Zugegeben, als Songbotschafter wäre ich eine ziemliche Niete. Dass “hinter Van Halens Jump ein Sprung aus einem Hochhaus steckt oder Nik Kershaws I won’t let the sun go down eine Hymne für Umweltschützer ist”, erfahre ich bloß aus der gleichnamigen Sendung bei Antenne Bayern.
Auch der tiefere Sinn von Pink’s Funhouse ist mir bislang verborgen geblieben – obgleich die Passage “This used to be a funhouse. But now it’s full of evil clowns” sich seit Wochen Ohrwurm-artig durch meine Gehörgänge gräbt.
Heute dann mal bei Wikipedia nachgelesen. Und einen sehr klugen Satz von Alecia Beth Moore, genannt Pink, gefunden: “Clowns are supposed to be happy, but they are really scary.”
Absolut richtig. Gibt es etwas Schlimmers als “Menschen, die in großen Schuhen und mit Plastikglatzen auf dem Kopf auf dicke Hintern fallen und dabei Wasser verspritzen oder hupen oder ‘Schöööööön!’ rufen?” Kaum – findet nicht nur die taz-Journalistin Jenni Zylka. Und sie befindet sich mit dieser Meinung in bester Gesellschaft
Der US-Rapper P. Diddy (Sean “Puffy” Combs alias “Puff Daddy”) hat nach eigenem Bekunden panische Angst vor Clowns und reagiert mit Übelkeit, Benommenheit und Atemnot auf die verkleideten Spaßmacher. Angeblich hat Diddy sogar vertraglich festgelegt, dass keine Clowns in seiner Nähe sein dürfen, wann und wo immer er in der Öffentlichkeit auftritt.
Somit haben Clowns bei Puffy wirklich nichts zu lachen.
Auch Hollywood-Star Johnny Depp leidet schlimm an Coulrophobie, wie diese an sich unbegründete, aber krankhafte Abneigung offiziell heißt. Und damit sind nur einige der bekanntesten Clown-Phobiker genannt.
Tatsächlich gibt es anscheinend viel mehr Betroffene.
Der Berliner Tagesspiegel adelte Coulrophobie gar schon zur Volksneurose: ” Das rote Haar. Diese grinsende Wunde von Mund. Die Kleidung, wie von Gichtkranken in der Hölle genäht … Horden von fröhlichen Clowns sind aus ihren Zirkusgehegen ausgebrochen und belästigen Menschen in Schnellrestaurants, Fußgängerzonen und Krankenhäusern. Sie benehmen sich fröhlich, aber es ist eine Fröhlichkeit am Rande der Hysterie, eine manische Fröhlichkeit – nur einen Herzschlag davon entfernt, in mörderischen Zorn umzukippen?”
Ähnliches lesen wir in dem Online-Portal loveyourlife.
Ist das ironisch gemeint?
Nicht unbedingt.
Kein Geringerer als Horror-König Stephen King hüllt in seinem Bestseller “Es” das leibhaftige Böse in ein bauschiges Clownskostüm mit roten Pompons und einer schlaffen Fliege um den Hals.
Und er muss es eigentlich wissen.
In den USA und Großbritannien gehören gar “Phantomclowns”, die Kinder entführen oder ermorden, seit den 1980er Jahren zum festen Repertoire der urban legends, in denen sich üblicherweise Ängste und Befindlichkeiten unserer modernen Zeit in erzählerischer Form ausagieren. Eine Titelgeschichte dazu gab’s in der Fortean Times.
In Deutschland war kurzzeitig Ähnliches zu beobachten: Ein Clown, der Kindern aus diversen Gebüschen heraus aufgelauert haben soll, beschäftigte beispielsweise in Ahlen mehr als hundert Polizeibeamte. Die mit dem mysteriösen Fall betrauten Experten rätseln bis heute, ob der Übeltäter bloß ein Phantasiegespinst gewesen ist – oder tatsächlich existierte und möglicherweise von einem Wanderzirkus in der Nähe aus umging.
Das ist jetzt elf Jahre her. Seit dem ist zumindest in der breiten Öffentlichkeit nichts mehr von unüblichem Clownverhalten bekannt geworden. Bleiben Phantomclowns ein rein amerikanisches Phänomen? Oder sind entsprechende News bloß an uns vorbeigegangen? Ist in Wahrheit auch bei uns alles voller evil clowns?
Wenn ja – bitte Nachricht ins Kommentarfeld eingeben!
Zum Weiterlesen:
- Bernd Harder: Warum machen Querstreifen dick? Neue Rätsel des Alltags. Droemer/Knaur 2007

Natürlich ist auch bei uns alles voller Clowns! Allerdings verkleiden sie sich hierzulande weniger auffällig (sieht man einmal von den lustigen Herren im Priestergewand ab), nämlich als Homöopathiker, Naturheiler, Parapsychologen, Reiki-Meister und dergleichen. Die sehnsüchtige in einem Imperativ versteckte Frage “Tell me why all the clowns have gone / Tell me where did they run” aus dem Song “All the clowns” der Band EDGUY dürfte hiermit hinreichend beantwortet sein.
Dazu gibt es eine filmische Dokumentation von 1988: “http://en.wikipedia.org/wiki/Killer_Klowns_from_Outer_Space” target=”_blank” rel=”nofollow”>Killer Klowns From Outer Space“. Woran man wieder erkennen kann, daß die Aliens an allem schuld sind: Evolution, Vaginalverletzungen und Angst vor Clowns.
Mein Sohn erkrankte im Alter von 9 Monaten an ALL und musste für ein gutes halbes Jahr zur Behandlung ins Krankenhaus. Er war zu dieser Zeit sehr vertrauensvoll und zugänglich. Ärzte, Krankenschwestern und Fremde, alles kein Problem – nur eines nicht: Die CliniClowns! Das ist in Österreich ein Verein von Leuten, die in Kinderkrankenhäusern als Clowns verkleidet versuchen, die Patienten zum Lachen zu bringen. Bei meinem Sohn hat das regelmäßig das Gegenteil bewirkt. Er musste sie nur kommen sehen, schon ging das Geheule los! Dabei haben die sich wirklich sehr bemüht, mit kleinen Zaubereien, bunten Luftballons und harmlosen Späßchen, aber keine Chance, er mochte keinen von ihnen.
Selbst Jahre später, als wir regelmäßig zur Kontrolle ins Krankenhaus mussten, ging er ihnen sofort aus dem Weg, sobald einer von ihnen den Flur entlang kam. Ich hab’s nie verstanden, und verstehe es auch heute noch nicht. Andererseits verstehe ich auch nicht, warum z.B. meine Tochter keine Rosinen mag….
Das einzige, was mir dabei wirklich Angst macht, ist die Vorstellung, dass Humor und Fröhlichkeit tatsächlich in breiter Masse auf grenzdebiler Basis stehen könnte. Neben den Clowns gibt es da eine Menge weitere Beispiele der allgemein zugänglichen und präferierten “Humorspender” von Atze Schröder, diverser Jecken und natürlich die dauergrinsenden Frohsinnsvolksmusikanten. Im übrigen sind meiner Meinung nach Clowns eher traurige Gestalten.