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Die Superspreader-Sekte „Shincheonji“ ist auch in Deutschland aktiv

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Ein Nachtrag zu dem Studientag „Gefährdungspotentiale konfliktträchtiger Gruppen“ am vergangenen Samstag in Augsburg:

Gleichwohl Sekten – oder „religiöse Sondergemeinschaften“, wie man heute sagt – nicht zu unseren Kernthemen gehören, schadet es wohl nichts, wenn der Begriff „Shincheonji“ (übersetzt etwa „Neuer Himmel und neue Erde“) in der Blog-Suchfunktion zumindest auffindbar ist.

Offenbar missioniert diese christlich-fundamentalistische Neureligion aus Korea wie die klassischen „Seelenfänger“ in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren.

Aussteiger berichten, dass sie zum Beispiel in einer Buchhandlung angesprochen worden und von sehr netten jungen Menschen um Hilfe bei einem Uni-Referat oder bei der Literatursuche gebeten worden seien.

Nach einigen zwanglosen Treffen erfolgt dann die Einladung zum Bibelstudium oder einem Gesprächsabend über friedensethische Themen – und bald finden sich die Interessenten in einer streng hierarchisch aufgebauten Endzeitgruppierung wieder, die

… enormen Druck aufbaut, selbst zu missionieren und sich immer zeitaufwendiger für die Ziele von Shincheonji einzusetzen. Berufs- und Studienabbrüche sind bekannt, Familiensysteme leiden und soziale Systeme gehen in die Brüche,

heißt es in einem Infoblatt des Zentrums Oekumene in Frankfurt.

Eine Broschüre (auf die auch das Hauptstadtportal Berlin und das Sekten-Info NRW verweisen) steht hier zum kostenlosen Download bereit.

Auch das Y-Kollektiv hat über die Neureligion aus Südkorea berichtet (bei Youtube oder in der ARD-Mediathek):

Sekte Shinchonji? Was steckt hinter der koreanischen Neu-Religion?

Den Aussteiger-Podcast exCited von Robin und Sophie gibt’s bei Youtube sowie bei den bekannten Plattformen.

Zu Beginn der Corona-Pandemie machte Shinchonji in Korea wegen ihrer Superspreader-Events Schlagzeilen. Die Bild outete vor zehn Tagen eine DSDS-Kandidatin als Shinchonji-Aussteigerin.

Zum Weiterlesen:

  • Essen: Korea-Sekte breitet sich aus – was sie brandgefährlich macht, derwesten am 10. März 2023
  • Im Bibelkurs einer Sekte: Zwei Aussteigerinnen warnen vor Shincheonji in Wien, derStandard am 4. März 2020
  • Shinchonji: In den Fängen der koreanischen Sekte, unicum am 13. März 2018
  • Sekte soll Corona-Verbreitung nicht gestoppt haben – Mordermittlungen gefordert, rp-online am 2. März 2020
  • Wie eine koreanische Sekte das Coronavirus verbreitete, meine-kirchenzeitung am 7. März 2020
  • Am Beginn der Corona-Epidemie in Südkorea stand eine Sekte – warum wuchert ausgerechnet hier die wilde Religiosität der Evangelikalen? NZZ am 1. April 2020
  • Hotspot in Südkorea : Stadt Daegu verklagt Sekte wegen Corona, FAZ am 23. Juni 2020

5 Kommentare

  1. „Shinchonji: Der unsterbliche Pastor der Endzeit“:

    https://secta.fm/shinchonji/

    „Bonusfolge „Shincheonji-Update“:

    https://secta.fm/wsw22-shincheonji/

  2. Die Kundschaft der etablierten Betbudenbetreiber warnt vor den neuen Betbudenbetreibern.
    Das ist doch Satire, oder nicht Herr Harder?

  3. @uwe hauptschueler:

    Nein, das ist keine „Satire“.

    Wie in dem Artikel steht, greifen auch staatliche Sektenberatungsstellen wie Berlin und Essen auf die Broschüre vom Zentrum Oekumene zurück bzw. verbreiten diese, einfach weil es derzeit noch kein anderes Material zu Shinchonji gibt.

    Und müssen wir diese Diskussion eigentlich jedes Mal wieder aufs Neue führen?

    Die allermeisten Weltanschauungsbeauftragten der beiden großen Kirchen leisten relativ neutrale und fachlich gute Arbeit. Ich denke, das kann ich mit meinen weitreichenden Kontakten ganz gut beurteilen.

  4. Zu den so genannten „Seelenfängern“: Endbericht der Enquete-Kommission „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ des Deutschen Bundestages, 13. Wahlperiode, Drucksache 13/10950, 1998.

    https://dserver.bundestag.de/btd/13/109/1310950.pdf

    Darin sind auch Berichte zu satanischen Gruppen enthalten, aber ohne Panik.

  5. @uwe hauptschueler:

    Ich bin seit vielen Jahren bfg-Mitglied, habe aber von Natur aus etwas gegen Leute, die hier kommentieren, um andere „hochzunehmen“.

    Suchen Sie sich dafür eine andere Spielwiese.

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