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Edzard Ernst: „Ich persönlich würde mit keinem Leiden einen Akupunkteur konsultieren“

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Bei Welt+ schreibt Edzard Ernst über Akupunktur:

Zu kaum einem Thema habe ich mehr geforscht und publiziert als zur Akupunktur. Die zentrale Frage war stets: Wirkt sie oder wirkt sie nicht? Einer eindeutigen Bewertung stehen leider viele Hindernisse im Weg, entgegen der landläufigen Meinung ist etwa das Setzen der Nadeln nicht ganz ungefährlich.

Wenn man alle verfügbaren Daten anschaut und gegeneinander abwägt, kann man jedoch zu einem klaren Fazit kommen.

Und das lautet:

Die Akupunktur hilft sicher einigen; ob dies allerdings mehr als ein Placebo-Effekt ist, bleibt trotz intensiver Forschung ungewiss.

Warum?

Ernst zählt auf:

  • Es gibt nicht nur die eine Akupunktur, sondern zahllose Varianten.

Wir haben es mit einem echten Wirrwarr von Verfahren zu tun, die man nicht ohne Weiteres in einen Topf werfen kann.

  • Heute stehen schätzungsweise 10.000 Akupunktur-Studien zur Verfügung.

Normalerweise wäre das ein gutes Zeichen, denn es würde bedeuten, dass ausreichende Evidenz zur Beantwortung der meisten Fragen vorliegt. Im Fall der Akupunktur ist jedoch das Kernproblem, dass die allermeisten dieser Studien aus China stammen.

Mehrere Untersuchungen haben gezeigt, dass Akupunktur-Studien aus China so gut wie nie negative Ergebnisse berichten. Außerdem wurde von chinesischen Autoren beschrieben, dass über 80 Prozent der Untersuchungen aus China gefälscht sind.

  • Zuletzt habe ich 2020 alle Cochrane-Reviews zur Akupunktur zusammengefasst.

Es fanden sich 54 Reviews zu diversen Krankheitsbildern. Positive Schlussfolgerungen auf der Basis von mindestens zwei belastbaren Primärstudien ergaben sich nur in zwei Fällen: bei der Prävention von Migräne und bei der Prävention des Spannungskopfschmerzes. Mit anderen Worten: Einigermaßen gut belegt sind nur zwei Einsatzgebiete der Akupunktur.

  • Kollegen aus London und Yale kommen daher in einem Artikel im Fachjournal Anesthesia and Analgesia zu einer viel pessimistischeren Einschätzung als die Cochrane Collaboration:

„Die besten kontrollierten Studien zeigen ein klares Muster: Bei der Akupunktur hängt das Ergebnis nicht von der Lage der Nadel oder sogar vom Einstich der Nadel ab. Da es sich bei diesen Faktoren um die Variablen handelt, die die Akupunktur definieren, ist die einzig vernünftige Schlussfolgerung, dass Akupunktur nicht funktioniert.“

  • Ferner wird auf die Risiken der Akupunktur hingewiesen.

Die häufigste Komplikation ist ein sogenannter Pneumothorax. Dabei verletzt eine Akupunkturnadel die Lunge und behindert so die Atmung – ein lebensgefährlicher Zustand. Weit über 1000 solcher Komplikationen sind in der medizinischen Literatur dokumentiert.

Das persönliche Fazit von Professor Ernst:

Ich persönlich würde mit keinem Leiden einen Akupunkteur konsultieren.

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