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HiFi-Voodoo mit Verbindungskabeln

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Über „Hi-Fi-Tuning: Physik oder Esoterik?“ haben wir im Skeptiker 3/2010 berichtet.

Jetzt greift auch die Webseite HiFi-Aktiv das Thema auf (via Esowatch):

Mit Hilfe der HiFi-Magazine und der Tatsache, wie leicht Leute dem berühmten Placeboeffekt erliegen, wird hier ordentlich abgezockt.“

Speziell geht es um Verbindungskabel.

Ein Auszug:

Das Thema Verbindungskabel hat sich rasend schnell zu einer eigenen “Wissenschaft” entwickelt.

Viele neue Firmen entstanden, die sich nur auf die Produktion von Kabeln und Steckverbindungen für die HiFi-Anwendung spezialisiert haben. Durch den Einsatz bestimmter Materialien und zweckdienlicher “Architektur” sollen Übertragungsverluste (!) vermieden – und dadurch der Klang verbessert werden.

Dabei blieb es aber nicht nur bei den “üblichen” Verbindungen wie Cinch- oder LS-Kabel. Auf der Suche nach weiteren “Schwachstellen” einer HiFi-Kette fanden clevere Leute bald neue Ansatzpunkte zum Geld verdienen. So sollen auch die Netzkabel entscheidenden Einfluss auf den Klang von HiFi-Komponenten nehmen. Mit an den Haaren herbeigezogenen Erklärungen, die weder ein Fachmann und schon gar kein Laie versteht, werden den letzten 1,5 Metern einer Stromversorgungsleitung klangbeeinflussende Eigenschaften angedichtet.

Und weil auf diesem Gebiet ohnehin schon alle Schranken gebrochen waren, fand man dann auch gleich noch klangliche Unterschiede zwischen den Digitalleitungen. Die HiFi-Magazine – immer auf der ewigen Suche nach Sensationen – griffen alle diese Themen freudig auf. Interessanterweise haben sie aber meist völlig andere Erklärungen dafür, warum ein bestimmtes Kabel einen speziellen Klangcharakter mit sich bringt als der Hersteller selbst.

Kein Wunder, denn in Wirklichkeit gibt es dazu ohnehin keine vernünftige Erklärung.

Fest steht, dass die Industrie, die Medien und der Handel das gesamte Kabelthema geschickt am Kochen halten, weil damit viel Geld zu verdienen ist. So lange alle Beteiligten unentwegt das Gleiche predigen, wird dieser “Zauber” auch bestehen bleiben. Aber es ist schon erstaunlich, wie leicht man einzelne Personen und sogar ganze Menschengruppen manipulieren kann.“

Zum Weiterlesen:

16 Kommentare

  1. Das Thema gibt es schon seit Jahrzehnten und es wird wirklich unglaubliche Kohle damit gemacht. Hifi-Freaks sind dafür auch so empfänglich, weil es mit normalen mitteln fast unmöglich ist, objektive Vergleiche – sprich Doppelblindversuche – anzustellen.

    So glaubt man denn tatsächlich, dass ein teures Digitalkabel – trotz besseren Wissens, dass dies gar nicht möglich ist – besser klingt als ein billiges.
    Doch die Kabel sind ja gar nicht das irrste. Da werden Lacke verkauft, die angeblich den Klang verbessern, wenn damit die Chips in CD-Playern bestrichen werden, manche schwören auf Polituren für CD’s, und malen deren Ränder mit Textmarkern an, um „Reflektionen zu absorbieren“ oder sie stellen sündteure, hässliche Holz-Skulpturen auf, die „für den Klang schlechte Elektromagnetische Streustrahlung“ absorbieren sollen.

    Leider wissen die wenigsten von diesen Leuten vom Placeboeffekt. Bleibt ein Trost: wenigstens glaubt keiner, dass ein teures, wirkungloses Kabel eine gefährliche Krankheit kurieren kann.

  2. Vorsicht, auch bei Digitalkabeln kann es prinzipiell durchaus Unterschiede geben. Moderne Protokolle kennen Redundanz und möglicherweise verlustbehaftete Fehlerkorrektur. Im allgemeinen sind die üblichen Leitungen aber gut genug, und bei Audio ist die Übertragungsrate ohnehin nicht sehr hoch.

    Ansonsten volle Zustimmung. Audiophilie ist die männliche Variante der Esoterik. Das Gequatsche der Hifi-Editorials steht dem der Homöopathen in nichts nach. Da werden die klassischen pseudophilosophischen Geschütze aufgefahren.

    Gerade Audio-Profis lachen sich über die Spinner mit ihren unbalancierten Cinch-Verbindungen kaputt.

  3. Mein Favorit ist immer noch der „Original Transformer“:

    http://www.audiophil-online.de/energiewirbel/highendnovum-ot.html

    Aber der Entstör-Stab aus dem Hause „Phonosophie“ ist auch nicht übel:

    http://www.audiophil-online.de/energiewirbel/phonosophie-activator-stab.html

  4. Vor 25 Jahren musste man unter ein Bein seines Plattenspielers, der nur von Firma L. sein durfte, ein Stück Papier, oder war es Pappe, legen, und den auf einen kleinen Tisch stellen, der nur von Mobelhaus I. sein dürfte, sonst wurde man vom Hifi-Guru des Bekanntenkreises, der natürlich seine Boxen selber baute, als Idiot angesehen und ausgelacht.

    Damals gab es auch ein mit Quecksilber gefülltes Audiokabel, das einen ganz ganz tollen ätherischen Klang machte. War natürlich teuer. Für den Preis bekam man schon einen total seelenlosen CD-Player.

    Bald gibt es ein mit yogischer Lunar-Quanten-Tachionenenergie geladenes Kabel, dass die Musik schon überträgt bevor man sie überhaupt abgespielt hat. Dabei nur die positiven Schwingungen (also nur die Wellenberge) durchlässt. „Die Musik klingt dann zwar seltsam, aber das tut Dir total gut, Du. Ohm.“

  5. Die Seite von Hifi-Aktiv ist zwar in eine neues Gewand gekleidet, aber sie ist seit vielen Jahren ein Anlaufpunkt für Hifi-Freunde ohne Hang zum Voodoo. David Messinger (der Betreiber) war lange Zeit einer der ganz wenigen, der seinen Kunden reinen Wein eingeschenkt hat.
    Wobei nicht jeder Händler betrügerisch vorgeht: viele glauben tatsächlich daran und erliegen ihren Suggestionen, die sie wiederum anderen in Form von Voodoo-Produkten verkaufen.

    @Daniel: Die Fehlerkorrektor arbeitet normalerweise verlustfrei. Davon abgesehen gibt es bei Digitalkabeln zwei Möglichkeiten: das Signal kommt an, oder es kommt nicht an. Wenn das Kabel keinen Fehler hat, dann kann es keine Verluste geben.

  6. Das ist natürlich typisch… Sie ignorieren mal wieder UNZÄHLIGE BELEGE durch AKUSTISCHE KORYPHÄEN, die EINDEUTIG BEWIESEN haben, dass nur spezielle Kabel aus rechtsdrehendem, monokristallinem Himalaya-Kupfer mit positiv geladenen Hochpräzisions-Gold-Kontakten und quantenschwingungs-optimiertem Resonanzfeld einen audiophilen Hochgenuss ermöglichen. Doch diese BAHNBRECHENDEN Erkenntnisse zur Psychoakkustik werden natürlich seit Jahren durch eine VERSCHWÖRUNG von IGNORANTEN aus der LoFI-MAFIA bewusst unterdrückt. Selbst verwenden diese Verbrecher aber nur Kimber „Black Pearl“ Kabel, denn sie wissen, was gut ist! Ich habe von jemandem erzählt bekommen, der das beschwören kann! Also nicht irgendjemand ANONYMES.
    Außerdem gilt noch immer: WER HÖRT HAT RECHT.

  7. Den Rand (genauer: Die Kante?) einer CD zu schwärzen, kann durchaus die Reflektionen vermindern und so einer selbstgetoasteten CD dazu verhelfen, störungsfrei in einer betagten kleinen Rappelkiste zu laufen.
    Dies soll natürlich nicht das grundsätzlich ekelhaft dekadente Thema verwässern.

  8. @yak martin: Das stimmt nicht. Das Schwärzen der Ränder hat überhaupt keinen Effekt, weil Streulicht kein Problem bei der CD Abtastung darstellt. Dieses Märchen wurde von einem Aprilscherz(!) ausgelöst, der sich verselbstständigt hat.

  9. @Mario
    Kimber “Black Pearl” Kabel ist doch dieser Highend-Guru, der in beiden Ohren immer eine Hopi-Kerze hat.

  10. @André: Im allgemeinen hast Du schon recht, aber ich wäre mit absoluten Aussagen hier vorsichtig. Die Fehlerkorrektur von Audio-CDs beispielsweise arbeitet nicht verlustfrei. Das passiert natürlich bei CDs bereits vor dem Kabel, so dass dieses hier keine Rolle mehr spielt.

    Mir ging es ohnehin mehr darum, dass digital nicht immer ganz-oder-gar-nicht bedeutet. Bei DVB zum Beispiel auch nicht.

  11. @Pat
    Eine CD zu polieren hat dann Sinn, wenn die CD zerkratzt ist. Ich konnte nach einer Zahnpastapolitur schon Inhalte mancher Daten- und Audio-CDs retten, die durch Kratzer vorher kaum lesbar waren. Nach so einer Rettung blieb die dann aber natürlich Müll und mit Klangverbesserung hat das rein gar nichts zu tun.

  12. Herrlich wie es Daniel Elstner mit dem Satz;
    „Audiophilie ist die männliche Variante der Esoterik.“
    auf den Punkt bringt. Denn die hier ins Visier genommenen Verbindungkabel sind doch nur die Spitze des Eisberges. Es geht z.B. weiter damit, daß alte Röhrenvestärker mit 5% Kirrfaktor besser klingen als neue Verstärker mit unmessbar kleinem Wert, daß bei Verstärkern die stromfressende sog. „A“-Schaltung hörbar besser ist, daß eine zerkratzte alte Platte besser klingt als eine voll digital aufgenommene CD. Ob das alles unter Voodoo zu rechnen ist, sei dahingestellt, aber grenzwertig ist es allemal.

  13. Liebe Leute, das Hi-Fi Thema nimmt kein Ende. Also lassen wir es. Es ist einfach so, dass ich selbst mal den Rand einer CD wie empfohlen angemalt habe. Extra im sehr aufwendigen Analyzer für die Qualitätskontrolle in einer CD Fabrik (dort üblich!) war KEIN Unterschied festzustellen, obwohl jedes Detail festgehalten wurde. KEIN UNTERSCHIED. Wie oft habe ich solche Artikel gelesen.. doch niemals darüber, dass die CDs in einem professionellen Analyzer analysiert wurden. – Wohl verstanden, die Präzision einer CD ist sehr gut messbar. Wenn dann der Filzschreiber keinen Unterschied macht, dann wars wohl doch nur ein Psychopfupf. Bei GWUP sollte das wissenschaftlich diskutiert werden… das ist ja bereits ein fürchterliches blabla! – Einige Dinge haben in den letzten 35 Jahren im HI-Fi Bereich auch für mich unglaublich ausgesehen. Solche, die hörbar waren, hatten auch klare wissenschaftliche Hintergründe. – Eine Tatsache ist, dass im Hi-Fi Bereich viele Bastler unterwegs sind, die ihre Sache als „wissenschaftlich“ darstellen. Ich kann euch aber mit absoluter Sicherheit sagen: Im Hi-Fi Bereich ist das alles zu 100% objektivierbar. – Echt guter Klang zum vernünftigen Preis kommt nur von Leuten, die wirklich was davon verstehen. Das sind insgesamt doch recht wenige.

  14. Herr Wauer, was Sie da beschreiben, ist bei Fachleuten völlig bekannt und was die Hi-Fi Freaks zum Verzücken bringt, bringt bei echten Fachleuten ein müdes Lächeln. – Die Class A-Schaltung hat klare Vor- und Nachteile. Das ist keine Esoterik, das ist bestens erforscht und bekannt. – Es gibt aber noch ganz andere Dinge in Verstärkern, die einen wesentlichen Einfluss auf den Klang haben. Davon wirk in der Öffentlichkeit kaum diskutiert, weil es bei den Hi-Fi- Freaks und teils Hi-Fi Zeitschriften mangels Fachkenntnissen einfach nicht bekannt ist. – Bei Fachleuten übrigens auch nicht immer. – Es gibt Hersteller-Firmen, wo Ingenieure vom Preis abhängig für Konsumenten kontruieren, mit vorgegebenem Datenblatt. – Es gibt aber auch Musikliebhaber, die für andere Musikliebhaber kontruieren und ebenfalls Ingenieure sind. – Ist klar, welches Gerät klanglich mehr bietet? – Ich lese seit Jahrzehnten immer dieselben abgelutschten unpassenden Ausdrücke wie „Das neue Gerät der Edelschmiede sowieso“ – so ein Quatsch…. — „Der Klang ist präzis wie auf einer Perlenkette“ – Mann, HI-Fi Fans, habt ihr nicht auch genug von solceh Sprüchen? – Traut euren Ohren. – Vergleicht. Kauft dort, wo sie nicht nur sehr teure Geräte haben, vergleicht diese mit den preiswerteren. – Hört bitte auf mit der Esoterik in Hi-Fi. Das ist unnötig. – Es sollte einfach um den guten Klang gehen. – Danke. –

  15. Analytisch hören will aber gelernt und trainiert sein. Andernfalls kauft man jeden Vodoo.

  16. Natürlich haben Kabel einen Einfluss. Das muss man aber verstehen.

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