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Heute im #ferngespräch: Ukraine

| 226 Kommentare

Heute im #ferngespräch:

Mit dabei ist der Politikwissenschaftler Dirk van den Boom.

Los geht’s um 20 Uhr.

Udate:

Zum Weiterlesen:

  • Das erste Opfer ist die Wahrheit: Russlands Propaganda-Netzwerk, rnd am 22. Februar 2022
  • Sahras Informationskrieg, t-online am 21. Februar 2022
  • Darum geht es im Russland-Konflikt, Zeit-Online am 22. Februar 2022
  • Die Lüge kann nicht groß genug sein, Zeit-Online am 22. Februar 2022

226 Kommentare

  1. Vor dem möglicherweise verhängnisvollen nächsten Monat überlege ich bereits mir einen neuen Namen zuzulegen, ich heiße dann jetzt „Präsumtive nukleare Verdampfungswolke“…

  2. Ich frage für einen Freund ;-)

    Wer ist eigentlich die Sängerin von dem Cover von „Summer Wine“? – Ich finde die Mimik genial :-)

  3. „Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen“ (Hitler, 1.9.39)

    Dieses Zitat hat sich jetzt Putin zu eigen gemacht. :(

    https://www.stern.de/politik/ausland/ukraine-konflikt–putin-genehmigt-militaeroperation—offenbar-explosionen-in-mehreren-ukrainischen-staedten-31646556.html

  4. Adolf H. und Joseph G. wären stolz auf Wladimirs Rede und würden sicher eine Träne im Augenwinkel verdrücken.

  5. Schade, dass wir Mutti nicht mehr haben, denn die würde Putin jetzt aber ordentlich, ähh…
    die Raute machen!

  6. Wie skrupellos ist Putin, was haben wir noch zu erwarten? Ich befürchte, dass Putins Pläne so groß, verheerend schlimm und wahnsinnig sind, dass wir uns das als normal tickende Menschen gar nicht vorstellen können. Wollen wir hoffen, dass die Worte von unserem Bundeskanzler („wir sind nicht naiv“) den Tatsachen entsprechen.

  7. „Das Hackerkollektiv Anonymous hat „groß angelegte“ Cyberangriffe auf die russische Regierung angekündigt. In der Nacht zu Freitag war auch die Webseite von Russia Today nicht mehr zu erreichen!“

    https://www.t-online.de/digital/id_91725188/hackergruppe-anonymus-erklaert-russland-den-cyberkrieg-rt-ist-down.html

  8. @Otto:

    Treffender hätte Scholz wohl gesagt: „Jetzt wachen wir langsam aus unserer Naivität auf.“

    2015 erschien das Buch „Putinismus“ von Walter Laqueur. Aus dem Klappentext: Der Westen, so Laqueur, hat nach seinem Sieg im Kalten Krieg die Vorgänge in Russland sträflich unterschätzt. Seine aus dieser Unterschätzung herrührenden Fehler haben zu Destabilisierung der Ukraine und ganz Osteuropas maßgeblich beigetragen.“

    Nach sieben weiteren Jahren Tiefschlaf haben wir den Salat.

  9. Putin bezeichnet die demokratisch gewählte Ukrainische Regierung als drogensüchtige Nazibande.

    Das ist ein Wording aus dem Wörterbuch der echten original-Nazis: Die bezeichneten bekanntlich Churchill als „Fetten, alkoholsüchtigen Paralytiker“ (Für Trump ist sein demokratischer Gegenspieler bis heute „Sleepy Joe“).

    Interessant sind auch die sehr unterschiedlichen Bilder, die wir von Selenski und Putin sehen:

    Während Putin größten Wert darauf legt, immer mit pompösen Machtinsignien vor goldglitzernden Hintergründen aufzutreten, (Und dabei Trump aufallend ähnelt)

    https://static.dw.com/image/60625757_401.jpg

    https://cdni.rt.com/deutsch/images/2021.07/article/60ec786d48fbef034f37abee.jpg

    tritt Selenski seit jeher und auch jetzt, im aufgezwungenen Kriegszustand, in T-Shirts oder Pulovern ohne die allerkleinsten Abzeichen und meist vor unauffälligem neutralen Hintergrund ohne /Irgendwelchen/ Pomp oder Glitter auf.

    https://cdn.unitycms.io/image/ocroped/1200,1200,1000,1000,0,0/qoZZwSZblZg/4gblSEVwqgQ8yKp8-Wvf8x.jpg

    Mag sein, dass er die Generalmobilmachung und das Kriegsrecht nach militärischer Logik zu spät angeordnet hat.

    Auf jeden fall hat er damit unwiderlegbar bewiesen, dass er eben weder kriegsgeiler Autokrat noch Chef einer Nazi-Junta ist.
    Und im Angesicht der militärisch grotesk überlegenen russischen Armee hat er, meiner bescheidenen Meinung nach, Hunderten, möglicherweise Tausenden Menschen das Leben bewahrt.

    Meine besondere Hochachtung gilt seiner mutigen Entscheidung, Putins eindeutigen Drohungen und dessen Todes/Fänger-Kommandos, die sich schon in Kiew befinden, zu trotzen und vor Ort zu bleiben.

  10. Als Selenski gewählt worden war, wurde viel geschmunzelt, gelacht und spöttisch kommentiert.

    Ein Schauspieler, ein Präsidentendarsteller, als Präsident der Ukraine? Das ist ein guter Witz, der wird von den ukrainischen Oligarchen geschluckt und wieder ausgespuckt. Putin fährt mit dem sowieso Schlitten.

    Selenski hat ihnen allen das Gegenteil bewiesen. Putin „lacht“ sicher nicht mehr. Denn sonst hätte er Selenski nicht als Nummer 1 seiner „Todesliste“ gesetzt (so das Gerücht denn stimmt).

  11. @ Otto

    „…wir machen eine Demonstration, keinen Rosenmontagszug, das sollte jeder Jeck berücksichtigen.“
    Polizei rechnet mit Zehntausenden:

    https://rp-online.de/nrw/staedte/koeln/demo-in-koeln-gegen-krieg-in-ukraine-polizei-rechnet-mit-zehntausenden_aid-66605823

  12. „Wir müssen weiterhin mit Putin reden“ –
    ja und wenn ich ihm sage: „Halt den Mund“ oder „Das ist eine Lüge“ rede ich auch mit ihm =)
    Ich muss NICHT (!!!) „nett“ mit ihm reden ;)
    Ein „bis hierhin und nicht weiter“ ist auch ein Gespräch !

    „Hätten Wir Putin verhindern können ? der Holm ist Physiker, der denkt schon und hat Rehct. Hoöm, was hätten wir tun können ?“
    „Naja…wenn man jetzt Putins Körpermasse dermassen beschweren würde, dass die Gravitationskraft der Erde…“ :D :D :D

    Und…einfach mal so als „Statement“:
    Ще не вмерла України і слава, і воля,
    Ще нам, браття-українці, усміхнеться доля.
    Згинуть наші воріженьки, як роса на сонці.
    Запануєм і ми, браття, у своїй сторонці.

    |:Душу й тіло ми положим за нашу свободу,
    І покажем, що ми, браття, козацького роду.:|
    (Ukrainische Nationalhymne ;))

  13. Jetzt ist raus gekommen dass viele Russen nicht wussten dass sie in einen KRIEG GESCHICKT WERDE…wtf ???

  14. DANKE AN FRIEDRICH MERZ FÜR SEINE TOLLE REDE, die er gerade live im Bundestag hält.

    Seine deutlichen Worte bestärken mich wieder, dass er der bessere Bundeskanzler gewesen wäre!

  15. @Otto:

    Unter „Starke Rede“ trenden heute verschiedene Personen – ich habe es aber noch nicht für mich sortiert:

    https://twitter.com/search?q=%22Starke%20Rede%22&src=trend_click&vertical=trends

  16. Möchte nun nur hoffen, dass der Aggressor – er soll angeblich fließend Deutsch sprechen und hat die Reden aus dem Bundestag sicher verfolgt – jetzt keine Raketen auf Berlin schießt oder durch Verbündete Attentate in Deutschland ausüben lässt. Denn seine Eitelkeit dürfte stark verletzt worden sein, und bei Wahnsinnigen führt sowas oft zu noch schlimmeren Reaktionen, da sie nicht mit der Wahrheit umgehen können.

  17. „… Putin versetzt Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft

    14.45 Uhr: Russlands Präsident Wladimir Putin versetzt die Nuklarstreitkräfte des Landes in Alarmbereitschaft. Das habe er wegen des aggressiven Verhaltens der Nato und der Wirtschaftssanktionen der russischen Militärführung befohlen, sagte Putin am Sonntag im Fernsehen….“

    Atombombendrohungen wegen Wirtschaftssanktionen. Welthistorisch einzigartig. Es wirkt, als solle letztlich jeder nuklear vernichtet werden, der auch nur ein Widerwort wagt.

    https://www.spiegel.de/ausland/russland-ukraine-news-am-sonntag-elon-musk-starlink-hilft-ukraine-mit-internet-aus-a-08e79937-e5b3-43aa-8865-699d14274ed5

  18. Eigentlich ist das jetzt der Punkt, an dem die Welt stillstehen müsste. Alle müssten in der richtig verstandenen Weise aus ihren Häusern treten und sich weigern, noch einen Handgriff zu tun.
    Auch jeder russische Familienmensch müsste verstehen, dass Putin ihn selber und seine Familie mit einem grauenhaften Tod bedroht.

  19. Bei allem, mit dem wir Recht haben, sollte man ihn jetzt nicht unnötig provozieren und sich unbedingt ein Hintertürchen zu ihm offen lassen.

    Bellende Hunde aus unserer politischen Führungsebene werden ihn wenig beeindrucken, da er von Deutschlands blankem Militär keine Angst zu haben braucht. Deutschland bellt in vollen Zügen, könnte sich aber bei einem militärischem Angriff selbst nur schlecht verteidigen. Wir sollten aufpassen, dass wir den Mund nicht zu voll nehmen!

  20. Ich denke gerade, wenn dem chinesischen Staatschef bewusst würde, dass die Zukunft seiner eigenen Familie auf diesem Planeten existentiell durch Putin bedroht ist, wäre das unser stärkstes Mittel.

  21. Wer Zeit hat, hier ist GWUP-Mitglied und Osteuropahistorikerin Anna Veronika Wendland bei Alles Andere TV (gestern) zu Ukraine. Hier ist sie Sendung Putins Penisproblem mit AVW zu sehen. Sie hat Familie in der Ukraine und kennt sich sehr gut gerade in der Geschichte der Ukraine aus. Hier ist der Link (insgesamt fast 8 1/2 Stunden), wobei der Teil über den Ukraine Krieg ab etwa 2 Stunden 50 Minuten nach der Pause los geht, davor über die Kernenergie.

  22. @Lisa-Marie:
    Um eine Antwort zu finden, muß man m.E. Szenarien durchspielen.

    Nehmen wir an, wir halten uns an Deine Empfehlung. Szenario: Was tun wir, wenn Putin die zur Nato gehörigen balitischen Staaten angreift?

    Wie lautet Deine Antwort? Wenn Du sagst, Du hast keine, dann vergiss Deinen Kommentar. Denn das ist dann definitiv keine Lösung.

  23. Nebenbei: Als ich gestern von der Kurskorrektur unserer Regierung erfuhr, hatte ich kurz Tränen in den Augen.

    Ich habe es nicht mit so Sachen wie Patriotismus, aber ich glaube, dass ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich so etwas wie stolz auf mein Land bin.

  24. „Man sollte Putin jetzt eine Brücke bauen. Er hat mit Sicherheit inzwischen erkannt, dass er einen Riesenfehler gemacht hat. Solange wir ihn weiter bedrängen und in die Enge treiben, wird er immer unberechenbarer und könnte das Unheil weiter steigern. Die Muskeln wurden sowohl von Putin als auch von Europa genug präsentiert. Wenn er weiter gereizt wird, drückt er den roten Knopf. Vielleicht nimmt er danach Tabletten und verabschiedet sich von der Welt. Er ist ein Wahnsinniger. Sollte man ihn wirklich weiter in die Enge treiben? Nein, lasst Frau Merkel zu ihm, sie wird ihn zur Vernunft bringen und das regeln!“

    Nicht meine Worte. Zitat eines Nachbars.

  25. „Anti-Corona und Pro-Russisch: Ein Blick in die Welt der Meinungsmache“:

    https://www.derstandard.at/story/2000133663474/anti-corona-und-pro-russisch-ein-blick-in-die-welt

  26. Ich weiß nicht, ob das Video „echt“ ist. (eher Zweifel)
    Auf jeden Fall kann Lächerlich-Machen auch eine Waffe sein:

    https://twitter.com/MarekS013/status/1498020008588423171

    (Angeblich klaut ein ukrainischer Traktor-Fahrer einen russischen Panzer :)

  27. @Karsten Hilsen

    Das Video ist schon sehr speziell. Allerdings habe ich auch andere Videos gesehen, wo russische Fahrzeuge aufgrund Spritmangels liegen geblieben sind und teilweise von ihren Besatzungen verlassen worden waren.

    Gefangene russische Soldaten (ursprünglich Wehrpflichtige, die jedoch laut eigener Aussage erst vor kurzem zu einem längeren Dienst zwangsverpflichtet wurden) haben ausgesagt, dass sie über die Operationen im Unklaren gelassen wurden und dachten, dass es in ein weiteres Manöver geht. Ihnen war teilweise nicht mal bewusst, wo genau in der Ukraine sie sich befanden.

    Das ukrainische Verteidigungsministerium ist auch auf die Orientierungslosigkeit der russischen Einheiten aufmerksam geworden und hat angeordnet, dass Straßenschilder abmontiert werden sollen, um so die Verwirrung weiter zu steigern.

    Natürlich muss man all diese Videos und Informationen mit Vorsicht und Skepsis aufnehmen. Aber Militärexperten in den USA und England sagen aus, dass der russische Vormarsch auch deswegen stockt, weil es erhebliche Versorgungsmängel gibt.

    Die Armeeführung hat ganz offensichtlich bei der Logistik gepennt, was eigentlich wegen der eigenen Geschichte (2. WK und die massiven Versorgungsengpässe der Wehrmacht nach dem Überfall auf die Sowjetunion) unbegreiflich ist.

    Ich kann mir das nur mit einer ungeheuren Arroganz seitens Putin erklären. Er ist von einer kurzen Militäroperation, quasi einem Enthauptungsschlag, gegen Kiew und die ukrainische Regierung ausgegangen (eine Art Krim 2.0), um den „Sieg“ ein paar Tage später einer Parade auf dem Roten Platz zu feiern.

    Dazu passt auch, dass bei einer russischen Nachrichtenagentur versehentlich ein Jubelartikel für einen russischen Sieg über die Ukraine online gestellt wurde. Die Propaganda in diesem Pamphlet hätte einen gewissen deutschen Propagandaminister zu Tränen gerührt.

    https://anonleaks.net/2022/anonymous/ukraine-russische-nachrichtenseite-erklaert-putins-grossmachtsphantasien/

  28. @RPGNo1:
    Danke. Dann wird der Panzer nicht „gestohlen“, sondern er ist beschlagnahmt , oder wie auch immer, und wird von einem zivilen Trecker weggeschleppt.

    Beim blick auf die offensichtlich wassergebundene Oberfläche der Fahrbahn in dem Video fällt mir ein, dass Putin mit seinem massiven Truppenvorstoß unter Zeitdruch steht:

    Noch ist die Fahrbahn gefroren und belastbar. (Sogar sehr gut, weil wenig Schnee)
    In ca 12 bis 14 Tagen wird in Russland und der Ukraine die sog. Schlamm-Jahreszeit einsetzen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Rasputiza

    Dann werden große Truppenbewegungen für mehrere Wochen auf solchen Straßen unmöglich.
    Also auch etwaige Rückzug-Bewegungen.

  29. Szene in Berdyansk

    https://twitter.com/TIME/status/1498524264198193153

    So könnte der Beginn der gewaltfreien sozialen Verteidigung nach dem Konzept von Theodor Ebert aussehen.
    Es ist ein Verteidigungskonzept ausserhalb der militärischen Logik, welches die Grünen auch mal in ihrem Programm hatten.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Verteidigung

    Ich denke, dass es gerade in der aktuellen Konstellation eine Alternative zum Krieg sein könnte.
    Die große Mehrheit der russischen Soldaten sind gepresste Wehrpflichtige.

    Die übergroße Mehrheit der russischen Bevölkerung sind desinformierte Menschen, die diesen Krieg keineswegs unterstützen, wenn sie ehrlich informiert sind.

  30. @Karsten Hilsen:

    Es ist ein Verteidigungskonzept ausserhalb der militärischen Logik, welches die Grünen auch mal in ihrem Programm hatten.

    1986, als wir in der Abiturklasse Besuch vom Jugendoffizier der Bundeswehr hatten, hielt ein Klassenkamerad darüber einen Vortrag.

  31. @Bernd Harder:

    Ich hatte im Rahmen von Bildungsseminaren in einer Kirchlich-Kommunalen Jugendbildungseinrichtung Anfang der 80er Gelegenheit, stundenlang mit Theodor Ebert über diese Verteidigungs-Idee zu diskutieren.

    Ebert war kein naiver Träumer. Ihm war z.b. völlig bewußt, dass auch die Soziale Verteidigung nicht ohne immenses Leid und Opfern durchführbar sein würde. Er ist aber zutiefst davon überzeugt, dass sie mit viel weniger Opfern und Leid erfolgreich durchführbar ist.

  32. @Bernd Harder:

    Der russische Uno-Botschafter hat es in einer Pressekonferenz heute aber deutlicher gesagt:

    Putins Bedingung ist eine „vollständige Entnazifizierung und Demilitarisierung der gesamten Ukraine“.

    Auf geschicktes Nachfragen erklärte er noch, dass Präsident Selenski nicht unbedingt selber „Nazi“ sei, aber ein sehr schwacher Führer und Marionette der herrschenden Nazi-Clique:

    https://www.youtube.com/watch?v=tktVFNyT2Uw

    Worauf das Hinaus läuft, scheint mir klar:

    Es ist die gleiche Logik, wie bei den mittelalterlichen Hexenverfolgungen oder den stalinschen „Säuberungen“. Jeder/Jede kann jederzeit als „Nazi“ (Stalin: „Konterrevolutionär“, „Renegat“, „Faschist“) „Enttarnt“ und entsprechend behandelt werden.

  33. @Bernd Harder

    Man kann es eigentlich kaum glauben

    Ich bin nicht überrascht.

    https://www.tagesspiegel.de/politik/eklat-in-linkspartei-wegen-putins-krieg-gysi-wirft-wagenknecht-voellige-emotionslosigkeit-vor/28117024.html

    https://www.volksverpetzer.de/afd/afd-putin-ukraine/

    Wagenknecht (Mitglied der FDJ, Mitglied der SED) hat sich nie wirklich von dem Kommunismus distanziert. Für sie gilt immer noch eine ewige Verbundenheit mit dem sowjetischen, äh russischen Bruder. Gäbe es das Politbüro der DDR heute noch, sie wäre sicherlich ein Mitglied davon.

    Otte (ist übrigens noch Mitglied der CDU) plappert genau das nach, was auch seine Förderer aus der AfD bei der Sondersitzung des Bundestags am Sonntag von sich gegeben haben.

  34. @ Bernd Harder

    Es ist nicht auf meinem Mist gewachsen, aber ich unterstütze die Umbenennung der Dame in Sahra Zarenknecht.

    Ich bin ansonsten kein großer Fan der Verballhornung von Namen, aber hier trifft es so 100% ins Schwarze, dass ich da mal eine Ausnahme mache.

  35. Gysi hat den Dreh im letzten Moment noch geschafft.

    Sahra Wagenknecht, Sevim Dagdelen, Sören Pellmann, Andrej Hunko, Zaklin Nastic, Klaus Ernst, Christian Leye sollten ernsthaft eine Auswanderung nach Russland erwägen, wo sie ihrem Herrn und Meister die Stiefel lecken können.

    https://www.sahra-wagenknecht.de/de/article/3154.erkl%C3%A4rung-zur-abstimmung-%C3%BCber-den-ukraine-antrag-von-spd-cdu-csu-b%C3%BCndnis-90-die.html

  36. @ Amardeo Sarma, 27. Februar 2022 um 17:22

    Vielen Dank für den Link.
    Frau Wendland ist hinsichtlich der vorgeblichen Unabhängigkeit der Atomstrom-Erzeugung von Russland falsch informiert.

    Ca. die Hälfte des Urans in allen europäischen AKWn stammt aus Förderstätten des Putin-Reichs.

    An den Bergwerk-Unternehmen, welche das Uran fördern und vor Ort auch die ersten Verarbeitungs-Schritte vornehmen, sind alle westlichen Konzerne beteiligt, die Rang und Namen haben.

    Darüber hinaus werden aus der russischen Föderation auch alle Arten von Zwischen- und Endprodukten der Uran- und Atomindustrie geliefert. Dieser ganze Industriezweig scheint von den Boykott-Maßnahmen (wie schon nach der Krim-Anexion) komplett ausgenommen.

    Siehe z.b. https://twitter.com/spyblog/status/1498529646559776768?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1498529646559776768%7Ctwgr%5E%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.leparisien.fr%2Finternational%2Fun-avion-russe-se-pose-en-slovaquie-pour-livrer-du-combustible-nucleaire-01-03-2022-VMERZTY52RDNPAGHAA3MEOJBZE.php

  37. Apropos… Sahra Wagenknecht…
    Sie propagiert das Motto: Wandel durch Annäherung… ich finde: Man ist viel zu lange Putin in den Arsch gekrochen… um es mal etwas rüde zu formulieren.

  38. Wagenknecht, Bernie Ecclestone und Gianni Infantino in einer Beschwichtigerfront, das ist nicht der Witz, sondern die Meldung des Tages.

  39. Mitglieder der »Unabhängigen Grünen Linken«, einer Basisgruppe, fordern ein Ende deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine.

    »Wer jetzt Waffen liefert, füttert diesen wahnsinnigen Krieg.« Sie fordern die Bundesregierung auf, die Ukraine und Russland zu Verhandlungen zu bewegen. »Die Ukraine ist nicht allein, die Weltgemeinschaft wird sich für einen Fortbestand der Ukraine nach einem Waffenstillstand einsetzen«, schreiben sie. Der Brief hat bislang nach SPIEGEL-Informationen 75 Unterzeichner und Unterzeichnerinnen.

    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/krieg-in-der-ukraine-linke-gruene-fordern-ende-von-waffenlieferungen-an-ukraine-a-5a3f4775-8fd4-4ff9-b26b-9d3ec947e262

    Bei soviel Weltfremdheit kann ich nur noch den Kopf schütteln. Auf die Basisgruppe trifft das alte Sprichwort zu: „Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.“

  40. @RPGNo1
    Ja, das ist weltfremd…
    Aber ich muß sagen, daß ich ein Kind des „Kalten Krieges“ bin und meine Jugend in den Achtzigern verbrachte und auch dort gegen (Auf-)Rüstung und Waffen und auch der Bundeswehr war, aber daß ich das heute mit fast halbe hundert doch etwas anders sehe und auch der aktuelle Krieg zeigt, wie wichtig es ist für ein Land sich verteidigen zu können.
    Heaven is a place on earth… leider nein!

  41. Das Leid, das man mitbekommt, macht mich echt fertig…. unglaublich, welches Leid erforderlich ist, um ein Volk von Nazis zu befreien…

  42. So schlimm das auch alles ist…
    Die erneuten Waffenlieferungen an die Ukraine halte ich dennoch für falsch. Nicht auszudenken, wozu das Putin veranlassen könnte….

  43. @Lisa-Marie:
    Womöglich ständen wir ohne Waffenlieferungen sogar viel näher an einem Atomkrieg.
    Womöglich sieht er sich aktuell bereits veranlasst, von einem Angriff auf das Baltikum abzusehen.

    Womöglich sieht er sich bei so viel harter Kante bald mit ernsthaften Problemen im eigenen Lande konfrontiert. Tyrannen werden gefeiert und verehrt, so lange sie Erfolge feiern.

  44. @Lisa-Marie

    Appeasement hat vor 85 Jahren in Europa nicht funktioniert, es hat die vergangenen 20 Jahre gegenüber Putin nicht funktioniert, und es wird auch in Zukunft nicht funktionieren.

    Putin bedroht Schweden und Finnland, weil sie aufgrund der durch nichts zu rechtfertigenden Aggression Russlands die Ukraine beliefern und ein Eintritt in die NATO plötzlich denkbar ist.

    In der Ukraine kämpfen kaum ausgebildete Rentner, Frauen, Zivilisten mit AK-47 und Molotowcocktails gegen eine waffentechnische Übermacht. Putin hat sich ein ganzes Volk (angeblich ein Brudervolk) zum Feind gemacht. Diese Menschen dieses Landes sind sind bis zum äußersten zu gehen, um sich, ihre Familien, ihr Land zu verteidigen.

    Und hier in Deutschland machen Leute Sorgen, weil wir und alle anderen Länder in Europa den Ukrainern die Möglichkeit zur Gegenwehr geben? Dafür habe ich kein Verständnis. Mit einer Person, die anderen ein 125 mm Kanonenrohr an die Schläfe hält, mit einem Möchtegern-Zar, der seine feuchten imperialistischen Träume eines Großrussland verwirklichen will, als lebe er noch im 19. Jahrhundert, kann man nicht verhandeln.

    Der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck sagte 2004: „Unsere Sicherheit wird nicht nur, aber auch am Hindukusch verteidigt.“ Heute würde er sich so ausdrücken: „Unsere Sicherheit wird nicht nur, aber auch in der Ukraine verteidigt.“

  45. Soweit ich es übersehe, scheint auch den meisten Beobachtern und Kommentatoren nicht ganz klar zu sein, was man Putin denn realistischerweise anbieten könnte, ohne ihn weiter zu ermutigen. Zum Beispiel:

    Putin bricht alles weg. Europa konnte er nicht ausreichend spalten, Deutschland nicht genügend korrumpieren, die Ukraine hat er zu wenig verstanden. Und doch rennt er weiter ins Verderben. Die Verhandlungen sind offensichtlich kein Signal, dass er einen Weg aus der Sackgasse sucht. Eher ist zu befürchten, dass ihn Frust und Ungeduld noch gefährlicher machen. Dass er in seinem Krieg alle Zurückhaltung aufgibt. Auch deshalb mehren sich jetzt die Forderungen, man müsse ihm etwas anbieten, ihm einen Weg zeigen, der einen gesichtswahrenden Rückzug ermöglicht. Aber machen wir uns nichts vor: Sein Gesicht hat Putin auch im eigenen Land endgültig verloren, da hilft auch keine Maske mehr. Die Rampe, die weg von diesem Irrsinn führt, muss er sich schon selbst bauen. Jemand sollte ihm dabei helfen, sicherlich. Aber für den Konflikt, der größer ist als der Krieg um die Ukraine, ist längst klar: Er wird erst enden, wenn Putin am Ende ist.

    Oder:

    Putin allerdings, nach einem Telefonat mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, formulierte seine Forderungen für ein Ende der russischen Invasion in der Ukraine einmal mehr so: Anerkennung der Annexion der Krim als russisch, Entmilitarisierung und „Entnazifizierung“ des ukrainischen Staates und dessen „Neutralität“. Vom Kreml hieß es nach dem Gespräch, Putin habe betont, dass eine solche Einigung nur möglich sei, „wenn die legitimen Sicherheitsinteressen Russlands bedingungslos berücksichtigt würden“. Das zielt noch immer auf die Vernichtung des ukrainischen Staates. Neutralität bedeutet für Putin neutralisieren, mit allen Mitteln. Bedingungslos!

    Oder:

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte wenig Hoffnung in die Verhandlungen gelegt. Wie sollte er auch? Er weiß, dass sie aus Sicht von Wladimir Putin auf die Kapitulation zielten, nicht darauf, einen Ausweg zu finden. Und was hätte er ihm anbieten sollen? Seinen Rücktritt? Die Anerkennung der bisherigen Gebietsverluste? Oder nur die Krim als symbolisches Häppchen für das russische Imperium? Eine Waffenruhe womöglich? Das zumindest ist jeden Versuch wert, ohne russischen Abzug aber keine Beruhigung und auch sicher nicht in Putins Interesse.

  46. Mir ist bewusst, dass man mit einem Kriegsverbrecher nicht fair verhandeln kann.

    Es geht mir darum:
    Wird das internationale sinnlose Sterben von Menschen – insbesondere Zivilisten – bei einem Weltkrieg nicht noch viel schrecklicher als in der Ukraine?

    Glauben Sie mir bitte, mir stehen mehrmals täglich bei den Nachrichten von TV-Sendern die Tränen in den Augen. Ich habe ganz, ganz großen Respekt vor den mutigen Ukrainern. Sie verdienen Hilfe jeder Art.

    Gleichwohl versuche ich für mich selbst abzuwägen, ob ein 3. Weltkrieg mit noch viel mehr Opfern die richtige Wahl sein kann.

  47. @Lisa-Marie:
    Ich glaube Dir, Lisa-Marie, aber ich glaube nicht, dass Appeasement den 3.Weltkrieg abwendet.
    Es ist m.E. genau wie RPGNo1es formuliert hat: Es hat gegenüber Hitler nicht funktioniert und es wird auch jetzt nicht funktionieren.

    Putin muß zu der festen Überzeugung kommen, dass ein Nuklearschlag seinerseits mit einem nuklearen Gegenschlag beantwortet wird. Diese Entschlossenheit muss der Westen aber jetzt auch zeigen.

    Ich sehe das als einzige Chance, dass er zumindest nach Unterwerfung der Ukraine aufhört. Es ist bitter, dass es so weit gekommen ist, aber fürchte, der Westen hat keine andere Wahl.

  48. Putins Ex-Berater Sergei Pugatschow gibt eine Einschätzung, warum die russische Armee in der Ukraine so miserabel agiert und es nicht schafft, den schnellen Sieg herbeizuführen, den Putin und die Kremlführung erwartet haben.

    Der Zustand der russischen Armee ist desaströs und das sei alles andere als Zufall, sagt der ehemalige Weggefährte Putins, Sergei Pugatschow. Der Kreml-Chef habe aus Angst vor dem eigenen Militär in den letzten 20 Jahren die Armee bewusst in den Ruin getrieben, erklärte er im Interview mit dem ukrainischen Journalisten Dmitrij Gordon.

    „Putin hatte seit jeher Angst vor einer militärischen Verschwörung oder einem militärischen Sturz. Es ist kein Zufall, dass niemand in seinem Umkreis in der Armee gedient hat.“ Mit der Ernennung [des FSB-Manns] Iwanow habe Putin [im Jahr 2001] diese Gefahr umgehen wollen.

    „Putin umgibt sich mit Leuten, die für ihn komfortabel sind. Serdjukow [Verteidigungsminister ab 2007, vorher Leiter des Föderalen Diensts für Steuern] wurde von seinem Schwiegervater Wiktor Subkow in den Kreis von Putin gebracht. Putin begegnet Subkow mit großem Respekt“, erklärt Pugatschow.

    2012 kam schließlich Sergei Schoigu auf den Posten, nachdem Putin Serdjukow entlassen hatte. […] Schoigu klimpert für ihn bis heute mit all seinen Medaillen, die jeder Grundlage entbehren. Der gelernte Bauingenieur hat keinen einzigen Tag in der Armee gedient.

    „Nach 20 Jahren unter der Herrschaft Putin sehen wir eine absolut erniedrigte, demoralisierte, ausgeraubte Armee. Sie war eine der Quellen zur Aneignung von staatlichen Finanzmitteln. Und Schoigu hat diese Aufgabe bis zum heutigen Tag mit Bravour gemeistert.“

    „Um die Ukraine einzunehmen, fehlen der russischen Armee das Können, die Technik und auch der Wunsch“, sagt Pugatschow. „Wenn die Führung der russischen Armee tatsächlich den Wunsch danach hätte, würden sie anders vorgehen.“ Wie etwa in Syrien, wo Aleppo in Schutt und Asche gelegt worden war.

    https://www.stern.de/politik/ausland/ex-berater-wladimir-putins–warum-der-kreml-chef-seine-armee-ruinierte-31668388.html

  49. Zu Putin: Es spricht vieles dafür, dass der bevorstehende Fall von Kiew den Anfang vom Ende des Herrschaftssystems Putins einleiten wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kreml-Diktator in drei Jahren nicht mehr im Amt sein wird, ist heute größer, als dass er seine Macht festigt und den Einfluss Russlands in der Nachbarschaft ausweiten wird.

    Warum? Weil die Zweifel der Russen und Russinnen an diesem Krieg gegen das „Brudervolk“ der Ukrainer immer größer werden. Weil die Folgen der westlichen Sanktionen infolge der Invasion das tägliche Leben der russischen Bevölkerung schrittweise verschlechtern werden. Weil Putin innerhalb seines eigenen Machtsystems unter den Sicherheits- und Oligarchen-Eliten sehr viele Verlierer produziert, deren Geschäftsmodell und luxuriöses Leben wegen der umfangreichen Strafmaßnahmen des Westens unter die Räder kommt.

    Wichtig ist bei solchen Transformationsprozessen aber auch, dass neben der Delegitimierung des existierenden Herrschaftssystems charismatische Führungsfiguren zur Verfügung stehen, die die Opposition hinter sich vereinen und anführen können. Dies wäre mit dem inhaftierten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny in Russland der Fall – falls er nicht irgendwann im Gefängnis ermordet wird, weil der Kreml die Gefahr wittert.

    Es ist noch lange nicht so weit. Aus heutiger Sicht wird es zuvor in Putins feigem Krieg in der Ukraine noch Zehntausende Opfer geben, auf beiden Seiten. Und der Zersetzungsprozess von Putins Machtsystem im eigenen Land wird vermutlich langsam beginnen und dann irgendwann eine eigene Dynamik und Rasanz entfalten.

    Putin dürfte sich mit diesem Krieg sein eigenes Grab schaufeln – und das ist gut so. Er hat mit diesem Krieg ein historisches Momentum ausgelöst, das er irgendwann nicht mehr kontrollieren kann.

    https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus237274987/Ukraine-Krieg-Der-Anfang-vom-Ende-des-Wladimir-Putin.html

  50. „Hundert Mann und ein Befehl“ (Freddy Quinn)

    https://www.youtube.com/watch?v=qOPHhWuOH94

    „Sag mir, wo die Blumen sind – wann wird man je verstehen“ (Marlene Dietrich)
    https://www.youtube.com/watch?v=iC-6QjUqF-E

    https://www.youtube.com/watch?v=SLtQ9gu_NmA (Live)

  51. Was ist ein Menschenleben wert?
    Putin verkündet, dass Angehörige von gefallenen russischen Soldaten 62.000 Euro Entschädigung erhalten. (Quelle: ZDF Spezial)

    Mir wird übel!

  52. „Bella Ciao – Lied der italienischen Partisanen“

    https://www.youtube.com/watch?v=BS0VCCSKycQ

    „Ukrainische Nationalhymne“

    https://www.youtube.com/watch?v=mUfwy3f3R4s

  53. Wie gefährdet sind die AKWs in der Ukraine? Wie gefährdet sind die Menschen dort und hier? Wieviel zusätzliche Tote? Was sagt das Wendtland-Gutachten dazu?

  54. @ Lisa-Marie:

    Sie Wissen, dass „Hundert Mann“ im US-Amerikanischen Original eine kritiklose Hymmne auf die amerikanische Marineinfanteristen-Elite-Einheit „Green Berets“ ist?

    Jene Einheiten, die durch ihre „Tapferkeit, aber auch durch skrupellose Gewalthandlungen. sowie Kadaver-Gehorsam berüchtigt waren und sind.

    https://www.songtexte.com/songtext/elvis-hitler/ballad-of-the-green-berets-4bf127b6.html

    Die Deutsche Version aus 1966 diente vor allem zur Verklärung / Verarbeitung der Verbrechen deutscher Wehrmachts-Soldaten.

    Nicht zufällig hatte Freddy Quinn gleichzeitig das reaktionäre Lied „Wir“ veröffentlicht, das die Studenten-Proteste jener Zeit dikreditiert.

    Beide Lieder dienten auch zur propagandistischen Unterstützung der deutschen Wiederbewaffnung.

  55. Sehenswerte MONITOR-Sendung vom 03.März, die u.a. die möglichen langfristigen Auswirkungen einer militärischen Aufrüstungstendenz thematisiert, die aktuell von vielen unkritisch als alternativlose Konsequenz des Angriffs auf die Ukraine betrachtet wird.

    https://www.ardmediathek.de/video/monitor/monitor-vom-03-03-2022/das-erste/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTAxNWRiMDM2LTlhMjctNGExNy04ZjIzLTYyNjNhODUxZGNkZg

  56. @ Karsten Hilsen
    Danke für Ihre Hinweise!

  57. @Gast:

    Auch hier sind verlässliche Infos:

    https://twitter.com/iaeaorg

  58. Zur Greenpeace-Desinformation hier der Tweet von Mark Lynas:

    https://twitter.com/mark_lynas/status/1499666895011815424

    Übersetzt: „Hinweis an die Medien zum Angriff auf das Kernkraftwerk Saporischschja: Nehmen Sie diese ‚Analyse‘ von Greenpeace NICHT als ernsthaften Beitrag. Dies ist eine opportunistische Art und Weise, ihre Anti-Atomkraft-Botschaft zu verbreiten, und ist unter diesen Umständen beschämend.“

  59. @Karsten Hilsen:

    eine kritiklose Hymmne auf die amerikanische Marineinfanteristen-Elite-Einheit „Green Berets“ ist?

    Dazu auch:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Die_grünen_Teufel

  60. @ Amardeo Sarma:

    In dem von ihnen verlinkten Gespräch macht Frau Wendland im wesentlichen die gleichen Aussagen, wie Greenpeace: Kein Atomkraftwerk ist gegen kriegerische Einwirkungen geschützt.

    Was ist an dieser Feststellung „Desinformation“?

    Was ich sehe, sind unterschiedliche Schlussfolgerungen, als wohl die Ihrigen. Können sie den schwerwiegenden Vorwurf der Desinformation ansonsten konkret benennen?

  61. Wer 8 1/2 Stunden am Stück oder in Staffeln Zeit hat, hier „Putins Penisproblem“ bei alles_andere_tv. Anna Veronika Wendland zur Ukraine, Kernenergie et al., auch zur militärischen Angriffen (etwa 7:45)

    https://www.twitch.tv/videos/1408754798

  62. @ Amardeo Sarma, 4. März 2022 um 12:44

    Genau die Fundstelle meinte ich.

    Ich hab‘ mal transscribiert:

    „7:47 Wenn man jetzt guckt, was passiert im Krieg, …anderer Kaliber,… da muss man sagen, bei geziehltem Beschuss ist da natürlich wirklich, ähm, da kann man sowiso nichts mehr retten. Gezielter Beschuss auf Industrieanlagen ist ein Kriegsverbrechen und das gilt so auch mit katastrophalen Folgen für Staudämme und Chemiewerke, (unverständlich), und das müsste eigentlich auch für Kernenergie gelten. Und wir werden jetzt sehen, können bangen und hoffen, dass das jetzt in der Ukraine, dass da noch ein Rest Ethos, …die Anlagen nicht anzugreifen. 7:48:15“

    Das Prinzip Hoffnung hat glücklicherweise? im Wesentlichen funktioniert. (Immerhin scheint es keinen Beschuss eines Reaktorgebäudes gegeben zu haben).

    Greenpeace weist darüberhinaus halt noch auf die diversen anderen verletzlichen Stellen und Bereiche hin. Wie die notwendige Integrität und beständige Kühlung der vollen Lagerbecken u.a.

    Ich kann darin keine Desinformation sehen.

  63. @ Bernd Harder, 4. März 2022 um 12:33:

    Viielen Dank für den Hinweis. Dass der Song Titelmelodie jenes John Wayne-Films ist, wusste ich nicht. Insbesondere die einhellige Filmkritik runden die Einschätzung des Liedes sehr schön ab.

  64. Hierzu Nature: Ukraine nuclear power plant attack: scientists assess the risks.

    Am Ende heißt es (vor mir übersetzt und Hervorhebungen von mir):

      Mehrere Fachleute erklärten gegenüber Nature, dass es selbst bei einer Kernschmelze eines Reaktors nicht zu einer größeren Freisetzung radioaktiver Stoffe kommen würde. Die wichtigsten Auswirkungen einer solchen Krise könnten mit der Psychologie zusammenhängen und damit, wie die Menschen – einschließlich Politiker und Entscheidungsträger – reagieren. Viele Europäer erinnern sich noch an die Tage, als die radioaktive Wolke von Tschernobyl über den Kontinent zog. „Die Menschen können die Strahlungsgefahr nicht richtig einschätzen und haben oft mehr Angst, als sie müssten“, sagt Rofer.

    Dazu weise ich auch meinen Artikel mit Anna Veronika Wendland im Skeptiker hin, und dass bei Fukushima die Strahlungsangst am Ende mehr Opfer beklagte, als die Strahlung (ein sehr umstrittener Todesfall durch Krebs). Hier gibt es Zahlen dazu von World Nuclear Association.

    Mal sehen, wieviele „Fukushima“ in der kommenden Woche wieder faktenfrei instrumentalisieren.

  65. @Karsten Hilsen:

    Es war ein Fehler, die in dieser Sache inkompetente Organisation überhaupt zu erwähnen. Dass es ihnen nur darum geht, diesen Vorfall in ihrem Sinne zu instrumentalisieren, um ihr Produkt Angst zu verbreiten, zeigt bereits der erste Absatz:

      Vladimir Putin’s military invasion of Ukraine poses an unprecedented nuclear threat, with the country’s 15 commercial nuclear reactors, including the largest nuclear plant in Europe, at risk of potentially catastrophic damage that could render vast areas of the European continent, including Russia, uninhabitable for decades, new analysis shows.

    Diese und andere ähnlich gelagerte Organisationen werde ich ab jetzt auch nicht im negativen Sinne erwähnen, um sie dabei aufzuwerten.

  66. @Amardeo Sarma

    Auch eine Atombombe beinhaltet für Sie keine Gefahr. Nur der Schreck über die Explosion könnte bei Ihnen einen Herzinfarkt auslösen. Bei einem nuklearen Angriff stirbt man also an und mit der Angst.

  67. @ Peter Friedrich, 5. März 2022 um 12:23:

    So lese ich das Antwort von Herrn Sarma überhaupt nicht.

    Herr Sarma weist mit der Formulierung vielmehr auf ein Phänomen hin, das zweifelos vorhanden ist, und schon bei der Tschernobyl-Katastrophe überdeutlich wurde:

    Dass auch und alleine durch die umfangreichen Schutzmaßnahmen sehr viele Menschen dauerhaft geschädigt wurden. Möglicherweise sogar mehr, als durch die eigentliche Katastrophe geschädigt worden wären.

    Für mich stellt sich da die Frage, ob und wie dieses vermeidbar wäre.

  68. @Karsten Hilsen

    Lassen Sie sich doch nicht durch haarsträubende Manipulationen in der Art von „EIKE“ beeinflussen. Genauso arbeitet man dort.

  69. @ Peter Friedrich
    Ihr polemisches Abfackeln eines Strohmanns hilft nicht unbedingt dabei, Sie in dieser Diskussion ernst zu nehmen.

  70. tagesschau.de: Russlands Krieg gegen die Ukraine – „Querdenker“ für Putin

    Verschiedene „Querdenker“ und Rechtsradikale verteidigen den Überfall Russlands auf die Ukraine. Viele von ihnen sehen in Putin einen Widerstandskämpfer gegen die „westliche Elite“.

    https://www.tagesschau.de/investigativ/reaktionen-auf-putin-von-querdenkern-und-verschwoerungsideologen-101.html

  71. @Amardeo Sarma, 5. März 2022 um 10:57:

    „Dass es ihnen nur darum geht, diesen Vorfall in ihrem Sinne zu instrumentalisieren“

    Gegen diese Annahme spricht meiner Meinung doch ein wenig die Tatsache, dass *Unnennbar* das „Briefing“-Papier vor dem militärischen Gefecht, also „diesem Vorfall“, veröffentlicht hat.

  72. @ Carsten Ramsel

    Siehe auch hier (das „beste“ Beispiel):

    „Was ist los in der Ukraine?“

  73. @Otto

    Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich nehme an, die verlinkte Seite soll als Negativbeispiel dienen?

  74. Wieso „spielt“ P. nicht einfach im nächsten James Bond Film einen Kriegsverbrecher?
    Dann erzielt er ebenfalls Aufmerksamkeit, kann sich und seine kranken entsetzlichen Fantasien weltweit zur Schau stellen – aber es sterben in der Realität keine unschuldigen Menschen.

  75. @ RPGNo1
    „Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich nehme an, die verlinkte Seite soll als Negativbeispiel dienen?“

    Ja, absolut. Dachte eigentlich, dass das klar wird, wenn man die seltsamen Ansichten des Querdenkers, Corona-Leugners und Impfgegners zum Ukraine-Krieg liest.

  76. @Otto

    Ich bin frage nach, weil ich schon ab und an Kommentare in den falschen Hals bekommen habe und dann, sagen wir mal, emotional reagiert habe. :)

  77. @ RPGNo1

    Bin froh, dass Du gefragt hast.
    So konnte ich das klarstellen und evtl. Missverständnisse ausräumen.

  78. Bei WildMics läuft gerade die Online-Demo mit Teilnehmern des Ferngespräch-Teams.

  79. Ich kann absolut nicht verstehen, daß es hier in den westlichen Ländern Menschen gibt, die den Krieg in der Ukraine gutheißen…

    Ich kann verstehen, daß es Menschen in Russland gibt, die durch die Staats-Propaganda die Wahrheit nicht sehen. Aber jeder, der hier in einem Land, daß noch freie Medien hat, den Krieg verteidigt, denn kann ich nicht verstehen.

    Die russische Propaganda hat auch bei uns vollen Erfolg… wenn man jetzt sieht, wie die ganzen rechtspopulistischen Webseiten denn Krieg verharmlosen und verteidigen und fast wortwörtlich die russische Staats-Propaganda übernehmen, daran kann man sehen, wie gut die russischen Troll-Fabriken arbeiten. Fast schon amüsiert lese ich in den rechten Bogs, daß es einige (wenige) gibt, die sich verwundert die Augen reiben, ob der Zustimmung zur russischen Invasion.

    Des-Information ist ein Teil der Kriegsführung Putins, und die hat schon lange vor der Ukraine und der Krim begonnen… und unsere Quer-Schwurbler erzählen etwas von Lügenpresse, dabei wird ihre Information, durch professionelle Troll-Fabriken in Russland und wahrscheinlich auch hier bei uns, durch Putins Gnaden gegeben.

  80. @Bernd Harder
    It’s great to hear the actors in another language, i don’t understand :-)

  81. @Ralf: „Ich kann absolut nicht verstehen, daß es hier in den westlichen Ländern Menschen gibt, die den Krieg in der Ukraine gutheißen…“

    Ich habe da einen Bekannten, der mir schon vor drei Jahren die Freundschaft kündigte, nachdem ich ihm durch die Blume zu verstehen gegeben hatte, dass er mich bitte nicht mehr mit seinen Putin-Versteher-Mails terrorisieren soll.

    Ein gemeinsamer Freund berichtete mir nun, dass er sich jetzt vollends radikalisiert hat und nur noch von westlicher Lügenpresse spricht.

    Genau das Verhaltensmuster, das man von Fanatikern kennt. Als Skeptiker hätte ich damit rechnen müssen, trotzdem war ich irgendwie geschockt.

  82. Zeit-Online:

    Was löst der Krieg in uns aus? Dies ist die Zeit, in der wir die Seele vor der Angst schützen müssen.

  83. Der Angriff auf das ukrainische Kernkraftwerk hat viele Ängste heraufbeschworen. Könnte es bei einem Raketenangriff zu einem zweiten Tschernobyl kommen? Ein Experte für ukrainische Reaktorsicherheit erklärt, welche realen Gefahren bestehen.

    https://www.welt.de/wissenschaft/plus237306035/Ukraine-Welche-Gefahr-durch-den-Beschuss-ukrainischer-Atomkraftwerke-droht.html

    WELT: Droht Europa ein zweites Tschernobyl?

    Stransky: Nein, ein zweites Tschernobyl werden wir in Europa nicht erleben. Bei heutigen ukrainischen Reaktoren handelt es sich um ganz andere Reaktortypen als bei Tschernobyl. Während bei Tschernobyl Grafit für die Neutronenmoderation eingesetzt wurde, verwendet man bei den Reaktortypen Wasser. Es kann dadurch nicht zu einem solchen „Höllenfeuer“ wie bei Tschernobyl kommen.

    WELT: Könnte es ein zweites Fukushima geben? Dort gab es, nachdem die Stromversorgung ausgefallen war, eine Wasserstoffexplosion, das Dach eines Reaktorgebäudes wurde weggesprengt.

    Stransky: Das wäre bei den ukrainischen Reaktoren sehr unwahrscheinlich. Denn im Gegensatz zu Fukushima wurden und werden die ukrainischen KKW mit sogenannten Wasserstoffrekombinatoren ausgerüstet, mit denen der entstehende Wasserstoff im Inneren gebunden werden soll. Zudem haben die Reaktoren eine Stahlbetonummantelung, im technischen Sprachgebrauch Containment genannt.

    WELT: Was wäre der Worst Case?

    Stransky: Ein Worst-Case-Szenario würde nicht automatisch durch den Raketenbeschuss entstehen, sondern erst, wenn infolge des Beschusses es nicht gelingt, die Kühlung des Reaktors sicherzustellen. In dem Fall könnte jedoch Radioaktivität in die Umgebung freigesetzt werden, sodass man Menschen evakuieren müsste, vielleicht auch großräumig. Je nach Wetterlage könnte auch eine radioaktive Wolke Europa erreichen. Viel wahrscheinlicher aber natürlich auch Russland und Belarus. Aber man muss dazu sagen: Atomkraftwerke sind für Russland kein lohnendes militärisches Ziel.

    WELT: Warum nicht?

    Stransky: Putin möchte die Ukraine ja einnehmen, nicht unbewohnbar machen. Aber selbst der Raketenbeschuss eines Reaktors führt nicht zwangsläufig zu einer Kernschmelze – aufgrund der erwähnten Sicherheitssysteme.

  84. Vielen Dank für den Beitrag auf Zeit-Online, lieber Herr Harder. Vielleicht wäre ein wenig Einordnung an dieser Stelle hilfreich…

    Aus dem Text:
    „… Die Kirchen rufen zu Gebeten auf. Aber ist das nicht alles nutzlos?…“

    Erst einmal: Ja, ein uneingeschränktes Ja, es ist nutzlos. „Nutzen“ trägt das in keiner Weise in sich.

    Schlimmer noch – es könnte dazu verführen, abermals an Geist und Verstand zu erschlaffen und sich der althergebrachten Revanche-Ideologie der Religionen hinzugeben:

    Einem unsichtbaren Wesen zu huldigen und es womöglich mit grotesken Opfern von Tieren oder Geld günstig zu stimmen, auf dass es mir bittschön mehr Vor- als Nachteile beschert, mich um Himmels Willen wenigstens nicht mit unberechenbaren Strafen überzieht.

    Diesen infantilen Unfug dürfen wir in einem großen, befreienden Lachen untergehen lassen, ein für alle Mal.

    Putins Atombomben, seinem Zerstörungswillen, haben wir im schlimmsten Fall nichts entgegenzusetzen, gar nichts, auch kein Beten.

    Auf dieser bereinigten Basis bietet es sich dann allerdings doch an, was insbesondere das Christliche existenzphilosophisch hervorgebracht hat.

    Der katholische Autor Reinhold Schneider hat dazu einen der zentralen Schlüsselsätze formuliert, in seinem Werk „Verhüllter Tag“, mit dem kryptischen Satz „Nur eine kranke Welt konnte der Herr betreten.“

    Was damit gemeint ist, hat Leonhard Cohen in seinem „Anthem“ gesungen: Der große Leidens-Riss in unserer Existenz, genau dort kommt aber auch das Licht durch, hier eine evangelische Betrachtung dazu:

    https://www.remseck-evangelisch.de/gottesdienst-spiritualitaet/andachten-zu-karwoche-und-ostern/der-christliche-glaube-ein-leeres-versprechen

    Diese Perspektive kanalisiert alle chaotisch umherspritzenden und oft sehr schädlichen, gar kriegerischen Bedürfnisse auf ein Ziel hin – auf das Prinzip des Wahrgenommenwerdens, Akzeptiertwerdens, Wertgeschätztwerdens durch eine andere Person.

    Wie ein Hund, eine Katze oder ein Affe suchen wir beständig nach Augen, in denen wir uns gespiegelt sehen (das Wissen um diese tiefste Bedürftigkeit hat übrigens zur Entwicklung der Isolationsfolter geführt, interessant auch

    https://de.wikipedia.org/wiki/Roter_Drache

    wo der seelisch entleerte Täter sich durch Spiegelsplitter in den Augen seiner Opfer eine Selbstwertprothese erschafft).

    In der christlichen Poesie nun wird dieses personale Prinzip transzendiert, in der Person Gottes liegt alle erlösende Zugeneigtheit, Zusprache, Güte enthalten, derer je ein Mensch bedarf.

    Aus dieser Betrachtung heraus wäre gerade jetzt Putin „Gott“ am nächsten, nirgendwo sonst tut sich der Riss von Verlorenheit und Lieblosigkeit so deutlich auf. In der österlichen Hoffnung liegt der Blick auf die „Auferstehung“ der Menschlichkeit nach den dunkelsten Stunden des Todes. Dann hat der „Herr“ die „kranke Welt“ betreten.

    Was uns nicht daran hindern muss, unsere eigenen Gefühle von Verzweiflung, Wut oder Hass auf ein Scheusal erst einmal zu akzeptieren.

    Allen einen schönen Sonntag, hoffentlich nicht unseren letzten.

  85. @Peter Friedrich
    Ein Link zu Bernd Harders Beitrag auf Zeit-Online wäre hilfreich. Vielen Dank.

  86. @Bernd Harder

    Merci.

  87. Sehr hilfreiche Einordnung des Ukraine Krieges von Harari. Weshalb Putin die Ukraine so unterschätzt hat und was der Konflikt für die Zukunft der Welt bedeuten könnte.

    https://twitter.com/Martin_Moder/status/1500863889432477700

  88. Ich ergänze um folgenden Twitter-Link. Kamil Galeev bietet interessante Einblicke und Hintergründe zum aktuellen Kriegsgeschehen, Putin, Russland etc.

    https://twitter.com/kamilkazani/status/1498377757536968711?cxt=HHwWjoCzlbeop8spAAAA

    https://www.wilsoncenter.org/person/kamil-galeev

    https://de.wikipedia.org/wiki/Woodrow_Wilson_International_Center_for_Scholars

  89. Der einst so beliebte Song „Moskau“ vom Komponisten Ralph Siegel dürfte momentan (vermutlich auch in der näheren Zukunft) wohl außerhalb von Russland nirgendwo mehr gespielt werden.

    Vor wenigen Tagen hat Herr Siegel aufgrund der Situation in der Ukraine mit den beiden Sängern Sebastian Hämer und Tim Wilhelm kurzfristig den Song „Nie wieder Krieg“ aufgenommen:

    https://www.youtube.com/watch?v=lyIkYemn1g4

  90. Toller Song:
    Reinhard Mey & Freunde – Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

    „Alle Beteiligten Künstlerinnen und Künstler haben mit ihrem Gesang, ihrer Kunst und ihrem Handwerk aus Idealismus und persönlichem Engagement dieses einmalige Projekt verwirklicht. Alle, ausnahmslos alle haben auf eine Gage und die Erstattung ihrer Kosten verzichtet, es war nicht einmal die Rede davon. Es ist ein Geschenk, das wir uns beim Aufnehmen des Liedes gegenseitig gemacht haben und das wir Euch nun weiterschenken!“

    https://www.youtube.com/watch?v=1q-Ga3myTP4

  91. @Lisa-Marie:

    Das Lied selbst ist allerdings schon aus den 1980ern – das hörten wir damals schon beim Bund.

    Diese Version ist von 2020.

  92. Im Radio werden einige Lieder wieder häufiger gespielt, weil sie eine passende Thematik zum aktuellen Kriegsgeschehen haben. Alles Songs, die ich aus meiner Kinder- und Jugendzeit in den 80er Jahren gut in Erinnerung habe.

    Ultravox – Dancing With Tears In My Eyes

    https://www.youtube.com/watch?v=PSQWUZ8a2Ho

    Udo Lindenberg – Wozu sind Kriege da

    https://www.youtube.com/watch?v=tHHWV0FtFuI

    Sting – Russians

    https://www.youtube.com/watch?v=wHylQRVN2Qs

  93. @ Bernd Harder
    „…das hörten wir damals schon beim Bund!“

    Das passt ja…

  94. @ RPGNo1

    Sting hat ihn neu eingesungen:

    https://www.youtube.com/watch?v=0I1Uh0t3Yco

  95. @Lisa-Marie

    Danke, habe ich auch bereits gesehen und gehört. Allerdings gefällt mir die ursprüngliche Einspielung von 1985 besser,

  96. @ RPGNo1

    Ja, mir auch.
    Das ist bei mir aber immer der Fall. Ich kenne keinen neu aufgenommenen Song, der mir in der neuen Version besser als die ursprüngliche Originalaufnahme gefällt.

  97. „… und hoffe, dass nichts geschieht!“

    Dieser Satz bekommt jetzt für uns alle eine reale Bedeutung.

    Nicole mit „Ein bisschen Frieden“.
    Ganz großes Kino damals.
    Man möge es mir verzeihen, aber an dieses Lied gehört jetzt einfach nochmal erinnert!

    https://www.youtube.com/watch?v=NrJCNHfSy9Q

  98. @Lisa-Marie
    Ein bisschen Frieden gibt es auch im Krieg, Frieden sollte absolut sein…

  99. Pro-russische Propaganda: Die „Querdenken“-Szene findet neue Narrative

    https://www.deutschlandfunk.de/die-querdenken-szene-findet-neue-narrative-100.html

  100. Wetten, dass das Thema steigende Benzin- und Energiepreise sehr bald auch ein wichtiges Thema in der Leerdenkerszene wird?

    Freie Fahrt für freie (Reichs)bürger. Jedem Volksgenossen seine warme Wohnung und das heiße Bad.

    Und dass wir deswegen unbedingt ein gutes Verhältnis zum GenStraZ (Genialsten Strategen aller Zeiten) im Kreml benötigen?

  101. „Diese Szene braucht Anschlusserzählungen, über die man sich dann wieder aufregen kann.“ – gute Zusammenfassung, muß ich mir merken.

  102. @Bernd Harder

    Ob das ein erstes Aufeinanderzubewegen ist? Selenskyj hat heute auch verkündet, dass er den NATO-Beitritt zurückstellen wolle und sich auch eine Neutralität vorstellen könne und dass er über Zukunft und Status des Donbass diskutieren wolle.

  103. @RPGNo1:

    Es könnte danach aussehen.

  104. Heute Morgen – Tatort Friseursalon

    Als ich heute als Stammkunde meine Friseurin aufsuchte, kam nach einigen Minuten das Thema Ukraine. Unvorstellbares Leid, was den unschuldigen Menschen da widerfährt, sagte ich.

    Plötzlich erwiderte die Friseurin:

    „Ich finde nicht gut, dass jetzt diese Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Wir haben hier auch arme Menschen, aber die Flüchtlinge werden jetzt bevorzugt und bekommen alles vom Sozialamt.“

    Ich fragte, die Dame, ob sie das ernst meint und nicht verstanden hat, in welcher Situation sich die Kriegsflüchtlinge befinden? Kein Einsehen der Friseurin.

    Am liebsten wäre ich entsetzt aus dem Laden gelaufen (leider hatte sie schon angefangen zu schneiden).

    Aber…

    1. Sie hat von mir kein Trinkgeld erhalten (was ich sonst immer gab).
    2. Ich werde diesen Laden zukünftig niemals mehr betreten.

    Über so wenig Empathie der Dame bin ich wirklich schockiert.

    Das Kuriose ist zudem, dass ihre Chefin/die Inhaberin des Friseursalons – vor rund 20 Jahren selbst als Flüchtling aus dem ehemaligen Jugoslawien – Deutschland aufsuchte.

  105. @ Bernd Harder

    Die Wette hat RPGNo1 gewonnen.

  106. Putins fünfte Kolonne

    Der Bundestagsabgeordnete Eugen Schmidt (AfD) stellt Deutschland in russischen Medien als Land dar, in dem Andersdenkende unterdrückt und verfolgt werden.

    Der 46-jährige Schmidt stammt ursprünglich aus Kasachstan, 1999 kam er als Spätaussiedler nach Deutschland. 2021 zog er für die nordrhein-westfälische AfD in den Bundestag ein.

    https://www.tagesschau.de/investigativ/kontraste/afd-ukraine-russland-101.html

  107. Als Vermittler: Gerhard Schröder soll noch heute Putin in Moskau treffen – Bund über Pläne nicht informiert

    https://www.rnd.de/politik/gerhard-schroeder-soll-noch-heute-putin-in-moskau-treffen-SN5EJAH2EZGTBOY7LMPCF3NVBQ.html

  108. Zeit-Online:

    Sieben Tipps gegen die Angst

  109. Richtig Old School, der Ex-Kanzler Schröder, dass er sich seine aktuelle Order noch persönlich vom Führungsoffizier abholt.

  110. Schröder kann meinetwegen gleich in Russland bleiben. Putin wird sicher eine gemütliche Datsche für seinen alten Buddy frei haben.

  111. OMG, wie tief kann man denn noch sinken?!

    https://twitter.com/hrtgn/status/1501999559601360920

  112. Es wird wirklich langsam Zeit, dass alle Satiriker Deutschlands dieses Ehepaar auf unerlaubte Berufsausübung verklagen. Ich wüsste nicht, wie das noch zu toppen wäre, eventuell nur noch, wenn Schröder-Kim bei Putin einen auf Monica Lewinsky macht. Weit davon entfernt ist das Foto davon jedenfalls nicht mehr.

  113. Kein ungeschickter Move…

    Deutungsebene 1: Ich habe für den gottgewollten Herrscher Putin gebetet. So bin ich sicher vor Putin und seinen Schergen.

    Deutungsebene 2: Ich habe für die ukrainischen Opfer gebetet. So gehöre ich zu den humanitären Helden.

    Deutungsebene 3, 4 etc…

  114. @Peter Friedrich

    „Sie knetet Königsberger Klopse!“, fand ich bislang die plausibelste Vermutung.

  115. Internationaler Gerichtshof: Russland muss Krieg in Ukraine stoppen

    https://www.tagesschau.de/ausland/europa/igh-zu-ukraine-101.html

  116. In dem Zusammenhang:

    Weiß zufällig jemand ob man in Russland ausländische TV – Programme über Satellit empfangen kann?

    Ein Weg die immer massivere Zensur zu durchbrechen könnten sowohl russisch untertitelte Sendungen als auch direkt von Exilrussen gefertigte Sendungen sein.

    Ich werde das Gefühl nicht los, daß hier sehr viel mehr geschehen muss damit russische Staatsbürger überhaupt erfahren was los ist.
    Felix

  117. Neues Format mit der nach Deutschland geflüchteten TV-Moderatorin Karolina Ashion bei RTL und NTV:

    „Ukraine-Update“ auf Ukrainisch.

    https://www.rtl.de/cms/neues-format-bei-rtl-und-ntv-ukraine-update-auf-ukrainisch-4937633.html

    Da nicht alle Ukrainer englisch verstehen, finde ich diese Idee sehr gut!

  118. Das erinnert an die Sendung „Marhaba – Ankommen in Deutschland“ vom heutigen Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber, die vor 8 Jahren auf n-tv lief, um die Syrienflüchtlinge zu informieren.

    Auf alle Fälle eine sehr gute Idee.

  119. Der Philosoph und Bestseller-Autor Richard David Precht hat die westlichen Waffenlieferungen an die Ukraine scharf kritisiert. „Einen europäischen Staat in einem Krieg direkt mit Waffen zu beliefern ist und bleibt ein Tabubruch“, schrieb er in einem Gastbeitrag für das Hamburger Wochenmagazin „Stern“. Deutschland habe eine „rote Linie“ überschritten und mit seinem Grundsatz von 1971 gebrochen, keine Waffen in Kriegsgebiete zu liefern. Gleiches gelte für die EU, die 2008 einen ähnlichen Standpunkt festgehalten hatte.

    Precht steht wegen seiner provokanten Aussagen immer wieder in der Kritik. Zuletzt stellte er den ukrainischen Widerstand infrage, indem er erklärte: „Natürlich hat die Ukraine ein Recht auf Selbst­verteidigung, aber auch die Pflicht zur Klugheit, einzusehen, wann man sich ergeben muss.“ Auch mit seinen Ansichten zu Corona-Impfungen eckte Precht in der Vergangenheit an.

    https://www.rnd.de/politik/richard-david-precht-kritisiert-waffenlieferungen-an-ukraine-deutschland-hat-rote-linie-PQ32CL5KJZHABBR43XU77SXOLM.html

    Die Welt ist aus den Fugen – fünf besondere Blickwinkel auf den Ukraine-Krieg

    https://www.rtl.de/cms/ukraine-krieg-richard-david-precht-alice-schwarzer-co-teilen-im-stern-ihre-gedanken-4937321.html

  120. Ein Gastbeitrag von Serhij Zhadan

    Nach allem, was die Russen in Mariupol, Charkiw, Tschernihiw und anderen ukrainischen Städten angerichtet haben, kann es meines Erachtens keinen Kompromiss mit dem heutigen Russland geben. Denn dies ist kein Krieg zwischen der russischen Armee und der ukrainischen Armee. Es ist ein Krieg zwischen der russischen Armee und dem ukrainischen Volk. Was hier geschieht, ist ein Völkermord. Die Russen dezimieren bewusst und systematisch die Zivilbevölkerung der Ukraine. Sie zerstören die Infrastruktur, bombardieren Schulen, Theater, Museen, Kirchen, Wohngebäude.

    Das ist die Zerstörung des ukrainischen Volkes. Und dafür werden die Russen eine kollektive Verantwortung tragen.

    https://www.spiegel.de/kultur/literatur/krieg-in-der-ukraine-liebe-europaeer-machen-sie-sich-keine-illusionen-a-62d574fb-97f9-48b4-8d2d-ab763731e476

  121. @RPGNo1:

    Alan Posener schreibt in der Welt dazu:

    Seit Russland die Ukraine überfallen hat, vergeht kein Tag, ohne dass sich ein Deutscher zu Wort meldet, der bis ins Einzelne aufzählt, welche Opfer das überfallene Land bringen müsse, um die russischen Mörder wieder loszuwerden. Ewige Neutralität, Verzicht auf die Krim, Autonomie für die von Russland besetzten Gebiete und so weiter. So wird nicht der Vergewaltiger bestraft, sondern die Vergewaltigte. Nicht der Einbrecher, sondern derjenige, in dessen Haus eingebrochen wurde. Nicht der Täter, sondern das Opfer.

    Auch die heutigen Befürworter einer Beschwichtigung Wladimir Putins haben gute Gründe: Russlands Atomwaffen. Wer damit drohen kann, die Welt einzuäschern, kann sich alles erlauben. Darum wollen Amerikaner, Briten, Franzosen und Deutsche nur bis zum letzten Ukrainer kämpfen. Darum zerbrechen sich viele den Kopf, wie man den Kriegsverbrecher im Kreml für seine Aggression belohnen kann.

    So weit, so rational. Nicht schön, aber nachvollziehbar. Diese rationale Feigheit als moralische Überlegenheit zu verklären, ist aber unanständig. Womit wir bei Richard David Precht wären, der die unheimliche Begabung besitzt, die Stimmung des deutschen Michels – oder Ohnemichels – zu erspüren und ihm seine Stimmung als Philosophie zu verkaufen.

    Precht tut die Zukunft der Ukraine mit einem Satz ab: Hoffen wir auf „ein schnelles Ende des Krieges mit einer neutralen Ukraine“. Danach sollten wir auf einen Sturz Putins hoffen. Und dann: „Aufhebung der Sanktionen und der Entwurf einer europäischen Wirtschafts- und Friedensordnung unter Einbezug Russlands.“ Fertig! Diese naive Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet, wenn sich die Ukraine möglichst schnell zu Putins Bedingungen ergibt, bezeichnet Precht auch noch als „besonnenes, vernunftgeleitetes Handeln“.

    Nein, es wäre panisches, angstgeleitetes Handeln; und das wäre auch verzeihlich. Nur der selbstgerechte Etikettenschwindel ist unverzeihlich.

    Prechts besonderer Zorn richtet sich gegen den Beschluss des Bundestags, der Ukraine Waffen zu liefern: „Wer Waffen an die Ukraine liefert, tut dies nicht aus Mitgefühl mit den Opfern des Krieges. Er bewirkt eine Verlängerung, möglicherweise eine weitere Eskalation des Krieges.“ Wer also dem Opfer hilft, ist der eigentliche Täter. Vergessen wir, dass die gewählte Regierung der Ukraine um Waffen förmlich bettelt. Dass ukrainische Männer und Frauen sich mit Molotowcocktails bewehrt den russischen Panzern entgegenstellen. Dass sie um ihre Heimat und ihre Freiheit kämpfen wollen: Für Precht ist das alles ein „Rückfall ins 20. Jahrhundert“.

    Würde Precht einer vergewaltigten Frau raten, sich nicht zu wehren, weil das doch nur ihre Qual verlängert?

    […]

    Argumente freilich prallen an einem Pseudophilosophen ab, der mit leichter Hand alle Werte umwertet: aus Angst wird Moral, aus Beschwichtigung Besonnenheit, aus Verteidigung Aggression, aus der Unfähigkeit, die Freiheits- und Heimatliebe zu begreifen, Vernunft. Selten hat sich ein Intellektueller in so kurzer Zeit so gründlich selbst desavouiert.

  122. @ Bernd Harder:

    Wobei Alan Poseners Kommentar – dem zitierten Auszug nach – so wohlfeil scheint wie Prechts Talkshow-Moral billig.

    Hilfreich wäre, wenn man nicht nur wüsste, was jetzt unpassend ist, sondern auch, was jetzt richtig wäre.

  123. @Josef Kuhn:

    Wer ist „man“?

    Posener’s Kritik an Precht lässt m.E. nicht mehr allzu viel Interpretationsspielraum übrig, was er für richtig hält.

  124. @Bernd Harder

    Danke für den Hinweis. Ich habe Prechts Artikel inzwischen im Original im stern gelesen. Grausam.

    Frau Schwarzers und Frau Kinnerts Essays schlagen in eine ähnliche Kerbe und liegen niveautechnisch nur knapp über dem Text von Precht. Einzig die Essays von Welzer und Barenboim sind akzeptabel und können diskutiert werden, obwohl ich auch hier nicht alle ihre Einschätzungen teile.

  125. Militärexperten sind erstaunt über die geringe Kampfkraft der russischen Armee. Die Ukraine-Invasion ist ein Fiasko. Putin muss zurücktreten. Ein Gastbeitrag. Von Andrei Subow

    https://www.tagesspiegel.de/kultur/moskauer-historiker-andrei-subow-deutliche-beweise-fuer-putins-militaerisches-scheitern/28166102.html

  126. Der Sozialpsychologe Irving Janis starb schon im Jahr 1990 – und dennoch ist sein 50 Jahre altes wichtigstes Werk heute aktueller denn je. Es beschreibt nämlich, was in Wladimir Putins Kriegskabinett derzeit vorgehen dürfte.

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/ukraine-wladimirs-putins-krieg-mit-einer-50-jahre-alten-psychologischen-theorie-erklaert-a-2098f9cb-6c92-4959-b072-5955ddfda749

  127. @ Michael Fischer:

    Wenn es da wenig Interpretationsspielraum gibt, wäre es nett, Sie würden mir die negativen, gegen Precht gerichteten Sätze Poseners ins Positive übersetzen.

    Meint er, die Nato soll eingreifen? Oder sich raushalten? Flugzeuge liefern? Meint er, die Ukrainer sollen vor allem die Städte verteidigen, oder sich auf Partisanenkämpfe zurückziehen? Sollen sich die Ukrainer wirklich mit Molotow-Cocktails Panzern entgegenstellen oder soll das nur als Ausdruck ihres Widerstandswillens gewürdigt werden? Sollen die Sanktionen des Westens nach dem Krieg aufrechterhalten werden oder nicht? Soll es eine Friedensordnung mit Russland oder gegen Russland geben?

  128. @Joseph Kuhn:

    Ich weiß ja nicht, wie weit Sie noch ins Detail gehen wollen, aber verlangen Sie da nicht ein wenig viel von einem Kommentar in einem Zeitungsartikel?

    Ja, m.E. hält er ein militärisches Eingreifen der NATO für moralisch geboten.
    Da sie davor aber bislang zurückschreckt, ist massive militärische Unterstützung für die Ukraine seiner Ansicht nach das mindeste, was man tun sollte.

    Wann die Ukrainer aufgeben, ist seiner Ansicht nach einzig ihre Entscheidung. Das halte ich persönlich übrigens für nachvollziehbar. Wir sollten vielleicht doch die Möglichkeit in Erwägung ziehen, dass hier ein Genozid drohen könnte.

    Es ist ferner offensichtlich, dass Posener nicht der Ansicht ist, wir sollten nach Ende des Krieges gegenüber Russland zur Tagesordnung übergehen.
    Also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dürfte er dafür plädieren, die Sanktionen aufrecht zu erhalten.

    Selbstverständlich ist so gesehen eine Friedensordnung praktisch unvorstellbar, solange Putin an der Macht ist.

    Noch Fragen?

  129. @Michael Fischer/Joseph Kuhn:

    Ich habe den ganzen Artikel vor mir und denke, der entscheidende Satz ist:

    Selten hat sich ein Intellektueller in so kurzer Zeit so gründlich selbst desavouiert.

    M.E. geht es Posener in erster Linie darum, seine Verwunderung darüber zum Ausdruck zu bringen, dass ein „Star-Philosoph“ wie Prechtl im Grunde das Twitter-Narrativ der s.g. „Putin-Trolle“ nachplappere, wonach „die Kapitulation der Ukraine die einzige realistische Option“ sei, und dann ist sofort alles wieder gut, z.B.

    https://twitter.com/Tibatong3/status/1505496755588190212

  130. @Bernd Harder:

    Danke, so habe ich das auch interpretiert und hätte auch gemeint, das sei offensichtlich.
    Aber Herrn Kuhn ist das anscheinend zu wenig.

  131. @Michael Fischer:

    Wobei ich auch verstehe, dass man eine solche Debatte in dieser Länge und in großen Medien wie Stern und Welt durchaus als „billig“ und „wohlfeil“ betrachten kann.

  132. @Bernd Harder
    Wer hält Precht bzw. Gabriel für „Star-Philosophen“ oder gar Intellektuellen?

    Ihre Relevanz erhalten beide durch ihre mediale Aufmerksamkeit. Precht kommt wie Schöbel in der akademischen Philosophie nicht vor. Und neben ein paar glühenden Verehrern Gabriels halten ihn weite Teile für einen Schaumschläger.

  133. @Carsten Ramsel:

    Es gibt unter „Precht“ und „Star-Philosoph“ bzw. „Popstar“ ein paar Einträge, aber in der Tat nur von einigen populären Medien.

    So hält ihn z.B. der Deutschlandfunk für einen „der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum“.

    halten ihn [Gabriel] weite Teile für einen Schaumschläger.

    Das beruhigt mich.

  134. Carlo Masala, Professor an der Bundeswehr-Universität München: „Waffenlieferungen verlängern den Konflikt. Sie ermöglichen es der ukrainischen Armee den russischen Vormarsch aufzuhalten, ihn sogar zurückzudrängen und retten damit auch Leben. Keine Waffenlieferungen verkürzen den Konflikt. Die Russen würden ihn gewinnen.“

    https://www.tagesspiegel.de/politik/erfolglose-telefondiplomatie-im-kanzleramt-waechst-die-sorge-vor-einer-weiteren-radikalisierung-putins/28177530.html

  135. So hält ihn z.B. der Deutschlandfunk für einen „der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum“.

    Das Prädikat „profilierter“ oder „profiliertester Intellektueller“ sagt meines Erachtens nichts aus. Es ist so relevant wie ein ISO 9000 Zertifkat, das schön anzuschauen an der Wand hängt, dessen Inhalte aber nicht nachverfolgt und gelebt werden.

    Gerade bei Precht habe ich in letzter Zeit immer mehr den Eindruck gewonnen, dass sich viele Medien oder Medienschaffenden von dem gerahmten Papier Precht an der Wand blenden lassen.

  136. Harald Welzer beklagte im stern Rhetorik und Militanz der Berichterstattung und das Einordnen der Situation in „Gut“ und „Böse“. Zynisch findet das Peter-Matthias Gaede, Autor und langjähriger Chefredakteur und Herausgeber des Geo-Magazins. Er fragt: Ist bei Ihnen, Herr Welzer, überhaupt angekommen, dass in der Ukraine Krieg herrscht?

    https://www.stern.de/politik/ausland/ukraine-krieg–eine-replik-auf-den-kommentar-von-harald-welzer-31719244.html

  137. @RPGNo1

    Bernd Harder zitierte den Deutschlandfunk. Ich hatte allerdings auch den Eindruck, dass sich damit mehr der Deutschlandfunk schmücken wollte als es ein sinnvolles Attribut für Precht ist.

  138. @RPGNo1:

    Harald Welzer gehört für mich zu den Leuten, die ich interessant finde, wobei ich aber nicht so recht weiß, ob es sich vielleicht wieder nur um einen notorischen Besserwisser handelt, der zu allem und jedem seinen Senf geben muß.

    Dann sortiere ich den mal aus.

  139. Über Harald Welzers Kommentar kann man sicher streiten, z.B. über seine Ablehnung von Waffenlieferungen, ohne dass er eine erfolgversprechende Alternative nennt.

    Die Replik von Peter-Matthias Gaede ist allerdings üble, persönlich herabsetzende Polemik. Da mag einer Welzer nicht. Auf Gaedes Niveau sich herablassend, könnte man sagen, Gaede ist ein Hetzer.

    Aber auf dieses Niveau muss man sich ja nicht begeben.

  140. @Joseph Kuhn:

    Sie sind aber mal empfindlich.

    Gaede ist polemisch, Gaede ist sicher sarkastisch, aber wenn das jetzt schon unter Hetze fällt…da geht es in jeder Bundestagsdebatte heftiger zur Sache.

    Ganz konkret würde mich interessieren, an welcher Stelle Sie üble persönliche Polemik entdeckt haben wollen.

    Ich habe jedenfalls nichts entdecken können, wo Gaede sich über Welzers Aussehen o.ä. mokiert hätte (die taz hat einmal geschrieben, Welzer sehe von weitem aus „wie ein Tiroler Skilehrer“).
    Sollte es die Passage mit der „wattierten Wortwahl“ sein – na, wenn es nichts Schlimmeres ist…

    Welzer hatte im Stern selbstgefällig von oben herab doziert und Gaede zornig geantwortet. Das muß in einer demokratischen Streitkultur drin sein.

  141. @ Michael Fischer:

    Bei Polemiken hat sicher jeder seine eigene Geschmacksgrenzen.

    Ich finde, Gaede hätte seine Kritik auch ohne Adjektive wie „erbärmlich“ oder Abqualifizierungen wie „Schwadronieren“ oder Ignoranz unterstellende Fragen, z.B. ob Welzer überhaupt gemerkt habe, dass Krieg ist, formulieren können. Mich regt so ein Stil jedenfalls nicht zum Nachdenken an.

    Dass es im Bundestag mitunter noch ganz anders zugeht, ist mir bekannt. Das wäre aber nicht mein Maßstab.

  142. Hört auf mit dem Kapitulationsgerede!

    Ein Zwischenruf von Christian Neef

    Nicht einmal Russlands brutaler Angriffskrieg bringt deutsche Putin-Versteher zur Räson: Sie glauben immer noch, man hätte mehr reden sollen – und fordern die Ukraine auf, sich zu ergeben. Das ist absurd.

    https://www.spiegel.de/ausland/krieg-in-der-ukraine-hoert-auf-mit-dem-kapitulationsgerede-a-e498992d-0302-4f06-a4c1-d31c5a9e575f

    Dieser Zwischenruf richtet sich u.a. an:
    – Richard David Precht
    – Sevim Dağdelen
    – Andrej Hunko
    – Heike Hänsel
    – Klaus von Dohnanyi
    – Matthias Platzeck
    – Gabriele Krone-Schmalz

  143. @RPGNo1:

    In diesem Zusammenhang ganz nett: „Der Beck-Verlag wird die Bestseller von Gabriele Krone-Schmalz nicht mehr nachdrucken. Die Autorin, sagt der Verleger, habe eingestanden, dass ihre Bücher widerlegt seien.“

    Da war beim Verleger wohl der Wunsch Vater des Gedankens, aber trotzdem ein schöner Seitenhieb, finde ich.

    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/beck-verlag-druckt-bestseller-von-krone-schmalz-nicht-mehr-nach-17859050.html

  144. @Michael Fischer

    Danke für den Hinweis.

    Frau Krone-Schmalz habe ich sowieso seit Jahren gefressen, wie sie alles und jedes über Putin und das russische Regime schön geredet und entschuldigt hat und sich als DIE Expertin produziert hat.

    Dabei war sie lediglich 4 Jahre Korrespondentin in der Sowjetunion, nämlich von 1987 – 1991.

  145. @Michael Fischer, Bernd Harder

    Ein Kommentar von Patrick Bahners in der faz zur Erklärung von Gabriele Krone- Schmalz

    Beim besten Willen lässt sich ihrem Zeitungsartikel nicht die Einsicht entnehmen, dass ihre Bücher von 2015 und 2017 in wesentlichen Punkten widerlegt seien. Ihr Geständnis, sich geirrt zu haben, ist beschränkt auf ihre Einschätzung von Putins Absichten im Jahr 2022.

    Keineswegs stellt sich für sie nun Putins früheres Verhalten in verändertem Licht dar; ihr Urteil von 2015, die Krim-Annexion sei „keine Landnahme“ gewesen, „sondern Notwehr unter Zeitdruck“, korrigiert sie nicht. Für eine solche Korrektur gibt es auch keinen Grund, denn sie bekräftigt in ihrem Artikel die Hauptthese ihrer Bücher, dass der Westen Russland durch angebliches Nichtverstehen in die Enge getrieben habe.

    Ihre Putin-Apologetik erreicht einen makabren Höhepunkt in der Erwägung, „dass wir“, die westlichen Staaten und Öffentlichkeiten, anders gesagt also: wir ohne sie, Gabriele Krone-Schmalz, den Putin, in dem sie sich getäuscht hat, „mitgeschaffen haben“.

    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/beck-verlag-druckt-bestseller-von-krone-schmalz-nicht-mehr-nach-17859050.html

  146. @ Bernd Harder:

    Das war am 27.02, drei Tage nach der russischen Invasion. Man muß ihr tatsächlich zu Gute halten, hart mit sich selbst ins Gericht gegangen zu sein.

    Andererseits hatte sie kaum eine andere Wahl, wenn man sich ihre alberne (O-Ton Markus Lanz) Verteidigung Putins fünf Tage zuvor bei Markus Lanz vergewärtigt.

    Sätze wie „Was Putin getan hat, ist keine Landnahme, sondern Notwehr unter Zeitdruck“ anlässlich der Krim-Annexion sprachen eigentlich schon vorher für sich.

    Von ihren Büchern scheint sie sich kein bißchen zu distanzieren.

    Bei „Russland verstehen“ ist das interessanteste das letzte Kapitelchen mit dem Titel „Ausblick“.

    Fazit: Genauso gut hätte sie aus dem Kaffeesatz lesen können.

  147. Krisen: Sieben auf einen Streich

    bei Zeit-Online.

  148. Erschreckende Aussichten!

  149. @Bernd Harder:

    Das erinnert mich an Hans Rosling’s Factfulness, wonach wir „nur“ vor fünf Dingen wirklich Angst haben müssen:

    – Atomkrieg
    – Globale Armut
    – Pandemie
    – Klimawandel
    – Finanzkollaps.

    Wirklich unangenehm, dabei ist das Buch gerade erst von 2018 und Rosling wollte uns eigentlich sagen, wir seien viel zu pessimistisch und würden systematisch all die hoffnungsvollen Fakten übersehen.

  150. Ja, die Krisen nehmen immer mehr zu…
    Wer kann sich noch an die berühmten Sommerlöcher und Tiere erinnern, die fast drei Monate die Medien beherrschten, weil sonst nichts zu berichten war? – Ja, lange ist’s her.
    Ein kleiner Trost im Winter, das Schaf Baarack:

    https://www.youtube.com/watch?v=NK9InnXahN8

  151. Nobelpreis für Mathematik an Lawrow? Russischer Außenminister entdeckt neue Dimension der Arithmetik: Bei einem nicht vorhandenen Einmarsch zählt die russische Regierung 1351 Tote des Einmarsches.

    https://www.tagesspiegel.de/politik/wir-haben-die-ukraine-nicht-attackiert-ein-lawrow-auftritt-der-falschen-behauptungen/28150580.html

    https://www.spiegel.de/ausland/ukraine-krieg-russland-beklagt-erstmals-zahlreiche-russische-tote-a-4938393e-147c-451f-b87c-611f63c6700e

  152. Es gibt keinen Nobelpreis für Mathe. Aber wer das Lawrow-Theorem beweist, verdient allemal die Fields-Medaille.

  153. ….und Putin erhält das Jodel-Diplom, da hat er was, da hat er sein Jodel-Diplom.

  154. Fesselnder Artikel, am Schluss durchzog mich ein kalter Schauer ob der neuen Realität:

    „… Das alles ist nichts Neues. Generationen haben für die Demokratien gekämpft, in denen wir aufgewachsen sind. Nun ist die Reihe an uns.“

    Kämpfen, was das heißt… Für mich war es immer die ultimative Schreckensvorstellung, in den Kellern eines autoritären Regimes mit kaltem, grellen Licht zu verschwinden, wo man hilflos auf speziellen Tischen festgeschnallt wird, wo niemand die Schreie hört.

    Wir können wohl nicht genug Waffen an die Ukraine liefern, um das alles aufzuhalten.

    https://www.republik.ch/2022/04/14/russisches-kriegsschiff-fick-dich

  155. @Lisa-Marie:

    Dazu:

    Der Philosoph Jürgen Habermas sowie prominente Unterzeichner eines offenen Briefes an Olaf Scholz wenden sich gegen naive Kriegsbegeisterung. Aber wo ist die überhaupt?

  156. Der Tagesspiegel: „Der Untergang war eine Demütigung“ Putin war offenbar verhandlungsbereit – doch dann kam das „Moskwa“-Debakel

    Der Verlust des Kampfschiffes soll Russlands Staatschef erzürnt haben. Insidern zufolge habe er danach sein Kriegsziel in der Ukraine neu ausgerichtet.

    https://www.tagesspiegel.de/politik/der-untergang-war-eine-demuetigung-putin-war-offenbar-verhandlungsbereit-doch-dann-kam-das-moskwa-debakel/28279508.html

    Ist das glaubwürdig?

  157. @ Carsten Ramsel: Wohl eher nicht.

    Zum offenen Brief: Das ist für mich einfach nur Wichtigtuerei.

    Vor zwanzig Jahren enthüllten bis dato geheime Dokumente aus ungarischen Archiven detaillierte Pläne des Warschauer Paktes für einen nuklearen Erstschlag.

    Besonders deprimierend war für unsere Freunde aus Österreich, dass trotz Neutralität gleich mal zwölf Atombomben für sie vorgesehen waren.

    Und da glauben diese Naivlinge allen Ernstes, Putin würde im Falle das Falles auf uns Rücksicht nehmen, vorausgesetzt, wir benehmen uns jetzt schön zurückhaltend?

  158. Gestern im ZDF Magazin Royale:

    Die EURO-Paletten-Verschwörung aka Putins Puppen in Deutschland:

    https://www.zdf.de/comedy/zdf-magazin-royale/zdf-magazin-royale-vom-29-april-2022-100.html

  159. @ Carsten Ramsel

    Nein, das Moskwa-Debakel ist für Putin sicherlich ärgerlich, aber putin verfolgt einen langfristigen Plan. Frieden mit der Ukraine oder Verhandlungen auf Augenhöhe gehören sicherlich nicht dazu.

    Dazu ganz spannend die Neuauflage von Michel Eltchaninoff
    In Putins Kopf
    Logik und Willkür eines Autokraten

    https://www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/In_Putins_Kopf/549412

    „Zum Neujahrsempfang 2014 schenkte Putin seinen 5000 wichtigsten Beamten drei vielsagende philosophische Werke. Der französische Philosoph Michel Eltchaninoff entwickelt daraus eine hellsichtige Analyse von Putins Denken. Mit einer kruden Mischung aus Logik und Willkür und auf der Grundlage eines rückwärtsgewandten Weltbilds soll ein eurasisches Großreich unter russischer Hegemonie entstehen.“

    Die Gwup könnte mal was zum Thema Ideologien machen, wie sie die Köpfe vernebeln, wenn zwischen Ideal und Realität große Lücken klaffen

  160. Es ist nicht gelungen, Hitler mit Appeasement zur Räson zu bringen und ich fürchte, mit Putin wird dies auch nicht gelingen.

    Dennoch:

    https://www.nzz.ch/meinung/panzer-fuer-die-ukraine-natuerlich-darf-man-dagegen-sein-ld.1681727

  161. https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus238484705/Susanne-Gaschke-zu-Corona-Skepsis-und-Putin-Verstehern-Die-Schnittmenge.html

    Es gibt zwei Dinge, die ich an der aktuellen deutschen Debatte über den Ukraine-Krieg auffällig finde. Erstens: Es scheint erstaunlicherweise eine hohe Korrelation zu geben zwischen einer kritischen Haltung zur bisherigen Corona-Politik und einer russlandfreundlichen Interpretation der Putinschen Aggression.

    Und zweitens: Mobilmachende deutsche Intellektuelle schlagen sich nicht etwa auf die Seite der Überfallenen, der mit Tod und Vertreibung Bedrohten, sondern vertreten einen beispiellosen Bequemlichkeitspazifismus.

    Ich selbst habe den Corona-Kurs von Bundesregierung und Landesregierungen durchweg kritisch kommentiert: nicht, weil ich die Krankheit nicht für ein beachtliches neues Lebensrisiko gehalten hätte, sondern weil ich die Absolutsetzung dieses einen Risikos für demokratie- und freiheitsgefährdend hielt.

    Über meine „Maßnahmen“-kritische Haltung habe ich mich mit Kollegen, Politologen, Juristen und Medizinern ausgetauscht, die ähnliche Bedenken hatten – auf den ersten Blick besonnene, vernünftige Leute.

    Gerade deshalb bin ich komplett verblüfft, jetzt etliche von ihnen auf der Seite der Putin-Verteidiger und Ukraine-Verdächtiger wiederzufinden. Wie sind sie dort hingeraten? Wie kann jemand, der sich in Deutschland für die Geltung der Grundrechte, für wissenschaftlichen Pluralismus und für einen selbstbewussten Parlamentarismus starkmacht, den Antidemokraten Putin und seinen verbrecherischen Angriffskrieg entschuldigen?

    Ich verstehe einfach nicht, wie man beide Positionen gleichzeitig in einem Kopf haben kann, hier für die Freiheit und da für das Sich-Ergeben in die Unfreiheit.

    Und ich verstehe nicht, was sich Alice Schwarzer, Dieter Nuhr, Reinhard Mey, Ranga Yogeshwar, Juli Zeh und andere bei ihrem am vergangenen Freitag veröffentlichten „offenen Brief“ an den Bundeskanzler gedacht haben. Sie fordern darin, Deutschland dürfe keine schweren Waffen an die Ukraine abgeben, damit Putin nicht weiter provoziert werde, damit wir nicht in den Krieg hineingezogen würden, und auch zum Schutz der ukrainischen Zivilbevölkerung.

    Vor allem den letzten Punkt muss man sich in all seinem Paternalismus auf der Zunge zergehen lassen: Alice Schwarzer in ihrem schicken „Emma“-Redaktionsturm am Rheinufer, Juli Zeh in ihrem Brandenburger Landhaus mit Pferdekoppel – solche Leute wissen besser, wie die Ukraine vor dem Bombenterror, den systematischen Vergewaltigungen und der Vertreibung zu schützen ist, als die Bürgerinnen und Bürger des gebeutelten Landes selbst es wissen?

    Die Haltung des offenen Briefes stößt ab und nimmt Wunder, weil kulturell Linke, als die sich die meisten der Unterzeichner wohl immer noch verstehen würden, eigentlich jederzeit für die Entrechteten eingetreten sind, für die Schwachen, gegen Aggressoren und Diktatoren. Wo ist ihre Solidarität mit dem ukrainischen Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung?

    Die erstaunliche Abwesenheit von Empathie deutet auf ein ziemlich beunruhigendes Symptom hin: satte, selbstgefällige Dekadenz.

  162. @Tina
    Mit Ideologie werden üblicherweise politische Ansichten bezeichnet, die den eigenen widersprechen. Die GWUP, wie ich sie kennen und schätzen gelernt habe, zeichnet sich allerdings durch einen politischen Pluralismus aus.

    Sodann gibt es in vielen politischen Sachfragen eine große Diskrepanz zwischen Ideal und Realität. Doch sehe ich nicht, warum diese die Köpfe verneble oder warum das Ideal es nicht wert wäre, weiter dafür zu streiten.

  163. @Bernd Harder
    In dem Kommentar der WELT hat man anscheinend (mal wieder) die Wurzel allen Übels gefunden: die satte, selbstgefällige Dekadenz der Linken.

    Obwohl ich weder ein Freund des Inhalts des Briefes noch seiner Unterzeichner*innen bin, mag ich in ihm weder eine Entschuldigung für den Angriffskrieg, Verständnis für Putin noch einen Bequemlichkeitspazifismus erkennen. Frieden durch Verhandlungen erzielen zu wollen, mag unrealistisch, naiv und falsch sein, aber bestimmt nicht bequem. Und so groß meine innerliche Freude auch wäre, Alice Schwarzer einen Paternalismus, Entschuldigung Materialismus, zu unterstellen, finde ich in ihm keine Worte, die dem ukrainischen Volk nicht das Recht auf Selbstverteidigung zugestehen.

    Allenfalls kommt darin eine gewisse linke Bigotterie, wie sie auch bei anderen politischen Themen zu beobachten ist, zum Ausdruck. Wir schreiben Euch nicht vor, wie Ihr Euch gegen den Feind zu wehren habt, nur die dafür notwendigen Waffen, bekommt ihr von uns nicht, weil wir Angst haben, selbst Opfer des Aggressors zu werden.

  164. Zunächst einmal dürfte klar sein, daß die Unterzeichner des Aufrufes nicht für eine jahrelange verfehlte deutsche Wirtschatfs und Außenpolitik verantwortlich sind.

    Was allerdings auch klar ist: Diverse Staaten, einschließlich der USA, liefern bereits Waffen an die Ukraine. Glauben wir jetzt ernsthaft, daß unsere deutschen Lieferungen dann der berühmte Tropfen sind, welcher das Faß zum Überlaufen bringen und einen atomaren Vernichtungskrieg gegen uns auslösen wird?

    Wir haben die Drohungen des russischen Diktators, Atomwaffen einzusetzen, ja schon oftmals gehört: Bislang hat das Regime Polen und Bulgarien den Gashahn abgedreht und den schwedischen Luftraum verletzt – es sieht mir nicht danach aus, daß Putin sich darauf einlassen würde, durch einen atomaren Gegenschlag sein Reich in Schutt und Asche bomben zu lassen.

    Aber bitte, wir können ntürlich abwarten, bis er mit seinen Truppen an der Grenze zu Polen steht – und was dann? Werden sich dann die Unterzeichner des Offenen Briefes bei uns allen für ihre Fehleinschätzungen entschuldigen?

    Wie aber soll ich denn jetzt das folgende Zitat aus dem Brief verstehen: „Die zweite Grenzlinie ist das Maß an Zerstörung und menschlichem Leid unter der ukrainischen Zivilbevölkerung. Selbst der berechtigte Widerstand gegen einen Aggressor steht dazu irgendwann in einem unerträglichen Missverhältnis“ sowie „Und zum andern, dass die Entscheidung über die moralische Verantwortbarkeit der weiteren „Kosten“ an Menschenleben unter der ukrainischen Zivilbevölkerung ausschließlich in die Zuständigkeit ihrer Regierung falle“, wenn nicht als ein Inabredestellen des ukrainischen Rechts auf Selbstverteidigung?

    Ist es nicht zugleich eine unglaublich bevormundende Wir-wissen-schon-was-gut-für-Euch-ist-Haltung, mit anderen Worten, Paternalismus in seiner reinsten Form?

    Herr Ramsel, Sie selbst schreiben: „… [N]ur die dafür notwendigen Waffen, bekommt ihr von uns nicht, weil wir Angst haben, selbst Opfer des Aggressors zu werden.“

    Was anderes ist diese Haltung, als ein Bequemlichkeitspazifismus? Allenfalls ist diese Haltung besser zu charakterisieren: Nämlich als eine abgrundtiefe Feigheit vor einem Gegner, der all das verachtet, was die Briefunterzeichner sonst sich so edel aufs Pannier geschrieben haben. Und damit schlagen sie sich bereits auf seine Seite.

    Es tut mir leid, aber ich bin nicht überzeugt von Ihrer Argumentation.

    Eine scharfe Replik kommt im übrigen auch von einer Seite, die gewiß nicht der Springerpresse zuzurechnen ist:

    https://www.ruhrbarone.de/den-unterzeichnern-der-offenen-briefe-geht-es-nicht-um-frieden/

  165. Ergänzung:

    Neben dem „Emma-Brief“, der auch als Petition auf Change.org immerhin derzeit fast 129.000 Unterzeichner hat

    https://www.change.org/p/offener-brief-an-bundeskanzler-scholz

    existiert ein zweites Schreiben

    https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/offener-brief-fordert-von-scholz-stopp-der-waffenlieferungen-an-die-ukraine-li.223704

    welches einen ähnlichen Tenor hat.

  166. @borstel

    Argumente überzeugen nicht; sie begründen oder erklären einen Sachverhalt. Sie können falsch oder unzureichend sein. Das mag auch für meine gelten.

    Was die Kommentatorin der Welt und Sie als Bequemlichkeitspazifismus bezeichnen, nenne ich Bigotterie und Feigheit. Der Maternalismus/Paternalismus von Alice Schwarzer et al. ist billigste Täter-Opfer-Umkehr.

    https://www.spiegel.de/politik/offener-brief-in-emma-das-ist-taeter-opfer-umkehr-in-reinkultur-debattenbeitrag-a-f2720094-9246-4c63-8d2e-31a661750f2a

    Aber Alice Schwarzer hat es ja gestern der Bild (Stichwort: Bigotterie) erklärt, sie sei das erste Mal in ihrem Leben ernsthaft von der Gefahr eines Weltkrieges überzeugt (https://www.spiegel.de/politik/deutschland/ukraine-krieg-alice-schwarzer-verteidigt-offenen-brief-an-scholz-a-a202c0be-ada3-426f-8f8a-9f37ee18e2df).

    Da kommt man mit Argumenten nicht weiter.

    Wenn Putin der neue Hitler ist, und unter dem machen wir es ja nicht, wenn es um die Verteidigung der Freiheit und der Demokratie geht, dann müssten wir eine militärische Allianz schmieden und ihn auf eigenem Boden besiegen, um auch das russische Volk zu befreien.

    Stattdessen schreiben wir sowohl Solidaritätsbekundungen als auch Protestnoten und lassen Andere für uns arbeiten und unsere Kriege führen. „Nein, meine Söhne geb ich nicht“ (R. Mey) ist die dazu passende Hymne.

  167. https://ukraineverstehen.de/synder-deutschlands-historische-verantwortung-ukraine/

    Auch als Rede im Bundestag 2017 auf YouTube!
    Ein nicht ganz unwesentlicher Aspekt, der den offenen Brief noch zynischer erscheinen lässt.

  168. „Knallhart-Talk zwischen Schwarzer und Hofreiter: Können schwere Waffen Frieden bringen? “

    https://www.youtube.com/watch?v=5DnJcNuhwZ4

  169. @ Martina Rheken

    Puh, welche Arroganz von Seiten Alice Schwarzers.

    Sie glaubt anscheinend anderen die Welt zu erklären, ohne einen Hauch einer Ahnung zu haben, was eigentlich passiert.

    Es ist in der Tat derart paternalistisch – aber scheint genauso immunisiert zu sein wie ein gestandener Querdenker.

    Ich bin fassungslos.

  170. Kolumne von Marcel Fratzschner mit dem Titel: „Die Hysterie der Ukraine-Debatte hilft Putin“.

    https://www.zeit.de/wirtschaft/2022-05/westen-verantwortung-russland-ukraine-krieg-energieembargo

    Zur Frage, ob Putin ein zweiter/neuer Hitler ist und wie sinnvoll Vergleiche und Gleichsetzung sind:
    https://www.forschung-und-lehre.de/zeitfragen/gibt-es-parallelen-zwischen-putin-und-hitler-4548

  171. @Bluesmaker:

    Danke, interessant.

    Vor allem der erste Kommentar/die Kolumne macht mich etwas ratlos.

    Also eine durchaus harte, angeregte öffentliche Debatte ist gleich „hysterisch“? Kann ich so eigentlich nicht sehen.

    Und dass die Unterzeichner des Offenen Briefes lediglich „für einen moderaten Kurs der Bundesregierung plädieren“ – nun ja.

    Die überwiegende Lesart ist wohl eher die, dass die Unterzeichner praktisch die Kapitulation der Ukraine fordern.

    Und der Auftritt von Herrn Merkel gestern Abend bei Lanz ist, gelinde gesagt, grenzwertig rübergekommen.

  172. @Bernd Harder

    Mit Blick darauf, dass du (verständlicherweise) schon mehrfach den Arbeitsaufwand bei langen Kommentaren betont hast, tue ich mich gerade schwer, dir zu antworten. Denn Twitter-Länge-Diskussionen halte ich bezüglich der öffentlichen Meinungsbildung und dem allgemeinen Diskussionsklima für ein grundsätzliches Problem – gerade bei einem Thema wie diesem, bei dem es um nicht weniger als einen möglichen 3. Weltkrieg geht.


    „Also eine durchaus harte, angeregte öffentliche Debatte ist gleich „hysterisch“? Kann ich so eigentlich nicht sehen.“

    Das sehe ich anders und denke, Fratzschner nimmt die beiden genannten Fälle als Aufhänger für die Grundthese, dass eine sachliche gesellschaftliche Debatte um zentrale Fragen wichtig wäre.

    Zugegeben, Rechte, Verschwörungsideologen und reale Putin-Trolle machen sachliche Diskussionen nicht einfacher.

    Aber auch von jenen, die ich mal als seriös wahrgenommen habe, erlebe ich gerade eine erschreckende verbale Aufrüstung. Nur eines von vielen Beispielen ist Sascha Lobos „Lumpen-Pazifismus“ – ein an „Lumpenproletariar“ angelehnter, von Marx geprägter und von Nationalsozialisten aufgegriffener Begriff, der einigen Historikern zufolge gar eugenische Züge hat.

    Aber auch in Kommentarspalten und Twitter & Co geht es heftig zu. Sachliche Kommentare, die nicht der konfrontativen Politik folgen, werden als Putin-Trolle oder Verräter diffamiert und dies trifft auch Journalisten und renommierte Experten.

    Für mich erscheint dies – völlig unabhängig von meiner persönlichen Sichtweise – aus demokratischer Sicht als ein großes Problem.

    „Und dass die Unterzeichner des Offenen Briefes lediglich „für einen moderaten Kurs der Bundesregierung plädieren“ – nun ja.“

    Ich denke, Fratzschners Text sollte auch mit Blick auf die teils unfaire Kritik an Habermas verstanden werden.

    „Die überwiegende Lesart ist wohl eher die, dass die Unterzeichner praktisch die Kapitulation der Ukraine fordern.“

    Möglich, dass einige oder gar alle prominenten Unterzeichner bei einem der beiden Thesen im Brief Johannes Warwicks These der „ethischen Kapitulation“ im Hinterkopf hatten. Faktisch steht das jedoch nicht im Brief.

    Dort wird infrage gestellt, ob allein die ukrainische REGIERUNG entscheiden sollte, wie viele Opfer durch die Gegenwehr der Ukraine ethisch vertretbar sind. In wie weit die ukrainische BEVÖLKERUNG die Gegenwehr auch bei einem drohenden Atomschlag fortführen würde, vermag ich nicht zu beurteilen, weil es dazu, soweit ich weiß, keine verlässlichen Daten gibt.

    Und aus meiner Sicht muss man in Deutschland auch fragen, ab wann die Unterstützung ethisch unvertretbar wird. Wie jüngst ein vom Bundestag in Auftrag gegebenes Gutachten feststellte, KÖNNTE die Ausbildung von Ukrainern auf deutschem Territorium einem Kriegseintritt gleichkommen.

    Wenn ich das richtig verstehe, hieße dies möglicherweise das Völkerrecht zu brechen. Mal abgesehen von der Frage, ob es ethisch vertretbar ist, auf einen Völkerrechtsbruch mit einem Völkerrechtsbruch zu antworten, spielt hier auch die Glaubwürdigkeit der NATO und der westlichen Welt eine Rolle, die international wiederum bei der Unterstützung der Ukraine als auch bei anderen Kriegen und Konflikten wichtig ist.

    Wenn die Waffenlieferungen eine atomare Eskalation signifikant wahrscheinlicher machen, geht die Frage der Ethik zudem über Europa hinaus, denn ein Atomkrieg würde die gesamte Erde betreffen. Der viel zitierte Kampf für unsere Freiheit ist jedoch nicht der Kampf für die Freiheit der gesamten Welt, denn unsere Freiheit war noch nie die Freiheit von beispielweise Afrika, Südamerika oder Teilen Asiens. Dies muss aus meiner Sicht sachlich diskutiert und sorgsam abgewogen werden.

    Ob der EMMA-Brief ein klug formulierter Debattenbeitrag war, kann man natürlich diskutieren und auch gänzlich anderer Meinung sein. Hier aber Vergleiche zu Vergewaltigungen zu ziehen oder reine Feigheit zu unterstellen, halte ich persönlich für problematisch. Das ist ein Stil, den ich zu anderen Themen bei der AfD heftig kritisiert habe und den ich nun, da er auch im demokratischen Spektrum angekommen ist, nicht gutheißen kann.

    „Und der Auftritt von Herrn Merkel gestern Abend bei Lanz ist, gelinde gesagt, grenzwertig rübergekommen.“

    Es gibt Medien, denen ich mich aus Gründes des Niveaus schon lange verweigere und Sendungen von Lanz gehören dazu. Herrn Merkels Auftritt kann ich also nicht beurteilen.

    Ich würde jedoch davor warnen, alle, die den Brief unterzeichnen, mit der über den Brief hinausgehenden Meinung Einzelner gleichzusetzen. Der Brief wurde höchstwahrscheinlich von den meisten wegen des Inhalts unterschrieben und nicht wegen einzelner Erstunterzeichner. Beachtet werden sollte auch, dass die Mehrheit bezüglich der Waffenlieferungen in der Bevölkerung knapp sind und wechseln.

    Meiner Einschätzung nach wird dies in den Medien und der Politik (die immerhin die öffentlichen Debatten prägen) jedoch nicht im gleichen Maße abgebildet. Der Brief war damit aus meiner Sicht für Menschen ohne öffentliche Präsenz eine demokratisch legitime Möglichkeit, eine ablehnende Haltung zu den Waffenlieferungen zum Ausdruck zu bringen.

    Diffamierungen halte ich auch deshalb für problematisch, weil sich damit auch zahlreiche Unterzeichner diffamiert fühlen könnten, die nicht zu den Prominenten gehören – womit der Bogen zu Fratzschners Text geschlagen wäre, dessen Grundthese lautet, dass eine Spaltung der Gesellschaft für Putin nützlich wäre.

    DISCLAIMER: Ich habe den Brief nicht unterzeichnet und befinde mich bezüglich der Waffenlieferungen und der möglichen Antworten auf Putins Krieg in einem moralischen Dilemma und somit in einer Pattsituation.

    Was ich jedoch merke, ist, dass ich mich durch das Klima der Debatten und eine mediale Dominanz, die allen Umfragen zufolge nicht die diversen Meinungen in der Bevölkerung widerspiegelt, in eine oppositionelle Rolle gedräng fühle, die – gemessen an Vergewaltigungsvergleichen, Feigheit, Putin-Trollerei uvm. – nicht die meine ist.

    Nun halte ich mich nicht für den Maßstab aller Dinge, aber sollte ich damit nicht allein sein, denke ich, dass dies über kurz oder lang zu gesellschaftlichen und möglicherweise auch zu demokratischen Verwerfungen führen könnte.

    Okay, das war nun doch ziemlich lang. Sorry, Bernd! Aber immerhin ist die Frequenz meiner Kommentare hier niedrig und damit auch dein damit verbundener Arbeitsaufwand.

  173. @Bluesmaker:

    Okay, das war nun doch ziemlich lang.

    Sehr gern, danke.

    Es geht hier ja primär um einen Meinungsaustausch, den man mit Interesse lesen und dann auch durchaus mal so stehenlassen kann.

    Der „Arbeitsaufwand“ ist dann hoch, wenn jemand eine (oft nur vermeintliche) „Fakten“-Sammlung auflistet, die auf zahllosen Youtube-Videos und anderen Links beruht, und die ich alle erst mal sehen/lesen müsste, um überhaupt was dazu sagen zu können.

    (Und noch schlimmer, wenn schon zwei, drei Stichproben ergeben, dass manches/vieles davon halt gar nicht stimmt.)

  174. republik.ch: «Man wird diesen Krieg nur stoppen können, wenn der Westen bereit ist, auch Opfer zu bringen»

    Die ukrainische Autorin Tanja Maljartschuk über «Westsplaining», die Sackgassen des Pazifismus – und über das, was trotz allem tröstet.

    https://www.republik.ch/2022/04/29/dieser-krieg-ist-nur-zu-stoppen-wenn-der-westen-opfer-bringt

  175. „Offener Brief an Alice Schwarzer | Bosetti will reden!“

    https://www.youtube.com/watch?v=M5fm9xa2k7A

  176. Was mich jetzt echt etwas irritiert ist der „Anti-Pazifismus“… das kannte ich so nicht…

    ich bin kein Gegner der Ukraine und ich gestehe ihnen auch die Verteidigung zu, aber ich habe wirklich Zweifel an den Sieg der Ukraine. Die „Russen“ sind denen überlegen, irgendwann muß die Ukraine kapitulieren. Dann sind die Wirtschafts-Sanktionen die einzige Waffe, die bleibt. zZ zerstört Putin die Ukraine und Russland… was bleiben muß, ist die Schwächung Russlands.

    Aber den Krieg kann – mMn – die Ukraine nicht gewinnen (außer, NATO-Staaten treten in den Krieg ein, aber das wäre der 3. Weltkrieg).

  177. „Man wird diesen Krieg nur stoppen können, wenn der Westen bereit ist, auch Opfer zu bringen“

    Das ist einerseits sicher richtig, andererseits merkwürdig nebelig. Um welche „Opfer“ geht es konkret? Um einen Euro pro Liter mehr an der Tankstelle oder um Arbeitsplätze, Mieten und Renten? Geht es auch um Menschenleben, z.B. die Ausweitung des Kriegs?

    Und wer ist „der Westen“? Gehören Japan, Mexiko, Israel oder Australien dazu? Geht es um „Opfer“ auch in den USA und Kanada?

    Werden im „Westen“ alle sozialen Schichten Opfer bringen? Wird es einen echten Lastenausgleich geben, einen Solidarpakt von oben? Oder wird es die, die sich das am ehesten leisten können, am wenigsten treffen?

    Die Wertegemeinschaft, die der Satz beschwört, sollte nicht nur beschworen, sondern revitalisiert werden.

  178. @Bluesmaker: Mir ist der Emma-Brief einfach viel zu oberflächlich.

    Nehmen wir z.B. die Passage „… dass die Entscheidung über die moralische Verantwortbarkeit der weiteren „Kosten“ an Menschenleben unter der ukrainischen Zivilbevölkerung ausschließlich in die Zuständigkeit ihrer Regierung falle. Moralisch verbindliche Normen sind universaler Natur.“

    Was soll das denn bitte praktisch bedeuten? Was mache ich jetzt konkret mit diesem letzten Satz?

    Eine Art Volksentscheid der Ukrainer ist damit offensichtlich nicht gemeint.

    Was das Wort „KÖNNTE“ angeht: Es könnte sich auch um die Vorbereitung eines neuen Holocaustes handeln. Was könnte das nun wieder für Deutschland in ethischer Hinsicht bedeuten?

    Warum ist der Vergleich zu einer Vergewaltigung problematisch? Wenn ich statt dessen einfach von einem brutalen Raubüberfall spreche – wäre diese Analogie eher besser oder schlechter?

  179. @Michael Fischer

    „Mir ist der Emma-Brief einfach viel zu oberflächlich.“

    Das geht mir ähnlich und wie geschrieben, kann man das kritisieren oder alles völlig falsch finden. Mir geht es eher darum, dass zentrale Fragen unbedingt diskutiert werden müssen und das in einer sachlichen Weise, wie sie in anderen Krisen im demokratischen Spektrum stets gefordert werden.

    „Nehmen wir z.B. die Passage „… dass die Entscheidung über die moralische Verantwortbarkeit der weiteren „Kosten“ an Menschenleben unter der ukrainischen Zivilbevölkerung ausschließlich in die Zuständigkeit ihrer Regierung falle. Moralisch verbindliche Normen sind universaler Natur.“

    Was soll das denn bitte praktisch bedeuten? Was mache ich jetzt konkret mit diesem letzten Satz?“

    Wie ebenfalls geschrieben, schließe ich nicht aus, dass damit tatsächlich (auch) eine Kapitulation gemeint sein könnte. Ich halte dies jedoch nicht für gesichert, da man auch (möglicherweise von den Autoren gewollt) andere Intentionen hineininterpretieren kann. Zum Beispiel mit Blick auf den Druck der ukrainischen Regierung bezüglich der Waffenlieferungen und der aus den Lieferungen resultierenden Möglichkeiten einer Eskalation, die im schlimmsten Fall in einem Atomschlag münden könnte.

    Egal ob wir liefern oder nicht liefern, nehmen wir auf die Zahl der Kriegsopfer Einfluss. Die entscheidende Frage ist, was mehr Opfer verhindert und was die ethisch tragbarste Lösung ist. Diese Überlegungen müssen nicht zwangsläufig eine Kapitulation beinhalten.

    Abgesehen davon hatte der ukrainische Präsident tatsächlich eine Volksabstimmung zur Neutralität als Verhandlungsgegenstand ins Spiel gebracht. Später ist er davon abgerückt und mittlerweile heißt es, dass der Krieg nicht mit einem Friedensvertrag sondern mit der Kapitulation Russlands enden wird.

    Ich halte es für denkbar, dass es zwischen diesem Wandel in der ukrainischen Verhandlungsstrategie, den zunehmenden Waffenlieferungen und dem Paradimenwechsel bei der NATO (Schwächung Russlands und Sturz Putins als erklärtes Ziel) einen Zusammenhang gibt.

    „Was das Wort „KÖNNTE“ angeht: Es könnte sich auch um die Vorbereitung eines neuen Holocaustes handeln. Was könnte das nun wieder für Deutschland in ethischer Hinsicht bedeuten?“

    Ich nehme an, dass dies auf meine Ausführungen zu der Ausbildung von Ukrainern, Kriegseintritt und Völkerrecht abzielt. Nun, dies wurde von Experten so bewertet. Sollten Sie einen Expertenrat oder einzelne Experten kennen, die die Gefahr eines neuen Holocaust durch Russland sehen, bitte ich um einen Link. Mir ist nichts Derartiges bekannt.

    „Warum ist der Vergleich zu einer Vergewaltigung problematisch? Wenn ich statt dessen einfach von einem brutalen Raubüberfall spreche – wäre diese Analogie eher besser oder schlechter?“

    Um nur einen von mehreren Gründen zu nennen: Eine Vergewaltigungsanalogie lädt die Debatte emotional auf und zwar in einer Weise, dass jene, die gegen Waffenlieferungen sind, erscheinen (sollen), als würden sie Vergewaltigungen tolerieren oder sich gar auf die Seite der Täter stellen, obwohl eine kritische Haltung zu Waffenlieferungen mit Blick auf eine mögliche atomare Eskalation weitaus weniger amoralisch ist, als es durch die Vergewaltigungsanalogie den Anschein bekommt. Das ist schlicht ein schlechter und unfairer Diskussionsstil.

  180. @Joseph Kuhn

    „Werden im „Westen“ alle sozialen Schichten Opfer bringen? Wird es einen echten Lastenausgleich geben, einen Solidarpakt von oben? Oder wird es die, die sich das am ehesten leisten können, am wenigsten treffen?“

    Nicht nur bei diesem Thema ein außerordentlich wichtiger Punkt, da in öffentlichen Debatten in aller Regel privilegierte Menschen im Rampenlicht stehen, die von den Konsequenzen dessen was sie fordern oft deutlich weniger betroffen sind als weniger Privilegierte.

    @Thema

    Eine nüchterne wie erschreckende Analyse des Russland-Experten Gerhard Mangott zu möglichen Gründen einer nuklearen Eskalation durch Russland:

    https://www.focus.de/politik/ausland/ukraine-krise/analyse-von-gerhard-mangott-je-mehr-putin-in-niederlage-schlittert-desto-wahrscheinlicher-wird-nuklear-option_id_93041269.html

    In Verbindung mit dem russischen Journalisten und Friedensnobelpreisträger Dmitrij Muratow, der meint, die Atomwaffendrohungen im russischen Fernsehen dienen dazu, den Einsatz solcher Waffen für die russische Bevölkerung akzeptabler zu machen, sind das keine erbaulichen Aussichten.

    https://www.spiegel.de/ausland/ukraine-krieg-nobelpreistraeger-muratow-haelt-propaganda-fuer-einsatz-von-atomwaffen-fuer-gefaehrlich-a-f7da8d6d-fcf8-45fd-83c0-b25c7bc72d42

  181. @Bluesmaker: Das mit „könnte“ bezog sich eher auf den offenen Brief in der EMMA.
    Den Ausdruck Endlösung brachte m.W. Selensky bei Videoschalte mit Israel aufs Tapet. Ansonsten wurde mehrfach bereits der Ausruck Genozid benutzt, was dann wohl nicht viel Unterschied macht.

    Ansonsten scheint mir in einem Konflikt, in dem offen mit einem Atomkrieg gedroht wird, eine Vergewaltigungsanalogie nun den Kohl nicht mehr fett zu machen in punkto aufgeheizte Stimmung.

    Die Analogie muß einem ja nicht gefallen, aber sie scheint mir alle Anforderungen, die an eine Analogie gestellt werden, perfekt zu erfüllen. Da muß man dann m.E. eben auch die notwendige Ehrlichkeit aufbringen, wenn man moralisch argumentieren will.

  182. Noch zur nuklearen Eskalation: Ich weiß jetzt nicht mehr, wo ich das gelesen habe, aber aus militärstrategischen Überlegungen heraus müssten die USA einen russischen Schlag umgehend adäquat beantworten und könnten es sich gar nicht leisten, stillzuhalten.

    Sie würden schlicht unglaubwürdig sowohl für Partner, die sich auf sie als Schutzmacht verlassen, als auch für die Kontrahenten, die dies als Ermutigung auffassen würden.

    Wir können also so gesehen nur hoffen, dass dies den russischen Militärstrategen bewußt ist.

  183. Wie ich finde ein sehr gute Analyse zum Umgang mit der Ukraine – sprich offener Brief (und Gegenbrief)

    Es werden die (falschen) Prämissen aufgegliedert und Motivationen (u.a. Angst) thematisiert.

    Samira El Ouassil und Friedemann Karig:

    https://piratensenderpowerplay.podigee.io/104-neue-episode

  184. @Michael Fischer

    „Das mit „könnte“ bezog sich eher auf den offenen Brief in der EMMA.“

    Dann habe ich das wegen des von Ihnen wie mir großgeschriebenen „KÖNNTE“ falsch eingeordnet. Sorry!

    „Den Ausdruck Endlösung brachte m.W. Selensky bei Videoschalte mit Israel aufs Tapet. Ansonsten wurde mehrfach bereits der Ausruck Genozid benutzt, was dann wohl nicht viel Unterschied macht.“

    Stimmt und dafür erntete er in Israel durchaus auch Kritik. Die Holocaust-Gedenkstätte ließ verlauten, dass im Zusammenhang mit den Kämpfen Propaganda verbreitet wird, die „falsche Vergleiche mit der Ideologie und den Taten der Nazis ziehe.“ Außerdem hieß es: „Yad Vashem verurteilt diese Trivialisierung und Verzerrung der historischen Fakten des Holocausts.“

    Da der Holocaust in Art, Ausführung und Ausmaß in der Geschichte bislang einzigartig ist und es hoffentlich auch bleiben wird, ist auch Ihre beinahe Gleichsetzung von Holocaust (Endsieg) und Genozid zumindest in dieser verkürzten Form problematisch.

    Die meisten Beobachter und Experten gehen auch nicht davon aus, dass in der Ukraine ein Völkermord stattfindet. Wie folgender Text recht gut erklärt, gibt es einen Unterschied zwischen der politischen Verwendung des Begriffs und der juristischen Definition:

    https://www.zdf.de/nachrichten/politik/genozid-voelkermord-definition-ukraine-krieg-russland-100.html

    Was sich gesichert sagen lässt, ist, dass Russland Kriegverbrechen begeht.

    „Ansonsten scheint mir in einem Konflikt, in dem offen mit einem Atomkrieg gedroht wird, eine Vergewaltigungsanalogie nun den Kohl nicht mehr fett zu machen in punkto aufgeheizte Stimmung.“

    Kann man so sehen, aber wenn eh nichts oder kaum etwas den Kohl Fett machen kann, wo ist dann die Obergrenze der rhetorischen Eskalation? Bei Vergleichen von Befürwortern von Lieferungen schwerer Waffen mit Atomkriegstreibern? Bei unflätigen Beleidigungen? Bei ahistorischen Vergleichen, die vor wenigen Wochen im demokratischen Spektrum noch ein No-Go waren?

    Ich muss mich nun anderen Dingen zuwenden und danke Ihnen für die Diskussion.

  185. @Bluesmaker:
    Holocaust meint nicht „Endsieg“, sondern „Endlösung“ der Judenfrage, aber das war wohl ein Freudscher Verschreiber. Der Begriff wurde aber bereits 1895 für die Massaker an den Armeniern verwendet.

    Wenn Putin der Ukraine das Existenzrecht abspricht, kann man m.E. schon darüber spekulieren, wie die Umsetzung praktisch aussehen könnte.

    Ich wollte eigentlich nur klarmachen, dass ich aufgrund des hochgradig spekulativen Charakters prinzipiell ein Problem mit dem Wörtchen „könnte“ habe.

    Wie einem gestrigen Tagesschau Kommentar zu entnehmen war, verstößt die Ausbildung von Ukrainern in Deutschland offenbar nicht gegen das Völkerrecht und bedeutet auch keinen Kriegseintritt.

    Ändert das etwas?

    Vermutlich werden die Unterzeichner*innen des offenen Briefes jetzt auch nicht besser schlafen.

    Denn es könnte ja sein, dass Putin das anders interpretiert.

    Danke auch für die Diskussion.

  186. „Die Vorstellung, dass, wenn die Kampfhandlungen vorbei sind, der Krieg vorbei ist, stimmt nicht. Das hat die historische Forschung gezeigt. Ein Beispiel wäre das deutsche Besatzungsregime in der Ukraine während des Zweiten Weltkriegs. Da ist die Zahl der Toten höher nach dem Ende der Kampfhandlungen gewesen: Das Morden, das Versklaven, der Terror gingen weiter.“

    https://www.ruhrbarone.de/im-fall-der-niederlage-droht-der-ukraine-ein-blutfrieden/

  187. Philosophie Magazin: Steffen Mau: „Wir dürfen nicht zu ohnmächtigen Beobachtern der Geschichte werden“

    https://www.philomag.de/artikel/steffen-mau-wir-duerfen-nicht-zu-ohnmaechtigen-beobachtern-der-geschichte-werden

  188. „Warum Verhandlungs-Forderungen an die Ukraine unwahr & naiv sind – Faktencheck“:

    https://www.volksverpetzer.de/analyse/verhandlungs-mythen-ukraine/

  189. Aus meiner Sicht zumindest befinden wir uns längst im Krieg mit Putin – denn diesen hat er nicht der Ukraine erklärt, sondern der westlichen Demokratie und den pluralistischen freiheitlichen Werten.

    Die Ukraine hat das Pech, seinen Raketen als erstes im Weg zu stehen, andere Länder werden dafür schon lange von seiner Cyberarmee mit Propaganda, Desinformation und politischer Störung beharkt. Diesen Kampf wird er nicht aufgeben, selbst wenn er sich aus der Ukraine zurückziehen sollte.

    Putin hat längst einen Weltkrieg begonnen, und mit seine wichtigste Waffe in diesem Kampf ist es, eben diesen Umstand vor seinen Kontrahenten geheim zu halten.

  190. NZZ: «Ein Nuklearschlag wäre Ausdruck von Putins Verzweiflung»

    Der Politikwissenschafter Frank Sauer ist Experte für nukleare Abschreckung. Er lehrt an der Universität der Bundeswehr in München. Im Interview plädiert er dafür, die atomaren Drohungen Russlands zwar ernst zu nehmen, sich von der Angst vor einem Atomangriff allerdings nicht lähmen zu lassen.

    https://www.nzz.ch/international/ukraine-krieg-ein-nuklearschlag-waere-ausdruck-von-verzweiflung-ld.1682075

  191. Alice Schwarzer hört nicht auf zu provozieren…

    Zeit: Alice Schwarzer: „Selenskyj hört nicht auf zu provozieren“
    Die Publizistin kritisiert das Verhalten des ukrainischen Präsidenten. Sollte Olaf Scholz dessen Einladung am 9. Mai folgen, wäre das eine „Provokation ohne Gleichen“.

    https://www.zeit.de/politik/ausland/2022-05/alice-schwarzer-wolodymyr-selenskyj-ukraine

  192. Schickt die Schwarzer nach Moskau. Ihren Orden „Heldin der Russischen Föderation“ hat Sie sich schon längst verdient.

  193. „Menschen haben ferner die Tendenz, die Bedeutung ihrer Handlungen im negativen Sinn zu überschätzen, das ist dann der sogenannte availability bias. Um aktuell zu bleiben: Es kann natürlich sein, dass 50 Kampfpanzer aus Deutschland für die Ukraine einen Atomkrieg mit Russland unter Wladimir Putin auslösen. Aber warum sollten sie, wenn 50 polnische Kampfpanzer das nicht tun? Wir neigen dazu, dem Thema die größte Bedeutung und den größten Einfluss beizumessen, das uns gerade am meisten beschäftigt.“

    https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_92112904/ukraine-krieg-furcht-vor-russland-unser-gehirn-spielt-putin-in-die-haende.html

  194. Ich denke, dieser Artikel spiegelt im Wesentlichen das wider, was Dirk van den Boom und ich im Ferngespräch ausgeführt hatten:

    https://www.welt.de/politik/ausland/plus238622741/Neuer-Kalter-Krieg-106-Sekunden-bis-Berlin-wie-Putin-die-deutsche-Atomangst-ausnutzt.html

    Für die Einschüchterung sei die Drohung mit der Atombombe zentral, schreibt der Washingtoner Thinktank CNA in einer Analyse der Doktrin. Es solle der Eindruck vermittelt werden, „dass das Land weit lockerer mit seinen Überlegungen zur nuklearen Nutzung umgeht, als dies tatsächlich der Fall ist“. Denn in Kriegszeiten, in denen sich Russland derzeit befindet, sei das oberste Ziel, fremde Mächte zur „Einstellung der Feindseligkeiten“ gegen Moskau zu bewegen.

    Dass der Kreml die westliche Unterstützung für die Ukraine als feindlichen Akt auffasst, machte Putin schon Anfang März klar. Die Sanktionen gegen sein Land glichen einer Kriegserklärung, sagte er in einer Fernsehansprache. Ende April erklärte er mit Bezug auf die Waffenlieferungen des Westens, wer eine für Russland unannehmbare strategische Bedrohung schaffe, müsse wissen, dass die Antwort „blitzschnell, rasch“ sein werde.

    Drohungen, die insbesondere in Deutschland verfangen. Wenn die Bundesrepublik der Ukraine Panzer liefere, könne Putin dies zum Anlass nehmen, Nuklearwaffen einzusetzen, warnte der ehemalige Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) am 20. April im Deutschlandfunk. Wenig später zog Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im „Spiegel“-Interview nach. Er begründete seine Zurückhaltung bei der Lieferung schwerer Waffen an Kiew mit den Worten: „Ich tue alles, um eine Eskalation zu verhindern, die zu einem dritten Weltkrieg führt. Es darf keinen Atomkrieg geben.“ Auf Nachfrage der Journalisten konnte Scholz allerdings nicht konkretisieren, woraus er diese Gefahr ableitet.

    „Der Kalte Krieg blieb kalt, weil beide Blöcke sich im Fall eines Atomkrieges gegenseitig hätten zerstören können“, sagt Tom Nichols im Gespräch mit WELT. Er ist Experte für Nuklearwaffen am US Naval War College in Rhode Island. Und dieses Gleichgewicht des Schreckens gebe es auch heute noch.

    Die alten Abschreckungsmechanismen wirkten immer noch, so Nichols. „Russland ist bisher darauf bedacht, dass sich der Krieg auf die Ukraine beschränkt.“ Dennoch reagieren Politik und Bevölkerung heute weit nervöser auf russische Drohungen als noch zu Zeiten des Kalten Krieges. „Die deutsche Gesellschaft hat vergessen, dass es einen Kalten Krieg gab und wie die Nato ihn gewonnen hat“, sagt Nichols.

    Man müsse sich des eigenen Abschreckungspotenzials erst wieder bewusst werden, so der Experte. „Während des Kalten Krieges sind wir nicht jeden Morgen schweißgebadet aufgewacht. Wir waren informiert, besorgt, aber nicht panisch. Die Gefahr war abstrakt, so wie heute auch. Aber sie so zu sehen haben wir verlernt.“

    Die Bedrohung durch einen möglichen Atomschlag im Kalten Krieg sei „omnipräsent“ gewesen, schreibt die Historikerin Mary Elise Sarotte von der Johns Hopkins University in einem Essay für die „New York Times“. „Aber nach Jahrzehnten des Friedens zwischen dem Westen und Russland hat sich das kollektive kulturelle Bewusstsein dafür weitgehend aufgelöst.“

    Von einem verloren gegangenen Gewöhnungseffekt spricht auch Florence Gaub. „Deutschlands Außenpolitik wurde lange nach dem Grundsatz gemacht, dass Gewalt ausgeschlossen ist. Die Russen haben dieses Weltbild einstürzen lassen. Jetzt müssen wir wieder lernen, dass die atomare Gefahr präsent ist“, sagt die Politikwissenschaftlerin vom European Union Institute for Security Studies WELT.

    Für Wladimir Putin eine perfekte Ausgangslage. „Wenn jemand Todesangst verspürt, schaltet das Gehirn den Zugang zum rationalen Denken ab“, so Gaub. „Die russische Propaganda ist darauf ausgerichtet, Todesangst bei uns auszulösen, denn das Gehirn kennt dann nur noch zwei Reaktionen: kämpfen oder weglaufen. Derzeit tun viele Letzteres“.

    Mitte April befürworteten laut dem RTL-Trendbarometer noch 55 Prozent der Deutschen die Lieferung von schweren Waffen an die Ukraine, 33 Prozent lehnten sie ab. Zum Ende des Monats sackte die Unterstützung um neun Prozentpunkte ab. Fast zwei Drittel der Deutschen haben der Umfrage zufolge Angst vor einer Ausweitung des Krieges in der Ukraine zu einem dritten Weltkrieg.

    Dass die Zustimmung zu Waffenlieferungen in die Ukraine derzeit sinkt, „ist genau das, was Putin damit beabsichtigt“, sagt Nichols. Eine Einschätzung, die auch Gaub teilt: „Nicht die Atombombe ist die Waffe, sondern die Angst vor der Atombombe.“

    Ich habe diese Zeit sehr bewusst erlebt, und ist bei mir auch noch völlig präsent.

  195. „Nicht die Arombombe ist die Waffe, sondern die Angst vor der Arombombe“.

    Auch wenn man sich letztlich nicht in Sicherheit wiegen kann, Ist trotzdem festzustellen, dass die Drohung die Waffe ist., die ihre Wirkmacht ja entfaltet.

    Hinzu kommt: Es wird von manchen schnell vergessen, dass Deutschland ja nicht das einzige Land ist das Sanktionen verhängt und Waffen liefert. Es ist nur eins unter vielen, die das ganz selbstverständlich und schnell getan haben.

    In der Logik der Sorge wären alle anderen auch bedroht. D ist ja zum Glück nicht der Nabel der Welt.

  196. https://medwatch.de/2022/06/22/awakening-europe-angebliche-wunder-grenze-ukraine/ – war ja eigentlich klar, daß auch solche Organisationen versuchen, aus dem Leid der Menschen Profit zu schlagen.

  197. Und weil ich diesen älteren Post gerade „wieder hervorgeholt“ habe: Bekanntlich gab es ja vor kürzerer Zeit einen erneuten offenen Brief deutscher Dichter und Denker – hierzu eine lesenswerte Replik aus dem „Kursbuch“: https://kursbuch.online/montagsblock-178/

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