gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

Psi-Tests 2011: Grillen, Geister und Goldbarren

| 13 Kommentare

Einen Bericht über die diesjährigen Psi-Tests gibt’s auch im aktuellen e-skeptiker, den man hier kostenlos abonnieren kann. Autor ist Dr. Martin Mahner:

Seit 2004 testet die GWUP jeden Sommer Kandidaten mit vermeintlich paranormalen Fähigkeiten. Vier Kandidaten traten zu unseren Tests am 28. und 29. Juli an.

Der erste Tag war dem klassischen Wünscheln und Pendeln gewidmet. Franz K. trat mutig mit einem Doppeltest an. Er versuchte, ein halb mit Wasser gefülltes Schnapsglas zu muten, das unter einem Schächtelchen versteckt war, sowie ein in einer Streichholzschachtel befindliches totes Insekt.

PD Dr. Rainer Wolf spendierte dazu ein eingefrorenes Heimchen (eine Grillen-Art), das normalerweise als Geckofutter vorgesehen war. Bei beiden Versuchen kam es nur auf das Wasser im Glas bzw. im Heimchen an. Jeweils 9 Schächtelchen waren dabei leer, in einem befand sich nach dem Zufallsprinzip das Schnapsglas bzw. das Heimchen.

Herr K. erzielte beim Heimchenversuch 1 Treffer, beim Schnapsglasversuch 2 Treffer. Die Zufallserwartung liegt bei 1,3 Treffern.

Am Nachmittag machte Adolf S. den klassischen Eimerversuch, für den er mehrere Spezialpendel mitgebracht hatte. Auch hier führten wir den üblichen 1:10-Versuch durch, d.h. ein Eimer aus 10 war mit Wasser gefüllt, die anderen blieben leer. Alle waren mit Handtüchern abgedeckt. Ergebnis: 2 Treffer.

Eine interessante Abwechslung gab es bei den Freitagskandidaten. Beim Versuch am Vormittag trat Uwe S. an, der mithilfe der „Geisterwelt“ Fragen beantworten lassen wollte, die dann von selbiger an eine Empfängerin weitergeleitet werden sollten, die sich in einem anderen Raum befand. Allerdings erhielt die Empfängerin die Antworten der Geisterwelt nicht bewusst, sondern eine Assistentin ermittelte die empfangene Antwort anhand des kinesiologischen Armtests.

Da nur eindeutige Ja- oder Nein-Fragen gestellt wurden (Beispiel: Liegt Dänemark südlich der Alpen?), sollte dies anhand des Armtests auf einfache Weise festgestellt werden: Blieb der ausgestreckte Arm oben, war das ein Ja, ging er nach unten, bedeutete dies ein Nein. In 5 Durchgängen wurden jeweils 10 Fragen gestellt, insgesamt also 50. Davon mussten 40 richtig sein, wenn der Kandidat die nächste Testrunde erreichen wollte.

Beim richtigen Raten einer Ja-Nein-Entscheidung liegt die Zufallserwartung bei 1/2, sodass bei 50 Fragen 25 Treffer zu erwarten sind. Immerhin erzielte der Kandidat 32 richtige Antworten. Das Ergebnis war also überdurchschnittlich gut, verfehlte aber die Vorgabe von 40 Treffern immer noch deutlich.

Am Nachmittag hatte es sich Kurt B. zur Aufgabe gemacht, einen in der Umgebung von Würzburg vergrabenen (kleinen!) Goldbarren mithilfe verschiedener Ruten und Pendel zu orten.

Zunächst wollte er die grobe Lage des Barrens auf einer Karte mit dem Maßstab 1:25000 bestimmen. Dazu ging eine seiner beiden mitgebrachten Assistentinnen die auf dem Boden ausgebreitete Karte mit einer Lecher-Antenne ab. Nachdem ein grober Punkt bestimmt war, machte sich der Kandidat selbst ans Werk, indem die nun auf einen Tisch verbrachte Karte mit einem Pendel bearbeitet wurde, bis das Versteck auf ein kleines Areal von ca. 1 cm Durchmesser eingegrenzt war (das entspricht ca. 250 m im Gelände).

Flugs fuhren wir alle dorthin, wo Herr B. nun „Nahfeldmessungen“ vornahm, um die Lage des Goldbarrens auf ein Areal von ca. 15 m Durchmesser einzugrenzen. Nachdem der Kandidat
samt Assistentinnen nach 2 Stunden immer noch keinen Erfolg hatte, gab er auf. Nun fragte ich telefonisch bei Rainer Wolf nach, der den Barren versteckt und die ganze Zeit über auch bewacht hatte. Ergebnis: Das wahre Versteck des Barrens lag ca. 20 km von der Stelle entfernt, die der Kandidat gemutet hatte. Er erhielt seinen Goldbarren dennoch von uns zurück.

Das GWUP-Preisgeld von 10.000 Euro für den Nachweis einer paranormalen Fähigkeit bleibt also weiterhin ausgelobt.

Einen ausführlicheren Bericht lesen Sie im Skeptiker 3/2011, der im September erscheint.

Ein kurzes Video des Bayerischen Rundfunks von den Psi-Tests gibt es hier.

13 Kommentare

  1. Ihr habt glaub ich bei den ersten beiden Beispielen vergessen die Zahl der Versuche anzugeben, oder? Also „2 Treffer“ sagt ja nichts aus wenn man nicht weiss wie oft er falsch lag.

  2. Der Goldbarren ist also inzwischen wieder ausgegraben? Schade…

  3. Super Arbeit, die PSI-Tests! Ihr solltet einmal ein Buch über die ganzen Test-Geschichten herausgeben! Mit Erklärungen der Testanordnungen und -kriterien, statistischen Hintergrund-Infos, und vielleicht ein paar Interviews mit den Kandidaten, vor und nach den Tests… damit sie nicht so schnell wieder in Vergessenheit geraten!

  4. Hier ist das Video zu den PSI-Tests: Bayerisches Fernsehen:
    Dem Übersinnlichen auf der Spur: http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/abendschau/psi-test-wuerzburg-brueckner-ID1312291202767.xml

  5. Beim 1:10-Verfahren (1 Gefäß mit Objekt, 9 leere) machen wir 13 Durchgänge. Die Zufallserwartung beträgt dann 1,3 Treffer. Erzielt werden müssen 7 Treffer, um weiterzukommen.

  6. Hochachtung vor Herrn Franz Hess!
    Ich glaube, er war der erste überhaupt,
    der nach einem Test eingeräumt hat hat, sich getäuscht haben zu können.
    (Bleibt zu hoffen, daß die Einsicht anhält)

  7. Die Teststatistik ist erläutert im (noch erhältlichen) Skeptiker 2/2005:

    http://www.gwup.org/zeitschrift/skeptiker-archiv/155-skeptiker-2005-2

  8. 13 Durchgänge? Hat sich noch keiner der Teilnehmenden beschwert dass sein scheitern an der Unglückszahl liegt? ;-)

  9. Als Brunnenmeister und Radiästhet bin ich schon seit über 15 Jahren im Brunnenbau bis zu 1.000 Metern als auch mit dem Auffinden von Wasseradern und Erdstrahlen im Untergrund in Europa, Australien und Afrika tätig.

    Dabei begegnet man laufend Skeptikern als auch „Rutengehern“ bei denen man sich denkt, dass es kein Wunder ist, wenn der Beruf des „seriösen Rutengehers“ zunichte gemacht wird.

    Zum oben angeführten PSI Test wurden vermutlich auch keine fachkundigen Personen sowie zugleich real getreue Testbedingungen eingesetzt, da man stehendes Wasser nicht „muten“ kann, da damit keine Strahlung erzeugt wird.

    Real getreue Tests im Bereich der Radiästhesie müssen mit einer ganz andere Vorgehensweise durchgeführt werden.

    Im Brunnenbaubereich ist dies mittels Brunnenbohrungen in Gebieten, in denen KEIN Grundwasser vorhanden ist, möglich.
    Im Bereich der verschiedenen Erdstrahlungsarten ist dies im Ausmessen von Schlafplätzen und daraus erschließenden Krankheiten der jeweiligen Personen möglich.

    „Seriöse Rutengeher“ sollten somit eigentlich wissen, dass man Wasser in einem Schnapsglas, Eimer oder ein Insekt NICHT muten kann – selbst wenn man einen ganzen See unter einer Decke versteckt wird man diesen mittels Wünschelrute nicht muten können!

    Die Erdstrahlung entsteht auf ganz anderen Wegen. Interessierte können dies gerne auf meiner Webseite nachlesen.

  10. @D. Struck:

    „Erdstrahlung“ entsteht überhaupt nicht, und zwar nirgendwo, weil es so etwas gar nicht gibt. „Erdstrahlen“ sind reine Phantasieprodukte:

    http://www.gwup.org/ueber-uns-uebersicht/wiw/934-erdstrahlen

    http://bamberg.gwup.org/projekte/geokomiker/erdstrahlen.html

    http://psiram.com/ge/index.php/Erdstrahlen

    Ich nehme an, Sie wollen u.a. auf „Reibungs- oder Strömungsstrom“ hinaus, der über unterirdischen „Wasseradern“ (die es ebenfalls nicht gibt) angeblich als elektromagnetisches Feld nachweisbar sei.

    Das ist schlicht Unfug. Zwar ist richtig, dass Reibung statische Elektrizität zwischen A und B aufbaut; aber Wasser leitet Strom ab, sodass das Potenzial zwischen A und B – so überhaupt eines entsteht – sofort wieder ausgeglichen wird.

  11. @Hanno
    guter Beitrag…;-)

    @Brunnenbaumeister
    …immer diese Mähr der Wasseradern…Grundwasser ist immer flächenverteilt…jemand hat einmal gesagt, wer in Deutschland mit der Wünschelrute kein Wasser findet, dem ist nicht mehr zu helfen, da in D fast flächendeckend Grundwasser vorhanden ist.
    Erdstrahlennetze, die in einem Gitternetz (heißt das nicht Hartmann-Gitter?) angeordnet sind, in einer genauen Geometrie ist auch absurd. Das Magnetfeld ist auch nicht statisch genau, man weiß, daß es sich schon mehrfach umgepolt hat; auch kann es schwächer werden. Was ich damit sagen will, die Natur ist kennt kein genaues „mathematisches“ Gitter, das immer gleich ist.
    (Die Physik erstellt immer nur „Modelle“, die die Natur so gut wie möglich beschreiben)
    Sie sagen, es seien keine „fachkundigen“ Rutengänger – jeder von ihnen ist aber vollkommen überzeugt von seinen Fähigkeiten und übt es schon seit Jahrzenten aus; diese können bei den Tests aber keine Erfolge vorweisen.
    Denken Sie sich doch ein Versuch aus, und melden sich bei den Skeptikern, es winken immerhin 10.000€

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.