Misteltherapie: Auch in Österreich geht Populismus vor wissenschaftliche Evidenz

Auf Initiative der Grünen fordert der Kärntner Landtag die Landesregierung dazu auf, Krebspatienten auch weiterhin eine Misteltherapie zu bezahlen.

Zum 1. März waren die Kosten für Mistelpräparate aus dem Erstattungskodex der Kärnter Gebietskrankenkasse gestrichen worden. Die Klubobfrau der Grünen im Kärntner Landtag erklärte daraufhin, “viele anerkannte OnkologInnen und viele KrebspatientInnen [seien] davon überzeugt, dass die Misteltherapie ein wesentlicher Bestandteil der Komplementärmedizin der Onkologie ist.”

medt

Tatsächlich sind die Effekte der Misteltherapie jedoch “unklar”, heißt es auf der Cochrane-Webseite medizin-transparent:

Die Qualität der vorhandenen Studien ist zu gering, um die Wirksamkeit der Misteltherapie zu belegen. Zudem besteht der vorsichtige Verdacht, dass manche Mistelpräparate das Tumorwachstum sogar anregen könnten […]

Die Misteltherapie ist im deutschsprachigen Raum das am meisten verschriebene Mittel der Alternativ- bzw. Komplementärmedizin bei Krebs, obwohl sie in den deutschen Leitlinien zur wissenschaftlich fundierten Krebsbehandlung nicht empfohlen bzw. sogar davon abgeraten wird.”

steffens

Bei allem Verständnis für die Hoffnungen und Wünsche krebskranker Patienten: Der Vorstoß der Kärntner Grünen zeugt von ähnlich evidenzlosem Populismus wie die Aussage der NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens gestern beim Netzwerk Recherche in Hamburg.

Zum Weiterlesen:

  • Misteltherapie bei Krebs fragwürdig, medizin-transparent am 8. Juni 2017
  • Mistel und Ginkgo in der Krebstherapie? GWUP-Blog am 13. Mai 2011
  • Krebsforscher: “Finger weg von komplementären Verfahren”, GWUP-Blog am 7. Januar 2015
  • Krebszellen beibringen, sich selbst zu töten, Zeit-Wissen am 16. März 2017
  • Krebs: Gefährliche Online-Lügen, GWUP-Blog am 10. April 2017
  • Misteltherapie gegen Krebs, Krebsinformationsdienst am 8. Februar 2016

2 Kommentare zu “Misteltherapie: Auch in Österreich geht Populismus vor wissenschaftliche Evidenz”


  1. 1 Werner 11. Juni 2017 um 15:52

    Haben nicht die Grünen besonders prominent für den “March for science” geworben und führen sie nicht besonders häufig das Wort “postfaktisch” im Mund, wenns um andere Meinungen geht.

    Da sie glauben, beim Klimawandel mit der Wissenschaft zu gehen, werden die übrigen Wissenschaften als gefährlich oder überflüssig betrachtet, wenn sie nicht ins ideologische Bild passen (z.B. Gentechnik, Kernnenergie, Pharmatechnik) und durch Pseudowissenschaften ersetzt.

    Die Grünen sind für mich die postfaktische Partei par excellence, rein ideologiegesteuert und mit einem religiös anmutenden Missionierungs-/Erziehungsauftrag.

  2. 2 Cliff 21. Juni 2017 um 09:04

Kommentieren




Archiv