Verschwörung: GWUP will Weltherrschaft!

Bernd Harder hat es enthüllt. Die Fakten, die der Journalist recherchiert hat, sprechen eine eindeutige Sprache und lassen keinen Zweifel zu: Die GWUP fälscht Forschungsergebnisse, um die Wirksamkeit von Wünschelruten zu diskreditieren! “Ist dieser Widerstand gegen das Rutengehen noch nachvollziehbar?” fragt Harder und antwortet zugleich. “Nein! Was aber sind dann die wahren Gründe für den Kampf der GWUP gegen die Wünschelrute?”

Bevor Harder, als langjähriger Pressesprecher der GWUP selbst ein kundiger Kenner und Insider des umstrittenen Skeptiker-Vereins, seine messerscharfe Schlussfolgerung aufdeckt, untermauert er seine schockierende Theorie mit weiteren Fragen und Fakten: “Bis heute behauptet die GWUP steif und fest, der Rutenausschlag werde vom Muter selbst ausgelöst, weil dessen Arme zu zittern anfangen. Und immer wieder werden die beiden selben ‘Zeugen’ dafür aufgerufen: Philipp Kohnstamm und William Benjamin Carpenter. Wer aber waren diese Leute?”

Der Name sei das Zeichen, enthüllt Harder. Carpenter steht im Englischen für Zimmermann, und genau dieser Code führt den rigorosen Enthüller an die Quelle der Verschwörung. Denn auch der Heilige Josef, kein Geringerer als der Ziehvater Jesu, war Zimmermann von Beruf. Nur eine herbeifantasierte Parallele? Harder lässt Bilder sprechen: “Was hält der Heilige Josef auf diesem Gemälde wohl in der Hand? Einen hölzernen Stab, einen zauberhaften Stab – eine Wünschelrute: ein ungeheuer machtvolles Instrument für denjenigen, der es richtig einzusetzen weiß.”

Und genau dieses Geheimnis kennen und hüten die GWUP-Mitglieder, ist Harder überzeugt. Sie diskreditieren die Wünschelrute als unwissenschaftlich, wirkungslos und lächerlich, um ihr Mysterium und ihre Macht zu bewahren – und für ihre eigenen, finsteren Zwecke zu verwenden, wenn die Zeit gekommen ist. “V-Leute” nennen sich die Verschwörer insgeheim in Anlehnung an die V-Form von Wünschelruten, wie Harder herausfand. “Das V ist ihr geheimes Erkennungszeichen. Wer genau hinsieht, erkennt es doppelt kodiert in ihrem Vereinsnamen: G V V UP!”

Um die Macht, ja sogar die Existenz der Wünschelrute zu verschleiern, zensiert die GWUP schon seit Jahrhunderten die Weltgeschichte. Auch dazu hat Harder Beispiele und Beweise parat: “Lesen Sie mal Joseph von Eichendorffs Gedicht Die Wünschelrute – da ist im Text keine Rede von einer Wünschelrute! Und warum? Weil die GWUP das Gedicht von 13 auf eine Strophe gekürzt und zensiert hat.”

Moment! Sie glauben das alles? Nicht ernsthaft, oder? Was Bernd Harder und Klaus Schmeh da herbeifantasiert haben, ist von A bis V nur erfunden. So krude und übertrieben es klingt: Verschwörungstheorien funktionieren genau so. Die beiden Referenten schusterten die Legende nur aus einem Grund zusammen: um in ihrem Vortrag die Bau- und Funktionsweise von Verschwörungstheorien praktisch und plastisch aufzuzeigen. Und die geht so:

  1. Die Prämisse der Verschwörungstheorie ist zunächst ein einfach formulierter Verschwörungsglaube, also die vage Vorstellung, eine Gruppe von Personen habe sich dazu verabredet, böse Taten zu vollbringen. Formal geht das so, dass der Verschwörungstheoretiker Interesse für einen bestimmten Sachverhalt weckt, Fragen aufwirft und verspricht, diese im weiteren Ausbau der Theorie zu beantworten.
  2. Der Verschwörungstheoretiker trägt Unerklärliches zusammen und bezweifelt bisherige Erklärungen.
  3. Der Verschwörungsglaube geht in eine Verschwörungslegende über: Ein tatsächliches Ereignis wird umgedeutet und ausgeschmückt, um die Glaubwürdigkeit der Legende zu erhöhen. Formal geht der Verschwörungstheoretiker so vor, dass er nahe bei der Wahrheit bleibt und nachprüfbare Zahlen verwendet – und dann gewagte Schlussfolgerungen einflechtet. Die Verschwörungslegende geht schließlich über in die Verschwörungstheorie. Sie schafft die zusammenhängende Begründung für die Verschwörungslegenden. Sehr häufig geht es dabei um geheime Organisationen, die die Welt beeinflussen.
  4. Der Verschwörungstheoretiker stellt etablierte Methoden und Erkenntnisse immer wieder neu in Frage. Er greift die Wissenschaft, die Politik und das System pauschal und scharf an. Deren Schriften lehnt er als parteiisch oder borniert ab.
  5. Der Verschwörungstheoretiker verbindet scheinbar nebensächliche und nicht zusammenhängende Ereignisse, Indizien und Aussagen zu einem neuen Sinnsystem.
  6. Der Verschwörungstheoretiker verdrillt Wahres, Halbwahres und Erfundenes zu einem unentwirrbaren Knäuel. der Aufwand für eine Nachrecherche muss so groß sein, dass kaum jemand sich die Mühe macht.
  7. Eine Verschwörungstheorie lebt davon, Motive für das Handeln von Personen und Gruppen zu erfinden. Über diese Motive verbindet sie die einzelnen Verschwörungslegenden miteinander.
  8. Der Verschwörungstheoretiker zitiert Berühmtheiten und bekannte Zeitzeugen zum Beweis seiner Ausführungen.
  9. Der Verschwörungstheoretiker dämonisiert seinen Gegner, erfindet aber zugleich eine Schwachstelle, eine Achillesverse.
  10. Eine gute Verschwörungstheorie enthält mindestens einen Aufruf zur Mitarbeit oder einen Ausblick auf weitere Enthüllungen, denn sie benötigt immer die “Guten” und die “Bösen”.
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5 Kommentare zu “Verschwörung: GWUP will Weltherrschaft!”


  1. 1 Rouven Schäfer 22. Mai 2007 um 21:21

    Für alle, die mehr zum Thema wissen wollen:
    http://www.gwup.org/themen/texte/verschwoerungstheorien

    Und hier die zehn populärsten Verschwörungstheorien:
    http://www.gwup.org/skeptiker/archiv/2000/3/magazin_populaer.html

  2. 2 Marc M. Lindner 24. Mai 2007 um 20:57

    Köstlich, einfach nur köstlich! Eine herrliche Persiflage auf Verschwörungsfanatiker jeder Couleur und ebenso auf Ihre Kritiker, die hinter jeder Äußerung Ihres Vereins einen dicken Scheck der Pharma- oder Mobilfunkkonzerne wittern. Mein Kompliment an Herrn Harder und Herrn Schmeh für ihre “Recherchen”. Passen Sie aber nur auf, dass die Geschichte keine Eigendynamik entwickelt. Umberto Ecos Foucault’sches Pendel ließe dann grüßen … :-)

  1. 1 1 + 1 = 5 « m.arschflugkoerper Pingback am 23. Mai 2007 um 17:38
  2. 2 Durchgefallen: Wünschelruten im Psi-Test « gwup 2007 : psychotechniken Pingback am 27. November 2007 um 18:43
  3. 3 Total (para)normal: Medien, Monster, Sensationen! at gwup | die skeptiker Pingback am 15. April 2008 um 19:31

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