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Video mit Sebastian Bartoschek: „Wie alternativ darf Medizin sein? Spirituelle Heilerin trifft Psychologen“ bei ZDFKultur

| 7 Kommentare

Man muss Sebastian Bartoschek dafür bewundern, dass er in diesem Gespräch so ruhig bleibt:

Wie alternativ darf Medizin sein? Spirituelle Heilerin trifft Psychologen

Das neue Youtube-Format von ZDFKultur („unbubble – raus aus der eigenen Blase, rein in den Austausch“) mag ja gut gemeint sein.

Aber spätestens bei Minute 19 tritt die Problematik dieser Sendung hervor, als die „Heilpraktikerin für Psychotherapie, spirituelle Heilerin und Hexe“ in einem Wortschwall von eineinhalb Minuten dem Psychologen Bartoschek ihre ganze verquaste Esoterik vor die Füße kippt.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Da waren jetzt so viele Sachen dabei, wo ich mir gedacht habe: What the Fuck?

ist da noch eine sehr sympathische Reaktion von Bartoschek, dem man nichtsdestotrotz die Qual ansieht.

Das Ganze endet kurz danach recht abrupt, ob es eine Fortsetzung gibt, bleibt offen.

Bartoschek stellt jedenfalls abschließend klar:

Ich glaube, Kompromisse zwischen uns wären bezogen auf ganz enge Einzelfälle möglich, aber nicht mit Blick auf alles, was größer ist als ein spezieller Einzelfall.

Zum Weiterlesen:

  • Grams‘ Sprechstunde: Heilpraktiker und Psychotherapie – Therapie ohne Ausbildung, detektor.fm am 1. September 2022
  • Neue Forderung: Auch der Heilpraktiker für Psychotherapie gehört abgeschafft, GWUP-Blog am 26. August 2017
  • Argumente, die scheinbar für Heilpraktiker sprechen, publikum-net am 23. August 2022
  • ZDFkultur startet mit „unbubble“ neuen YouTube-Kanal, presseportal am 25. Mai 2022

7 Kommentare

  1. Hallo Bernd !

    Es hat schon einen Grund, warum Heilpraktiker nicht von den Kassen anerkannt sind. Das ist doch alles eher eine komische Bauchgefühl-Geschichte, die man glauben kann oder nicht.

    Das hat aber nichts mit der bewährten und Evidenz-basierten Medizin zu tun. Man sollte Heilpraktiker eher als Lebensberater/Life-Coach sehen, aber nicht als Mediziner.

  2. Sorry Micha S.

    Die Seelenklempner HP, die ich kenne gelernt habe richten für mich einen massiven Schaden an Menschen, Beziehungen, etc. an.
    An jede HP Praxis gehört ein Warnhinweise in der Größe eines Wahl-Plakates.

    Und jedem der da hin geht müsst ein Aufklärungsbogen zu fehlenden Evidenz zur Durchsicht und Unterschrift ausgehändigt werden.

  3. Immerhin hat sie ein Mindestmaß an Standards formuliert, die man überschnappenden Dilettantenheilern unter die Nase reiben könnte:

    Zumindest ab einer bestimmten Schwere psychischer Leiden bedarf es professioneller medizinischer Hilfe, da darf man auf keinen Fall den unsichtbaren Engel Willi ranlassen.

    Auch der Engel Werner und wie er auch immer heißt kann bei sowas nur Schaden anrichten.

  4. @Micha S.:

    Sorry für die Enttäuschung, aber über den Topic der „sonstigen Leistungserbringer“ im Satzungsleistungskatalog des § 11 Abs. 6 SGB V sind durchaus auch Erstattungen für Heilpraktikerleistungen möglich – und das macht eine kleine Handvoll Kassen auch.

    Warum das nicht auf breiter Front geschieht? Weil die Kassen dann einen Ansturm auf solche Leistungen befürchten. Im Grunde werden innerhalb der Kassenszene die „Kollegen“ mit HP-Erstattungen auch deshalb gar nicht so gern gesehen.

    Man muss aber festhalten: Offenbar hat Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) seinerzeit (2012) nichts dabei gefunden, dieses Törchen auch für HP-Leistungen zu öffnen.

  5. Wir haben heute im Susannchen-Postfach schon recht ungehaltene Zuschriften von FollowerInnen erhalten, mit der Bitte, unsererseits mal dem ZDF so richtig auf die Füße zu treten.

    Nun ja. Was gibt es dazu zu sagen?

    Man kann über die Sinnhaftigkeit eines solchen Formates schon streiten. Auf den ersten Blick ist das so etwas wie die „absolute false balance“, könnte man meinen. Aber das stimmt so auch wieder nicht, es ist ein Konfrontationsformat, das durchaus dazu geeignet sein kann, dem Zuschauer eine Position zu vermitteln und ihn nicht ratlos zurückzulassen. Hardcore-AnhängerInnen einer bestimmten Richtung überzeugt man damit nicht, wie ja hier auch die Kommentare bei Youtube zeigen. Überzeugt man Gegner oder Zweifelnde?

    Man muss aber wohl noch weiter differenzieren. Dieses „unbubble“-Format nimmt sich ja in der Regel Themen vor, die von zwei Positionen aus durchaus diskussionsfähig sind (z.B. die Legalisierung von Cannabis). Nun haben „wir“, die Streiter gegen Pseudomedizin, natürlich erstmal den Reflex, die Position der „geistigen Heilerin“ für nicht diskussionsfähig zu halten. Im Vergleich zu anderen Themen mag sie das auch sein – aber absolut gesehen, es gibt diese Menschen, diese Szene und dieses Phänomen und zum „Totschweigen“ und Ignorieren dessen hat ein Fernsehsender keinen Anlass.

    Bleibt also die Frage, ob hier unangemessen „Werbung“ für den Geistheiler-Unsinn gemacht wird. Das finden wir durchaus nicht. Wir finden, ganz im Gegenteil. Die aufgeregten Kommentare zeigen doch gerade, dass eher die Sorge besteht, die Sendung könne doch gerade dieses Gegenteil bewirken! Und das ist nicht das erste Konfrontationsformat, bei dem wir sehen, dass sich die „alternative“ Seite doch unterm Strich eher selbst diskreditiert. Und um den letzten Aspekt noch zu beleuchten: etwas Besseres, als die Dame ihre Suada abspulen zu lassen, konnte Sebastian Bartoschek kaum tun … .

    Was bleibt? Man kann so ein Format ein wenig fragwürdig finden, weil es immer hart am Rande von „false balance“ entlangschrammt (aber glücklicherweise nicht annähernd das Niveau der Konfrontationsshows im US-Fernsehen erreicht). Man kann in diesem besonderen Fall sehr wohl die Themenauswahl für einen Missgriff bis fragwürdig halten, weil wir sie aus skeptischer Sicht für kaum bis nicht diskussionsfähig ansehen – gleichwohl ist sie Teil der Realität. Mehr aber auch nicht.

    Es bleibt ein Aufseufzen und Kopfschütteln darüber, dass solche durchaus nicht uninteressanten Formate (es sind ja sozusagen Mini-Talkshows) mit zweifelhaften Themenstellungen produziert werden. Auch ein Nachdenken darüber, ob man als Skeptiker solche Sumpfblüten mit seiner Mitwirkung adeln sollte (wir vom INH stehen inzwischen für Formate, die im Boulevardverdacht stehen, eher nicht mehr zur Verfügung). Aber einen Werbeeffekt, wie einige unserer Follower meinten, pro Geistheilung und Co. sehen wir hier eher nicht.

    Würde man die Macher des Beitrags fragen, würden sie vermutlich antworten, das sei doch offenkundig, dass sich die Dame hier selbst entlarvt. Ist ungefähr so wie vor einer Weile mit dem Anti-Homöopathie-Film, wo sich nach der Absicht des Filmemachers, Herrn Lemke, die Homöopathen um Kopf und Kragen reden sollten, ohne dass das für den nicht kundigen Zuschauer irgendwie eingeordnet wurde. Eigentlich war es wegen der Anwesenheit von Sebastian Bartoschek hier weit besser.

    Und der Beitrag unterstreicht massiv, dass die Heilpraktikerzunft ohne Wenn und Aber entweder abgeschafft oder auf ganz neue Beine gestellt werden muss, einschließlich einer Revision des „Geistheilerurteils“, der diese Zunft außerhalb der Regelungsbefugnis des Gesetzgebers stellt. Dafür sei ihm ein gewisser Dank.

  6. Das war jetzt wohl ein, nicht nur auf energetisch spiritueller Ebene, weichgespülter Beitrag. Nichts gegen die Beiträge von Sebastian Bartoschek, er hat ja einige Male den Begriff „Evidenz“ im Sinne des englischen „evidence“ erwähnt aber an seiner Stelle hätte ich mehr Evidenz für die Prämissen der Diskussionspartnerin eingefordert.

    Ein naturwissenschaftlich vorgebildeter Diskutant hätte schon bei diesen, ausserhalb der physikalischen Definition verwendeten Begriffen „Energie“ bzw. „energetisch“ eingehakt. Ich verstehe allerdings auch, dass das Konzept diese Formates eine intensivere Auseinandersetzung nicht zulässt. Ich würde mir nur für solche Diskussionen wünschen, dass auf Seiten der Vernunft ein Hybrid aus z.B. Richard Dawkins und James Randi stünde, wenn es denn noch möglich wäre.

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