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Spuren auf dem Turiner Grabtuch

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Durch die Medien geistert die Behauptung, auf dem Turiner Grabtuch befinde sich Blut, sogar von der Blutgruppe AB wird gesprochen. Woher kommt diese Behauptung?

SINDONE

John Heller und Alan Adler veröffentlichten in Applied Optics ihren Beitrag Blood on the Shroud of Turin 1980, dass sie auf dem Turiner Grabtuch Blut gefunden hätten. Später behaupteten auch Schwalbe und Rogers, Blut gefunden zu haben.

Diese Aussagen kamen als Replik auf Untersuchungen von Walter McCrone, der Pigmente auf dem Turiner Grabtuch fand. Wie der Autor mehrerer Bücher zum Turiner Grabtuch Joe Nickell treffend bemerkte, sind weder Heller noch Adler Experten für Pigmente, noch sind sie forensische Serologen. Aber könnten sie dennoch recht haben?

Zweifel sind angebracht. Gehen wir zunächst zurück zu den Ergebnissen von Walter McCrone.

Er untersuchte 32 Klebebänder, die Proben des Turiner Grabtuches enthielten. Diese Proben wurden von der STURP-Gruppe entnommen, die weitgehend echtheitsgläubig sind. Sowohl mikroskopische Analysen, als auch Röntgenbeugung-Analysen zeigten Spuren von Eisenoxid- und Zinnoberrot Farbstoffen, sowie von Tempera als Bindemittel, alles übliche Farben von Malern im Mittelalter.

Zahlreiche unterschiedliche spezifische Tests für Blut schlugen fehl, während sie bei diversen Kontrollproben Blut anzeigten. Diese Ergebnisse sind in Accounts of Chemical Research 1990, 23, 77-83 enthalten.

Walter McCrone hat seine Ergebnisse insgesamt in 5 Artikeln in 3 begutachteten Publikationen veröffentlicht: The Microscope, Wiener Berichte über Naturwissenschaft in der Kunst und der Accounts of Chemical  Research.

Warum kamen aber Rogers, Schwalbe, Heller und Adler zu anderen Ergebnissen? Sie fanden auch Eisen, sahen dies aber als Beweis für Blut. Ihr Problem war einfach, dass ihre Tests nicht spezifisch genug waren.

So schreibt der Experte für forensiche Analysen John F. Fischer im Anhang des Buches Inquest on the Shroud of Turin von Joe Nickell, dass ihre Tests die gleichen Ergebnisse hätten, wenn sie Tempera-Bindemittel, statt Blut testen würden. Somit bestätigen sie eher (unspezifisch) die Ergebnisse von McCrone. Ausserdem: Ein Künstler aus dem 14. Jahrhundert hätte zwar Blut benutzen können.

Die Bildergebnisse wären jedoch schlechter, und er hat sicher nicht daran gedacht, dass jemand im 20. Jahrhundert Tests für Blut hätte durchführen wollen oder können.

Fazit: Das Turiner Grabtuch enthält die Reste von üblichen Farben des Mittelalters, jedoch kein Blut.

Dies stand auch vor der Datierung 1988 fest, die nur eine weitere Bestätigung dafür wurde, dass das Turiner Grabtuch das Werk eines Künstlers aus dem 14. Jahrhundert ist.

Zum Weiterlesen:

  • Eine „Spurensuche“ nach dem Turiner Grabtuch in Deutschland, GWUP-Blog am 9. Mai 2015

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