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Neuer Gesundheitstrend: Da, wo die Sonne nicht hinscheint

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Professor Edzard Ernst besitzt wieder einen deutschen Pass.

Warum, führt er in einem Gastbeitrag für Welt-Online aus:

Vieles von dem, was mich dazu gebracht hatte, Brite sein zu wollen, war innerhalb weniger Monate verschwunden. Toleranz, Understatement, Bescheidenheit, Common Sense, das alles war kaum mehr zu spüren. Mit anderen Worten: Es war an der Zeit, meinen Standpunkt zu überdenken.

In einem weiteren aktuellen Artikel für Welt+ warnt Ernst vor einem neuen Gesundheitstrend:

„Perineum-Sonnen“ bedeutet unprosaisch soviel wie „sich die Sonne IN den Arsch scheinen zu lassen“, erklärt GQ ohne drum herumzureden.

Prof. Ernst etwas detaillierter:

Das Perineum, oft auch als Damm bezeichnet, ist die kleine Fläche zwischen unserem Anus und den Geschlechtsteilen, ein Bereich also, den wir nicht gerade routinemäßig der Sonne aussetzen. Die Behandlung ist denkbar einfach und völlig kostenlos:

Man entkleidet bei Sonnenschein die untere Hälfte seines Körpers und baut sich so auf, dass der Damm von der Sonne beschienen wird. Die Rückenlage ist dabei wohl noch die diskreteste und daher empfehlenswerteste Stellung.

Trotz der gewöhnungbedürftigen Durchführung ist das Perineum-Sonnen in gewissen Kreisen nicht nur „en vogue“ – dem Verfahren werden sogar vielfältige Gesundheitsvorteile angedichtet.

Ganz so neu ist das Ganze nun indes nicht. Zu einiger Po-(har, har)pularität brachte es schon vor drei Jahren dieses Foto:

Wie Ernst ausführt, geht es dabei allerdings nicht ums Bräunen. Vielmehr sei das Sonnen des Damms eine alte taoistische Praxis:

Anwender behaupten, dass das Perineum das „Tor ist, durch das die Energie in den Körper ein- und austritt“. Enthusiasten meinen zudem, dass das Perineum-Sonnen ihrem Körper eine intensive Dosis Vitamin D und damit einen deutlichen Energieschub gibt. Andere gehen sogar noch weiter.

Schlicht gesagt ist das alles Nonsens. Real sind laut Ernst dabei nur die Gefahren: Sonnenbrand, Hautkrebs, Hexenschuss:

An diesem Beispiel zeigt sich einmal mehr, dass viele Methoden der „sanften“ Alternativmedizin nicht nur wirkungslos sind. Bei zweifelhaften Praktiken, die von Influencern und Prominenten beworben werden, drohen sogar echte Gefahren.

Ob nun durch das Unterlassen einer echten medizinischen Behandlung – oder einen verbrannten Anus.

Zum Weiterlesen:

  • Edzard Ernst: Warum ich jetzt wieder Deutscher bin, Welt-Online am 27. Juli 2022
  • Wellness-Trend „Perineum-Sonnen“ – bizarr und gefährlich, Welt+ am 31. August 2022
  • Poloch sonnen? Ärzte warnen vor TikTok-Trend, tag24 am 2. September 2022
  • Po-Loch-Sonnen ist der neueste Gesundheitstrend im Netz, best of social media am 26. November 2019
  • „Perineum Sunning“: Dieser Trend ist einfach nur schräg, GQ am 7. Dezember 2019

2 Kommentare

  1. Soll ich mich jetzt freuen, weil meine Hautärztekollegen in den nächsten Jahrzehnten mehr Arbeit bekommen werden? Oder lieber doch deshalb, weil ich den Leuten ziemlich unverblümt ins A…loch starren kann?

    Als bekennender Nackt-im-Schatten-auf-der-Wiese-Lieger weiß ich gerade nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ich glaube, ich weine lieber, das erscheint mir angemessener.

  2. Ich bewundere wieder einmal die Menschen, welch schöne Formen sie sich ausdenken, um sich in dieser komplexen Welt, zurechtzufinden. Damit es mir besser geht, ich beruflicher erfolgreich bin, bei den Frauen gut ankomme, Liste bitte beliebig erweitern, muss mir die Sonne nur in Verzeihung auf den A… scheinen.

    Der Tag ist gerettet.

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