Unbelegt: medizin-transparent erklärt die Schwachpunkte der Methadon-Studie von Friesen

Das Cochrane Österreich-Projekt medizin-transparent hat sich die Studie von Claudia Friesen, mit der die Ulmer Chemikerin einen Methadon-Hype entfachte, mal genauer angesehen.

Auf wissenschaftliche Fakten können sich solch euphorische Meldungen nicht stützen. Denn bisher ist wissenschaftlich nicht untersucht, ob Methadon tatsächlich die Überlebenschancen von Krebskranken erhöhen kann.

Zwar gibt es positiv klingende Einzelfälle: Eine deutsche Forschungsgruppe hat eine Fallserie an 27 Patientinnen und Patienten veröffentlicht, die an einem Hirntumor erkrankt waren.

Um den Krebs neben ihrer Standardbehandlung wie Chemotherapie oder Bestrahlung zu bekämpfen, bekamen sie zusätzlich Methadon. Bei 22 der so Behandelten hat sich der Hirntumor innerhalb von sechs Monaten zumindest nicht weiter verschlimmert.

Es könnte jedoch sein, dass dies nur die Wirkung der gleichzeitig durchgeführten, herkömmlichen Krebstherapie war und die Behandlung ohne Methadon ebenso erfolgreich gewesen wäre.

Klären ließe sich diese Frage nur durch den Vergleich mit einer Standard-Krebsbehandlung ohne zusätzliches Methadon.”

Auf Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag musste sich jetzt auch die Bundesregierung ausführlich mit dem Thema beschäftigen.

Was durchaus überrascht:

Auf die Frage, inwiefern die Bundesregierung Gelder zur Erforschung von Methadon als Krebsmittel zur Verfügung stellt, schreibt sie, dass dies zurzeit nicht der Fall sei. Doch offenbar haben sich bislang keine Forscher um Unterstützung beworben.

Im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme „Klinische Studien mit hoher Relevanz für die Patientenversorgung“ sei seit 2013 kein Antrag zur Erforschung von Methadon als Krebsmittel gestellt worden, erklärt die Regierung. Die Ausschreibungen des Bundesforschungsministeriums wie auch der Deutschen Forschungsgemeinschaft seien themenoffen, so dass hier auch Gelder zur Untersuchung von Methadon hätten beantragt werden können.

Gefördert werden in dieser Förderinitiative insbesondere solche klinischen Studien, an deren Ergebnissen Unternehmen der Wirtschaft kein unmittelbares wirtschaftliches Interesse haben.”

Von der angeblichen “Pharma-Verschwörung” zur Methadon-Verhinderung, die vor allem das TV-Magazin plusminus mit Gewalt herbeisenden will, bleibt offenkundig immer weniger übrig.

Zum Weiterlesen:

  • Methadon: Wirkung gegen Krebs nicht belegt, medizin-transparent am 31. August 2017
  • Der Methadon-Hype: “Muster einer Verschwörungstheorie”, GWUP-Blog am 25. August 2017
  • „Absurde Gegenwehr“? Plusminus befeuert weiter die große Methadon-Verschwörung, GWUP-Blog am 16. August 2017
  • Methadon: Unterdrückt die Pharmaindustrie ein günstiges, wirksames Krebsmedikament? GWUP-Blog am 20. Juni 2017
  • Methadon, Krebs und das Spiel mit der Hoffnung, Deus ex Machina am 16. August 2017
  • Methadon in der Krebstherapie: Nicht ohne Absprache mit dem Onkologen, aerzteblatt.de am 17. August 2017
  • Methadon: “Falsche Hoffnungen bei Krebs geweckt”, aerztezeitung am 22. August 2017
  • Methadon in der Krebstherapie: Wenige Onkologen berichten über positive Wirkung, aerzteblatt am 22. August 2017
  • Methadon: Ärzte warnen vor unkritischem Einsatz, DAZ.online am 21. August 2017
  • Methadon gegen Krebs? wissenschaft.de am 23. August 2017
  • Zehn Gründe, warum es keine „Krebs-Verschwörung“ gibt, GWUP-Blog am 8. Juli 2015
  • Bundesregierung erhielt bislang keinen Antrag zu Methadon-Forschung, DAZ.online am 29. August 2017

24 Kommentare zu “Unbelegt: medizin-transparent erklärt die Schwachpunkte der Methadon-Studie von Friesen”


  1. 1 Fabs 1. September 2017 um 08:45

    Das geht wohl auf meine Anfrage zurück auf Basis der Online Medienberichterstattung des ORF.

    Da der ungeübte ja durchaus auch Studien übersehen kann.
    Trotz allem wäre ja eine Studie durchaus angebracht.

    Wieso auch nicht? Die Wissenschaft entstand ja aus Vermutungen die sich entsprechend bewahrheiten oder auch nicht.

    Klar ist bis es belegt ist sollte es nicht in die Leitlinien zur Behandlung kommen, aber auch klar ist wenn es die Behauptung (Vermutung) gibt das es wirkt und dadurch ein medialer Hype entsteht werden sich Menschen betrogen fühlen.

    Und wenn man ehrlich ist in einer Zeit wo Ärzte durchaus auch Zuwendungen von der “Pharma Industrie” bekommen ist es durchaus auch wichtig hier eine genaue und gute detaillierte Studie zu veröffentlichen um auch das Arzt Patienten Verhältnis vertrauensvoller zu machen.

    Man sollte nicht vergessen in einen sehr hohen Prozentsatz der Fälle sterben die Menschen am Krebs oder Sie haben zumindestens große Angst davor, dazu kommt die Berichterstattung der Arzt verweigert die Verschreibung von Methadon und die nächste Verschwörungstheorie ist geboren.
    “Mein Arzt wurde bestimmt bestochen von der Pharma Industrie blabla da kann man ja viel mehr Geld machen etc.”

    Um das zu unterbinden sollte eine möglichst unabhängig finanzierte Studie erfolgen.

    Wobei ich sagen muss, bei der Anzahl an Krebskranken und Angehörigen würde sich wahrscheinlich sogar eine Studie durch Spenden finanzieren lassen, was durchaus nicht verkehrt ist.
    Bei dieser Studie sollte absolut kein Verdacht aufkommen das hier irgendwas “verhindert” oder beschönigt oder sonstwas wird von irgendeiner Seite das würde nur weitere Verschwörungstheorien befeuern.

  2. 2 Fabs 1. September 2017 um 08:52

    —-Zitat von DAZ——-

    Aufgrund der Erstattungspreise von 165 Euro bis 4700 Euro der zehn Arzneimittel, für die der Gemeinsame Bundesausschuss zuletzt einen Zusatznutzen im Vergleich zur Standardtherapie festgestellt hat, sei es „aus Sicht der Hersteller und auch mancher Forscher, die am Tropf der Pharmakonzerne hängen, fast schon verständlich, dass Erkenntnisse zu Methadon als Wirkverstärker nicht gesucht werden“, erklärt Vogler. Durch den Einsatz von Methadon, der im Quartal nur einen zweistelligen Betrag kostet, könnten womöglich wiederholte Chemotherapien „für Tausende Euros“ pro Patient eingespart werden, erklärt Vogler – obwohl es hierzu bislang keine belastbaren Daten gibt.

    ————————-

    Und genau das ist der Grund warum ich vorhin meinte ein möglichst freies unbehelligtes Forscher Team sollte hier die Studie machen, unabhängige Personen gerne auch Fr. Friesen selbst dazu.

    Das kommt nämlich dann dabei raus wenn auch nur irgendeiner der an der Studie arbeitenden Menschen in die Nähe von Pharma Industrien gerückt wird.

  3. 3 noch'n Flo 1. September 2017 um 11:42

    @ Fabs:

    “Trotz allem wäre ja eine Studie durchaus angebracht. Wieso auch nicht? Die Wissenschaft entstand ja aus Vermutungen die sich entsprechend bewahrheiten oder auch nicht.”

    Weil es inzwischen immer mehr Hinweise gibt, dass Methadon in der Krebstherapie sogar gefährlich ist.

    “in einer Zeit wo Ärzte durchaus auch Zuwendungen von der “Pharma Industrie” bekommen”

    Bekommen sie die wirklich? Also ich nicht. Wie genau sollen diese Zuwendungen denn aussehen? Oder gründest Du Deine Aussagen nur auf Überlieferungen aus längst vergangenen Zeiten?

    “ein möglichst freies unbehelligtes Forscher Team sollte hier die Studie machen, unabhängige Personen gerne auch Fr. Friesen selbst dazu”

    Ist sie wirklich so unabhängig? Schliesslich hat sie bereits nachweislich gelogen in der Frage um die Patentierbarkeit von Methadon – sie steckt da nämlich selber mit drin.

  4. 4 Ist halt so 1. September 2017 um 15:39

    @Flo:

    “Wie genau sollen diese Zuwendungen denn aussehen?”

    575 Millionen Euro haben Pharmakonzerne in Deutschland im Jahr 2015 an Ärztinnen und Ärzte gezahlt. Das Geld floss für Vortragshonorare, Reisespesen, für Anwendungsbeobachtungen oder als Honorar für die Durchführung von Studien.

    https://correctiv.org/recherchen/euros-fuer-aerzte/artikel/2017/05/29/interesse-am-konflikt/

  5. 5 Bernd Harder 1. September 2017 um 15:42
  6. 6 noch'n Flo 1. September 2017 um 16:38

    Ich bin wohl zu ehrlich, mir zahlt niemand etwas. Obwohl: wenn ich an eine Fortbildung gehe, stehen da auch oft Pharmareferenten mit ihren Ständen im Foyer. Klar, die haben die Veranstaltung gesponsort. Und wenn ich dafür kostenlos oder zumindest kostenreduziert an einer Fortbildung teilnehmen kann, habe ich – zumindest indirekt – auch eine Zuwendung der Farmerindustrie bekommen. (Wie gross wohl der Anteil solcher “Zuwendungen” an den verlinkten Zahlen ist?)

    Das Problem ist nur: praktisch jede Fortbildungsverastaltung hierzulande wird mehr oder weniger stark gesponsort. Und ich unterliege der Fortbildungspflicht. Mir bleibt also gar nichts anderes übrig,ls zu gesponsorten Fortbildungen zu gehen, wenn ich meinen Facharzttitel behalten will.

    Und ja, ich habe schon den einen oder anderen Kugelschreiber oder Notizblock als Geschenk angenommen – das hat allerdings keinerlei Auswirkungen auf mein Verordnungsverhalten (oder glaubt hier jemand ernsthaft, ein Arzt würde für einen Kugelschreiber seine Patienten auf ein neue Medikament umstellen?).

    Und wenn ich mal einen Vortrag auf einer Veranstaltung halte, die von Big Farma gesponsort wird, habe ich natürlich auch mein Vortragshonorar (indirekt) von der Pharmaindustrie bekommen – so what? Ich lasse mir trotzdem nicht sagen, wie mein Vortrag auszusehen hat.

    Die sog. “Anwendungsbeobachtungen” sind eine Schweinerei, das stimmt. Den Rest der sog. “Pharma-Zuwendungen” muss man allerdings ein wenig differenzierter sehen, als das viele tun.

  7. 7 noch'n Flo 1. September 2017 um 16:49

    Nachtrag:

    Was immer noch in den Köpfen vieler Menschen herumspukt, sind teure Urlaubsreisen, auf denen auch ein kleines bisschen Fortbildung stattfindet (als Alibi), die den Ärzten (und meistens auch den Ehepartnern) von der Pharmaindustrie gesponsort werden. Diese Zeiten sind aber schon lange vorbei, sowas ist heutzutage gar nicht mehr denkbar.

  8. 8 Christian Becker 1. September 2017 um 18:13

    Es wurde oben ja indirekt schon gesagt, aber noch mal eindeutig:
    Dass Methadon nicht patentierbar ist und daher für die Industrie uninteressant, ist quatsch[1]. Andererseits ist die Synthese des Wirkstoffs im industriellen Maßstab gut erprobt, verursacht also wenige Kosten.

    [1]Beispiel für alte Moleküle die vor nicht allzulanger Zeit patentiert wurden:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Fumars%C3%A4uredimethylester
    in Tecfidera zur Behandlung der multiplen Sklerose zum Schnäppchenpreis von 1252,44€ für den Monatsbedarf (240 mg Wirkstoff je Kapsel).

    https://de.wikipedia.org/wiki/Diclofenac
    In Schmerzgels, Tabletten, Zäpfchen schon seit Jahren eingesetzt. Als Gel bei aktinischer Keratose zu einem deutlich höheren Preis von ca. 65€.

  9. 9 Sinapis 1. September 2017 um 23:06

    Dass Methadon nicht patentierbar ist und daher für die Industrie uninteressant, ist quatsch[1].

    Selbst wenn, Mal ganz dumm gefragt:

    Gibt es nicht einen Haufen Medikamente auf dem Markt, die auf patentfreien Substanzen basieren und trotzdem lukrativ sind?

    Acetylsalicylsäure scheint ja auch noch vermarktet zu werden….

  10. 10 Christian Becker 2. September 2017 um 09:24

    @Sinapis
    Diese Medikamente werden in der Tat noch vermarktet, aber eben nicht mit einer neuen Indikation (außer vor einigen Jahren mal zur Schlaganfallprophylaxe… was dann auch erst einmal nur Bayer durfte und sich die 100 mg ASS hat teuer bezahlen lassen (im Vergleich mit z.B. ASS gegen Kopfschmerzen) – Packung Aspirin 100mg ca. 12€, Generikum < 4€.

    Für Methadon als Chemotherapieverstärker wären allerdings umfangreiche (teure) klinische Studien nötig. Sowas will der Hersteller dann über den Preis während der Patentlaufzeit wieder reinholen.

    Daneben wird Methadon natürlich auch noch vertrieben – vielleicht machen es nicht viele Hersteller, weil es sich nicht so sehr lohnt… gerade die, die es aber tun (und ebenfalls Teil der Pharmaindustrie sind), sollten auch ein Interesse daran haben, dass Methadon verstärkt eingesetzt wird.

    Woran sich wieder zeigt, dass "Die Pharmaindustrie unterdrückt das!" eben nichts ist als ein blinder Angriff auf einen Industriezweig, der natürlich nicht blütenrein ist, aber im Großen und Ganzen doch daran interessiert ist, wirksame Medikamente auf den Markt zu bringen… aber eben auch, Geld zu verdienen.

    Was ja noch dazu kommt ist, dass Methadon nie als alleinige Therapie eingesetzt werden sollte, sondern als Zusatz zu bestehenden Chemotherapien; die Hersteller dieser Medikamente hätten also auch nicht unbedingt einen Verlust… auf lange Sicht vielleicht sogar mehr Gewinn, denn wer länger lebt braucht früher oder später wieder andere Medikamente.

  11. 11 borstel 2. September 2017 um 12:24

    Danke @Christian Becker für die konkreten Beispiele!

    Das mit dem Diclofenac ist am eindrücklichsten, weil ein jeder sich unter Voltarengel etwas vorstellen kann (ich habe bislang immer nur Imatinib im Kopf gehabt, und da ist es etwas schwierig, dem Laien zu erklären, was CML und GIST sind).

    Über die Bundestagsfraktion der Linken hatte ich ja auch schon den Kopf geschüttelt, aber die Aussagen der Obfrau Vogler in der DAZ, die zwar ein abgebrochenes Studium der Soziologie, Geschichte und (latürnich!!) Politologie aufweisen kann, aber sonst keine fachliche Ahnung von nichts hat – woher auch?

    “Durch den Einsatz von Methadon, der im Quartal nur einen zweistelligen Betrag kostet, könnten womöglich wiederholte Chemotherapien „für Tausende Euros“ pro Patient eingespart werden, erklärt Vogler – obwohl es hierzu bislang keine belastbaren Daten gibt.”

    Wie stellt sie sich das denn bitte vor? Daß wir durch den Einsatz von Methadon die Dosis der Chemotherapuetika reduzieren und damit eine Einsparung der Kosten erzielen könnten?

    Bernd Harder hat recht: In dieser Bundestagsfraktion (und womöglich auch in der ein oder andren?) ist noch nicht einmal Sachverstand vorhanden, sich vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages, einem Krebszentrum oder einer Fachgesellschaft beraten zu lassen.

  12. 12 Christian Becker 3. September 2017 um 16:22

    @borstel
    Bitte.

    “Bernd Harder hat recht: In dieser Bundestagsfraktion (und womöglich auch in der ein oder andren?) ist noch nicht einmal Sachverstand vorhanden, sich vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages, einem Krebszentrum oder einer Fachgesellschaft beraten zu lassen.”

    Nun, wenn man den wissenschaftlichen Dienst fragte, dann müsste man die vermutlich unpopuläre und wenig sensationelle wissenschaftliche Einschätzung wiedergeben, dass eben am Methadon vermutlich nichts dran ist, dass auch keine Pharmamafia dahinter steckt und weitere Studien nötig seien… die vielleicht angedacht, aber offenbar ja immer noch nicht angemeldet sind.

    Wer will denn sowas verkünden, kurz vor der Wahl. Da gewinnt man doch keine Blumentopf mit.

  13. 13 Fabs 4. September 2017 um 08:58

    @floh

    ich will hier auch gar nicht Ärzte pauschal verurteilen aber es gibt eben solche und solche.
    Und es ist immer wieder ein Argument und das es diese Fälle gibt das weiß man und früher oder später stolpert man im Fernsehen über solch einen Beitrag.

    Was nicht heißt das alle Ärzte sich noch bisschen Taschengeld von der Pharmaindustrie zustecken lassen…

    Auch die gesponserten Fortbildungen sollten ein Ende haben aus meiner Sicht.

    Der Staat sollte es den Ärzten sponsern – JA aber nicht ein pharmazeutisches Unternehmen.

    Aber wie auch immer das war nicht das Thema.

    Ich vorverurteile keinen Arzt aber mehr Transparenz als auch werbefreie Ordinationsräume wären fänd ich schon ganz gut.

  14. 14 noch'n Flo 4. September 2017 um 12:39

    @ Fabs:

    “Auch die gesponserten Fortbildungen sollten ein Ende haben aus meiner Sicht.

    Der Staat sollte es den Ärzten sponsern – JA aber nicht ein pharmazeutisches Unternehmen.”

    Wenn Du dem Staat noch sagst, woher er das Geld dafür nehmen soll? Der ist doch froh, wenn er mal kein Geld ausgeben muss.

    Ich wähle meine Fortbildungennach Themen aus, wer dann in welcher Grössenordnung sponsort, ist mir Latte.

    “Ich vorverurteile keinen Arzt aber mehr Transparenz als auch werbefreie Ordinationsräume wären fänd ich schon ganz gut.”

    Hmmm, dann sollte ich wohl mal dringend das “Susannchen”-Plakat vom “Informationsnetzwerk Homöopathie” aus meiner Praxis entfernen. Und die Flyer vom gemeinnützigen Kinderhütedienst für alleinerziehende Eltern (wenn diese mal ins Spital müssen), vom Suchthilfe-Telefon, von der Selbsthilfegruppe für die Angehörigen Demenzkranker, vom psychiatrischen Pflegedienst, von der Lungenliga und gaaanz besonders die Spenden-Sammeldose vom im Dorf geplanten integrativen Kinderspielplatz.

  15. 15 Fabs 4. September 2017 um 14:46

    @floh
    jo man kann jetzt auch jedes Wort und jeden Satz auf die Goldwaage legen bzw. einen das Wort im Mund (oder auf der Tastatur umdrehen)

    Ich denke Sie wissen genau wie ich werbefreie Ordinationsräume gemeint habe.
    Nichts spricht gegen Aufklärung über Homöopathie oder Selbsthilfegruppen oder Spenden etc…

    Es ist ein Unterschied ob man in eine Ordination geht und – Werbeflyer gezielt für Medikamente an jeder Ecke in der Ordination liegen oder ob Aufklärung betrieben wird bzw. gutes getan wird.

    Wenn man will kann man jetzt auch hier irgendwo etwas kritisches rauspicken das Ihnen da jetzt nicht in den Kram passt.

    Fakt ist ein Arzt sollte unabhängig sein und keinerlei Zuwendung erhalten um die Objektivität zu wahren.

    http://derstandard.at/2000034938360/Wie-Geld-Mediziner-beeinflusst

  16. 16 noch'n Flo 4. September 2017 um 16:41

    @ Fabs:

    Okay, was ist mit einer Schautafel für irgendein Organ(system), auf der rechts unten klein der Name eines Medikaments oder einer Pharmafirma zu finden ist?

  17. 17 noch'n Flo 4. September 2017 um 16:49

    nochmal @ Fabs:

    Zu dem von Dir verlinkten Artikel: wenn schon die Ärzte sich nicht mehr zum Essen einladen lassen dürfen, dann auch bitte ein Verbot für Geschäftsessen im Allgemeinen (und zwar weltweit!), denn diese dienen ja auch praktisch ausschliesslich Werbezwecken. Und irgendjemand wird daraus schon einen Nachteil haben.

    Im Übrigen war ich an den meisten Spitälern immer schon nach kurzer Zeit verschrien und bekam kaum Besuche von Pharmareferenten, weil ich es immer wieder geschafft habe, durch gezieltes Nachfragen diese ins Schwitzen zu bringen.

    So mancher ist da schon heulend aus dem Gespräch mit mir gelaufen. Ist in der Praxis auch schon des Öfteren passiert. Einmal sogar mit einer Nachwuchsreferentin, die von ihrem Supervisor begleitet wurde (und der mich bein Rausgehen sehr wütend angeschaut hat, was ich mir erlauben würde, die Wissensdefizite seiner Schülerin so gnadenlos aufzudecken).

    Pharmareferenten empfange ich heute nur noch, wenn sie etwas Neues zu präsentieren haben – entweder ein neues Präparat, oder eine neue Zulassung für einen bekannten Wirkstoff.

    Alle anderen können gerne draussen bleiben, ich muss mir nicht alle 6 Monate denselben Schmonsens anhören.

  18. 18 Bernd Harder 4. September 2017 um 16:53

    @Noch’n Flo/Fabs:

    Ich hatte mal eine ehemalige Pharmareferentin (promovierte Biologin) als Kollegin, die ähnliche Geschichten erzählt hat:

    Von Ärzten, die “alles” auf Pharmakosten wollen bis hin zu Praxen, wo sie nie einen Termin bekam.

  19. 19 borstel 4. September 2017 um 17:14

    @ Christian Becker: Hüstel, ich vergaß, daß das Wahlvieh gut verar… ich meine natürlich: der mündige Bürger auch über kontroverse Themen objektiv informiert werden soll – danke, liebe Linke, dafür, danke!

    @Noch’n Flo, Fabs u. Bernd Harder: Studien zum Thema der Beeinflußbarkeit des Verschreibungsverhaltens auch durch kleine Gesschenke sind ja nichts neues (wobei sie im deutschen Raum witzigerweise von MEZIS initiiert worden sind – und ob diese Mädels und Jungens wirklich so unvoreingenommen geblieben wären, falls beim Ergebnis etwas anderes rausgekommen wäre, ist mal eine spannende Frage – sei es drum…).

    Tatsache ist, daß auch gemeinnützige Organisationen handfeste ideologische UND monetäre Interessen haben können (wenn auch nicht unbedingt kommerzielle). Andererseits ist fast jede Veranstaltung meines Fachgebietes gesponsort.

    Wäre es nicht so, dann würden die Kosten wohl durch die Decke schießen. Ich sehe jetzt schon, wie schweineteuer (im Verhältnis zu den Preisen, die die Ärzte zahlen müssen) bestimmte Kongressse für das nichtärztliche Personal sind.

    Solange ich aber bei den Veranstaltungen die Aufsteller, Satellitensymposien und Fressalienstände der Pharmahersteller elegant umkurven kann, sehe ich darin aber kein Problem, wenn ordentlich gesponsort wird.

    Wichtig ist vor allem, daß sichergestellt ist, daß die Sponsoren keinen Einfluß auf die Tagungsbeiträge nehmen dürfen.

  20. 20 Fabs 5. September 2017 um 08:39

    Joah die Diskussion fällt halt irgendwie in die falsche Richtung…

    Mir ist egal ob auf einen Anatomie Poster rechts unten klein der Name einer Pharmafirma gedruckt ist.

    Mir gehts da eher um gezielte Werbung für zB PPI´s etc.
    Mir wäre es auch egal wenn ein Impfaufklärungsplan da liegt, wo die wirklich essentiellen Impfungen dargestellt werden und warum sie essentiell sind. Sie sollten halt unabhängig und genau sein.

    Um was es im Thema Methadon – “Pharma-Industrie” und Ärzte mir eigentlich geht.
    Wie Floh gemeint hat gibt es Hinweise das der Einsatz als Zusatz zu einer Chemo nicht ungefährlich ist.

    Nun ist es aber so das die Pro Methadon Seite argumentiert das “Big Pharma” kein Interesse hat weils keine Goldgrube ist.
    Dann gibts auch noch den ein oder anderen Arzt der das bereitwillig verschreibt.
    Nun gibts aber die Mehrzahl der Ärzte die es nicht verschreibt.
    Wie lange wirds dauern bis die Verschwörungstheorie aufkommt das es einen Zusammenhang zwischen der Abneigung der Ärzte und “Big Pharma” gibt.
    Man muss sich halt vorstellen das man als Krebs Patient den Tod vor Augen hat und dann gibts da den kleinen Hoffnungsschimmer im Fernsehen, natürlich ist es niederschmetternd wenn der Arzt es nicht verschreibt.
    Den Todkranken interessiert es meistens nicht das es wissenschaftlich nicht belegt ist etc. er will nur überleben.
    Hier wird viel Aufklärung auf die Ärzte zukommen, warum man dagegen ist und dann muss man mal das Gehör finden bei einen Krebskranken.

    Daher find ich das eine unabhängige Studie hier sinnvoll wäre die dann hoffentlich im TV auch so breit getreten wird.

    @Floh die Geschichte mit den Pharma Referenten find ich lustig.

    Eine Lösung um ein bisschen Unabhängigkeit zu wahren wäre ja ein freiwilliger Geld-Fortbildungspool für alle Ärzte wo kein Arzt weiß von welchem Unternehmen jetzt eigentlich die Kohle kommt.
    Und sponsern dürfen auf den Veranstaltungen dann halt alle mit Ihren Ständern Flyern und Kugelschreibern.

  21. 21 noch'n Flo 5. September 2017 um 11:53

    @ Fabs:

    “Mir gehts da eher um gezielte Werbung für zB PPI´s etc.”

    Gibt es die? Im Sprechzimmer?

    “Wie lange wirds dauern bis die Verschwörungstheorie aufkommt das es einen Zusammenhang zwischen der Abneigung der Ärzte und “Big Pharma” gibt.”

    Gibt es doch schon längst – genau damit ging die Diskussion doch los, der TV-Beitrag von “plusminus”.

    “die Geschichte mit den Pharma Referenten find ich lustig”

    Naja, wenn ich mir schon Zeit für so ein Werbegespräch nehme, kann ich doch wohl erwarten, dass die nicht nur ein Standardprogramm abspulen, sondern sich auch ein bisschen Mühe geben. Dazu gehört auch eine gute Vorbereitung. Wer das nicht leisten kann, ist selber schuld, wenn ich ihn auseinandernehme.

    “Und sponsern dürfen auf den Veranstaltungen dann halt alle mit Ihren Ständern Flyern und Kugelschreibern.”

    Auf den grösseren Kongressen ist das sowieso schon lange so.

  22. 22 Bernd Harder 5. September 2017 um 15:35

    Die Schweizer TV-Leute machen es besser:

    “«Puls» beleuchtet die Tücken der Medizinberichterstattung und ihre Folgen.”

    http://www.srf.ch/sendungen/puls/methadon-gegen-krebs-augennotfall

  23. 23 crazyfrog 14. September 2017 um 13:43

    “Methadon gilt vielen Krebspatienten plötzlich als letzte Hoffnung. Warum aber warnen Onkologen vehement? Fragen an Jutta Hübner, Professorin an der Uniklinik Jena.”

    http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/methadon-streit-sie-haben-lebenszeit-zu-verlieren-ganz-einfach-1.3664686

  24. 24 crazyfrog 17. September 2017 um 22:31

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