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Konnersreuth: Heilige oder Schwindlerin?

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In Bayern macht mal wieder die „Stigmatisierte“ Therese Neumann Schlagzeilen, besser bekannt als „Resl von Konnersreuth“.

Anlass ist ein neues Buch, über das heute die Süddeutsche berichtet.

Vergangene Woche hatte die tz bereits Vorabdrucke von „Wahn oder Wunder?“ des Autors Christian Feldmann veröffentlicht. „Neue Wahrheiten über Resl von Konnersreuth“, wie das Münchner Boulevardblatt titelte, sind darin zwar nicht zu finden – aber erfreulicherweise werden auch kritische Aspekte der Fama um das „Heilandsresl“ nicht ausgespart.

In einem Begleitartikel der tz (Printausgabe vom 31. Januar, Seite 14) wird Feldmann so zitiert:

Resl-Autor Christian Feldmann, der eine Vielzahl von Heiligen-Biografien verfasst hat, zweifelt nicht an der Echtheit von Resls Wundmalen. Der Theologe verweist aber auf die ärztliche Diagnose, die Therese Neumann bereits als Mädchen gestellt wurde: schwere Hysterie: „Man weiß, wie stark eine solche Störung des Nervensystems das seelische Erleben steigern und Vorgänge im Körper beeinflussen kann“, so Feldmann.

Das habe nichts mit Theater oder Lüge zu tun. „Es ist einfach eine Methode der Seele, mit Konflikten und Problemen fertig zu werden.“

Aber die Stigmen sind für Feldmann nicht der entscheidende Punkt, wenn’s um die Seligsprechung geht. „Frömmigkeit, Demut und Nächstenliebe sind für ein nach christlichem Maßstab geglücktes Leben wichtiger, als mysteriöse Erscheinungen.“ [..] Therese Neumann, so Feldmann, passe nicht in diese Galerie.“

In der Tat nicht.

In seinem Buch „Konnersreuth als Testfall“ widmete der Kirchenhistoriker Dr. Josef Hanauer ein ganzes Kapitel dem Aspekt der angeblichen „Heiligkeit“ der stigmatisierten Oberpfälzer Bauernmagd. Darin heißt es unter anderem:

Eine auffallende Abneigung äußerte Theres Neumann gegen die Vertreter der Wissenschaft, sobald sie auch nur den geringsten Zweifel ihrer Person gegenüber spürte; sie bezeichnete die Wissenschaftler geringschätzig als „G’scheitseinwöllerer“. Bei ihrer Ablehnung machte sie keinen Unterschied, ob einer Arzt oder Theologe war oder sonst einen Beruf ausübte […]

Ähnlich wie Dr. Wunderle erging es Dr. Deutsch, der immer wieder darauf gedrängt hatte, daß die angeblichen Wunder, insbesondere die Wundmale sowie die Nahrungs- und Ausscheidungslosigkeit so geprüft würden, wie es die Regeln der Naturwissenschaft immer und unter allen Umständen forderten. Dafür wurde er in der übelsten Weise angegriffen. Auf die Anfeindungen, so äußerte er sich, könne er nicht im gleichen Tone antworten: „So roh kann ein gebildeter Mann gar nicht werden, um gegen solche Schimpftiraden angehen zu können.“

Hanauers kritischer „Bericht über das Leben der Therese Neumann“ findet sich online hier.

Und noch eine Fragwürdigkeit reißt die tz in diesem Zusammenhang kurz an:

Es gab viele Spekulationen um Resls Blut. Fest steht: Resls Verbandskompressen und Speichelproben wurden zweimal untersucht. 1927 stellte Dr. Fritz Gerlich fest, dass es sich um echtes Blut handele. Die selben Proben wurden im Jahr 2004 erneut analysiert. Dabei fanden DNA-Experten heraus, dass es sich weder um Tierblut, oder (wie Konnersreuth-Kritiker immer wieder gemutmaßt hatten) Menstrualblut handelt. Woher kamen also die riesigen Mengen Blut?“

Mit dieser Frage beschäftigte sich 2004 auch der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke im Skeptiker (1/2004). In einem Kommentar zu besagter forensischer Analyse stellte er fest, dass das Blut „offenbar wirklich von Therese von Konnersreuth stammt“. Allerdings:

 Aus naturwissenschaftlicher Sicht beweisen diese Befunde keineswegs die Stigmatisierung. Aus meiner Sicht als Sachverständiger für biologische Spuren ist es z. B. interessant, dass die Blutspuren auf der Bekleidung und unter den Augen der Therese wie drapiert wirken – das heißt in Form und Lage unnatürlich.

Da die Stigmatisierung von den Anhängern der Therese von Konnersreuth aber nunmehr trotzdem als „bewiesen“ angesehen werden mag und da die Blutungen nur als eine von mehreren wundersamen Erscheinungen gelten (weitere angebliche „Phänomene“ u. a.: Visionen, Nahrungslosigkeit), dürften diese die Seligsprechung weiterhin aktiv vorantreiben – trotz großer kriminalistischer Fragezeichen.“

Zum Weiterlesen:

  • Dr. Mark Benecke: Blut-Spuren. Der Fall Therese von Konnersreuth. Eine aktuelle forensische Untersuchung. Skeptiker 1/2004, online hier.
  • Bernd Harder: Wunderwunden? „Stigmatisierte“ von Franz von Assisi bis Pater Pio, Skeptiker 4/2002

6 Kommentare

  1. „Der Theologe verweist aber auf die ärztliche Diagnose, die Therese Neumann bereits als Mädchen gestellt wurde: schwere Hysterie: “Man weiß, wie stark eine solche Störung des Nervensystems das seelische Erleben steigern und Vorgänge im Körper beeinflussen kann”, so Feldmann.“

    ÄÄÄÄhhhhhhmmmm,war da nich was?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hysterie

  2. Stigmatisation ist seit 700 Jahren bekannt und bisher bei rund 350 Personen aufgetreten. Neben Stigmatisation treten meistens auch andere Erscheinungen auf, die auf einer strukturellen Konstitionsänderung weisen, die medizinisch nicht erklärbar ist.
    Allgemein wird angenommen das diese „Metanoia“ zusammenhängt mit einer tiefen mystischen Vereinigung der menschlichen Person mit Christus, und das es um Ergebnis eines übernatürlichen Eingriffs handelt.
    Die Person fängt an als spirituelle Quelle zu wirken, was für die Umgebung sehr heilsam sein kann.
    Selbstverständlich ist dieses Ereignis für Atheisten nicht akzeptabel. Dogmatische Atheisten führen darum ständig Krieg gegen dieses Ereignis und benennen es als „Besessenheit oder Betrug“.
    Für Gläubigen ist und bleibt es ein Mysterium. Für die Ergebnisse ist man aber sehr dankbar. Rund 15% der Stgmatisierten wurden nach ihrem Tod selig- oder auch heiliggesprochen.
    Ein Beispiel aus heutiger Zeit war Adrienne von Speyr (1902-1967) aus Basel, die durch ihren Begleiter Hans Urs von Balthasar viel für die kirchliche Reformation (Vaticanum II) hat beigetragen.
    In Holland spielt am Moment die Seligsprechung von Dorothea Visser (1819-1876) deren Seligsprechung 2014 erwartet wird. Sie bekam die Wundmale Christi in 1843.

  3. @Rob Steinbuch:

    So ziemlich nichts von dem, was Sie hier schreiben, entspricht der Wahrheit.

    < < Allgemein wird angenommen, ... dass es um Ergebnis eines übernatürlichen Eingriffs handelt. << Die einzigen, die das annehmen, sind ein paar Gläubige, die es nicht besser wissen, weil sie es gar nicht wissen wollen. Empfehlung: Wunderwunden? “Stigmatisierte” von Franz von Assisi bis Pater Pio, Skeptiker 4/2002 http://www.gwup.org/zeitschrift/skeptiker-archiv/443-skeptiker-2002-4

  4. Gewisse Leute WOLLEN, dass sich ihre mystischen Vorstellungen erfüllen.

    Denen ist es egal, ob Schwindler – wie Padre Pio – oder eben die hier beschriebene Therese Neumann tatsächlich der Wirklichkeit entsprechend vorgeführt werden.

    Man lasse sie in ihrer Traumwelt. Lewis Caroll + die Gebrüder Grimm, Hans-Christian Andersen und die anderen Verfasser von phantastischen Geschichten führen ihre Leserschaft zur Kurzweil in Wuschwelten.

    Wer nicht begreift, wenn das Kino aus ist, soll ruhig in seiner/ iher Vorstellung weiterleben.

    Aber freundlicherweise den Realisten nichts von ihrem Wahn aufzwängen.

    So sind Religionen entstanden und so hält man diese wirtschaftlichen Einrichtungen am Leben.

    Werner Jostaufderstroth.

  5. Eine auffallende Abneigung äußerte Theres Neumann gegen die Vertreter der Wissenschaft, sobald sie auch nur den geringsten Zweifel ihrer Person gegenüber spürte; sie bezeichnete die Wissenschaftler geringschätzig als “G’scheitseinwöllerer”. Bei ihrer Ablehnung machte sie keinen Unterschied, ob einer Arzt oder Theologe war oder sonst einen Beruf ausübte […]

    Das ist schon eine ordentliche Portion Arroganz und Ignoranz.
    Aber eine Bauernschläue hatte sie schon, sonst hätte es nicht geschafft, die schlichten Gemüter so zu täuschen ;-)

  6. Zu Ralf:

    Ich sehe das auch so. Im christlichen Sinne kann diese Frau also gar keine „gute“ Christin gewesen sein, denn das ist ja noch die Mentalität aus der Kreuzzugszeit: Man schlägt mit dem verbalen Schwert auf den Anderen ein, nur weil Er einen anderen Glauben (Meinung) vertritt.

    Diese Intoleranz und Aggressivität ist wahrlich kein Zeichen von christlicher Nächstenliebe…

    Matthäus 7,12: „Geht so mit den Menschen um, wie ihr selbst behandelt werden möchtet…“

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