Die Skeptiker und der Hi-Fi-Sound

Für den alten Trick, CDs zur Klangverbesserung mit dem Filzstift zu umranden, haben Kenner bestenfalls ein müdes Lächeln übrig. Kein Wunder – war ursprünglich ja auch als Aprilscherz gedacht. Und überhaupt: Wie sollen die aus Kunststoff und Aluminium bestehenden Silberlinge  dauerhaft (ent-)magnetisiert werden?

Nicht alle unsinnigen Tuning-Maßnahmen sind so leicht zu erkennen. Nicht jeder  Hi-Fi-Enthusiast weiß beispielsweise, was es mit Konstantin Meyls „neuer Physik“ auf sich hat. Genau die soll nämlich der Funktionsweise der „Twister-Stopps“ zugrunde liegen. Diese „informierten“ Glaslinsen sollen laut Hersteller „die Verwirbelung elektromagnetischer Wellen zu Potenzialwirbeln verhindern“ und auf diese Weise den Hörgenuss optimieren.

Physiker wie Dr. Philippe Leick werden bei diesen Stichworten skeptisch. Dass trotzdem Entwickler und Anwender aufrichtig von der Wirksamkeit der Twister-Stopps überzeugt sind, ist gar nicht unwahrscheinlich. Zu leicht hört man das, was man hören will.

Norbert Maurer, der Entwickler des Twister-Stopp, wollte es genau wissen und regte einen „blinden“ Hörtest an. Dabei sollten die Probanden, darunter Philippe Leick, erkennen, ob sie die Musik gerade mit oder ohne „informierte“ Twister-Stopps hörten. Das Ergebnis sei an dieser Stelle verraten:

Die Trefferquote entsprach recht exakt der Verteilung, die sich durch reines Raten ergeben sollte.

Mehr im  SKEPTIKER 3/2010, der Anfang September erscheint.

6 Kommentare zu “Die Skeptiker und der Hi-Fi-Sound”


  1. 1 Josh 30. August 2010 um 23:06

    Mein Favorit ist immer noch der Bronzestab “Original Transformer”:
    http://highendnovum.de/O-T-Original-Transformer

    Irgendwie kommt einem da Harry Potter in den Sinn …

  2. 2 Sigfrid Müller 31. August 2010 um 07:46

    Wie auch immer man Konstantin Meyl in den Augen seiner Skeptiker einschätzen mag, so kann man in der Twisterstopp Frage lediglich von einer Arbeitshypothese sprechen, um das Phänomen in irgendeiner Weise zu erklären. Ich für meinen Teil würde hier lediglich von der Reduzierung elektromagnetischer Interferenzen sprechen – und die treten in Elektrogeräten auf und auch um sie herum. Wie solche Interferenzen wirken, kann man schon daran erkennen, wenn man sein WLAN zu Hause während laufender Musik ab- und anstellt. Der Einfluss auf die akustische Wahrnehmung ist überraschend hoch und von jedem wahrnehmbar. Und das hat nun wenig mit Okkultem zu tun.

    Das eine CD nicht “entmagnetisiert” werden kann, weiß grundsätzlich jeder. Vielmehr geht es um die Reduzierung statischer Aufladungen durch die Drehbewegung im Laufwerk, die einen klanglichen Malus beschert. Und diese Reduzierung ist meines Wissens nur temporärer Natur.

    Hoffen wir also, dass Physiker mit oder ohne Doktortitel auf dem Teppich bleiben und hoffen wir, dass so viel biologisches Verständnis vorhanden ist, dass von den oben beschriebenen Effekten auf physikalische Gegebenheiten rückgeschlossen werden kann.

  3. 3 Jan 1. September 2010 um 11:06

    Selbst wenn es um die Reduzierung von statischen Aufladungen gehen soll bleibt immer noch die Frage, wie diese statische Aufladungen den rein optischen Abtastvorgang der CD beeinflussen sollen. Davon abgesehen gibt es ja bei der CD (als digitalem Verfahren) auch noch einen Fehlerkorrekturalgorithmus, der einzelne falsch gelesenen Bits korrigiert. Wenn also die CD nicht so stark geschaedigt ist (Kratzer, die hinreichend viele aufeinander folgende Bits unlesbar machen o. ae.) sollte jedenfalls der Bitstrom am Digital-Analog-Wandler des CD-Spieler unabhaengig von Magnetisierung, statischer Aufladung u.ae. immer derselbe sein. Im Gegensatz etwa zur (analogen) Schallplatte, bei der es im Prinzip beliebig kleine Stoerungen geben kann, die man (wenigstens prinzipiell) durch sehr genaues Hoeren wahrnehmen kann, gibt es also bei CDs keine “kleinen Stoerungen” (jedenfalls nicht im Digitalteil): Entweder die Stoerung ist gross genug um den Lesevorgang von so vielen Bits zu stoeren, dass die Fehlerkorrektur nicht mehr greift oder aber das wiedergegebene Signal ist durch die Stoerung voellig unbeeinflusst.

  4. 4 Josh 1. September 2010 um 17:34

    @Sigfrid Müller: die “oben beschriebenen” Effekte zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie nicht existieren. Das machte ja der Test deutlich.

    Und es ist nun mal so: wenn ein behaupteter Effekt nicht belegbar ist, muss auch nichts erklärt werden, weder von Physikern auf dem Teppich noch von solchen darüber.

    Die Abtastung einer CD liefert entweder die korrekten Daten oder sie tut es nicht. Wenn die Scheibe sauber ist und die Leseoptik und -elektronik in Ordnung ist, liefert auch der billigste Player den gleichen Datenstrom wie der teuerste.

    Natürlich sieht das bei Problem-CDs schon differenzierter aus. Solche werden sich bei HiFi-Freunden aber wohl kaum finden …

  5. 5 Philippe Leick 1. September 2010 um 18:41

    Sigfrid Müller:
    Ganz unabhängig davon, wie denn die Twister-Stopps angeblich funktionieren, wurde unter kontrollierten Bedingungen geprüft, ob denn ein Unterschied hörbar ist. Das Ergebnis war eindeutig: zwischen dem Musikempfinden mit echten oder Attrappen-Twister-Stopps hört man keinen Unterschied.
    Wenn Sie der Ansicht sind, dass Sie hören können, ob bei Ihnen zu Hause das WLAN eingeschaltet ist: kontrollieren Sie es bitte unter verblindeten Bedingungen nach. Mehr als 2 Freunde brauchen Sie zur Unterstützung nicht. Einer würfelt aus, ob im nächsten Durchgang das WLAN im Nebenraum ein- oder ausgeschaltet sein wird. Der Zweite führt Protokoll; Sie entscheiden anhand des Klangs, ob das WLAN ein- oder ausgeschaltet war. Alle Details des Versuchs können Sie so auslegen, dass es möglichst einfach sein soll, den Unterschied zu hören. Wirklich entscheidend sind nur ganz wenige Punkte:
    Sie dürfen während des Versuchs keinerlei Kontakt zu jemandem haben, der weiß, ob das WLAN gerade an oder aus ist, und auch sonst keine Möglichkeit haben, es durch “konventionelle” Mittel wie ein geöffnetes Notebook oder herumliegendes Mobiltelefon herauszufinden
    Das Ein- oder Ausschalten sollte absolut zufällig geschehen
    Das Protokoll muss am Ende rekonstruierbar sein

    Viel mehr braucht’s nicht. Bei Erfolg bitte bei der GWUP bewerben, im nächsten Jahr gibt es bestimmt wieder die Chance, 10000€ zu gewinnen.

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