Hauptsache pflanzlich …

Zwei Literaturtipps:

  • Prof. Edzard Ernst, der auch bei der GWUP-Konferenz in Wien einen Vortrag halten wird, nimmt für die Stiftung Warentest “Asiatische Heilkunde” unter die Lupe: “von Ayuverda bis Zen-Meditation”.

Ein Leseauszug:

Die Tatsache, dass eine Therapieform bereits viele Jahrhunderte besteht, wird häufig ins Feld geführt, um den Nutzen und die Risikoarmut dieser Behandlungsweise zu stützen. Eine lange Geschichte kann durchaus bedeutungsvoll sein; wenn eine Therapie in dieser Weise überliefert ist, dann besteht eine große Chance, dass es sich um eine nützliche Methode handelt.

Beweiskraft kommt einer solchen Überlieferung nicht zu. Es gibt zahlreiche Behandlungsformen, z. B. den Aderlass, die über Jahrhunderte eingesetzt wurden und nicht nur wirkungslos, sondern gefährlich waren. Erst als man begann, dieses Erfahrungswissen Erfahrungswissen wissenschaftlich zu überprüfen, stellte man fest, dass das Nutzen-Risiko-Profil mitunter negativ war.

Erfahrung kann, wie wir sehen, äußerst trügerisch sein. Diese Erkenntnis ist wichtig, denn sie zeigt, dass der Ansatz der Evidenz-basierten Medizin, diese Erfahrungen durch harte Daten zu ergänzen, sinnvoll ist.”

  • Ähnlich argumentiert heute das Deutsche Ärzteblatt in dem Artikel “Schulmedizin versus Naturheilverfahren: Hauptsache pflanzlich …”

Untertitel: “Warum viele Argumente der Anhänger alternativer Naturheilverfahren blanker Unsinn sind.”

Ein Auszug:

Wie reagiert die Ärzteschaft auf den rasanten Zulauf der Homöopathie?

Das naturwissenschaftlich sozialisierte Hirn müsste sich dem Charme von Mondkalendern, Auramassagen und von Hand in Richtung Erdkern verschütteltem Wasser eigentlich entziehen können. Einige praktizierende Ärzte haben die Homöopathie als zusätzliches lukratives Leistungsspektrum aufgenommen, ob nun aus ideologischen oder finanziellen Erwägungen heraus.

Andere scheinen sich dem Irrationalen gänzlich verschrieben zu haben: So verabschiedet eine promovierte Humanmedizinerin auf ihrer Homepage die Leserschaft allen Ernstes „mit pflanzlichen Grüßen“. Mittlerweile trauen sich nur noch wenige Ärzte, der sympathieträchtigen Ideologie Paroli zu bieten oder wenigsten öffentlich auf die durchaus beachtlichen Erfolge schulmedizinischer Heilverfahren zu verweisen.

Die Funktionäre schüren die Mär vom verhuschten Doktor, der es während des Arztgesprächs kaum noch schafft, vom PC aufzusehen.

Rückwärtsgewandte Nostalgie ist aber weder erstrebenswert noch zielführend.”

Zum Weiterlesen:

  • Homöopathie: Interview mit Amardeo Sarma zur 10:23-Aktion, GWUP-News am 15. April 2011
  • Schulmedizin, schärfe dich. Kids and me Blog am 20. April 2011

12 Kommentare zu “Hauptsache pflanzlich …”


  1. 1 Willy Wuff 17. April 2011 um 20:29

    Herrlich, danke – auch für die Links.

  2. 2 DLC 18. April 2011 um 22:06

    Vielleicht sind die Pflanzen deswegen so sympatisch, weil sie wie jegliches Leben auf diesem Planeten mit uns verwandt sind.

    Abgesehen davon finde ich, dass die Wissenschaft ihre eigenen Grenzen einsehen sollte.

    Sie leugnet Gott, die Seele, die Liebe und reduziert den Menschen zur Biomaschine. Ihre Ethik reduziert sich auf “Leben um jeden Preis” und Anpassung an politische sowie wirtschaftliche “Normvorgaben”, da sie selbst keine moralischen Wertungen vornehmen kann mangels höherer Kenntnisse der Wirklichkeit.

    Den Menschen den Weg zur Transzendenz zu verbauen finde ich jedenfalls höchst verwerflich.

    Unbestreitbar gibt es mit steigender Tendenz Scharlatane, bzw. Verblendete. Vor allem im säkularen Zeitgeist wo man gern Knöpfe Drückt und auch im Übermateriellen nach schnellen, einfachen Lösungen sucht.

    Jedoch das Übermaterielle wächst organisch aus dem Materiellen. Das Materielle ist die Grundlage dazu, weil wir nunmal auf unsere Sinne angewiesen sind.

    Jedoch kann jeder Mensch seine eigene Intuition, seine Instinkte und sein Gewissen trainieren um der Realität näher zu kommen als jegliche Wissenschaft. Weil jeder -kultivierte- Mensch übernmaterielle Erlebnisse hat, sei es Liebe, Ehrgefühl, Transzendenz. Spiegelneuronen allein sind schon der Beweis dafür. Das geschriebene Wort hingegen ist steril und kann auch von Maschinen verarbeitet werden. Es steckt jedoch kein “Leben” in ihm.

    Deswegen kann die Wissenschaft auch keine Wertungen vornehmen und verbleibt in ihrem selbst geschaffenen Ghetto. Alle (lebende) Materie ist von Seele erfüllt. Die Wissenschaft kann nur Wirkungen untersuchen aber weder die wahren Ursachen, noch das WARUM.

    Ich finde das leugnen von jeglicher Übermateriellen Existenz höchst mittelalterlich. Man sollte sich seiner eigenen Grenzen bewusst sein und sie auch einhalten.

    Durch unser Denken schaffen wir uns unsere Realität und je mehr man versucht, den Menschen und die gesamte Schöpfung in gewisse Schablonen zu pressen, desto mehr werden sie zuguter letzt auch hineinpassen. Das ist aber nicht der Aspekt in dem die Wissenschaft Realitäten erkennt, sondern inwieweit sie sie selbst schafft…

    Jedenfalls zum obigen Thema, natürlich ist die Pharmalobby mächtig, aber Macht bzw. Machthunger allein rechtfertigt noch keinen Deutungshoheit über die Realität.

  3. 3 Bernd Harder 19. April 2011 um 09:48

    @DLC: Und welches Kraut bevorzugen Sie?

  4. 4 Jan W. 19. April 2011 um 11:51

    @DLC: streiche “D”, streiche “L”, setze “T” und “H”.

  5. 5 Grnsfrz 19. April 2011 um 14:49

    @DLC:
    Na mir ist eine “seelenlose” Medizin die mir den Allerwertesten rettet jedenfalls allemal lieber, als eine die mir voller “Seligkeit” nur in den selben tritt.

  6. 6 Josh 19. April 2011 um 15:09

    DLC schrieb:
    “Das geschriebene Wort hingegen ist steril und kann auch von Maschinen verarbeitet werden. Es steckt jedoch kein “Leben” in ihm.”

    Wow, das hätten Shakespeare und viele andere Dichter wissen müssen, dann hätten sie’s gar nicht erst versucht …

  7. 7 HJM 8. Januar 2013 um 18:06

    E.Ernst: “… Es gibt zahlreiche Behandlungsformen, z. B. den Aderlass, die über Jahrhunderte eingesetzt wurden und nicht nur wirkungslos, sondern gefährlich waren. Erst als man begann, dieses Erfahrungswissen Erfahrungswissen wissenschaftlich zu überprüfen, stellte man fest, dass das Nutzen-Risiko-Profil mitunter negativ war. … ”

    Das sondert Herr Ernst nun schon seit vielen Jahren ab. Auf schriftliche Bitte, sich mit modernen Studien auseinanderzusetzen, antwortet er nicht.

    Ein Beispiel: F.S. Facchini & Kami L. Saylor haben gut 30 Patienten mit Insulinresistenz / Typ2-Diabetes (im Anfangsstadium) das gespeicherte Eisen durch Aderlässe – wie Blutspenden, im Abstand von 1 Monat – entzogen und analysiert, was dann mit gängigen Risikofaktoren passierte, 2002 in den Ann NY Acad Sci veröffentlicht.
    Ausgangs-Ferritin ca. 300 ng/ml, also “reichlich”. Nach Entzug von durchschnittlich 1,5g Eisen – Bestandteil von Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff – (Hämatokrit begann gerade etwas abzunehmen, aber keineswegs Anämie!) war das Ferritin auf rund ein Zwanzigstel gefallen, im Mittel auf 14 ng/ml, wie beispielsweise bei GESUNDEN Kindern zu finden.

    Und damit näherten sich die Risikofaktoren wieder “Kinderwerten” an, durchaus eindrucksvoll und signifikant. Da es äußerst schwierig wäre, eine solche Untersuchung doppeltblind auszuführen, wurden die Probanden als ihre eigenen Kontrollen nach einem halben Jahr OHNE weitere Aderlässe erneut untersucht.
    Obwohl das Ferritin nur ca. verdreifacht war auf knapp 50 ng/ml (also noch WEIT unter dem Ausgangswert), hatten sich die Risikofaktoren überwiegend den Ausgangswerten angenähert.

    Schlußfolgerung: Schon moderate Eisenspeicherung über die sehr niedrigen Werte noch wachsender gesunder Kinder hinaus erhöht den Blutdruck, den Blutzucker, macht in der Tendenz insulinresistent, das Insulin steigt, die Triglyceride, das “schlechte” Cholesterin (das “gute” HDL nimmt ab)…

    Damit wird leichter verständlich, warum alternde finnische Blutspender ein Herzinfarktrisiko nahe Null haben (wie Kinder), von der Arbeitsgruppe von J.T. Salonen aus Kuopio / Finnland Ende der 90er Jahre im BMJ beschrieben. (Es gibt viele weitere klinische Studien, die in die gleiche Richtung weisen, nicht nur jahrtausendealte Erfahrung, daß Aderlässe bei “rotem Bluthochdruck” wirksam sind. Etwa die FEAST-Studie von Leo R. Zacharski et al.)

    Aber E.Ernst bleibt bei seiner Aderlaß-Verteufelung!

    Damit stellt er sich einerseits an die Seite von Hahnemann, der wie ein Rohrspatz gegen Aderlässe hetzte (möglicherweise gegen solche, die ohne “Sinn und Verstand” ausgeführt wurden, also anders als die Aderlässe, die C.W. Hufeland schon beim jungen Goethe begann und Jahrzehnte später als unverzichtbare medizinische Maßnahme bezeichnete.

    Ernst verteidigt zum anderen die Spielwiese, die Pfründe, die Milliarden-Profite der Krankheits-Industrie: Nur dann, wenn die Menschen in den reichen Ländern mit steigendem Alter massenhaft krank werden (etwa Diabetes-Epidemie usw.), lassen sich Milliarden scheffeln.

  8. 8 Bernd Harder 8. Januar 2013 um 18:18

    @HJM: Ich habe mal alle ihre zahlreichen persönlichen Beleidigungen gelöscht – wenn Sie immer so auftreten, wundert mich nicht, dass Prof. Ernst Ihnen nicht antwortet.

    Würde ich auch nicht. Ich würde Sie gleich anzeigen.

    Zu Ihrer Big-Pharma-Verschwörung: Wird dieser Unsinn nicht langsam mal langweilig?

    http://evidentist.wordpress.com/2011/01/08/hp-verschwoerung/

  9. 9 HJM 8. Januar 2013 um 21:02

    Oh nein, ich trete in wissenschaftlichen eMails natürlich keineswegs “beleeidigend” auf, aber Prof. Ernst zieht es dennoch vor, nicht zu reagieren. (Ähnlich etwa Prof. K. Beyreuther beim Versuch, mit ihm darüber zu diskutieren, warum die “Alzheimer-Forscher” praktisch geschlossen behaupten, es gäbe keine – gar kausal – wirklich wirksame Therapie, wobei sie die erfolgreiche Studie von Crapper McLachlan et al. im LANCET von 1991 schlicht ignorieren, durchaus auch wider besseres Wissen, weil ich seit Jahren – erfolglos – auf diese wichtige Veröffentlichung hinweise, die nun immerhin schon über 20 Jahre praktisch ignoriert wird.)

    Raffiniert, einem kritischen Kommentator zahlreiche “strafwürdige” Beleidigungen zu unterstellen, die der Leser dieser Seiten nicht selbst beurteilen kann.
    So haben wir also schon 2 Ausweich-Strategien: 1. Ignorieren, 2. Unterstellungen, so daß es gerechtfertigt erscheinen mag, eben nicht INHALTLICH auf die Kritik einzugehen.
    Das Muster ist altbewährt (vgl. etwa T.S. Kuhn “Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen” – von wg. “Verschwörung”).

    Ohne es im Moment genau belegen zu können, findet sich in dem Buch von ?Singh und Ernst die ?Versicherung, daß Prof. Ernst ?nie mit der Pharma-Industrie zusammengearbeitet habe (aus dem Gedächtnis).
    Das ist nachprüfbar unwahr. E.Ernst hat in seinen jüngeren Jahren sehr wohl mit “Big Pharma” zusammengearbeitet!
    Da ich mich lange für das gleiche Gebiet interessierte (Blut-Rheologie usw.), las ich alles, was ich von Ernst “in die Finger bekommen” konnte, kaufte sogar ein Buch von ihm, das völlig klar in Zusammenarbeit mit einer großen Arzneimittelfirma erarbeitet war. Verschwörungs-Unterstellung?

    Werter Herr Harder,
    wenn Sie und die GWUP als ernstzunehmend wissenschaftlich akzeptiert werden wollen, dann müssen Sie sich schon inhaltlich auf wissenschaftliche Argumente einlassen, sich erkennbar / nachvollziehbar rational damit auseinandersetzen, nicht mit Unterstellungen gegen den Kritiker ausweichen.

    Ich wiederhole: E.Ernst: “… Es gibt zahlreiche Behandlungsformen, z. B. den Aderlass, die über Jahrhunderte eingesetzt wurden und nicht nur wirkungslos, sondern gefährlich waren. Erst als man begann, dieses Erfahrungswissen Erfahrungswissen wissenschaftlich zu überprüfen, stellte man fest, dass das Nutzen-Risiko-Profil mitunter negativ war. … ”
    “mitunter negativ” – SEHR geschickt, da Ernst nicht ausdrücklich negative Nutzen-Risiko-Relation behauptet. ABER: ich lese die Behauptung heraus, der Aderlaß sei WIRKUNGSLOS.
    Das ist barer Unsinn! Schauen Sie (E.Ernst WEISS es ohne jeden Zweifel) doch einfach ‘mal in ein Lehrbuch – oder auch bei Wikipedia – zur Therapie der häufigsten Erbkrankheit, der erblichen Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose (in Irland angeblich bis ca. 1% der Bevölkerung!): serielle Aderlässe!
    Und das nicht ohne Grund, weil nämlich mit jedem halben Liter Blut ca. 1/4 Gramm Eisen aus dem Körper entfernt wird. Bei 10…20… gar 40g Speichereisen in symptomatischen Fällen ist leicht auszurechnen, wieviele Aderlässe etwa erforderlich sein werden.

    WIRKUNGSLOS? Nein: KAUSAL-Therapie, und die von hellen Köpfen offenbar bereits vor Jahrtausenden “erfunden”, als der Eisengehalt des Blutes noch gar nicht bekannt war. So komplett unsinnig war die “Säftelehre” nicht, denn zumindest für den Aderlaß bei richtiger / sinnvoller Indikationsstellung war sie “goldrichtig”!

    “Harter Puls” (= hoher Blutdruck) bei gut durchbluteter Haut, also “roter Hochdruck” (= essentielle Hypertonie) war bereits in der Antike eine klare Indikation für Aderlässe. Diese Therapie ist hochwirksam, vgl. etwa W.Zidek et al. 1985. Eigenartigerweise hatten diese “Koryphäen” keinen vernünftigen Vorschlag für die Wirkungsweise. Ich kam einige Jahre später durch systematische Literatur-Recherchen darauf: es geht um den Entzug von gespeichertem Eisen aus dem Körper. Das kann ich hier nicht weiter ausführen, würde mehrere Seiten erfordern.

    Als ich diese Erkenntnis bei mir selbst in die Tat umsetzte, sank mein Blutzucker ebenso wie mein Körpergewicht, letzteres trat schnell auf, letzteres langsam über Monate, was auch kaum anders vorstellbar ist. Inzwischen sind diese Zusammenhänge (bis auf die Gewichtsabnahme, soweit ich weiß) durch zahlreiche weitere Studien hinreichend gesichert.

    Aderlässe sind WIRKUNGSLOS, haben ein schlechtes Nutzen-Risiko-Verhältnis? Das ist doch blanker UNSINN! Werden die über Jahrzente bewährten Blutspende-Richtlinien angewendet, sind 500ml-Aderlässe nahezu risikolos. Der Nutzen ist seit Jahrtausenden bekannt, völlig unbestreitbar (etwa Hämochromatose-Standard-Therapie) – aber Prof. Ernst hetzt seit vielen Jahren auf vielen Kanälen gegen den Aderlaß.

    Wenn Sie Kontakt zu ihm haben, konfrontieren Sie ihn doch bitte einmal mit der Wirklichkeit, damit seine Desinformation endlich aufhört. Oder arrangieren Sie ein Diskussionsforum mit ihm, damit wir endlich auf den Boden der WISSENSCHAFT kommen statt wolkigen Blablas.
    Prof. Ernst ist nicht der Heilige, “Halb-Gott”, für den ihn viele zu halten scheinen. Er muß sich wissenschaftlicher Diskussion, wiss. Argumenten stellen, wenn er ernst genommen werden will. Das gilt auch für Sie, die GWUP und ähnliche wackere “Kämpfer gegen Irrglauben”.

  10. 10 HJM 8. Januar 2013 um 22:42

    Es ist schon interessant, wie ein Gegensatz rationale Medizin gegen irrationale Homöopathie (usw.) aufgebaut wird: beide wollen dem Körper etwas ZUFÜHREN. Das geht wie beim jahrhundertelangen Kampf kathol. Kirche gegen die Reformation (“Ketzer”).

    Eine solche Sicht engt das Denken ein.
    Was, wenn ich völlig anderer Ansicht bin, etwa Atheist, Agnostiker, und beide Glaubensrichtungen ablehne? (Ok, nicht komplett: als Pharmakologe habe ich nichts gegen Arzneimittel mit gutem Nutzen-Risiko-Verhältnis, ziehe es allerdings vor, möglichst erst gar nicht krank zu werden.)
    Ich behaupte – und belege -, daß wir in erster Linie dem Körper nicht irgendwelche “widerstreitenden” Arzneien zuführen müssen, sondern vielmehr etwas Schädliches entziehen, nämlich gespeichertes Eisen.
    Nehmen wir zum Vergleich die Gicht: Hahnemann erregte sich über die Vorstellung eines “Gichtstoffs” – obwohl der aus Tophi hervorquillt, wenn sie geöffnet sind. Die Mainstream-Medizin weiß natürlich, daß es den “Gichtstoff” gibt, nämlich (v.a.) Natrium-Urat, und sie weiß auch, wie das Problem zu lösen ist.

    Warum ist es so schwer zu begreifen, daß nicht nur überschüssige “Harnsäure” (bzw. – v.a. – ihr Natrium-Salz) krank macht, sondern auch gespeichertes Eisen? Wie bei der Gicht kann man an der Quelle des Übels ansetzen (bei der Gicht also an den Purin-Vorstufen der Harnsäure —> Diät), also weniger Eisen zuführen bzw. die Resorption im Darm behindern (“Diät”) oder z.B. die Ausscheidung fördern (Gicht: Urikosurika…), etwa durch Blutspenden / Aderlässe oder durch Eisenchelatoren wie Desferoxamin oder Deferipron, die im Körper Eisen binden und dann über die Niere zur Ausscheidung bringen.

    Wenn der Aderlaß irrationale Reaktionen und Assoziationen hervorruft (Vampire, Drakula… – statt Vergleich mit dem unspektakulären Blutspenden), dann kann das ganze Thema auch rein über Ernährungsanalysen abgehandelt werden.
    Das hat in bewundernswerter Weise Prof. Francesco S. Facchini in seinem sehr lesenswerten Buch “The Iron Factor of Aging…” von 2002 durchexerziert, ein Musterbeispiel logischen Argumentierens. (Blut”entzug” wird nur ganz am Rande erwähnt, spielt für die schlüssige Argumentation eine völlig untergeordnete Rolle.)
    Er hat dieses Buch kürzlich als “BoD”-Nachdruck verfügbar gemacht, was bei Amazon einen wesentlich günstigeren Preis ermöglicht.

    Bei wem also beim bloßen Erwähnen von Blut / Aderlaß “das Messer aufklappt”, möge – gute Englischkenntnisse vorausgesetzt – doch bitte dieses Buch studieren und dann, wie es sich für ordentliche Wissenschaftler gehört, versuchen, die Argumentation zu widerlegen (vgl. Karl Popper: Science advances by disproof).
    Vielleicht fällt es dann leichter zu begreifen, daß gespeichertes Eisen im Körper schädlich ist, den Blutdruck und Blutzucker erhöht, wohl auch das Cholesterin, das Gewicht, v.a. aber das Risiko für viele wichtige Krankheiten, die das Leben verkürzen, also die durchschnittliche Lebenserwartung. (Vgl. das Titelblatt der ORIGINALausgabe des Facchinibuches von 2002 “… – Why Americans Age Faster”: Die Grafik zeigt die wesentlich kürzere Lebenserwartung in den USA, bei der natürlich auch die “Schießwütigkeit” der US-Amerikaner mit hineinspielt…)

    Womit wir auf wundersame Weise beim Thema “Hauptsache pflanzlich” gelandet wären: Tee, Rotwein, Olivenöl, Vollkorn-Getreide, Gemüse… (nicht zu vergessen Kaffee, den Facchini aus irgendwelchen Gründen nicht sonderlich zu schätzen scheint, obwohl hoher Kaffeekonsum nachweislich vor nicht wenigen wichtigen Alterskrankheiten zu schützen scheint): Wie solche Nahrungsbestandteile den Eisenstoffwechsel beeinflußen, kann im Facchini-Buch nachgelesen werden.

  11. 11 Bernd Harder 9. Januar 2013 um 09:57

    @HJM:

    << Raffiniert, einem kritischen Kommentator zahlreiche “strafwürdige” Beleidigungen zu unterstellen, <

  12. 12 Kurt Barlow 9. Januar 2013 um 11:28

    @HJM:

    Sie hängen sich an einem Satz auf, den Sie nicht verstanden haben:

    << ABER: ich lese die Behauptung heraus, der Aderlaß sei WIRKUNGSLOS. <<

    Weil Sie in Ihrem Eifer, auf Prof. Ernst loszugehen, eine selektive Wahrnehmung haben.

    Sie wissen vermutlich, dass der Aderlass seinerzeit gegen JEDE Erkrankung zur Anwendung kam, auch gegen die Pest, gegen Virusinfektionen etc., weil man es eben nicht besser wusste.

    Später, als man über Krankheitsursachen besser bescheid wusste und Viren, Bakterien etc. entdeckt hatte, wurde langsam klar, dass der Aderlass insgesamt mehr schadet als nützt (= Nutzen-Risiko-Relation).

    Das hat Prof. Ernst in seinem Beispiel gesagt. Ihre endlosen immergleichen Wortklaubereien und Vergleiche mit "Blutspenden" etc. hier ergeben daher keinen Sinn.

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