Schüßler-Salze oder Lecken an der Beethoven-Büste

Anfang des Monats berichteten wir hier darüber, dass das Landgericht Karlsruhe der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) untersagt hat, mit Promis für Schüßler-Salze zu werben.

Wer sich mit dem Thema Schüßler-Salze bislang noch nicht groß befasst hat, sei auf einen aktuellen Artikel im Bullshit-Blog hingewiesen:

Beauty is nothing without brains! Ein Schüßler-Update.”

Ein Auszug:

Konsumenten-Verarsche bleibt es so oder so, und der eigentliche Skandal ist doch, dass derartiger offensichtlicher Unsinn überhaupt in den Regalen unserer Apotheken zu finden ist, denn unter den Homöopathie-Derivaten gibt es derzeitig  – völlig zu Recht –  wohl kaum eine Variante der “alternativen Medizin“, die einen so grottenschlechten Ruf zumindest bei denen genießt, die über ein Mindestmaß an mathematischen oder naturwissenschaftlichen Kenntnissen verfügen,  wie die Biochemie nach Schüßler.

Allenfalls Bachs Blütentherapie oder die neue Varianten der Homöopathie, PraNeoHom – Homöopathie nach Körbler, bei der nicht mehr Mittel verabreicht werden, sondern kryptische Bildchen auf Körperstellen gepinselt werden, sind in der Lage, noch mehr Hohngelächter zu erzeugen; was natürlich die jeweilige Glaubensgemeinschaft in ihren Überzeugungen noch sicherer macht […]

Also mit Biochemie, wie sie üblicherweise verstanden wird, hat dieses Heilverfahren nichts zu tun, mit Medizin ebenfalls nicht.

Es ist eher Beleg dafür, dass auch mehr oder weniger durchgeknallte Irre, gewaltige Spaßvögel oder furchtbare Dilettanten durch die konsequent betriebene Umsetzung ihrer dümmsten Ideen zu einer gewissen Berühmtheit gelangen können.

Wir können deshalb die Darstellung der Theorie auf einige wenige Sätze reduzieren, was sicher ganz im Sinne Schüßlers gewesen wäre.

Einem unbegabten Arzt des 19. Jahrhunderts war nicht nur die damaligen Medizin zu kompliziert, sondern auch ihr Gegenentwurf, die Homöopathie nach Hahnemann.

Um anstrengender diagnostischer und therapeutischer Tätigkeit zu entgehen, hat er dann ein Heilverfahren mit lediglich 12 Mineralstoffen erfunden, deren angeblicher Mangel angeblich für alle Krankheitszustände verantwortlich war, und deren Zufuhr in kleinsten Dosierungen angeblich alle Krankheiten beseitigen konnte.

Die Auswahl des jeweils passenden Salzes erfolgt über die sogenannte Antlitzdiagnose, bei der angeblich untrügliche Zeichen im Gesicht auf den angeblichen Mangel hinweisen. Glaubt man Schüßler, lässt sich diese Diagnose nicht erlernen, sondern ergibt sich aus den „Erfahrungen“ des Therapeuten.

Um den angeblichen Mineralmangel zu beheben, soll das fehlende Salz in homöopathischer Verdünnung eingenommen werden. Die Atome des Salzes wandern angeblich in die kranken Zellen und locken dort angeblich durch ihre Bewegung weitere Minerale in die Zellen.

Ernstzunehmende Belege für die Schüßlerschen Thesen gibt´s nicht, was nicht wundert, denn die abenteuerlichen Behauptungen Schüßlers widersprachen dem medizinischen und chemischen Wissen schon zu dessen Lebzeiten – und das hat sich bis heute nicht geändert.”

Zum Weiterlesen:

  • Beauty is nothing without brains! Ein Schüßler-Update, Bullshit-Blog am 14. Mai 2013

 

5 Kommentare zu “Schüßler-Salze oder Lecken an der Beethoven-Büste”


  1. 1 Ralf 28. Mai 2013 um 20:45

    Warum gerade 12 Mineralien – weil wahrscheinlich 12 die Zahl der Vollkommenheit ist…also hat das auch etwas mit Numerologie zu tun.

    Warum die Zahl 12 die Zahl der Vollkommenheit ist, leitet sich aus einer “menschlichen Trivialität” ab, dem “Einhändiges Zählen bis 12” und mit zwei Händen kann man bis 60 Zählen, siehe: Sexagesimalsystem
    Zufälligkeit zur Datums und Zeitrechnung, sind natürlich rein zufällig ;-)

  2. 2 Heike 20. März 2016 um 08:19

    Ich habe ziemlich viel über Dr. Schüssler gelesen, aber so was noch nicht…

  3. 3 excanwahn 20. März 2016 um 09:11

    Und, Heike? Schockiert, verärgert, oder nur überrascht?

    Apropos “Dr.” Schüßler: Den Dr. hat der Schüßler bekommen, ohne dass er je eine Doktorarbeit geschrieben hätte, er hatte noch nicht einmal einen universitären Abschluss.

    Das war ´ne “Promotion in absentia”, die im 19 Jhdt. an einige deutschen Unis eine etwas problematische Tradition hatte, und durch die leider auch solche trüben Funzeln wie Schüßler plötzlich zu akademischen Leuchten wurden.

  4. 4 Heike 21. März 2016 um 10:09

    Bischen überrascht…

  5. 5 Bernd Harder 21. März 2016 um 10:14

    @Heike/excanwahn:

    Des Rätsels Lösung:

    Die Heike möchte gerne Reklame für ihre Schüßler-Webseite machen.

    Link wurde entfernt und “Heike” gesperrt.

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