Andrew Wakefield ist kein Opfer, sondern Täter der Anti-Impf-Bewegung

Vor vier Jahren gab es im Kommentarbereich des Science-Blogs zoon politikon eine interessante Diskussion über den britischen Arzt Andrew Wakefield, der 1998 in der Fachzeitschrift The Lancet einen kausalen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus hergestellt hatte.

Im Februar 2010 zog The Lancet den Artikel zurück und nach dem Vorwurf der bewussten Datenfälschung wurde in Großbritannien ein Berufsverbot gegen Wakefield verhängt. Er lebt heute in den USA.

Ebenfalls 2010 behaupteten nach einem kritischen zoon-politikon-Beitrag verschiedene Kommentatoren, Wakefield sei “nie ein Gegner von Impfungen gewesen” – ja mehr noch:

Wakefield ist nach meiner Meinung eines der Opfer.”

Wie es sich wirklich verhält, hat Wakefield jetzt selbst demonstriert, und zwar mit einem bizarren Auftritt bei der diesjährigen AutismOne Conference in Chicago.

Die berüchtigte Webzeitung Age of Autism bejubelt Wakefields Rede mit der Schlagzeile

Dr. Andrew Wakefield Continues To Speak Out!”

Im Text selbst heißt es:

Dr. Wakefield is a hero to the autism community. He does not quit.”

Und wie erlangte der Ex-Chirurg diesen Heldenstatus?

Natürlich mit Verschwörungstheorien und Attacken gegen die Pharmaindustrie und die amerikanischen Gesundheitsbehörden.

Der US-Science-Blog Respectful Insolence kommentiert das Spektakel halbwegs fassungslos mit

Oh goody [...]

These days, Wakefield is a pathetic figure, living off of past antivaccine glories and the adulation of only the most die hard of his die hard fans.”

Immerhin:

Die Zeitung The Buffalo News forderte gestern:

We must redouble our efforts, promote measles vaccination”

Und Richard Saunders von den Australian Skeptics hat dieses tolle Video produziert:


Direktlink zum Video auf Youtube

In den USA dagegen bekamen studentische Filmemacher den ganzen irrationalen Fanatismus von Impfgegnern zu spüren, als sie einen Beitrag zum Thema “The science of disease and the risks facing a society that is under-vaccinated” produzieren wollten.

Da darf man ja fast froh sein, hierzulande noch impffreundliche Artikel lesen zu dürfen, heute zum Beispiel bei Focus-Online.

Zum Weiterlesen:

  • Andrew Wakefield is still at it blaming vaccines for autism, Respectful Insolence am 17. Juli 2014
  • Dr. Andrew Wakefield Continues To Speak Out, Age of Autism am 16. Juli 2014
  • Student filmmakers find themselves drawn into the vaccine/autism fray, Los Angeles Times am 20. Juli 2014
  • Hat Ihr Kind alle wichtigen Impfungen? Focus-Online am 21. Juli 2014
  • Ist der Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus nun endgültig vom Tisch? zoon politikon am 4. Februar 2010
  • The media’s MMR hoax, Bad Science am 30. August 2008
  • Diskussion mit Impfgegner: Religiöser Eifer und die Verteidigung der Vernunft, GWUP-Blog am 24. Juni 2014
  • Video: Impfungen, Autismus und der Fall Hannah Poling, GWUP-Blog am 8. Juni 2014
  • Jenny McCarthy‘s Body Count und das Anti-Impf-Gefasel nerviger Pseudo-Promis, GWUP-Blog am 6. Juli 2014
  • Video: Masern, Impfung und Autismus, Astrodicticum simplex am 4. Februar 2014

2 Kommentare zu “Andrew Wakefield ist kein Opfer, sondern Täter der Anti-Impf-Bewegung”


  1. 1 Michael Pfeiffer 22. Juli 2014 um 13:38

    Was man da vielleicht dazu noch erwähnen sollte:

    Wenn “Age of autism” von der “autism community” spricht, meinen sie damit nicht etwa Menschen, die selbst von Autismus betroffen sind.

    In diesem Umfeld sind viel mehr fast ausschließlich Menschen aktiv, die autistischen Menschen ihre pseudowissenschaftlichen Vorstellung von “Heilung von Autismus” aufdrängen wollen. Für die Interessen der Autisten interessieren sie sich im allgemeinen nicht und sie kommen dort auch praktisch nie zu Wort.

    Insofern ist das schon deshalb ganz schön dreist, wenn diese Menschen meinen, für die “autism community” zu sprechen.

  1. 1 Es gibt keine Alternative zum Impfen. Warum nicht? | FSMoSophica Pingback am 5. August 2015 um 12:41

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