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Der mörderische russische Yeti vom Djatlow-Pass

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Der Film „Devil’s Pass“ machte im vergangenen Jahr aus dem rätselhaften Unglück am Djatlow-Pass eine Creature-Horror-Episode:

Dem wollte anscheinend der Disvovery Channel nicht nachstehen und fabrizierte aus dem bis heute ungeklärten Mysterium eine krude Monster-Story:

Russian Yeti – The Killer Lives“

flimmerte am vergangenen Sonntag in die amerikanischen Wohnstuben:

Der „Abenteurer“ und „Explorer“ Mike Libecki will mit der zweistündigen Doku beweisen, dass ein Yeti für den Tod der neun Studenten im Jahre 1959 verantwortlich war.

Libecki geht Aspekten nach, die in der Tat überaus bizarr erscheinen“,

heißt es auch auf der Webseite von N24:

Wieso etwa waren die Zelte von innen aufgeschlitzt? Weshalb sollen sich alle Studenten gleichzeitig ihrer Kleidung entledigt haben? Warum trugen einige Fetzen, die zuvor von den bereits toten Gruppenmitgliedern abgeschnitten wurden?“

Fragen über Fragen – die indes zum Beispiel von Hoaxilla bereits erörtert wurden, und zwar mit plausiblen Erklärungsansätzen, die …

… ohne Ufos, Aliens und merkwürdige Lebewesen auskommen.“

Auch der Researcher Benjamin Radford vom US-Skeptikerverband CSI hat sich die Pseudo-Doku vom Disvovery Channel genau angesehen und Libeckis Kernaussagen widerlegt.

Aber immerhin bringt uns der mörderische „Russian Yeti“ direkt zu dem lesenswerten Artikel „How to Quack-Proof Yourself Against Pseudoscience“ beim Lifehacker-Blog.

Darin heißt es etwa:

Ein Dauerthema in der Bullshitistic ist der „brillante Ketzer“.

Gläubige sind oft der Überzeugung, die Wissenschaft werde von verkannten Außenseitern vorangebracht, deren fabelhafte Theorien zunächst abgelehnt, später jedoch als der neueste Stand der Erkenntnis anerkannt werden. Nichts könnte falscher sein.

Umwälzende Innovationen entstehen nicht auf der Grundlage eigenbrötlerischer Träumereien. Sie sind vielmehr die Folge massiver gemeinsamer Forschungsanstrengungen und des gegenseitigen Datenaustausches […]

In der Wissenschaft gilt der Grundsatz „Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Beweise“. Die Behauptungen von Bullshitern sind typischerweise außergewöhnlich; die Belege, die sie dafür präsentieren, sind es üblicherweise nicht.“

Zum Weiterlesen:

  • Dyatlov Pass and Mass Murdering Yeti?Doubtful News am 1. Juni 2014
  • Hoaxilla #130 – „Unglück am Djatlow Pass“ vom 7. Juli 2013
  • The Dyatlov Pass Incident, Fortean Times February 2009
  • Verschwörungstheorie oder Creature-Horror? Das Rätsel vom Teufelspass, GWUP-Blog am 20. August 2013
  • How to Quack-Proof Yourself Against Pseudoscience, lifehacker am 5. Juni 2014
  • Alternative health and the conceit of the brilliant heretic, The Skeptical OB am 19. August 2009
  • The Profound Awfulness of Discovery’s Russian Yeti: The Killer Lives, Skepticblog am 1. Juni 2014
  • Das Djatlow-Mysterium ist das bizarrste ungelöste Rätsel der Sowjetunion, Vice am 16. Oktober 2015

6 Kommentare

  1. In Skeptiker-Kreisen weit verbreitet ist die Blindheit gegenüber dem Wesen schöpferischer Prozesse. Das mit Wohlwollen weitergegebene Zitat zeigt dies sehr deutlich: „Ein Dauerthema in der Bullshitistic ist der ‚brillante Ketzer‘. Gläubige sind oft der Überzeugung, die Wissenschaft werde von verkannten Außenseitern vorangebracht, deren fabelhafte Theorien zunächst abgelehnt, später jedoch als der neueste Stand der Erkenntnis anerkannt werden. Nichts könnte falscher sein. Umwälzende Innovationen entstehen nicht auf der Grundlage eigenbrötlerischer Träumereien. Sie sind vielmehr die Folge massiver gemeinsamer Forschungsanstrengungen und des gegenseitigen Datenaustausches […]”

    Hier offenbart der Schreiber eine verblüffende und sicherlich von ihm unbemerkte Nähe zur Anthroposophie. Beispielsweise meint Prof. Dr. Olaf-Axel Burow, der diesen Kreisen ebenfalls nahesteht: „Kreativität gibt es nur im Plural“. Seine Rezepte auf Grundlage des von ihm zum phantastischen „kreativen Feld“ überhöhten Zusammenschlusses von „Persönlichkeiten mit stark unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten, die eine gemeinsam geteilte Vision verbindet“, bringen möglicherweise technische Optimierungsvorgänge wie die von ihm angesprochenen Entwicklungen des Rolls-Royce, des Apple-Computers und des Mountain-Bikes voran; die wirklich umstürzenden Erfindungen wie die des Buchdrucks, des Telefons, des Computers, des WWW, des Penicillins kommen so aber nicht zustande.

    Was bei der Lehre vom kreativen Feld herauskommt, ist eine Sammlung von Trivialtäten, wie „die Weisheit der Vielen“ und all das, was man die Tugenden des Mittelmaßes nennen könnte: Teamfähigkeit, Flexibilität, „Fokus auf die Zukunft“. Genau auf diesem Niveau hält sich der Blog-Artikel auf.

    In dieser Abschiedsvorlesung wird genau die gegenteilige Auffassung vertreten: Es ist nicht das Team, das erfindet, und neue Lösungen werden auch keinesfalls zielgerichtet angegangen. Der Geistesblitz ereignet sich stets in einem einzigen Kopf! Meist entdecken die Genies rein zufällig Lösungen für Probleme, die sie eigentlich gar nicht hatten.

    Dieser Standpunkt wird von vielen Autoren eingenommen, die über das Wesen der Kreativität schreiben. Der Vorgang des Erfindens wird in ihren Büchern meist anhand des Märchens der „drei Prinzen aus Serendip“ erläutert: Durch Zufall und Weisheit machen diese Drei unerwartete Entdeckungen. Diese Sicht der Dinge hat sogar Eingang in den angelsächsischen Wortschatz gefunden: Serendipity steht für glückliche Fügung.

    Und noch etwas, das für die Skeptiker mit oberflächlichem Wissenschaftsverständnis ziemlich schwer verdaulich sein dürfte: In den Kaptiteln 2, 6, 7 und 8 seiner Aufsatzsammlung „Vermutungen und Widerlegungen“ bringt Karl Raimund Popper – sicher kein Schwärmer für das Okkulte – eine Reihe von Beispielen aus der Wissenschaftsgeschichte, die die Bedeutung des mystischen und metaphysischen Denkens für das Entstehen neuer Theorien zeigen. Unter anderem: Die Zahlenmystik des Pythagoras ist Quelle das Atomismus; die newtonsche Mechanik ist aus Mythen entstanden; die religiös-neuplatonische Idee, dass der Sonne der höchste Platz im Universum gebührt, war Ausgangspunkt der kopernikanischen Wende.

  2. @Till:

    << Die Zahlenmystik des Pythagoras ist Quelle das Atomismus; die newtonsche Mechanik ist aus Mythen entstanden; die religiös-neuplatonische Idee, dass der Sonne der höchste Platz im Universum gebührt, war Ausgangspunkt der kopernikanischen Wende. << Mit dem kleinen Unterschied, dass Newton eben nicht bei den Mythen stehengeblieben ist und diese immer weiter vertieft hat, bis er sich völlig im Mythologischen verloren hat, ebenso wenig wie Kopernikus mit "Ideen" hausieren ging, sondern sich ein Fernrohr genommen und seine Vermutungen überprüft und schließlich bewiesen hat. Insofern sehe ich keinen Zusammenhang zu dem obigen Artikel und der Vorgehensweise des "Yeti-Explorers" - alles, was er herausgefunden hat, weist genau in die gegenteilige Richtung eines "Yeti-Monsters". << Meist entdecken die Genies rein zufällig Lösungen für Probleme, die sie eigentlich gar nicht hatten. << Und das ist exakt der Unterschied, den Sie offenbar nicht sehen wollen: Pseudowissenschaftler entdecken eben nicht zufällig "Lösungen" für echte Probleme noch beschäftigen sie sich überhaupt mit "echten" Problemen der Wissenschaft, sondern sie sind von diversen Phantastereien überzeugt, ohne dafür jemals Belege zu liefern, und die die "echte" Wissenschaft längst abgehakt hat. << und neue Lösungen werden auch keinesfalls zielgerichtet angegangen. << Nichts von dem, was Sie schreiben, hat etwas mit unserem Artikel zu tun. Der "Yeti-Explorer" hatte seine "Lösung" vorher schon im Kopf und suchte "zielgerichtet" nur noch nach Bestätigungen dafür, weswegen er für jede andere plausible Erklärung blind ist. << In Skeptiker-Kreisen weit verbreitet ist die Blindheit gegenüber dem Wesen schöpferischer Prozesse. << Gewiss ja - erzählen Sie das bitte jemandem, der keine 25 Bücher geschrieben hat, aber nicht mir. << Die wirklich umstürzenden Erfindungen wie die des Buchdrucks, des Telefons, des Computers, des WWW, des Penicillins kommen so aber nicht zustande. << Jede dieser Erfindungen gründete auf Vorarbeiten anderer und auf Ideen, die bereits "in der Luft lagen". Beispiel Gutenberg: Schon lange vor Gutenberg verwendete man Holzschnitte und andere Stempel zum Drucken, und Gutenbergs Druckerpresse orientierte sich an den Pressen der Kelter.

  3. @ Til
    Der Artikel „GWUP: Esoterik durch die Hintertür“ ist zwar Ihren Interessen entsprechend clever geschrieben, aber NEGATIV clever, wie ich finde.

    Manche Passagen sind sehr frech!

    Naja – jedem seine Meinung.

  4. Ausnahmsweise – wirklich ganz ausnahmsweise – einmal Diskussion auf der Metaebene.

    @ Pierrre Castell
    Wer etwas bewegen will, muss manchmal (!) frech sein.

    @ Bernd Harder
    Weniger schreiben – mehr lesen und vestehen!

    Hier der verlorengegangene Link zur Abschiedsvorlesung.

  5. @Till:

    << Weniger schreiben - mehr lesen und vestehen! << Das zeigt mir endgültig, dass Ihre "Diskussion" keinerlei Sinn oder Zweck hat, anscheinend verstehen Sie sie selber nicht: Sie hatten "den Skeptikern" (und damit auch mir) den Vorwurf gemacht, wir seien "blind gegenüber dem Wesen schöpferischer Prozesse". *Darauf* habe ich geantwortet, weil ich denke, dass ich von "schöpferischen Prozessen" eine ganze Menge verstehe. Ihre Replik darauf ist billigste Provokation und geht meilenweit am Thema vorbei. Und außerdem: Falls ich mal Ratschläge von Ihnen brauche, lasse ich es Sie gerne wissen. << Wer etwas bewegen will, muss manchmal (!) frech sein. << Nö, wer etwas bewegen möchte, muss erst mal deutlich und verständlich machen können, was genau er überhaupt will und worum es ihm geht. << Hier der verlorengegangene Link zur Abschiedsvorlesung. << Sinnigerweise natürlich Ihre eigene ...

  6. @ Till
    Till, ich fürchte, dass Sie meinen Zeilen trotz angedeuteter Kritik als Pro-Kommentar verstanden haben.

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