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30 Jahre Medjugorje: Teil V – Das Fazit

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(Fortsetzung von „30 Jahre Medjugorje: Die Botschaften„)

Im gerade erschienenen Quartalsheft (2/2011) der rührigen Gebetsaktion Medjugorje Wien lesen wir:

Bald werden wir den 30. Jahrestag des Phänomens begehen, das in den Nachmittagsstunden des 24. Juni 1981 begann. Ein Phänomen, das die Geister bis zum heutigen Tag nicht zur Ruhe kommen lässt.

Ein Phänomen, das Widerstände hervorruft, das seine eifrigen Befürworter, aber auch scharfe Gegner hat.“

An dieser Stelle soll am 24. Juni 1981 die Gospa erschienen sein (Foto: Draceane/Wikipedia Commons).

 

Zu Letzteren gehört nach wie vor der zuständige Ortsbischof von Mostar.

Ratko Peric teilt vollumfänglich die Haltung seines verstorbenen Amtsvorgängers Pavao Zanic und wartet unter anderem auf der Homepage der Diözese Mostar mit kritischen (englischsprachigen) Informationen zu Medjugorje auf.

Allerdings konnte auch er nicht verhindern, dass der Vatikan im vergangenen Jahr eine neuerliche Untersuchungskommisson eingesetzt hat:

Im Mittelpunkt der Prüfung sollen nicht nur die Marienerscheinungen von Medjugorje stehen, sondern das geistliche Leben und die seelsorgliche Begleitung der Pilger.“

Bislang ist Medjugorje kein offiziell genehmigter Wallfahrtsort (das bedeutet unter anderem, dass Pfarrwallfahrten dorthin untersagt sind – nur Besuche „privater“ Natur sind Katholiken gestattet).

Die bis dato dritte Medjugorje-Untersuchungskommission war 1991 in ihrer „Erklärung von Zadar“ zu dem salomonischen Urteil gelangt:

Non constat de supernaturalitate.“

Was soviel heißt wie:

Es steht nicht fest, dass die Erscheinungen übernatürlich sind.“

Oder: Nichts Genaues weiß man nicht. Die Amtskirche erkennt die Erscheinungen weder an noch verwirft sie sie grundsätzlich.

Foto: Beemwej/Wikipedia Commons

 

Die vier „Seherinnen“ und zwei „Seher“ sind nunmehr in den Mittvierzigern und gelten als gut situiert – was gerade gläubige Kritiker gegen das Medium-Sextett aufbringt:

Ivan [Dragicevic], der übrigens mit der ehemaligen Schönheitskönigin und Miss Massachusetts, Loreen Murphy, verheiratet ist, wurde einmal von einem amerikanischen Reiseveranstalter als eine Persönlichkeit dargestellt, die für nur 500 US-Dollar eine persönliche Bekanntschaft mit der Madonna vermitteln könne. Er besitzt einen BMW und einen Mercedes sowie eine Villa im „deutschen Stil“ im lokalen Nobelviertel.

Sein Anwesen liegt dem Haus der Seherin Mirjana Dragicevic gegenüber, die einen Teil ihres Hauses in ein Gästehaus für Pilger umgewandelt hat. Erscheinungen sind hier im Arrangement miteinbegriffen.

Alle Seher und Seherinnen sind verheiratet und bis auf einen besitzen alle Hotels in Medjugorje – im Unterschied zu Lucia Dos Santos und St. Bernadette Soubirous, die ein wesentlich weniger weltliches Leben führten, nachdem ihnen in Fatima bzw. Lourdes Marienerscheinungen zuteil geworden waren.“

Aber zu jedem Argument „contra“ Medjugorje gibt es ein „Pro“ – und umgekehrt, je nach persönlichem Standpunkt:

Jene, die solche Fragen stellen, vergessen, dass auch der Ruf zum Priester- und Ordensleben ein Geschenk von Gott ist und nicht die Wahl des Menschen“,

schreibt etwa der Franziskanerpater Ivan Dugandzic im aktuellen Medjugorje-Quartalsheft (2/2011, Seite 15) lapidar.

Foto: Beemwej/Wikipedia Commons

 

Natürlich darf in dem Bändchen auch ein Hinweis auf die zahlreichen „Untersuchungen an den Sehern von Medjugorje“ (Seite 28-31) nicht fehlen.

Tatsache ist, dass Ivan und Co. nie eine bewusste Täuschung oder eine psychische Erkrankung nachzuweisen waren.

Kritiker wie der Psychologe und Theologe Dr. Ivan Zeljko machen dagegen untaugliche Verfahren, methodische Mängel und eine „eindeutige Überinterpretation“ der Ergebnisse geltend.

Und so weiter, und so fort.

Aus skeptischer Sicht birgt Medjugorje denn auch wenig Unerklärliches.

Alles, was es für die „Erscheinungen“ brauchte, war eine Gruppe eidetisch begabter Jugendlicher, welche die sich bietende Möglichkeit einer „Heiligenkarriere“ entschlossenen realisierten, und deren individuellen Wünsche zur richtigen Zeit am richtigen Ort an die Ziele und Bedürfnissstruktur ihrer franziskanischen Seelenführer, der Dorfgemeinschaft, der kroatischen Katholiken in Bosnien-Herzegowina und möglicherweise sogar des Vatikans andockten.

Diese Komplexität gäbe genügend Stoff für einen Religionsthriller a la „Illuminati“, lässt aber eine vollständige „Entlarvung“ des Phänomens Medjugorje (im Sinne eines „debunking“) kaum möglich erscheinen.

Ivan Zeljko hat daher vermutlich recht – und ihm soll nun das Schlusswort unserer fünfteiligen kritischen Serie über die „Gospa“ gebühren:

Nachdem sich die Psycho- und Soziodynamik der Ereignisse in Medjugorje weitgehend verselbständigt hat, ist heute nicht leicht zu ermitteln, woran die Seher und die beteiligten Geistlichen wirklich glauben oder nicht glauben […]

Was die Wahrheit von Medjugorje ist, wird sich wahrscheinlich nie vor aller Augen zeigen.“

Zum Weiterlesen:

  • 30 Jahre Medjugorje Teil I: Die Vorgeschichte
  • 30 Jahre Medjugorje Teil II: Die Seher
  • 30 Jahre Medjugorje Teil III: Die Franziskaner
  • 30 Jahre Medjugorje Teil VI: Die Botschaften
  • Unterwegs zur Muttergottes AG, Die Zeit am 31. März 2010
  • Das Mirakel von Medjugorje, Die Welt am 21. August 2008
  • Politicizing the Virgin Mary: The Instance of the Madonna of Medjugorje, Skeptical Inquirer November/Dezember 2002
  • Wie übernatürlich ist Medjugorje? GWUP-Blog am 10. Januar 2010
  • Die „guten Früchte“ von Medjugorje, GWUP-Blog am 2. Januar 2010
  • Kardinal Schönborn, Medjugorje und die Sonnenwunder, GWUP-Blog am 9. Dezember 2009
  • Mostar: Bischof Peric begründet sein „Nein“ zu den Medjugorje-„Erscheinungen“, Christliches Forum am 2. März 2017
  • Papst Franziskus schickt Sondergesandten nach Medjugorje, ARD-Wien am 26. März 2017

4 Kommentare

  1. Herzlichen Dank für diese umfassende Reportage über Medjugorje zum „30-Jährigen“! Auch wenn es keine „offiziellen Pfarrwallfahrten“ nach Medjugorje geben darf (worüber ich als Gemeindeseelsorger heilfroh bin), werden ja die eifrigen Jugendorganisationen wie Totus tuus kein bisschen daran gehindert.

    Allein dass es in diesem Sommer wieder ein internationales Jugendfestival mit angekündigten 60.000 Teilnehmern geben soll, spricht für sich.

    Noch ein Witz, der unter Skeptikern vielleicht kaum, jedoch in Katholikenkreisen weit verbreitet ist:

    Konferenz im Himmel, Thema ist „Ziel des diesjährigen Betriebsausflugs“. Der Heilige Geist schlägt Jerusalem vor, aber Jesus meint, dort hätte er schlechte Erfahrungen gemacht. Er möchte lieber mal nach Rom. Das lehnt aber Petrus ab. „Da geh ich nie wieder hin!“, protestiert er. Da schlägt Gott Vater vor: „Wir könnten doch mal nach Medjugorje fahren“ Maria ist begeistert: „Ja, da würde ich mitkommen, da war ich noch nie!“

  2. Die „Echtheit“ von Medjugorje beweist folgendes Video:
    http://gloria.tv/?media=220432

  3. @crazyfrog:

    Kingt wie eine Kopie von Marpingen – dort kam die Gottesmutter auch immer pünktlich auf die Minute …

    https://www.gwup.org/zeitschrift/729-vom-himmel-hoch-die-marienerscheinungen-von-marpingen

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