Enthüllungsreportage: „Gefährliche Heiler“ im Stern

23 Jahre ist es her, da Dr. Krista Federspiel vom GWUP-Wissenschaftsrat incognito “Wunderheiler und Krankbeter“ besuchte und darüber im Stern berichtete.

Eine aktualisierte Version ihres Artikels gibt es hier.

Nahezu ein Vierteljahrhundert später hat diese Problematik nichts von ihrer Brisanz verloren.

Scharlatane und Quacksalber treiben nach wie vor unbehelligt ihr Unwesen – das belegt wiederum der Stern mit einer neuerlichen Reportage zum Thema

Im Dschungel der Wunderheiler”

Die Titelgeschichte von Stern-Redakteur Dr. med. Bernhard Albrecht erscheint morgen in Nr. 28/2014.

Ein Vorab-Auszug findet sich auf der Webseite des Magazins:

Was raten Alternativmediziner Krebs-Patienten, deren Krankheit durch eine einfache Operation heilbar wäre? Der stern hat 20 Heilpraktiker und Ärzte besucht – mit erschütterndem Ergebnis.

Für diese Stern-Geschichte arbeitete Albrecht mit einer Schauspielerin zusammen, die vorgab, Brustkrebs zu haben.

Vor zwei Jahren hatte Albrecht im Spiegel über eine echte Brustkrebs-Patientin und deren Odyssee geschrieben, “von einem Kurpfuscher zum anderen”.

Zum Weiterlesen:

  • Im Dschungel der Wunderheiler, Stern Nr. 28/2014
  • Was an der angeblichen Wunderheilung dran ist, Stern-Online am 2. Juli 2014
  • Sanfte Alternative, Kritisch gedacht am 25. Dezember 2007
  • Dschungel der Wunderheiler, Spiegel-Online am 27. Februar 2012

35 Kommentare zu “Enthüllungsreportage: „Gefährliche Heiler“ im Stern”


  1. 1 rambaldi 3. Juli 2014 um 15:27

    Ich wünschte ich hätte etwas Zuversicht, daß das auch mal die zuständige Ärztekammer aufweckt…

  2. 2 Beobachter 3. Juli 2014 um 18:14

    Mich wundert nichts mehr …
    Es ist furchtbar.

    “Wunderheiler” gibt es nicht nur unter “alternativen” Ärzten und Heilpraktikern – sondern es gibt auch “Gesundheitspraktiker”.
    Eine Tätigkeitsbezeichnung, die von der DGAM (Deutsche Gesellschaft für Alternative Medizin) e. V. vergeben wird:
    http://www.dgam.de/index.php/dgam/satzung
    http://www.dgam.de/index.php/berufsverband-gesundheitspraxis

    Diese “Gesundheitspraktikerinnen” betreiben z. B. “Energiezentren”, in denen “Matrix-Quantenheilungs”-Seminare angeboten werden, wo man mal eben zum “Matrix-Praktiker” “ausgebildet” wird.
    Lockangebote sind morgendliche “Engel-Partys” – das ist KEIN Witz:
    http://www.steingefluester.com/pages/matrix-seminare.php
    http://www.endless-fantasy.de/events/bruchsal/engel-am-morgen-26-06-2014/UDKamzSzufuumzrp/

    Zeitgleich mit dieser spirituellen “Engel-Chanelling”-Werbemasche findet im örtlichen großen städtischen Bürgerzentrum ein “Festival der Lebensfreude” statt – eine reine Werbeveranstaltung der Esoterik-/Para-Pseudo-“Medizin”-Branche.
    Von “Matrix/Quantenheilung” über “Schamanismus” und “Geistheilung” wird alles geboten, was der Glaube begehrt:
    http://www.gemeinsam-sein.eu/festival-der-lebensfreude/
    (siehe “Ausstellerliste”!)

    Das Ganze ist mehr als eine Provinz-Posse; es beschreibt eine allgemeine Entwicklung in unserem “Gesundheitswesen”.
    Am erschreckendsten und verwerflichsten finde ich die Tatsache, dass auch studierte Mediziner auf diesen “Alternativ”-Zug mit aufspringen und man als uninformierter, hilfesuchender, gutgläubiger Patient Schaden erleidet.
    Im Extremfall kann es das Leben kosten.

    Und das alles unter den Augen von Ärztekammern, Behörden und Gerichten!

  3. 3 Julius Straßheim 3. Juli 2014 um 22:27

    Heute hätte ich mir aufgrund des Beitrages hier ja fast den aktuellen Stern gekauft.
    Aber dann habe ich in der kostenlosen Vorschau das Vorwort der Ausgabe gelesen. dort wird trotz der Recherchen auf die großen Erfolge der Alternativmedizin hingewiesen. Weiterhin steht dort das diese Methoden besonders bei chronischen Erkrankungen und – Krebs im Endstadium – (!) hilfreich sein können.

    Das mag ein Versuch sein die Kritik im Vorfeld abzuflachen, vor allem aber negiert es doch jeden Fortschritt denn ein solcher Artikel in so einem Massenmedium darstellen könnte.

  4. 4 Beobachter 4. Juli 2014 um 06:57

    Außerdem frage ich mich, was da los ist, wenn selbst so unsägliche, spektakuläre Großveranstaltungen wie kürzlich der “Spirit of Health” Kongress in Hannover (“Wundermittel” MMS, Schwarze Salbe !) und “Europäische Geistheilungstage” (“Wunderheiler” Joao de Deus !) in Salzburg in Räumlichkeiten/Hallen/Kongresszentren städtischer bzw. staatlicher Unternehmen stattfinden können/dürfen !

    http://spiritofhealth2014.org/
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hannover_Congress_Centrum
    http://www.hcc.de/de/impressum-datenschutz/

    http://www.salzburgarena.at/veranstaltungsdetails/events/id-7-europaeische-geistheilungstage-mit-medium-joao-de-deus.html
    http://www.salzburgarena.at/aufsichtsrat-sa.html

    Offensichtlich ist es selbst diesen Unternehmen völlig gleichgültig, an wen und zu welchen Zwecken sie ihre Räumlichkeiten vermieten.
    Es stehen auch da wirtschaftliche Interessen im Vordergrund:
    “Schwarze Zahlen schreiben” – um jeden Preis ?! :

    http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Haefen-und-HCC-schreiben-schwarze-Zahlen
    Zitate (Auszüge):
    “Geld für die Stadtkasse
    Häfen und HCC schreiben schwarze Zahlen
    Sowohl die städtischen Häfen als auch das Hannover Congress Centrum (HCC) haben das vergangene Geschäftsjahr mit positiven Zahlen abgeschlossen. Der Kämmerer darf sich über insgesamt knapp 1,5 Millionen Euro für die Stadtkasse freuen. … ”
    ” … Beim HCC beträgt der Gewinn 160 000 Euro. … ”

    ES GEHT IMMER UND ÜBERALL NUR UM`S GELD …

    Man könnte sich ganz zynisch fragen: Worin besteht der große und grundlegende Unterschied zwischen Jim Humble und der Stadt Hannover ?!

    M. E. hat diese ganze Entwicklung im “Gesundheitswesen” eine politische Dimension.

  5. 5 Hans-Werner Bertelsen 4. Juli 2014 um 07:56

    @Beobachter

    Daher meine Forderung, zusammen mit “mutigen Juristen” für eine Reglementierung der Fortbildungen an Kammern und Zahnärztekammern zu sorgen.

    Jetzt die gute Nachricht: Ja! Es gibt sie.

  6. 6 Pierre Castell 4. Juli 2014 um 09:53

    @ Julius Straßheim
    “…dort wird trotz der Recherchen auf die großen Erfolge der Alternativmedizin hingewiesen. Weiterhin steht dort das diese Methoden besonders bei chronischen Erkrankungen und – Krebs im Endstadium – (!) hilfreich sein können.”

    DANKE FÜR DIESEN HINWEIS!

    Werde mir alleine schon wegen dieser Aussagen NICHT den Stern kaufen.

    Wie schlimm, und Millionen (?) Menschen werden diesen Mist lesen.

    Bin mal gespannt, ob nächsten Mittwoch bei STERN TV was darüber berichtet wird. Aber glaube ich kaum, denn eigentlich werden solche Berichte (die dann ja auch den Verkauf ankurbeln sollen) vor oder während des Erscheinens der Zeitschrift gesendet. Oder war vorgestern schon was darüber in der Sendung zu sehen?

  7. 7 Beobachter 4. Juli 2014 um 11:11

    @ Julius Straßheim
    @ Pierre Castell

    Ich habe mir den Stern gekauft; das verharmlosende und recht ignorante Vorwort ist mir auch aufgefallen.

    Es bügelt von vornherein glatt, wo es nichts glatt zu bügeln gibt.

    Dennoch denke ich, dass der Artikel die meisten Leser zumindest etwas aufschreckt und sowas wie Problembewusstsein bei ihnen weckt.

    Viele Patienten erstarren immer noch vor Ehrfurcht, wenn sie einen weißen Kittel sehen und trauen sich nicht, Fragen zu stellen.

    Und man muss ja schon froh sein, wenn ein großes, etabliertes Blatt das Thema mal kritisch aufgreift – wenn man bedenkt, was sonst so verzapft wird …

    Wie kürzlich der “Strahlen-Fahnder”-Artikel zu E-Smog und Co. in der Süddeutschen Zeitung …

    @ Hans-Werner Bertelsen

    Das wäre zu wünschen und ist sicherlich notwendig und überfällig.

    Werden sich aber nicht eine Menge Kollegen dagegen wehren, weil sie durch diese Reglementierung ihre Pfründe schwinden sehen?

    Zumal die Ärztekammern ja (Landes-)Standesvertretungen sind; und da wird man sich doch nicht den eigenen Ast ansägen wollen, auf dem man sitzt – mal salopp ausgedrückt.

    Bitte berichtigen Sie mich, wenn ich mit meinem Eindruck daneben liegen sollte.

  8. 8 Pierre Castell 4. Juli 2014 um 11:26

    @ Beobachter
    “Weiterhin steht dort das diese Methoden besonders bei chronischen Erkrankungen und – Krebs im Endstadium – (!) hilfreich sein können.” (Zitat Julius Straßheim)

    Entweder bin ich nicht auf dem aktuellen Stand bzw. nicht genügend informiert, oder es läuft was falsch.

    Ist denn das wirklich kritisch?

    Oder hat Herr Straßheim den Artikel falsch verstanden?

    Sicher, jede ach so kleinste Kritik in solchen Blättern sind kleine Schritte, die wir brauchen. Wenn aber andernseites einiges beschönigt wird…..naja….

  9. 9 Beobachter 4. Juli 2014 um 11:53

    @ Pierre Castell:

    Ich habe nicht behauptet, dass ich mit allen Punkten in diesem Artikel durchgehend und 100%-ig einverstanden bin.
    Vermutlich ist man das mit keinem Text, den man nicht selber geschrieben hat – und selbst dann noch fällt einem als Autor bestimmt nach Drucklegung ein, dass man etwas besser oder anders hätte formulieren sollen oder etwas vergessen hat.

    Na ja, wie dem auch sei: Lesen Sie den Artikel und das Vorwort doch am besten selbst und bilden Sie sich eine Meinung.

  10. 10 p0etwarri0r 4. Juli 2014 um 12:05

    Gut beobachtet:

    Dennoch denke ich, dass der Artikel die meisten Leser zumindest etwas aufschreckt und sowas wie Problembewusstsein bei ihnen weckt.

    Ja. Viele skeptische Aktivisten übersehen in ihren Kommunikaten zu häufig, dass der Wurm ja dem Fisch schmecken muss, nicht dem Angler. Kaum ein Skeptiker braucht den 1000. Beitrag zur Quatschheit der Homöopathie; das weiß er schon.

    Die relevante Zielgruppe sind die Undifferenzierten, denn hier kann tatsächlich noch eine Einstellungsänderung erzielt werden. Wer auf diese Leute aber die Anti-Eso-Keule schwingend zustürmt, rennt gegen die Abwehr.

    Der Königsweg führt m.E. von hinten durch die Brust ins Auge … (;

  11. 11 Pierre Castell 4. Juli 2014 um 12:42

    @ Beobachter
    “Ich habe nicht behauptet!”

    Das habe ich auch mit keiner Silbe angedeutet.

    Ist da heute wieder jemand etwas “empfindlich”?

  12. 12 Abe 4. Juli 2014 um 13:17

    “Ja. Viele skeptische Aktivisten übersehen in ihren Kommunikaten zu häufig, dass der Wurm ja dem Fisch schmecken muss, nicht dem Angler.”

    Bei solch instrumentellem Verständnis von Aufklärung ist mir ja die naive Variante der GWUP noch lieber.

  13. 13 Beobachter 5. Juli 2014 um 06:51

    Gestern habe ich einem guten Freund, selbst schwer (herz)krank, den aktuellen STERN mit dem Aufreißer-Bild/-Titel “Gefährliche Heiler” etc. unter die Nase gehalten – kommentarlos.

    Er meinte, “das wundere ihn gar nicht, so wie man beim Arzt abgefertigt und durchgeschleust wird, treibt man ja kranke Menschen in die Hände dieser Leute. Und dort würden sie erst recht und doppelt abgezockt und mit was Sanftem, aber Falschem, behandelt. Und im Krankenhaus in der Notaufnahme würde man höchstens dafür sorgen, dass man nicht abnippelt; und am Wochenende würde man dort nicht mal richtig untersucht, weil man mit Ärzten unterbesetzt ist.”

    Besser und treffender kann man`s nicht sagen und beschreiben.

    Ich bin davon überzeugt, dass “Alternativ-Behandler” wesentlich geringere Chancen hätten, ihr Unwesen zu treiben, wenn unsere “Apparate-Schulmedizin” nicht so viele (behebbare !) Mängel aufweisen würde.

    Schwerkranken darf man solche Artikel gar nicht zeigen, denn sonst gehen sie überhaupt nicht mehr zum Arzt – weil sie komplett die Schnauze voll haben …

  14. 14 Philippe Leick 5. Juli 2014 um 09:21

    Weder im Artikel noch im Editorial wird etwas beschönigt.

    Der Chefredakteur schreibt auf der ersten Seite, dass es “nicht darum geht, die Erfolge der Alternativmedizin in Frage zu stellen” und “[…] gerade bei chronischen Krankheiten und in der Endphase von Krebserkrankungen Patienten von sanften Methoden profitieren”.

    Vielleicht soll der Satz vor allem Abwehrhaltung von Freunden der alternativen Medizin verhindern. Wenn man sich aber die Mühe macht, den eigentlichen (und guten) Artikel zu lesen, wird die Bedeutung klar.

    Die Methoden können Patienten insofern unterstützen, dass es ihnen während der konventionellen Behandlung besser geht. Da ist natürlich sehr viel Psychologie / Placebo dabei, aber das ist in Ordnung.

  15. 15 Pierre Castell 5. Juli 2014 um 13:11

    @ Beobachter
    “Ich bin davon überzeugt, dass “Alternativ-Behandler” wesentlich geringere Chancen hätten, ihr Unwesen zu treiben, wenn unsere “Apparate-Schulmedizin” nicht so viele (behebbare !) Mängel aufweisen würde.”

    Gut formuliert, das sehe ich ganz genauso!

  16. 16 Beobachter 5. Juli 2014 um 14:39

    Mir geht es darum, dass eine alternative Therapie die konventionelle Therapie nicht ersetzen darf.

    Eine “Mistel-Therapie” z. B. kann keine OP ersetzen; oder eine “Krebs-Diät” keine Bestrahlungen.

    Im Extremfall gehen (Krebs-)Kranke zum Geistheiler/Schamanen STATT zum Arzt – oder schlucken (überflüssige) hochdosierte Vitaminpräparate STATT das ärztlich verordnete, notwendige Marcumar.

    Dieser wichtige Aspekt wurde m. E. im Artikel zu wenig betont.

    Ansonsten bin ich auch der Meinung:

    “Die Methoden können Patienten insofern unterstützen, dass es ihnen während der konventionellen Behandlung besser geht. Da ist natürlich sehr viel Psychologie / Placebo dabei, aber das ist in Ordnung.” (Zitat Philippe Leick, oben)

  17. 17 Ralf 5. Juli 2014 um 22:01

    @Beobachter
    Ja, so ähnlich sehe ich das auch…
    und das Schlimme ist, daß diese Eso-Heiler mit “Engelzungen” predigen und die Menschen darauf reinfallen.
    In der Bibel wird schon gesagt, das der Teufel als “Engel des Lichtes” auftritt (2. Korinther 11:14-15 )…(Luzifer = Lichtträger).
    Bei aller Kritik, sollte man aber bedenken, daß wir immer noch eine hervorragende medizinische Versorgung haben und viele Menschen auf der Erde froh wären, wenn sie eine solche “genießen” dürften.
    Man darf nicht nur die “Apparate-Schulmedizin” tadeln, sondern auch die Patienten, die unzufrieden sind; jedenfalls erhöht sich noch die Lebenserwartung bei uns noch.
    Natürlich wird sich die Medizin in Richtung der “Reichen” verschieben und die “ärmere” Bevölkerung wird früher sterben, das ist sicher, jedenfalls in der Zukunft (mMn).

  18. 18 JolietJake 6. Juli 2014 um 01:39

    Mit “Apparate-Schulmedizin” hat das aber wohl weniger zu tun, als mit der Budgetierung.
    Nicht (höchstens zu kleinen Teilen) die Medizin läuft falsch, sondern die Finanzierung durch die Krankenkassen.

    Den Ärzten wird die Patientenzuwendung schlicht zu gering entlohnt.

  19. 19 tachy 6. Juli 2014 um 12:42

    Wenn man mal das ganze Gruselkabinett dieser Quacksalber erleben will, schaut man sich ein Heilpraktikerforum an. Dort werden übrigens auch Kritiker nach kurzer Zeit aus dem Forum geworfen, auch wenn sie sachlich fundiert kritisieren:

    http://www.fernlehrgang-heilpraktiker.com/forum/

    Speziell:

    http://www.fernlehrgang-heilpraktiker.com/forum/Thread-Hom%C3%B6opathieforschung_Jens_Behnke_von_der_Carstens_Stiftung

    Die Haltung der Leiterin dieser “Schule” sagt alles. “ElkeO” kritisierte eben mal sachlich-fundiert

    http://www.fernlehrgang-heilpraktiker.com/forum/Thread-Aufruf_an_alle_Forumsteilnehmer?highlight=masernvirus

  20. 20 Beobachter 6. Juli 2014 um 13:42

    @ Ralf:

    Ja, natürlich.

    Wir sollten allesamt froh sein, dass wir eine so gute Notfallmedizin haben. Das habe ich meinem guten Freund auch gesagt; er ist schon im Rettungswagen mit Blaulicht und dann auf der Intensivstation/im Schockraum hervorragend und schnell erstversorgt worden.

    Die Ärzte und das Personal dort arbeiten am Limit ihrer Belastbarkeit, weil zu wenig Stellen von der Verwaltung/dem Management (bei zunehmender Privatisierung !) bewilligt werden – und das müsste alles nicht sein …

    Dass wir auf dem besten Weg zu einer 2-Klassen-Medizin bzw. schon da angekommen sind, befürchte ich auch – aber das ist ein anderes Thema.

    Bsp.: Ein Hartz-IV-Bezieher kann sich kaum ein paar ärztlich verordnete Einlagen leisten oder eine Professionelle Zahnreinigung – geschweige denn Zahnersatz.

    @ JolietJake:

    Wenn eine ausführliche Anamneseerhebung und Beratungsgespräche besser von den Kassen honoriert werden würden, sähe es anders aus; ganz klar.

    Ebenso gibt es kaum mehr Allgemeinmediziner, die Hausbesuche machen – weil sie die nur für`n Appel und`n Ei abrechnen können.

    Das liegt alles an der GOÄ, die die Gesetzlichen Krankenversicherungen machen – nicht an der “bösen Schulmedizin”.

  21. 21 Hans-Werner Bertelsen 7. Juli 2014 um 08:50

    Froh sein? Froh sein darüber, dass “Schulmediziner” einen katastrophalen Histopathologiebefund ignorieren? Froh sein, dass ein G3-Befund mit kleinster Tumorgröße nicht sofort operiert wird?

    Ich glaube, mein Hamster bohnert.

  22. 22 Gernot Buth 7. Juli 2014 um 13:05

    Ich trau mich mal, den Advocatus Diaboli zu machen:

    “Stimmt, diese Frau war bei mir. Kam mir gleich merkwürdig vor. Normalerweise spüre ich sofort das Krankheits-Od, wenn jemand bei mir zur Tür ‘reinkommt. Aber bei dieser Frau – nichts!

    Und dann hat sie mir ihren Befund gezeigt, und der passte ü-ber-haupt nicht zu den Schwingungsresonanzen ihres Energiekörpers. Natürlich habe ich ihr von einer OP abgeraten, die hatte ja nix. Warum sie mir was vorgespielt hat, darauf konnte ich mir zunächst keinen Reim machen. Jetzt ist mir natürlich alles klar.

    Aber meine feinstoffliche Wahrnehmung lässt sich eben nicht täuschen.”

    Und nun?

  23. 23 Beobachter 7. Juli 2014 um 13:28

    “Froh sein” habe ich im Zusammenhang mit Notfallmedizin, bezogen auf Ralfs Kommentar, gemeint/formuliert.

    Um Missverständnissen und “Hamster-Bohnerei” vorzubeugen …

  24. 24 Hans-Werner Bertelsen 7. Juli 2014 um 14:45

    Der Artikel ist hervorragend. Der Skandal darin ist, dass sich Schulmediziner trauen, etwas anderes als die Operation vorzuschlagen. Wohlgemerkt: Der Histologiebefund beschreibt einen “G3-Tumor”. Das bedeutet, es handelt sich um den Tumor von größtmöglicher Bösartigkeit (sehr schnelles Wachstum, Metastasen erzeugend, rezidivierend und infiltrierend wachsend). Diesen Befund kann ein Medizinstudent ab dem 7. Semester richtig deuten. Wenn ein approbierter Arzt dieses ignoriert, so ist das nicht nur beschämend und unerhört, sondern strafrechtlich relevant.

    Dieses Faktum hat mit unserer seriösen Medizin nichts, aber auch gar nichts zu tun.

    Wo bleiben die Juristen?

  25. 25 Gernot Buth 7. Juli 2014 um 16:38

    Herr Bertelsen, ich bin zwar kein Jurist, aber es braucht wohl auch kein Jurastudium, um einzusehen, dass der Vorgang für die Mediziner strafrechtlich ohne Folgen bleiben wird.

    Die vorgebliche Patientin hat ja nicht ihren eigenen Befund vorgelegt, sondern vorsätzlich den einer anderen Person.

    Ein Strafverteidiger, der diesen Umstand nicht zu Gunsten seines Mandanten auszuweiden versteht, sollte seine Anwaltszulassung lieber zurück geben. Eher noch hängt die Schauspielerin am Fliegenfänger.

    Wobei man sie auch nicht wegen Betruges drankriegen kann, da sie den Medizinern ja keinen materiellen Schaden zugefügt hat.

  26. 26 Kreationist 2.0 8. Juli 2014 um 00:20

    “Die Methoden können Patienten insofern unterstützen, dass es ihnen während der konventionellen Behandlung besser geht. Da ist natürlich sehr viel Psychologie / Placebo dabei, aber das ist in Ordnung.” (Zitat Philippe Leick, oben)

    Möchte in die gleiche Kerbe schlagen wie Beobachter:

    Wenn eine ausführliche Anamneseerhebung und Beratungsgespräche besser von den Kassen honoriert werden würden, sähe es anders aus; ganz klar.

    Die AM-Szene bindet letztendlich erhebliche finanzielle Mittel, die der konventionellen Medizin fehlen. Bin dafür, dass Krankenkassen nur noch Tarife anbieten dürfen, die entweder AM oder KM bezahlen aber nicht beides.

    Die Frage, wie man Zielgruppen außerhalb der Skeptikerszene erreichen kann muss man sich glaube ich immer wieder stellen; der Stern-Bericht tut das nmM, egal, was im Editorial steht. Das liest diese Zielgruppe glaube ich gar nicht.

    Solange die AM-Szene aber so viel Unterstützung aus politischen und akademischen Kreisen erfährt – siehe Artikel “Die Placebo-Republik” von Martin Lambeck – wird der Erfolg gering sein.

    Nicht zu vergessen auch die Rolle der Religion. Ibs. die rkK gibt ja dem Glauben an irrationale Heilsversprechen reichlich Nahrung, verleiht ihnen sogar einen Heiligenschein.

  27. 27 Hans-Werner Bertelsen 8. Juli 2014 um 08:24

    @Gernot Buth

    Es geht um die grobe Mißachtung von Leitlinien. Wenn die Dignität eines Tumors, wie in Falle der hervorragenden Stern-Reportage, feststeht, habe ich als Arzt diese Befunde zu beachten und die notwendigen therapeutischen Konsequenzen einzuleiten.

    Wenn sich Scharlatane für Irrwege starkmachen, so wundert das nicht. Wenn sich allerdings approbierte Mediziner auf diesen Weg machen, so hat das eine völlig andere Qualität und schreit geradezu nach Regulierung im Bereich der ärztlichen Fortbildung.

    Eine strafrechtliche Relevanz des in der Reportage geschilderten Falles wurde mir von einem Juristen bestätigt.

    Warten wir doch mal ab, was auf den Stern-Artikel folgt. Die BÄK muss sich hier klar positionieren.

  28. 28 Gernot Buth 8. Juli 2014 um 21:11

    Ich dachte ich hätte mich verständlich ausgedrückt. War wohl nix. Ich bemühe mich ein letztes Mal um größtmögliche Klarheit. Wenn das immer noch nicht hilft (oder wenn der Punkt, den ich mache, erneut willentlich überlesen wird) geb’ ich auf.

    Wenn eine Frau mit G3 Befund zu einem ausgebildeten Mediziner kommt und er versucht ihr eine alternative Therapie aufzuschwatzen, dann ist das ein Fall für den Staatsanwalt. Da sind wir uns einig.

    Aber so ist der Fall hier ja nicht gelagert.

    Die Frau, “Katja”, die zum Arzt geht, ist kerngesund. Punkt.

    Der Befund, den sie vorlegt, stammt von einer anderen Person. Die sich wahrscheinlich in der Zwischenzeit ganz schulmedizinisch hat operieren lassen und jetzt und auch weitere >= 10 Jahre krebsfrei ist.

    Sollte dennoch ein Staatsanwalt die Kühnheit besitzen, den betreffenden Mediziner anzuklagen, müsste dessen Verteidiger mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn er seinen Mandanten nicht ‘rauspaukt mit Verweis darauf, dass durch den Vorgang niemand zu Schaden gekommen sei.

    Und der Richter ist wahrscheinlich höchst gelangweilt, er denkt an die vielen Kunstfehlerprozesse, über die er schon zu Gericht sitzen musste, wo es wirklich um was ging.

    Und die Zeit ist ihm eigentlich zu schade um auch noch über vorgetäuschte Kunstfehler Recht zu sprechen.

    Ganz anders sähe die Sache aus, wenn der stern sich getraut hätte, die wahre Patientin vorzuschicken (wogegen wahrscheinlich nicht nur ich ethische Bedenken hätte).

    Aber nach “hätte” und “wäre” urteilen deutsche Gerichte im Allgemeinen nicht, sonder nach Faktenlage.

    Und in den meisten Fällen ist das ja auch gut so.

  29. 29 Clemens Maier 15. Juli 2014 um 21:56

    Es müsste aber doch auch möglich sein, Fälle zu finden, die so oder ähnlich gelaufen sind:

    Schließlich gibt es immer wieder Krebspatienten, die so etwas geraten bekommen und auch danach handeln – bzw. zwar selber keine ‘schulmedizinische’ Behandlung möchten, aber auch nicht so anderweitig beraten werden, dass ihnen klar ist, dass sie mit den sog. alternativen verfahren nicht weit kommen.

    Ich weiß z.B., dass in der anthrop. Klinik in Öschlbronn eine Patientin mit Misteln behandelt wurde (um den Tumor zu verkleinern) statt ihr dringend nahe zu legen sich operieren und weitergehend behandeln zu lassen.

    Solche Fälle gibt es doch zahlreich, so dass nichts fingiert werden muss.

    Es ist schließlich als problenatisch anzusehen, dass solche Fehlbehandlungen keine Konsequenzen haben.

  30. 30 Beobachter 16. Juli 2014 um 07:27

    “Alternativmedizinische” Fehlbehandlungen haben deshalb keine Konsequenzen, weil sie nicht zur Anzeige kommen bzw. nicht öffentlich werden.
    Die Geschädigten schämen sich, darauf hereingefallen zu sein und/oder haben eine Einverständniserklärung für die “alternative” Behandlung unterschrieben. Es war ihr Wunsch, und sie wurden nicht dazu gezwungen. Der “mündige Bürger” kann frei entscheiden, selbst wenn er sich selbst damit schadet.
    Die Justiz geht offenbar davon aus, dass jeder, der voll entscheidungs- und geschäftsfähig ist, die üblichen Informationsmöglichkeiten nutzt und das Wissen besitzt, um eine für ihn wirksame und richtige Therapie auszuwählen.
    Ob er das nötige Wissen tatsächlich besitzt und ob er richtig/ausführlich/kompetent beraten worden ist, ob er manipuliert worden ist, scheint unerheblich.
    Wenn jemand z. B. seinen Hautkrebs mit MMS behandeln/”heilen” lassen möchte, kann er das tun.
    Das nennt sich dann “Graubereich der Medizin” … – und alle Verantwortlichen (Behandler, Vermarkter, Anbieter) sind aus dem Schneider …
    Inklusive der Justiz.
    Wenn ich mit meiner Einschätzung falsch liegen sollte, bitte ich um Berichtigung.

    Übrigens:
    Weiß jemand darüber Bescheid, dass schon vor Jahren per Urteil des Bundesverfassungsgerichtes “Geistige Heilung”, auch durch Nicht-Ärzte, legalisiert worden sei?
    Was ist das für ein Urteil, das Scharlatanen Tür und Tor öffnet?
    So angegeben von “Earth Oasis” (GmbH/Stiftung, Vermarkter des brasilianischen Wunderheilers Joao de Deus):
    http://www.earth-oasis.de/
    Zitat (Auszug):
    ” … Vor nunmehr 10 Jahren haben wir Joao de Deus zum allerersten Mal nach Europa eingeladen – sofort nachdem Geistige Heilung vom Bundesverfassungsgericht auch für Nicht-Ärzte legalisiert worden war. Schon vorher, und weiter bis zum heutigen Tage, haben wir monatliche Heilungsreisen zu Medium Joao de Deus nach Brasilien in unserem Programm. … ”

    Bei Schädigungen durch die “Schulmedizin” kommt es (manchmal) zu “Kunstfehler”-Prozessen (z. B. Industriesilikon für Brustimplantate);
    bei Schädigungen durch die “Alternativmedizin” könnte es zu welchen Prozessen kommen?
    Wie steht es da mit der “ärztlichen Kunst”?
    Denn es machen ja auch studierte Mediziner mit …

  31. 31 klauszwingenberger 16. Juli 2014 um 08:04

    Wenn ich mich an meinen Strafrechtskolleg recht erinnere – lang ist’s her -, dann wird die Fallgestaltung des agent provocateur über den “untauglichen Versuch” gelöst.

    Wir wären dann im Bereich der Versuchsstrafbarkeit, und da bleiben unterm Strich nur Vorsatztaten, und unter denen auch nur die, bei denen die Strafbarkeit des Versuchs ausdrücklich im Tatbestand steht.

    Der Vorsatz muss sich dabei auch auf den tatbestandlichen Erfolg beziehen, und spätestens da wird die Luft dünn.

  32. 32 Beobachter 16. Juli 2014 um 13:19

    Gerade gefunden, und weil`s zur Thematik passt:
    Umfrage zur Gesundheitskompetenz der Bevölkerung (AOK)

    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/aok-umfrage-gesundheitskompetenz-bei-vielen-deutschen-unzureichend-a-981077.html

    Zitat (Auszug):

    “Umfrage zur Gesundheitskompetenz: Der Patient versteht die Welt nicht mehr
    Wie gut können die gesetzlich Versicherten in Deutschland Informationen zum Thema Gesundheit finden, verstehen, beurteilen und umsetzen? Laut einer aktuellen Studie, die das Wissenschaftliche Institut der AOK (Wido) jetzt veröffentlicht hat, zeigen sich in allen Bereichen Lücken. … ”

    Wie sollen Patienten, besonders dann, wenn sie akut erkrankt und/oder sehr alt/hinfällig sind, sich im Dschungel der Therapien und des Gesundheitswesens (mit all den Regelungen und Bestimmungen) zurechtfinden – und besonders dem der “Alternativmedizin”?!

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