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Tiere und Erdbeben

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Über das sonderbare Verhalten von Tieren unmittelbar vor dem verheerenden Tsunami heute vor sieben Jahren haben wir im Skeptiker 1/2007 schon berichtet.

Jetzt verweist die Gesellschaft für Anomalistik auf eine aktuelle Studie einer internationalen Forschergruppe, die ein geophysikalisches Erklärungsmodell für das auffällige Verhalten von Amphibien bei herannahenden Erdbeben vorstellt:

Dabei stehen die durch Druck und Reibung generierte elektrische Ladungen im Mittelpunkt, die vielfältige Auswirkungen nicht nur auf die direkte Umgebung, sondern auch auf die geophysikalische Situation auf der Erdoberfläche im Umfeld einer solchen Spannungszone haben. Der Artikel ist zwar etwas technisch, aber das liegt in der Natur des Gegenstands begründet.“

Zum Weiterlesen:

  • Grant et al.: Ground Water Chemistry Changes before Major Earthquakes and Possible Effects on Animals. Int. J. Environ. Res. Public Health 2011, 8(6), 1936-1956

 

2 Kommentare

  1. Jemand die Studie im Original gelesen?

  2. Ad hoc Einschätzung:
    Der Artikel verweist auf Vermeidereaktionen von Kröten. Bei Erdkröten ist seit längerem Magnetorientierung bekannt.

    Diese ist aber verglichen mit eventuellen lokalen elektrischen Ereignissen stabil und vor allem stetig. Elektrische Felder sind bei landlebenden Wirbeltieren ein eher schwer erkennbares Phänomen, es sei denn sie werden durch erhebliche Feldstärken hervorgerufen. Ungeachtet der geophysikalischen Vorgänge erscheinen mir solche Vermeidereaktionen von Amphibien etc. eher unwahrscheinlich. Ihr multimodales Orientierungsverhalten sollte auch die Irritation durch ein schwach „elektrisches“ Ereignis nicht verändert sein. Im Wasser herrschen etwas andere biophysikalische Verhältnisse.

    Hier kommt es schon bei sehr niedrigen Feldstärken zu Reaktionen von Fischen (mit Seitenlinienorgan). Allerdings sollte auch dies nicht zu Vermeidereaktionen führen, wie schon 1990 Untersuchungen an Meereselektroden für das Baltic Cable an denen erhebliche Feldstärken herrschten ergeben haben. Zusammenfassend sind aus meiner Sicht als Zoologe andere als Erdbeben/elektrische Gründe für das geschilderte Verhalten der Kröten wahrscheinlich. Begründung: wirken die Felder/elektrochemischen Produkte im Wasser vergrämend, so wären sie an Land auf jeden Fall zu schwach um vertreibend wirken zu können.

    Daher würden die Tiere nur das Wasser meiden, aber (wenn sie noch vor der Ableichung/Paarung stünden) unbedingt in der Nähe des Wassers bleiben und versuchen wieder hinein zu kommen. Amphibien/Kröten sind vor der Paarung durch fast nichts, außer mechanischen Hindernissen aufzuhalten. Ich halte das Geschehen also für fehlinterpretiert, kann darüber hinaus aber keine Erklärung anbieten.
    Gruss

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