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Homöopathie: die Studienlage – noch einmal, weil die Berliner Charité Fake News verbreitet

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Nachdem auch die Berliner Charité Unsinn über angeblich „positive Ergebnisse für die Homöopathie“ verbreitet

…, ist es wohl an der Zeit für eine „Übersicht systematischer Reviews zur Homöopathie / Übernationale Stellungnahmen von Wissenschaftsorganisationen und staatlichen Stellen / Regulatorische Eingriffe zur Homöopathie“:

Die Ergebnisse der Reviews sind durchweg einheitlich: Man erhält auf den ersten Blick den Eindruck, dass es einen gewissen Nutzen geben könnte. Aber bei Einbeziehung der Qualität der Aussagen in die Betrachtung oder bei dem Versuch, konkret festzustellen, für wen sich unter welchen Bedingungen sich ein Nutzen ergibt, verschwindet der positive Eindruck und zeigt sich als Trugschluss. Zusammengefasst: Es gibt keinen belastbaren Nachweis dafür, dass Homöopathie stärker wirkt als Placebo.“

Zum Weiterlesen:

  • Homöopathie international: Die Reviews/die Statements/die Urteile, Keine Ahnung von Garnix am 1. Juli 2018
  • Offizielle Erklärung des INH zur Veröffentlichung der WissHom: „Der aktuelle Stand der Forschung zur Homöopathie“
  • „Studien-Daten“ und die Realitätsverweigerung der Homöopathen vom DZVhÄ, GWUP-Blog am 18. Oktober 2015

 

14 Kommentare

  1. Homöopathen fällt wieder nix anderes ein als Beleidigungen und Lügen:

    https://twitter.com/HahnemannDE/status/1015972740690599936

  2. Einen erfreulich kurzen Überblick über die gesamte Studienlage findet man in der Homöopedia:

    http://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Systematische_Reviews_zur_Homöopathie_-_Übersicht

    Alle bisher acht Systematischen Reviews werden erwähnt und der jeweilige Kernsatz aus ihren Abstracts zitiert. Da steht jeweils quasi immer schon auf der ersten Seite, dass keine hinreichenden Hinweise auf irgendeine Wirksamkeit homöopathischer Präparate gefunden wurden.

    Natürlich gibt es auch positive Studien – so wie es negative gibt. Beim Vergleich von Placebos mit Placebos ist genau das der Erwartungswert: Um die Null-Linie streuende Ergebnisse, wobei die gefundene „Signifikanz“ ( –> http://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Statistische_Signifikanz ) mit der Studienqualität korreliert: Je schlechter diese, desto besser jene.

    Und auch diese Korrelation findet sich in einigen der Abstracts. Das unbekümmerte Heranziehen dieser Reviews, die natürlich(!) auch positive Studien enthalten, seitens der Homöopathen, also von Leuten, deren Einkommen anders als bei uns Skeptikern von ihren Aussagen abhängt, ist m.E., ich kann das nicht anders nennen, angesichts der Faktenlage bewusst irreführend und unlauter und keinesfalls einfach nur schlitzohrig.

  3. Diese Seite der Charité ist weg.

    Ein Student ist aktiv geworden. Die Seite stammte offenbar aus der Vergangenheit und dümpelte so vor sich hin (neueste Quelle war von 2006). Der zuständige Prof hat die Homöopathie auch nicht auf dem Schirm. Anderes krudes Zeug ja, aber die Homöopathie nicht.

  4. „Der zuständige Prof“ ist samt Arbeitsgruppe Anthroposoph reinsten Wassers, man sehe sich nur seine Projekte und vor allem deren Förderer an.

    Alles, was in der Szene Geld für interessengeleitete Forschung zur Beförderung der Anthroposophie gibt, ist da versammelt.

    Eine marginale Seite mit Blödsinn, irgendwo in der Navigation versteckt, oder eine ganze Arbeitsgruppe für Pseudomedizin an einer rennomierten Klinik – was ist eher zu kritisieren?

  5. Globuli für Kinder mit Krebs? Charité distanziert sich von Homöopathie:

    https://medwatch.de/2018/07/10/globuli-fuer-kinder-mit-krebs-charite-distanziert-sich-von-homoeopathie/

  6. „Eine marginale Seite mit Blödsinn, irgendwo in der Navigation versteckt, oder eine ganze Arbeitsgruppe für Pseudomedizin an einer rennomierten Klinik – was ist eher zu kritisieren?“

    Im Post gehts ja nicht darum, was man schwerpunktmäßig kritisieren (angreifen) sollte, sondern darum, endlich mal den immer wieder angeführten Behauptungen entgegenzutreten, es gäbe bestätigende Studienergebnisse.

    Der Verweis auf diese ist das in meinem Umfeld am häufigsten angeführte Argument für die Homöopathie oder zumindest für eine noch offene Erkenntnislage. Da gegenzuhalten, scheitert mit pauschalen Behauptungen, ohne die konkreten Studien zu kennen. Laien können auch nicht die Arbeit leisten, die Ergebnisse mit hinreichendem Überblick zusammenzutragen.

    Sie sind auf die Hilfe, die aufbereitete Zuarbeit von Sachkundigen angewiesen. Hier fehlt tatsächlich der Übergang zu einer verständlichen Darstellung, ohne die Ergebnisse hinter allgemeinen, zusammenfassenden Aussagen unsichtbar zu machen. Es fehlt Konkretheit in der populärwissenschaftlichen Publikation.

    Die lässt sich nicht durch „Vertrauen“ auf Autoritäten ersetzen. Das zieht nämlich nicht beim zweifelnden Gläubigen. Ergebnis ist die Dominanz einer bloßen Pro-Kontra-Positionierung bei der oft beide Seiten sich in der begründungsarmen Affirmation nichts nehmen.

  7. Der Sumpf der Quacksalber würgt mit schöner Regelmäßigkeit Konvolute des Irrsinns hervor, die dann, wie die sprichwörtliche Sau, von einer Horde heilbeflissenen Hausierern durchs Dorf getrieben wird, bevor man die Sau als Paradiesapfel verkleidet, und sich in Stadt und Land aufmacht, eine naive Patientenschaft zu übertölpeln.

    Das ist zwar jedes Mal aufs Neue ärgerlich, jedoch sorgt die meist schon nach kurzer Zeit deutlich werdende Unfähigkeit des Verfahrens, aber auch die oftmals inflationäre Vermehrung der Hausierer dafür, dass das wichtigste Attribut der Sau, nämlich mit ihr, ohne bedeutsamen intellektuellen Aufwand, ´nen schnellen Euro machen zu können, genauso zügig verschwindet, wie einst die Faulgasblase aus dem Quacksalbersumpf aufgestiegen ist.

    Weil wir gerade bei Faulgas sind: Kann sich noch jemand an Reiki erinnern? Reiki war Handauflegen auf fernöstlich – und ein echter Brenner zu Anfang des vergangenen Jahrzehnts, weil man damit angeblich sogar Autos oder kranke Waschmaschinen zu heilen waren.
    Aber spätestens, als die Heidi von Nebenan, im Herbst 2003, ihren Reiki-Meister-Grad in ´nem Kurs in der Katholischen Familienbildungsstätte Lüdenscheid gekauft hatte, ging es den Bach herunter.

    Nicht nur mit Reiki – sondern auch mit Heidis Ehe, weil sie die Familienkasse für die Finanzierung ihres dritten Reiki-Gürtels (oder so ähnlich) geplündert hat – und die Waschmaschine, trotz diverser Heilversuche, weiterhin auf Installation einer neuen Pumpe bestand.

    Heidis Mama bemerkte dazu noch, dass das wohl daran lag, dass der Geist des Herrn üblicherweise dort weht, wo der Herr es haben will. Aber Heidi sei eben wohl nicht der Herr…

    Und dann war auch bald Schluss mit Reiki. Gut, das hätte man kommen sehen können, wenn man denn gewollt hätte: Reiki war nämlich mit dem ganzen anderen Geistheiler-Schmu aus den USA herübergeschwappt, und dort – spätestens, als eine damals 11-jährige Schülerin mit einem äußerst simplen Versuchsaufbau die ganze Touch of healing-Branche zerlegte – dort schon im freien Fall Richtung Quacksalbersumpf.

    Ab und zu kommt es aber vor, dass der innerlich ohnehin längst verrottete Paradiesapfel partout nicht vom Ast fallen will, sich einfach weigert, wieder im Sumpf zu versinken.

    Homöopathie und Anthro-Medizin sind da ein beredtes Bespiel: Wenn im Quacksalbersumpf der Samuel auf den versteinerten Rudi trifft, und, als Folge davon, das Moor des Irrsinns eine Blase erbricht, in der sich, neben den üblichen Zutaten Borniertheit, Ignoranz, Eitelkeit und Selbstgefälligkeit, auch noch die Eloquenz langjährig geübter Schlangenölverkäufer befindet, dann scheint selbst die Resilienz an und für sich gesunder Geister nicht mehr auszureichen.

    Aber auch, wenn man Verständnis für Heidis (die aus Lüdenscheid) Kapitulation vor den gehirnverklebenden Worthülsen der Zuckerzauberer und Mistel-Druiden aufbringt, macht einen die Vulnerabilität einer Organisation die, wie die Charité, doch Resilienz erzeugendes Fachwissen im Übermaß besitzt, zuerst einmal fassungslos – und man fragt sich, wie es passieren konnte, dass Logik und Überprüfbarkeit an einer Universitätsklinik derart unbefangen in die Tonne getreten werden.

    Ich persönlich vermute ja, dass es in erster Linie an dem hochwirksamen Klebstoff liegt, mit dem die als Paradiesapfel verkleidete Sau an ihrem Ast unlöslich festzementiert wurde: Kohle, Penunzen, Pinkepinke – oder, im Universitätsjargon, Drittmittel.

    Insoweit besteht die Verletzlichkeit solcher Institutionen wie der Charité wohl weniger darin, sich von vollpfostigen Ideen narkotisieren zu lassen, sondern vielmehr darin, monetären Verlockungen zu erliegen.

    Die potentielle Korrumpierbarkeit der Universitäten im Zusammenhang mit der Drittmittelakquise ist ja kein ganz unbekanntes Problem – man darf und muss nämlich davon ausgehen, dass nur in den wenigsten Fällen Unternehmen oder Lobbyorganisationen Forschungsarbeiten oder Stiftungsprofessuren aus rein altruistischen Motiven finanzieren. Vielmehr geht es um egoistische Ziele, von denen der erhoffte Imagegewinn als Sponsor im wissenschaftlichen Bereich wohl noch die harmloseste Variante ist.

    Alles andere als harmlos ist allerdings die Variante des Sponsorings, der wir in der Medizin (ausgerechnet) begegnen. Hier geht es nämlich nicht mehr um Finanzierung von Forschungsvorhaben, die ggf. das spezielle Interesse eines Finanziers bedienen, es geht vielmehr darum, der Öffentlichkeit zu suggerieren, dass selbst absurdeste Ideenwelten Gegenstand seriöser Forschung sind – und deshalb eben nicht absurd.

    Das ist Cargo-Cult-Sience in Reinkultur, um den von Richard Feynman verwendeten Begriff mal wieder in Erinnerung zu bringen. Wem Cargo-Cult-Sience nichts sagt: Feynman bezeichnete damit ein (wissenschaftliches) Vorgehen, das zwar formale Kriterien erfüllt, dem es jedoch an jeder wissenschaftlichen Integrität mangelt.

    Die besondere Bösartigkeit dieses Vorgehens besteht nun darin, dass den Vertretern des modernen Cargo-Cults durchaus bewusst ist, dass sie die Erwartungen der Sponsoren mittels seriöser wissenschaftlicher Arbeit nicht erfüllen können.
    Das aber führt dazu, dass Forschungswerkzeuge, insbesondere die mathematische-statistischen, genauso manipuliert werden, wie auch die gewonnenen Daten.

    Cargo-Cult-Science produziert zwangsläufig ausgebuffte Fälscher.

    Dazu kommt noch, dass der Sinn wissenschaftlichen Arbeitens pervertiert wird, weil selbst völlig abwegige Projekte mit der Begründung initiiert werden, dass allein schon die Anwendung wissenschaftlicher Methodik ausreicht, um Forschungsvorhaben zu rechtfertigen.

    Erinnert sei hier an die Exzesse an der Viadrina, speziell an die grotesken Rechtfertigungsversuche Harald Walachs im Zusammenhang mit der Exploration des sogenannten Kozyrev-Spiegels.

    Vergessen sollten wir aber auch nicht den aberwitzigen Versuch Claudia Witts, der abgedrehten Übermutter der Alternaivheilerei, Veronika Carstens, und deren Anhängerschaft, die die Wittsche Professur gesponsert haben, ein ganz besonderes Geschenk zu machen, nämlich Eso-Vronis Lieblingsmittel Okoubaka zu wissenschaftlicher Reputation zu verhelfen.

    Dass das schief ging, ist klar, wäre es sonst Cargo-Cult? Cargo-Cult, mal nicht an der Viadrina, sondern an der Charité.

    Es ist noch ein letzter Aspekt des Elends anzusprechen: Cargo-Cult in der Medizin tritt in der weitaus überwiegen Anzahl der Fälle als sogenannte Bestätigungsforschung auf. Man versucht sich lediglich in der Evaluation begrenzter therapeutischer Effekte, rechnet sich marginale Erfolge mit halbseidenen Statistiken zurecht, und verkauft das Ganze dann als Beleg für die angebliche Solidität eines theoretischen Gebäudes – wobei dieses in der Regel nicht mehr ist, als eine jämmerliche Hütte, gebaut aus einer im Prophetenwahn entstandene bizarre Bilder- und Assoziationswelt.

    Wie sehr dieser Vorwurf berechtigt ist, sieht man am Forschungsobjekt des Professors, Georg Seifert, dessen Arbeitsgruppe sich Viscum album, der weißbeerigen Mistel, widmet.

    Das macht Seifert nicht von ungefähr: Zum einen sind (oder waren) Mistelpräparate für anthroposophische Pharmazeuten das Huhn mit den goldenen Eiern, insoweit besteht schon einmal eine sehr einseitiges wirtschaftliches Interesse. Zum anderen ist ein wesentliches Motiv anthroposophisch kolorierter Forschung, dem anthroposophischen Erkenntnisweg, also der „Geistesforschung“ einen Pfad zu bahnen.

    Was aber „Geistesforschung“ praktisch bedeutet, darüber kann der große Weltenerforscher Steiner am besten selbst Auskunft geben:

    „Die Tatsachen sind durch rein übersinnliche Beobachtungen gewonnen; und es muß sogar gesagt werden, dass der Geistesforscher am besten tut, wenn er sich alle Schlußfolgerungen aus seinen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen peinlich genau entäußert; denn durch solche Schlußfolgerungen wird ihm leicht der unbefangene innere Sinn der Geistesforschung in die Irre geführt.“

    Die therapeutische Verwendung der Mistel basiert, daran soll kein Zweifel aufkommen, genau auf solcher „Geistesforschung“. Die betriebsinternen Überlegungen zur Mistel als Krebsmittel sind dementsprechend. Und auch hier sollte man die Anthroposophen selbst zu Worte kommen lassen, z.B. die bedeutende anthroposophische Ärztin Rita Leroi-von May-Rettich (1913-1988):

    „Die Mistel saugt den Mond-Erdenäther auf, aber dann wendet sie sich mit ausgesprochen lichtsuchender Gebärde dem Umkreis zu und besiegt mit dieser Lichtverbundenheit die Wuchertendenz in sich selber.“
    (Leroi, Der Ätherleib zwischen Kosmos und Erde)

    Dass sich aus solchen Phantastereien, aus den frei flottierenden Analogien der sogenannten Signaturenlehre, ein tragfähiges Heil- und Medikamentenkonzept generiert, wäre reiner Zufall, aber es könnte ja sein, das hier ein blindes Huhn mal ein Körnchen gefunden hätte.

    Dieser Hoffnung ist entgegenzuhalten, dass die Misteltherapie seit etwa 100 Jahren existiert, und umfänglich erforscht wurde, ohne auch nur einen einzigen überzeugenden Wirksamkeitsnachweis erbringen zu können. Ganz im Gegenteil – mittlerweile wird bei einigen Krebsformen dringend von der Misteltherapie abgeraten.

    Das Ergebnis der Explorationen lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: „Das zurückliegende Jahrhundert der Mistel in der Onkologie fiel in Zeiten der therapeutischen Ohnmacht, und diese Zeit neigt sich nun dem Ende zu.“ (Lordick, Misteltherapie bei Krebs Hoffnungsträger oder Auslaufmodell?)

    Insoweit bleibt, auch nachdem die Charité das kompromittierende Elaborat zur Homöopathie entfernt hat, die Frage, welche seriösen Ergebnisse von den Lehrstühlen zu erwarten sind, die sich der sogenannten „Integrativen Medizin“ widmen, solange „integrativ“ vor allem ein Euphemismus dafür ist, den insuffizienten ätiologischen Vorstellungen des Gründervaters der Homöopathie, oder der zusammenfabulierten Erkenntnissen eines möglicherweise geisteskranken Mystikers einen Platz in der wissenschaftlichen Medizin zu verschaffen.

    Die Verantwortungsträger der Charité sollte dringend darüber nachdenken.

  8. Excanwahn:

    Ich hatte bis vor 3 Jahren eine Praxisassistentin, die auch Reiki-Meisterin ist. Der habe ich zur Pensionierung spontan eine kleine Japan-Reise geschenkt, damit sie mal die Kultur hinter dem Reiki kennenlernen und sich vor Ort ein Bild von dieser „Heilkunst“ machen kann.

    Eine Woche nach ihrer Rückkehr hat sie ihre Reiki-Praxis geschlossen. Kommentarlos. Für immer.

  9. @nnF
    So eine Story gab’s doch vor kurzem schon mal, irgend so eine Homöopathin… ;-) Aber auch wenn Deine Ex-Assistentin nicht in die Öffentlichkeit will, wäre ihr Rat bei den Skeptikern doch sicher willkommen?

  10. @ noch´n Flo

    Manchmal sorgt eben erst der harsche Kontakt mit der Realität für ´ne Kehrtwende…

    Wobei ich, in Sachen Reiki, nie so richtig verstanden habe, warum den ganzen Reiki-Meistern die Fußfallen der esoterischen Ökonomie damals nicht aufgefallen sind.

    Der Clou des Verfahrens war doch die Abzocke mit der Einweihung gegen Cash – zu überreichen in die weitoffenen Hände der Reiki-Lehrer und Meister, die als Angehörige mindestens zweier konkurierender Reiki-Vereinigungen behaupten, im Besitzt der reinen Lehre des Reiki-Begründers Dr. Mikao Usui zu sein.

    Reiki war so etwas, wie ein esoterischer Strukturvertrieb: Der Indianer durchläuft – gegen ansteigende Gebühren- verschiedene Initiations-Stufen bei einem Häuptling, und erwirbt (ausschließlich ökonomisch zu verstehen) dabei Reiki-Grade. Die wiederum ermächtigen ihn einerseits, „Reiki zu geben“ also Behandlungen (auch auf Distanz) durchzuführen, andererseits konnte der neue Häuptling, was – zumindest für eine gewisse Zeit – viel lukrativer war, selbst Indianer stufenweise einweihen, natürlich gegen Gebühr.

    In der Hochzeit des Reiki addierten sich Kosten auf Beträge um 25.000 DM für das Durchlaufen sämtlicher Ausbildungsgrade; je nach Reiki-Organisation zwischen drei und sieben.
    Das schaffte Gier, oder, neutraler ausgedrückt, das dringende Bedürfnis, den Return-on-investment zu optimieren, was im Grunde nur den ersten Häuptlingen so richtig gelang.

    Da sich das Reiki-Biotop aus ökonomischer Perspektive recht übersichtlich darstellte, dauerte es auch nicht allzu lange, bis alle Häuptling waren und die Reiki-Grade aufgebraucht. Dann brauchten sie noch kurz, um festzustellen, dass zwar viele Häuptlinge existierten, aber weder Indianer, noch Patienten in ausreichender Zahl vorhanden waren, um jedem Häuptling eine gesicherte Geistheiler-Existenz zu gewährleisten. Systemzusammenbruch. Ende der Geschichte.

    Aber irgendwann macht der Sumpf wieder blubb – und es geht von vorn los.

  11. @ noch´n Flo, Excanwahn,
    >>Kultur hinter dem Reiki<< ??

    Mich würde interessieren, ob es da außer dem Monetären noch andere Aspekte gab, die die Assistentin zu ihrer Umkehr bewogen hat.

  12. Richtig, der Sumpf blubbert, und es entsteigt übelriechendes, giftiges und leichtentzündliches Gas – jetzt auch in meiner sonst sehr geschätzten Zeitschrift für Palliativmedizin: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-0641-8423. Ich habe das Paper im Volltext vorliegen: Nichtssagende Kasuistiken, zuvor Verweise auf methodisch mehr als fragwürdige Studien, die sich allesamt gar nicht auf eine palliativmedizinsiche Situation beziehen.

    Und natürlich ist Michael Frass der Autor – kennt dieser Mann denn gar keine Zurückhaltung mehr? Muß er in einem fremden Fachgebiet wildern?

    Aber natürlich hat die Redaktion der Zeitschrift mitsamt dem Thiemeverlag auch noch Recycling betrieben: Das ganze kommt aus der AHZ von diesem März, und dort eine ganze Ausgabe der Palliation gewidmet, wie im Editorial freudig verkündet wird – natürlich nicht, ohne den Münsteraner Kreis zu schmähen:

    https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-0591-0268

    Was für eine gewaltige Verschwendung an Papier und Arbeitszeit!

  13. @ Dirk A.:

    „>>Kultur hinter dem Reiki<< ??"

    Naja, einfach die japanische. Ihr fehlte einfach jegliches Hintergrundwissen zu dem, was sie da tat.

    "Mich würde interessieren, ob es da außer dem Monetären noch andere Aspekte gab, die die Assistentin zu ihrer Umkehr bewogen hat."

    Ich kenne leider keine richtigen Details. Was ich weiss ist, dass sie gleich am ersten Tag der Reiseleiterin (wir hatten für sie eine Rundreise gebucht) erzählt hat, sie sei Reiki-Meisterin, und diese daraufhin irgendwie die Augen verdreht hat (die Reiseleiterin war eine Deutsche, die schon seit über 20 Jahren in Japan lebt). Und an einem der freien Tage hatte ich für die einen Besuch in einer Reiki-"Klinik" organisiert, damit sie sich das vor Ort mal anschauen kann. Keine Ahnung, was sie da erlebt hat.

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