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James-Bond-Spezial 5: Die Sache mit der Brücke

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Fortsetzung von „Die Sache mit den Piranhas“

Die Situation: Bond liefert sich eine wilde Verfolgsjagd mit dem Schurken Scaramanga („Der Mann mit dem goldenen Colt“).

Nur noch ein zwölf Meter breiter Wasserkanal trennt seine Nobelkarosse von dem Raser mit dem Bleifuß – aber weit und breit keine Überfahrtmöglichkeit in Sicht. Doch dann erspäht er die Überreste einer eingestürzten Brücke.

Das sollte unser Agent tun: Zurückfahren, den Wagen mit Vollgas über die heruntergefallenen Bohlen vorwärts schießen lassen, in der Luft eine Drehung um volle 360 Grad vollführen und auf der anderen Seite des Flusses wieder auf allen vier Reifen landen?

Nun ja, man könnte den irren Autosprung zumindest versuchen.

Wieso? Die physikalische Fragestellung dabei ist: Kann ein Auto tatsächlich über einen Fluss springen und sich dabei im Flug drehen?

Es kann – im neunten Bond-Streifen.

Nun gab es 1974, als „Der Mann mit dem goldenen Colt“ gedreht wurde, noch keine digitalen Special-Effects-Hexereien wie heute. Wenn es also kein Trick war, wie wurde die filmische Sensation eigentlich realisiert?

Das Ganze war ein waghalsiges Kunststück.

Der Stuntkoordinator Jay Milligan zeichnete erst einmal einen Plan für den „Spiral-Sprung“ auf, ging damit zum Aeronautischen Institut der New Yorker Cornell-Universität und ließ sich von einem Computer die mathematischen Daten des Stunts ausrechnen.

Geschwindigkeit, technische Daten des Wagens, die Länge des Sprungs und der Luftwiderstand und alle erdenklichen Eventualitäten wurden einprogrammiert. Schließlich spukte der Computer eine detaillierte Expertise aus und Milligan machte sich in Bangkok an die Ausführung.

Erforderlich waren ein speziell angefertigtes Auto sowie Start- und Landerampen, um dem Fahrzeug den richtigen Dreh zu geben, damit es wieder auf den Reifen landet.

Milligan und sein Team bauten den „AMC Hornet“ vom Autohersteller American Motors Corporation entsprechend um, brachten die Steuersäule im Zentrum des Wagens an, verkleinerten die Karoserie an manchen Stellen, vergrößerten sie an anderen und stimmten Gewichtsfaktoren aufeinander ab, die den Sprung eventuell beeinträchtigen konnten.

Am Ende ging das Husarenstück von Stuntfahrer „Bumps“ Willard in 15 Sekunden über die Bühne und „sah aus wie ein Kinderspiel“, erinnert sich Bonds damaliger Co-Star Christopher Lee (als Killer „Scaramanga“):

Bevor man überhaupt richtig hingeschaut hatte, war der Wagen über den Kanal geflogen und hatte sich fehlerfrei gedreht.“

Der Sprung war so perfekt abgelaufen, dass die Filmcrew sogar darüber diskutierte, ob man ihn nicht noch einmal drehen sollte. Wenn alles zu einfach aussähe, könnten die Zuschauer es vielleicht für einen Trick halten.

Also: Bauen Sie die eingestürzte Brücke als Abschussrampe am besten selbst, ordnen Sie die Masseverteilung des Autos symmetrisch um die Rotationsachse herum an, indem Sie das Lenkrad in der Mitte des Fahrzeugs anbringen und Sie als Fahrer ebenfalls in der Mitte sitzen. Lassen Sie Kräne und Krankenwagen auffahren, für den Fall, dass Sie ins Wasser stürzen sollten.

Die Geschwindigkeit auf der Rampe muss 64,4 km/h betragen.

Und lassen Sie ein paar Schwäne über die Szenerie fliegen, deren Gefieder im Flug ein dramatisches Pfeifen erzeugt.

Und dann: Gute Fahrt, guten Flug oder was auch immer.

Zu Teil 6: Die Sache mit dem Beißer

 Zum Weiterlesen:

  • Stuntman stellt James-Bond-Looping nach, Welt-Online am 16. September 2012
  • Wie realistisch sind Autostunts bei James Bond? swr.de am 23. Juli 2010
  • James-Bond-Spezial Teil 1: Die Sache mit den Laserwaffen, GWUP-Blog am 1. November 2012
  • James-Bond-Spezial 2: Die Sache mit dem Gold, GWUP-Blog am 2. November 2012
  • James-Bond-Spezial 3:  Die Sache mit dem Flugzeugfenster, GWUP-Blog am 3. November 2012
  • James-Bond-Spezial 4: Die Sache mit dem Piranhas, GWUP-Blog am 4. November 2012

Ein Kommentar

  1. Ach ja. Vielen Dank. Das werd ich dann gleich mal ausprobieren. Wir haben hier ja die Isar welche allgemein schon auch als eine Art Fluss bekannt ist und diese könnte man bei so einem Experiment prima nutzen. Da kann man sich dann auch direkt den Kran sparen denn die Isar ist stellenweise im Sommer grad mal knietief

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