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„The Answer to Cancer“: Kino in München zeigt Werbefilm für Krebsbehandlung nach Banerji

| 26 Kommentare

So nahe liegen Witz und Wahnwitz der Homöopathie beieinander.

Gerade haben wir über lustige Twitter-Tweets in Sachen Globuli geschrieben – da wird es schon wieder todernst.

Das Münchner Monopol Kino meint, einen Werbestreifen für „alternative Krebsheilmethoden“ aufführen zu müssen:

Beim Cosmic Cine Filmfestival 2018 begeisterte der Film bereits viele Menschen, der ihnen eine neue Therapiemöglichkeit aufzeigte, die im Westen noch unbekannt ist.“

Hinter dieser „neuen Therapiemöglichkeit“ steckt nichts weiter als die homöopathische Krebsbehandlung nach den Banerji-Protokollen, die Dr. Norbert Aust schon 2013 ins Reich der Märchen verwies.

Auf Kritik reagiert das Lichtspielhaus bislang so:

Und wer sitzt auf dem Podium? Sachkundige Experten? Skeptiker? Onkologen?

Nope – sondern ein „Dr. Norbert Kriegisch“, der allen Ernstes als „Arzt für Naturheilkunde und Störfeldsuche“ firmiert und dessen Homepage seltsamerweise seit einigen Stunden nicht mehr erreichbar ist.

Liebe Leute vom Monopol Kino, die Antwort der Homöopathie auf Krebs ist tödliches Schweigen.

Lest dazu mal diesen Artikel:

Diskutiert werden kann übrigens auf der Facebook-Seite des Kinos.

Zum Weiterlesen

  • Krebstherapie: Ayurvedisches Ablenkungsmanöver, DocCheck am 13. August 2018
  • Homöopathische Krebsbehandlung nach den Banerji-Protokollen, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 30. Juni 2013
  • Homöopathie: Wenn Skeptiker Hoffnungen zerstören, GWUP-Blog am 18. April 2013
  • Homöopathie bei Krebs – es ist alles noch viel schlimmer, GWUP-Blog am 23. Juni 2014
  • Banerji-Protokoll bei Psiram

26 Kommentare

  1. Im Google-Cache ist der Dr. Kriegisch noch auffindbar:

    „So dass ich seit nun mehr 30 Jahren sowohl als praktischer Arzt wie auch als Naturheilkundler in meiner Privatpraxis in München praktiziere und meine eigene Philosophie der Quantenmedizin entwickelt habe. Bei der sogenannten Quantenmedizin versuche ich auf den vier Ebenen des Organismus nach den Ursachen von Störungen zu suchen : auf der strukturellen, der regulativen, der psycho-emotionalen und der geistigen Ebene.“

    Schade – bei einer Privatpraxis kann man leider nicht die Kassenzulassung entziehen. Ich hätte den Typen sofort bei der KV angezeigt.

  2. Hat die Kinoleitung nichts aus deden Protesten gelernt, als in 2016 der Propagandafilm „Vaxxed“ in deutschen Kinos gezeigt werden sollte?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Vaxxed

    @Martina Rheken
    Grausam. Der Herr Doktor scheint aber einen größeren Bekanntheitsgrad zu haben als erwartet, denn er war im Juni bei DAS! zu Besuch.
    https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das/Norddeutschland-und-die-Welt,sendung784770.html
    Was für eine tolle Werbung für den Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. :(

  3. @RPGNo1:

    Unfassbar.

  4. Webseite von DAS:
    „….Seit über 30 Jahren begleitet der Ganzheitsmediziner Dr. med. Norbert Kriegisch Patienten mit unerklärlichen oder chronischen Beschwerden…“
    Ganzheitsmediziner.

    Es ist wirklich unfassbar. Aber ich könnte mir vorstellen, wie es dazu kommt. Anhänger „alternativer“ Medizin gibt es überall, so sicher auch in Redaktionen. Und wenn sie niemand bremst, dann dürfen sich auch solche Menschen wie Kriegisch präsentieren.

  5. Nichts haben die gelernt. Vor allem nicht, dass hier nicht die Breite einer Quantenschwingung Raum für Diskussionen ist. „The Debate about Homeopathy is over.“ (Spectator Health, 2017).

    Was mich verzweifeln lässt: Dass es kein klares Verdikt deutscher Institutionen des Gesundheitswesens gibt, das sich klar und eindeutig zur Homöopathie als spezifisch wirkungslose Scheintherapie positioniert. Es hat einfach kaum einen Effekt, wenn man sich zB gegenüber dem Kino auf die EASAC oder den NHS beruft. Ist ja englisch – und dann auch noch Ausland… Der scheinbare Segen des Gesundheitssystems lässt Leuten wie den Programmverantwortlichen des Kinos die Sache als diskussionswürdig und -fähig erscheinen, wie man ja aus deren Statement erkennen kann.

    Zu dem DocCheck-Artikel sei der Hinweis erlaubt, dass er die Studie von Skyler Johnson et al. ein wenig falsch interpretiert. Er vermittelt den Eindruck, als sei es (zumindest auch) um komplementäre Behandlung mit alternativen Methoden gegangen. Das trifft nicht zu. Die studie Johnson et al. stellt ausdrücklich klar, dass Fälle verglichen wurden, die entweder nur alternativ oder nur wissenschaftlich behandelt wurden.

    Wobei ich selbstverständlich nicht Komplementärbehandlungen das Wort reden will. Aber die Aussage, komplementär behandelte Patienten würden früher versterben ist genauso unbeweisbar und letztlich unsinnig wie die Aussage, komplementär behandelte Patienten würden durch die Homöopathie „geheilt“ – die berühmte Argumentation von Dr. Jens Wurster.

    Johnson et al. im Detail hier:
    https://www.netzwerk-homoeopathie.eu/standpunkte/245-studie-deckt-auf-mit-alternativmedizin-sterben-viele-krebspatienten-frueher-als-noetig

  6. @Ich:

    Also ich finde „Arzt für Störfeldsuche“ noch besser …

  7. Interessantes Detail:

    Der Film wird vom „Scorpio Verlag“ vertrieben (https://www.scorpio-verlag.de/Buecher/283/TheAnswertoCancerDVD.html).

    Und Dr. Norbert Kriegisch hat ein Buch im selben „Scorpio Verlag“ veröffentlicht (https://www.scorpio-verlag.de/Autor/150/NorbertKriegisch.html). Es geht wenig überraschend um Krankheiten. Claim auf dem Buchcover: „Natur und Ganzheitsmedizin bieten Lösungen an“.

    Ich würde mich nicht wundern, wenn der „Scorpio Verlag“ den Film und Dr. Norbert Kriegisch dem Kino im Gesamtpaket angeboten hat. In der Form von „ihr könnt den Film zeigen und bekommt hinterher noch einen Arzt zum Reden dazu, das zieht sicher Leute an“.

    Der Film und Dr. Norbert Kriegisch sind über den „Scorpio Verlag“ wirtschaftlich verbunden. Angesichts dieser wirtschaftlichen Verflechtung bezweifle ich, dass eine kontroverse Diskussion stattfinden wird. Das scheint mir eher eine Werbeveranstaltung zu sein. Dr. Norbert Kriegisch wird vermutlich den Film gutheißen, der wiederum die „Alternativmedizin“ gutheißt, wovon wiederum Dr. Norbert Kriegisch profitiert. Das wäre kommerziell eine klassische Win-Win-Situation.

    Es ist daher eine Farce, wenn das Kino das Gespräch mit Dr. Norbert Kriegisch als (kritische) Kommentierung des Films verkaufen will.

    In Kreisen der Homöopathiesympathisanten ist es ja weit verbreitet, die sogenannte „Pharmaindustrie“ zu verteufeln, weil sie finanzielle Interessen hat. Gerade dann sollte man aber vor den finanziellen Interessen des Scorpio Verlags und des Dr. Norbert Kriegisch die Augen nicht verschließen.

    Ein Film will verkauft werden und wer eine Privatpraxis hat, muss auch irgendwie zahlungskräftige Kundschaft anlocken…

  8. @Mein Name
    Vielen Dank, das sind in der Tat interessante Hintergrunddetails.

    Und es kommt noch besser: „[Der Scorpio-Verlag] verlegt esoterische und pseudowissenschaftliche Werke.“ Im Verlag veröffentlichen u.a. „Persönlichkeiten“ wie Dieter Broers und Michael König.

    https://www.psiram.com/de/index.php/Scorpio_Verlag

    Nachtigall, ick hör dir trapsen.

  9. @Mein Name

    Die Verbindung zwischen der Filmemacherin Aernecke und dem Arzt besteht schon seit der „Weltpremiere“ des Films am 13.April 2018. Leider ist das damals niemand aufgefallen, wollen wir hoffen, dass der Protest diesmal Erfolg hat.

    Aus der Ankündigung der Premiere auf der Facebookseite des Kinos:
    „The Answer to Cancer – Der andere Weg …ist ein Dokumentarfilm, in dem sich die Filmemacherin Susanne Aernecke auf die Suche einer alternativen Krebsheilmethode begibt.

    Von Spanien führt sie der Weg ins indische Kalkutta zur Ärztefamilie Banerji, die in den letzten 150 Jahren eine Methode entwickelt hat, durch die Krebs und andere chronische Krankheiten auf natürliche Weise geheilt werden können

    Weltpremiere in Anwesenheit von
    Regisseurin Susanne Aernecke,
    Dr. med. Norbert Kriegisch (Praxis für Ganzheitsmedizin, Naturheilverfahren und Störfeldsuche, München),
    Dr. Michaela Dane (Signaturlehre, Paracelsusmedizin / Krebstherapie),
    Florian Schimmitat (Apotheker für Offizinpharmazie in München) Moderation und live-Musik“

  10. @ Maria Katz

    Danke für die Info. Dr. Norbert Kriegisch war sogar in Indien vor Ort, um sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen.

    Auf der Website des Scorpio Verlags wird er wie folgt angekündigt (https://www.scorpio-verlag.de/Termin/571/FilmvorfhrungSusanneAerneckeTheAnswertoCancer.html):

    „Im Anschluss wird Dr. Norbert Kriegisch, der eine Praxis für Ganzheitsmedizin, Naturheilverfahren und Störfeldsuche in München betreibt, für Fragen zur Verfügung stehen. Er hat im Frühjahr die Ärztefamilie Banerji in Indien besucht, um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen.“

    Eine kontroverse Diskussion ist für mich etwas anderes als „für Fragen zur Verfügung stehen“. Dabei hat das Kino angekündigt, man werde den Film nicht unkommentiert stehen lassen. Nun, auf die Kommentare von Dr. Norbert Kriegisch kann man wirklich gespannt sein!

  11. @Mein Name
    Das Ganze entpuppt sich als anscheinend größere Geschichte. Dr. Michaela Dane, die bei der Premiere als „Sachverständige“ dabei war, ist eine große Propagandistin der Familie Banerji mit diversen „Kliniken“. Einer der leider üblichen köpfe der Hydra.

    http://www.clinicapraxis.net/Contact-al.htm
    http://www.institutoalmac.es/index.php/kongresse
    https://www.aurorapharma.com/blog/author/803-dr-michaela-dane

  12. Es gibt noch die Website http://www.krebsrevolution.de/index.html, die sich mit der „Heilung von Krebs“ u.a. mit homöopathischen Mitteln beschäftigt. Erwähnt werden dort Banerji und Dr. Miguel Corty Friedrich.

    Dr. Norbert Kriegisch wird auf dieser Website als ausgebildeter Arzt geführt (http://www.krebsrevolution.de/ausgebildete.html).

    Jetzt frage ich mich natürlich:

    Praktiziert Dr. Norbert Kriegisch die „Banerji-Methode“ in seiner Privatpraxis und verdient er somit Geld damit?

    Und falls ja: Wird er dann bei dem Gespräch nach dem Film offenlegen, dass er ein finanzielles Eigeninteresse daran hat, dass die „Banerji-Methode“ positiv dargestellt wird?

  13. @ Mein Name:

    Auf der Seite finden sich solche Sätze:

    „Die Banerji Protokolle haben als einzige auf der Welt sogar vollständige Wiederherstellung von krebszerstörten Organen gezeigt.“

    Da werden auf gemeingefährliche Weise unerfüllbare Hoffnungen geweckt. Und Patienten werden dazu verleitet, es lieber homöopathisch als mit einer wirksamen Therapie zu versuchen: „Es liegt also auf der Hand, dass ein Aufschrei folgen musste, wenn eine nicht schulmedizinische Behandlungsmethode bessere Ergebnisse aufzeigt als die schulmedizinische Therapie“.

    Wo ist die kritische Stellungnahme von Frau Bajic und ihres Verbands dazu?

  14. Geht hin, und diskutiert.
    Besser solche Idioten dürfen Filme machen und zeigen, als dass wir eine von Medizinern geführte Filmaufsicht bekommen.

    Ich würde einen solchen Film, wenn ich ein Kino hätte, wohl nicht zeigen, bevorzuge es aber in einem Land zu leben, in dem solche Filme gezeigt werden können.

    Wenn niemand sie zeigen wollte, fände ich das noch besser, aber nur, wenn sie aus Einsicht nicht gezeigt werden, nicht aus Angst vor gesellschaftlicher Ächtung.

  15. @ user unknown:

    „Besser solche Idioten dürfen Filme machen und zeigen, als dass wir eine von Medizinern geführte Filmaufsicht bekommen.“

    Bitte was? Wie bist Du denn drauf?!?

  16. „Geht hin, und diskutiert.“
    Seh ich auch so. Auch wenn die im Film vorgestellte „Heilmethode“ kompletter Unsinn ist, ist mir persönlich die Freiheit wichtig, solche Werke zu zeigen. Auch wenn wir Skeptiker uns wünschen, es gäbe den Film nicht, der Bedarf nach sogenannten Alternativen wird bleiben.

  17. @langsamdenker/user unknown:

    Ich verstehe es auch nicht so ganz:

    Es geht ja nicht um „Freiheitsbeschränkung“ oder um eine „Medizinerdiktatur“ – wir haben ja keine Klage dagegen eingereicht, einstweilige Verfügung oder sonstwas.

    Es geht ja genau darum, „Einsicht“ zu wecken – die üblicherweise nicht von allein kommt.

    Deshalb muss es doch statthaft sein, die Kinobetreiber über die öffentlichen Kommunikationskanäle auf den Unsinn und die Gefahren dieses/solcher Filme hinzuweisen.

    Mehr machen wir ja nicht. Wenn sie das Ding trotzdem zeigen wollen – dann ist es halt so.

  18. @Bernd
    Das war lediglich eine Zustimmung zum Wert der Meinungsfreiheit im obigen Kommentar. Natürlich sollen und werden wir (bin ja auch „Gwup“) argumentativ dagegen halten. Und der Beitrag im Spiegel zeigt ja, dass es wirkt.

  19. wäre unfassbar toll wenn ihr dort vor ort seid und danach berichtet.

  20. So muss es sein:

    Der „Facharzt für Störfeldsuche“ hat abgesagt, stattdessen sitzt Dr. Norbert Aust auf dem Podium:

    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=2154678774752394&set=p.2154678774752394&type=3&theater

  21. Topp! Ich drücke Norbert Aust die Daumen, denn es würde mich nicht wundern, wenn er sich so einiges Unfreundliches von Fans der Alternativmedizin anhören muss, die sich den Film zu Gemüte führen.

  22. Au, das wird interessant – ich wünsche Dr. Aust ebenfalls viel Glück für den Abend. Lustigerweise hat sich Frau Dane auch schon in die Kommentarspalte des Artikels zu den sog. Banerji-Protokollen auf Beweisaufnahme Homöopathie verirrt – und hat dort nicht gerade durch sonderlich fundierte Argumentation geglänzt. Und hier noch was zum Lachen: http://www.michaela-dane.com/ – danke nochmals an Joseph Kuhn für das Ausbuddeln.

  23. Ich schätze den Blog von Norbert Aust sehr und freue mich, dass er bereit ist, aufzutreten. Wünsche gutes Gelingen!

  24. Aber die Diskussion, die dann folgte, scheint (erwartungsgemäß) noch schlimmer zu sein als der Film.

  25. Oh weh, der Twitterreport ist nur als gruselig zu bezeichnen. Meine Befürchtungen über das „kundige“ Filmpublikum waren noch weit untertrieben, zudem der Kinobetreiber die Pro-Homöopathie-Fraktion gegen die anwesenden Kritiker noch richtig angeheizt zu haben scheint: „Kreuzige ihn!“

    Ich hoffe doch, dass Norbert Aust wohlbehalten aus dem Kino rausgekommen ist und die geballte Ignoranz und Abscheu der Anwesenden gut überstanden hat.

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