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30 Jahre Medjugorje: Teil IV – Die Botschaften

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(Fortsetzung von „30 Jahre Medjugorje Teil III: Die Franziskaner„)

Schon Anfang 1982 hatte Zanic eine vierköpfige Untersuchungskommission in Sachen Medjugorje eingesetzt, die zwei Jahre später auf Anraten der jugoslawischen Bischofskonferenz auf 15 Mitglieder erweitert wird. Zanic gehört dem Gremium selbst an.

Bei einer Zusammenkunft am 2. Mai 1986 beschließt die Kommission, ihre Arbeit zu beenden. Das Ergebnis der vierjährigen Recherchen erblickt jedoch nie das Licht der Öffentlichkeit.

Die BBC-Journalistin Mary Craig bringt in Erfahrung, dass zwölf der 15 Kommissionsmitglieder davon ausgingen, in Medjugorje gebe es nichts Übernatürliches. Nur zwei waren der Auffassung, dass die Gospa tatsächlich erscheine. Ein Mitglied habe bei der geheimen Schlussabstimmung einen leeren Zettel abgegeben.

Ein Triumph für Bischof Zanic? Mitnichten.

Gegen alle Gepflogenheiten gibt sich die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre mit dem Gutachten über Medjugorje nicht zufrieden und ordnet 1987 die Einsetzung einer neuen, nunmehr überregionalen Untersuchungskommission an.

Die in der Kirchengeschichte bislang beispiellose Begründung: Im Unterschied zu Lourdes, Fatima und allen anderen Marienerscheinungen habe die Botschaft von Medjugorje in der ganzen Welt sehr schnell einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Durch die modernen Massenmedien sei Medjugorje praktisch von Beginn an „internationalisiert“ worden.

Und wegen dieser weltumspannenden Bedeutung des Phänomens sei zwar de jure (rechtlich) der Ortsbischof von Mostar zuständig – de facto aber die Weltkirche und somit der Vatikan direkt betroffen.

Ist tatsächlich davon auszugehen, dass ein intellektuelles Schwergewicht wie der damalige Vorsitzende der Glaubenskongregation, Kardinal Josef Ratzinger, auch nur einen Augenblick lang an die Echtheit der Erscheinungen von Medjugorje glaubte?

Kaum. Die feinsinnige Formulierung von der „Internationalisierung“ Medjugorjes bezieht sich wohl auf etwas ganz anderes.

Mehr als eine Million Pilger pro Jahr aus aller Welt haben in Medjugorje einen anhaltenden Bauboom entfacht. (Foto: Luca Lorenzi/Wikipedia Commons)

Während die jugoslawischen Staatsorgane ab Mitte der 1980er-Jahre den kommerziellen Aspekt des Pilgertourismus nach Medjugorje entdeckten und sich beträchtlich gemäßigter verhielten, folgte Rom einem geheimen Fahrplan, der kein Interesse an der Wahrheitsfindung hatte.

Die kritischen Berichte von Bischof Zanic und den ersten beiden Untersuchungskommissionen lagen zur selben Zeit auf dem Schreibtisch des Papstes, als der innige Marienverehrer Johannes Paul II. mit dem amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan über verschiedene Möglichkeiten nachdachte, den Druck auf die kommunistischen Regime in Osteuropa zu erhöhen.

Gewiss stand Medjugorje nicht im Zentrum des „Destabilisierungs-Szenarios“, wie es etwa auf Polen und die Gewerkschaft Solidarität zutraf. Aber anscheinend zögerte der Vatikan die offizielle Ablehnung der Marienerscheinungen aus politischen Erwägungen hinaus, damit Medjugorje als Bestandteil des kroatischen Nationalismus wachsen und sich ausweiten konnte.

Möglicherweise schwebte dem polnischen Papst und seinen Beratern ein unabhängiges Kroatien als antikommunistisches Bollwerk gegen den Osten vor.

Fatal: Bischof Zanics Warnungen vor einem auch religiös motivierten Krieg zwischen Kroaten, orthodoxen Serben und Moslems bleiben im Vatikan und andernorts ebenfalls ungehört.

Am 27. Juni 1991, zwei Tage nach dem Ausscheiden der beiden nördlichen Regionen Slowenien und Kroatien aus dem jugoslawischen Staatenbund, kommt es an der Grenze zwischen Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina zu anhaltenden schweren Kämpfen. Die Friedensbotschaft der Gospa von Medjugorje wird damit endgültig von der Realität ad absurdum geführt.

„Friede, Friede und nur Friede!“ hatte die Gospa am zweiten Erscheinungstag im Jahr 1981 verkündet. Und nun? Die Seher und ihre franziskanischen Betreuer reagieren einigermaßen ratlos auf den Kriegsausbruch.

Pater Slavko Barbaric, Beichtvater und Vertrauter der sechs, erklärt bei einem Vortrag in London:

Die Gottesmutter hat zu uns zehn Jahre gesprochen und wir haben sie nicht verstanden […] Sie hat uns zum Fasten eingeladen und wir haben jetzt Hunger. Sie hat uns zum Frieden aufgerufen und wir haben jetzt Krieg.“

Ivanka, Mirjana, Vicka, Marija, Ivan und Jakov sind während des Krieges überwiegend in Medjugorje (das im Gegensatz zum nahe gelegenen Mostar von allen Kampfhandlungen verschont bleibt), zum Teil unternehmen sie Vortragsreisen ins Ausland oder leben bei Freunden in Italien. Die Erscheinungen sind zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr orts-, sondern „personengebunden“ und gehen dort weiter, wo die Seher sich gerade aufhalten.

Moderne Christus-Statue in Medjugorje (Foto: Luca Lorenzi/Wikipedia Commons)

Auf die Frage, wie sie persönlich den Krieg im auseinanderbrechenden Jugoslawien mit der Friedensbotschaft der Gospa in Einklang bringt, antwortet Vicka Ivankovic:

Die Gottesmutter hat uns alle eingeladen: Betet für den Frieden. Zehn Jahre hindurch hat sie immer wieder wiederholt, tausendmal gesagt: Betet für den Frieden, betet für den Frieden in euren Herzen, betet für den Frieden in euren Familien und in der ganzen Welt, denn ihr braucht heute den Frieden. Aber wir waren so ablehnend dieser Botschaft gegenüber, bis der Krieg näher gerückt ist.“

Von ähnlich berückender Schlichtheit sind sämtliche der mehr als 35 000 Botschaften, die die Gospa seit Juni 1981 den Sehern gegeben hat.

Wie kommt diese Zahl zustande? Marija Pavlovic, Vicka Ivankovic und Ivan Dragicevic wollen noch immer tägliche Erscheinungen der Gottesmutter haben, manchmal gemeinsam, in aller Regel aber getrennt voneinander, an ihrem jeweiligen Aufenthaltsort.

Mirjana Dragicevic war die erste, die die Sehergruppe verließ, und zwar Ende 1982. Am Weihnachtstag habe die Gospa ihr mitgeteilt, dass dies ihre letzte tägliche Erscheinung sei und dass Mirjana von nun an einmal jährlich eine Erscheinung haben werde, und zwar an jedem 18. März (Mirjanas Geburtstag) bis zu ihrem Lebensende.

Einige Jahre später revidierte die Gospa diese Regelung und kündigte der Seherin außerordentliche Erscheinungen an, die zunächst unregelmäßig waren und seit 1987 an jedem Zweiten eines Monats stattfinden.

Ähnliches gilt für Ivanka Ivankovic, deren tägliche Erscheinungen am 7 Mai 1985 endeten und die nun ebenfalls einmal im Jahr die Gospa trifft (am 25. Juni), und für Jakov Colo (Ende der täglichen Erscheinungen am 12. September 1998, seitdem eine jährliche Erscheinung am 25. Dezember).

Diese Jahresbotschaften von Ivanka, Mirjana und Jakov werden veröffentlicht.

Auch der Kommerz hat in Medjugorje Einzug gehalten (Foto: Ante Perkovic/Wikipedia Commons).

Von den täglichen Botschaften an Marija, Vicka und Ivan ist nur die so genannte Monatsbotschaft für die Gläubigen bestimmt, die seit dem 1. Januar 1987 an jedem 25. eines Monats über Marija Pavlovic an die ganze Welt ergeht. Alle übrigen Weisungen der Gospa seien privater Natur und beträfen in erster Linie die persönliche spirituelle Weiterentwicklung der Seher.

Die aktuelle Monatsbotschaft (vom 25. Mai 2011) zum Beispiel lautet:

Liebe Kinder! Mein Gebet ist heute für euch alle, die ihr die Gnade der Bekehrung sucht. Ihr klopft an die Tür meines Herzens, aber ohne Hoffnung und Gebet, in Sünde, und ohne das Sakrament der Versöhnung mit Gott. Lasst die Sünde und entscheidet euch, meine lieben Kinder, für die Heiligkeit.

Nur so kann ich euch helfen und eure Gebete erhören und Fürsprache vor dem Allerhöchsten suchen. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid.“

Seit nunmehr drei Jahrzehnten kommt die Gottesmutter vom Himmel herab, nur um die Menschen zu individueller Frömmigkeit zu mahnen, zu Bekehrung, Gebet, Fasten, Bibellektüre, zu den Sakramenten und zur Heiligkeit?

Für Gläubige ist das in gewisser Weise nachvollziehbar („Nichts Neues, aber Erneuerung!“) – für Skeptiker eher nicht.

Kritiker erkennen in den Botschaften von Medjugorje wenig mehr als „Gemeinplätze, Versatzstücke, Phrasen“. Lese man mehrere Monatsbotschaften nacheinander, so könne man leicht den Eindruck gewinnen, „dass den Redakteuren dieser Texte eine gewisse Anzahl vorgefertigter Satzmuster zur Verfügung steht, die – leicht verändert – immer wieder miteinander kombiniert werden“.

Aber wer sind die „Redakteure dieser Texte“? Darüber gehen auch die Einschätzungen der Ablehner auseinander.

In den Anfangstagen der Erscheinungen will ein Fotograf aus Deutschland Marija Pavlovic dabei ertappt haben, wie sie die gerade empfangene Botschaft der Gospa auf einem Zettel niederschrieb, in ihrer Jackentasche verschwinden ließ und dann ein anderes Stück Papier daraus hervorzog, das sie den Umstehenden als Botschaft aushändigte.

Andere Beobachter gehen davon aus, dass die Seher ihre Fragen an die Gottesmutter meist im Vorhinein aufschreiben oder auswendig lernen – und in der Zeit bis zur Erscheinung „unbewusst auch die Antworten entstehen“, welche die Gospa dann nur noch zu bestätigen braucht.

Fakt ist, dass Marija Pavlovic die Monatsbotschaft auf Kroatisch niederschreibt und sie mehreren franziskanischen Übersetzern übergibt, die sich miteinander austauschen und den gemeinsamen Text in verschiedenen Sprachen via Internet über den Globus versenden. Fraglos eine Praktik, die es den Betreuern möglich macht, mangelhaftes theologisches Wissen der Seher auszugleichen und die Botschaften glattzubügeln.

Über die banalen Frohbotschaften hinaus wollen die sechs Seher auch Drohbotschaften von der Gospa erhalten haben, und zwar in Form von jeweils zehn „Geheimnissen“, welche die Zukunft der Menschheit betreffen, unter anderem das schon erwähnte und bis heute nicht offenbar gewordene „große Zeichen“ sowie den Ablauf der Apokalypse zum Inhalt haben und die erst drei Tage vor dem Eintreffen der jeweiligen markanten Ereignisse und Katastrophen öffentlich bekannt gemacht werden sollen.

Foto: Michele Gaiga/Wikipedia Commons)

Was erklärtermaßen noch zu Lebzeiten der Seher geschehen werde.

Teil V: Fazit

9 Kommentare

  1. Ich bin davon überzeugt das die Erscheinungen in den ersten Jahren echt waren, aber wie bekannt kommt der andere, da unter, also der Gegenspieler der Himmelskönigin auch immer dahin wo die Gottesmutter ist um unfrieden zu stiften, so auch nach Medjorgorje. Man kann davon überzeugt sei das die Erscheinungen seit Anfang 1990 nicht von oben sondern von unten kommen und dienen nur noch dem Kommerz, somit auch von den ausrangierten Kommunisten geduldet, da diese jetzt Hotelbesitzer oder Gastwirte sind oder einen Geschenkeladen haben.

  2. @Karl: Das meinen Sie nicht wirklich ernst, oder?

    Wenn ja: Netter Versuch, Unsinn mit anderem Unsinn zu „erklären“.

  3. Das meine nicht nur ich 1000% erst, sondern auch alle meine Verwandten und Bekannten, außer ein paar blinde Fanatiker.

    [gelöscht]

    ich hoffe sie betrachten das ganze auch mal neutral …

  4. @Karl:

    Nun ja, die „Fanatiker“ sind natürlich immer die anderen, nicht wahr?

    Ich habe den Rest Ihrer seltsamen Ausführungen über die „züchtige“ Kleidung von Frauen mal gelöscht, Sie sind hier nicht in einem Forum für religiöse Sonderlinge, wo Sie mit so etwas Beifall ernten können.

    Ich umgekehrt hoffe, Sie betrachten das Ganze auch mal kritisch. Ich bin mehrfach in Medjugorje gewesen und brauche diesbezüglich keine Belehrungen.

    Vielleicht könnten Sie sich ja entschließen, tatsächlich mal etwas zu dem obigen Text zu schreiben, mir Fehler nachzuweisen oder ähnliches?

  5. Naja auch ein blinder Fanatiker der die Wahrheit unter dem Teppich kehrt, es reichen ja die wahren deutschen Erscheinungsorte nicht, da braucht man den ´Jugoslwischen Kult, mit einen religiösen Wallfahrtsort hat dass nichts zu tun.Augen und Herz aufmachen.

  6. @Karl:

    << Augen und Herz aufmachen. << Erst mal "Hirn" aufmachen, sonst würden Sie kaum die Märchen von Marpingen, Heede und Co. als "wahre" Erscheinungsorte bezeichnen. So, und jetzt ist Schluss mit dieser "Diskussion", sofern nicht mal was Substanzielles von Ihnen kommt.

  7. @Karl:

    << Naja auch ein blinder Fanatiker der die Wahrheit unter dem Teppich kehrt. <<

    Lassen Sie mich raten: Sie haben den Artikel gar nicht gelesen und haben keine Ahnung, worum es darin geht, oder?

  8. @Karl Preiß
    Sie behaupten, die „Botschaften“ seien zu Beginn „echt“ gewesen und dann sei der „Satan“ gekommen…diese abstruse Idee habe ich bis jetzt noch nicht im Zusammenhang von Medjugorje gehört… Respekt.
    Ich vermute, daß sie katholisch sind, dann wissen Sie auch, daß die Gottesmutter der Schlange den Kopf zertritt. Glauben Sie wirklich allen Ernstes, daß der Satan, die „ach so auserwählten Seher“ übernehmen kann, gegen den Willen der Gottesmutter?

  9. @Bernd Hader
    Mir war das noch nicht bekannt, daß es erst „echt“ und dann vom Teufel sein soll…aber ich kenne auch nicht alle Publikationen über Medjugorje.
    Das “ach so auserwählten Seher” war ironisch gemeint…;-)

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