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Gute Absicht, schlechte Medizin: Edzard Ernst über die Studie zu Homöopathie bei Lungenkrebs

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In einem Gastbeitrag für spiegel.de zeichnet Edzard Ernst die wissenschaftliche Auseinandersetzung um jene Studie nach, die Michael Frass 2020 im Fachjournal Oncologist zur homöopathischen Zusatztherapie bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs publizierte.

Das INH und die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) stellten damals fest, dass die Ergebnisse nur durch Manipulation oder Fälschung der Daten erklärbar seien. Die Meduni Wien und die ÖAWI empfahlen dem Oncologist, die Veröffentlichung zurückzuziehen.

Das ist bis heute nicht geschehen, die Frass-Arbeit wurde lediglich mit einer „Expression of concern“ versehen:

Auf Spiegel-Anfrage teilte der Oncologist mit, die Prüfung der Studie dauere an.

Wie auch immer der Fall letztendlich im Detail ausgeht,

schreibt Ernst,

… illustriert er meiner Meinung nach einige grundsätzliche Probleme der Forschung speziell zu Homöopathie und Alternativmedizin […] Ich denke, dass Forscher auf diesem Gebiet Studien vor allem initiieren, weil sie beweisen wollen, dass ihre Lieblingstherapie wirksam ist – nicht, weil sie ihre These mit offenem Ausgang testen wollen.

Sie glauben so fest an die jeweilige Behandlungsform, dass sie gar nicht anders können, als Studien so anzulegen, dass ein positives Ergebnis garantiert ist.

Das zu verhindern, sei nicht leicht.

Einen möglichen Ansatz sieht Ernst darin, dass Forscher, die „trotz fehlender Plausibilität des untersuchten Verfahrens ein positives Ergebnis nach dem anderen veröffentlichen“, keine weiteren öffentlichen Fördermittel, etwa von Universitäten, erhalten dürften.

Dies würde zumindest einigen Pseudowissenschaftlern das Handwerk legen.

Zum Weiterlesen:

  • Zweifelhafte Krebsstudie: Gute Absicht, schlechte Medizin, spiegel.de am 27. Mai 2024
  • Eine weitere Vorzeigestudie der Homöopathen endet als Desaster, GWUP-Blog am 26. Oktober 2022
  • Homeopathy Research Hits New Low, Skeptical Inquirer Volume 47, No. 3, May/June 2023
  • Studie: „Erschreckend schlechte wissenschaftliche Standards in der Homöopathie-Forschung“, GWUP-Blog am 16. März 2022
  • Video von Werner Bartens: „Homöopathie – miese Tricks, schlechte Studien“, GWUP-Blog am 17. März 2022
  • Aus für die Homöopathie? „Feiert noch nicht“, erklärt Dr. Hegedüs, GWUP-Blog am 24. Mai 2024
  • MWGFD: Harald Walach jetzt 1. Vorsitzender, Gesundheits-Check am 26. Mai 2024

Ein Kommentar

  1. Sehr gut, dass diese Geschichte nun auch einmal in einem großen Publikumsmedium von einem sachverständigen Experten vorgestellt wird.

    Nur die Wahl des Beitragstitels ist schon irgendwie ein wenig … naja. (Ich weiß gut, dass in der Regel der Autor bzw. der Interviewte nicht derjenige ist, der die Headline aussucht.)

    Aber bitte – was um Hahnemanns Willen soll denn an dieser Geschichte um die Frass-Studie aus 2020 „gute Absicht“ gewesen sein?

    Edzard Ernst weist ja ausdrücklich darauf hin, dass letztlich ideologische Gründe und der daraus entspringende starke Wunsch, man möge doch Recht haben, aufs intellektuelle Abstellgleis und damit zu solchen Studien in der „Alternativmedizin“ führen. Mit der Folge von Bestätigungsforschung, was eh eine wissenschaftliche Todsünde ist.

    Nichts daran ist „gute Absicht“.

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