahlenmäßig belegen. Mit Nebenwirkungen, die bekannt sind, kann man umgehen. Mit Mixturen, wo man nicht einmal genau weiß, was überhaupt drin ist (TCM), nicht. << Und wie Herr Gruber sagt, weiß man bis heute nicht, wie und weshalb Narkosemittel wirken. << Ja und? Entscheidend ist, *dass* sie wirken, und das weiß man sehr gut und kann den Effekt auch verlässlich reproduzieren. << Man kann eben (noch) nicht alles nachweisen und belegen. << Tut aber hier nichts zur Sache. Zumindest eine "Wirkung" könnte man in jedem Fall nachweisen, völlig unabhängig von dem Wirk-Mechanismus. "Alternativ"-Medizin ist belegt und nachweisbar wirkungslos, aus diesem Grund braucht man nach einem Wirk-Mechanismus gar nicht zu suchen. << Es benötigt ordentliche, umfassende Studien/Untersuchungen zu Themen wie: * Psychokinesiologie (nach Dr. Klinghardt) * Nahtoderfahrungen (vor allem jene, in denen Betroffene Dinge aus der Vogelperspektive wahrnehmen) * Leben zwischen den Leben (nach Dr. Michael Newton) * Wahrnehmungen sog. “Medien” (zB Elfriede Beer, Langenegg) << Das sind keine Themen, über die man noch zu wenig weiß - sondern man weiß sehr gut, dass und warum diese Behauptungen Unfug sind, ausgenommen "Nahtoderfahrungen", zu denen es eine Reihe von Erklärungsansätzen gibt, die allesamt nichts Rätselhaftes oder gar "Paranormales" an sich haben. << Dennoch denke ich, gewisse Dinge sind nach wie vor zu wenig erforscht, als dass man sie aufgrund des aktuellen Wissensstandes “verbieten” könnte. << Von "verbieten" ist hier auch keine Rede - aber "gewisse Dinge" sind allesamt gut genug erforscht, um sie ins Reich der Fabeln verweisen zu können. Noch ein Video-Tipp: https://blog.gwup.net/2014/03/01/vortragsvideo-traditionelle-chinesische-medizin/

    https://blog.gwup.net/2012/06/20/mythen-der-traditionellen-chinesischen-medizin/

  5. Zitat Abwäger

    Die meisten schulmedizinischen Medikamente haben mehr Nebenwirkungen als tatsächliche Wirkung. Das ist doch gleichfalls “Schein-Medizin und Irreführung der Patienten”.

    Dabei vergessen Sie, daß nicht jede Nebenwirkung auch bei jedem auftritt und auch verschieden schwer sein kann.

    Letztendlich zählt der Nutzen, dafür muß man auch Nebenwirkungen in Kauf nehmen; wichtig ist es eventuelle Nebenwirkungen zu kennen und rechtzeitig – mithilfe des Arztes – entgegenzusteuern.

    Ich glaube niemand – und besonders nicht die GWUP – bestreitet, daß „Phänomene“ untersucht und erforscht werden sollen und gerade zu ‚Nahtoderfahrungen‘ gibt es ja Studien.

  6. Hier einige Bemerkungen zur TCM:

    Meridiane und Akupunkturpunkte sind ein Produkt der Fantasie. Der Begriff der Meridiane wurde im 17. Jh. von De Morant in Europa entwickelt. Die chinesischen Medizin kennt nur Netzbahnen, in denen Energie und Blut fliessen Ying Luo).

    Die alte Chinamedizin kannte keine Krankheitserreger, keine Chirurgie oder Psychiatrie, dafür aber Dämonen und Astrologie.

    Die Akupunktur wirkt bei wenigen Indikationen (besonders Rückenschmerzen, Kniearthrosen, Übelkeit nach Operationen) scheinbar etwas besser als Placebo (und sogar einige Schmerzmittel), doch – wie viele Studien zeigen – scheint es egal zu sein wo gestochen wird (Wirkung auch an Nichtakupunkturüunkten durch Freisetzung von Endorphine).

    Die über 10.000 Kräuter der TCM sind zum Teil nicht auf Nebenwirkungen getestet, manche, wie Aristolochia, sogar Krebs erzeugend. Es kommt auch immer wieder zu gefährlichen Interaktionen mit anderen Medikamenten.

    Dass die Chinesen auch Produkte aus gefährdeten Tierarten verwenden, ist allgemein bekannt.

    Daher ist die TCM, mit ihren problematischen Diagnosemethoden, keineswegs unbedenklich.

  7. In der TV-Sendung „Daheim und unterwegs“ WDR war soeben Joachim Faulstich zu Gast, der aus meiner Sicht seltsame Äußerungen machte. Vorausgegangen war ein Bericht über Heiler (den ich leider verpasst habe).

    Nein, Herr Faulstich – so bitte nicht!

    http://www1.wdr.de/fernsehen/regional/daheim-und-unterwegs/sendungen/heilsam-oder-zauber100.html

  8. @Abwäger

    Es wäre grob fahrlässig, den Klinghardt nicht in den Topf der Quacksalber zu werfen!

    Der Typ referiert auf dem MMS-Kongress „Spirit of Health“ in Hannover und hat nicht umsonst einen Psiram-Eintrag!

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