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Nikolaus, Virginia und der Weihnachtsmann

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Es gibt schon Probleme auf der Welt.

Dieser Tage hat sich ein Herr Ritter, „Wissenschaftlicher Mitarbeiter“ beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege, wie folgt zu Wort gemeldet:

Es komme durchaus vor, dass bei einer Adventsfeier Sankt Nikolaus angekündigt werde. Doch statt des Bischofs aus Myra, der im vierten Jahrhundert gewirkt haben soll, erscheint der Weihnachtsmann auf der Bildfläche – und keiner registriert es oder nimmt daran Anstoß.“

Nein!! Wirklich? Kann das denn wahr sein?

Kaum zu glauben, aber um solchen Unsinn wird in Bayern ernsthaft Aufhebens gemacht.

Seit Tagen tobt nun schon im Lokalblatt Augsburger Allgemeine Zeitung eine erregte Debatte um die „Hetzjagd auf den Weihnachtsmann“, in die auch Dr. Stephan Bachter vom GWUP-Wissenschaftsrat involviert ist.

Der Volkskundler gibt nämlich den Widerpart zu Herrn Ritter und kontert:

Der Weihnachtsmann, findet Bachter, passe als säkularisierte Figur – losgelöst von religiösen Bezügen – ganz gut ins bürgerliche Zeitalter. „Teilen der Heimatpflege fehlt die Lockerheit, das zu erkennen und zu akzeptieren.“

Das Lustigste an dieser skurrilen vorweihnachtlichen Disharmonie ist indessen ein Zitat von Maite („Let’s Dance“) Kelly, die sich für das katholische Bonifatiuswerk engagiert – und die ebenfalls schwer gegen den Weihnachtsmann zetert:

Ich muss meinen Kindern keine Lügen vom Weihnachtsmann erzählen. Ich kann ihnen eine wahre Geschichte erzählen“, sagte sie.“

Aha. Die Legenden um Nikolaus von Myra sind für den zweitjüngsten Spross der Kelly-Family also eine „wahre Geschichte“.

Nun ja, wie auch immer: Natürlich darf auch 2011 in kaum einer Zeitung der berühmte Briefwechsel zwischen der achtjährigen Virginia und dem Kolumnisten der New York Sun, Francis P. Church, fehlen, zum Beispiel heute in der Welt.

Im vergangenen Jahr haben wir hier eine aktualisierte „skeptische“ Version des Sun-Editorials von GWUP-Mitglied Patrick Pricken veröffentlicht.

Diesmal möchten wir auf einen Beitrag im Blog Evidenz-basierte Ansichten verweisen.

Ein Auszug:

Als unser Sohn Connor die ersten Anzeichen von Zweifel am Weihnachtsmann zeigte, wurde mir klar, dass hier etwas Machtvolles passierte. Ich begann, das Paradigma des Weihnachtsmanns als eine Gelegenheit zu begreifen, die man beim Schopf packen muss – als den ultimativen Testlauf für einen sich entwickelnden Forschergeist.

Mein Junge war acht Jahre alt, als er begann, die klassischen Fragen zu stellen: Wie schafft es der Weihnachtsmann, all diese Häuser in nur einer Nacht zu besuchen? Wie kommt er herein, wenn wir keinen Kamin haben und alle Fenster geschlossen sind und die Alarmanlage eingeschaltet ist? Warum benutzt er das gleiche Geschenkpapier wie Mama?

Das ist der Moment, in dem wir den natürlichen Forscherdrang eines Kindes unterstützen oder abwürgen können. Wenn es um Glaubensfragen geht, haben Sie drei Optionen: Sie können das Kind mit einer Bestätigung abspeisen, Sie können es mit einer Widerlegung abspeisen – oder Sie können ihm das Angeln beibringen.“

In diesem Sinne wünschen die freundlichen Skeptiker von der GWUP allen unseren Leserinnen und Lesern fröhliche, erholsame Weihnachtstage und das Beste für 2012 – ganz ohne Weltuntergang.

 

3 Kommentare

  1. Soso, die Bayern – rückständig, wie sie sind – diskutieren über so unsinnige Fragen wie Nikolaus oder Weihnachtsmann. Da oute ich mich doch gern als Bayer. Und auch ich würde mich ärgern, wenn ich auf eine Nikolausfeier eingeladen bin und dann der Zipfelbemützte daherkommt. Denn das ist ungefähr so, wie wenn auf einem Seminar über psychische Leiden ein Exorzist referiert: Eine glatte Fehlbesetzung!
    Was soll also ein Heimatpfleger anderes tun als auf diesen Umstand hinzuweisen und den Weihnachtsmann dahin verweisen wo er hingehört: Vor die Kaufhäuser und in die Feiern, wo die sakuläre Mehrheit im Lande ihr Jahresende zelebriert.
    Insofern passt der Weihnachtsmann wohl wirklich ins bürgerliche Zeitalter: Seine Botschaft lautet „Ho! Ho! Ho!“, und mit den Werten, die Bischof Nikolaus verkörpert, hat er wirklich nichts am Hut, äh, an der Mütze.

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