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Handy in Chaplin-Film von 1928?

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Da wir gerade so nett beim Thema „Fehldeutungen“ und „Wahrnehmungstäuschungen“ sind: Welt-Online wirft aktuell die Frage auf, ob in dem Charlie-Chaplin-Stummfilm „Der Zirkus“ aus dem Jahr 1928 eine Frau zu sehen ist, die mit einem Handy telefoniert:

Das ist zumindest die Interpretation des irischen Filmemachers George Clarke, die er am Donnerstag im amerikanischen Fernsehen darlegte. Ein Ausschnitt zeigt eine Frau mit Hut, die an einem Zirkuszebra vorbeigeht und dabei etwas an ihr Ohr hält und offenbar hineinspricht. Tatsächlich sieht es verblüffend so aus, als würde die Frau telefonieren. Aber selbst Funkgeräte gab es damals noch nicht als Handgeräte.
Clarke mutmaßt, dass die Frau eine Zeitreisende sei.“

Na denn, fröhliches Deuten und Diskutieren!

Zum Weiterlesen:

  • Zirkus um Handy-Telefonat in Chaplin-Film, Süddeutsche Zeitung am 29. Oktober 2010
  • Frau telefoniert mit Handy in Film von 1928, Bild-Online am 28. Oktober 2010
  • Eine Frau mit Handy – im Jahr 1928? Science-Blog Frischer Wind am 27. Oktober 2010
  • Das Chaplin-Geheimnis, Süddeutsche am 29. Oktober 2010
  • Experten lösen Rätsel um Handy in Chaplin-Film, Bild-Online am 30. Oktober 2010
  • Siemens 1924 Hearing Aid Might be Mystery Object in Charlie Chaplin Time Travel Video, TechBlog am 29. Oktober 2010

16 Kommentare

  1. ROTFL! Über welches Netz hat sie denn dann bloß telefoniert? ^^

    Es gab zur damaligen Zeit diverse Hörgeräte, deren Empfänger ähnlich wie Handys aussahen. Vllt. sollte der Guteste mal lieber in diese Richtung recherchieren?

  2. Es gab damals ein Siemens-Hörgerät, wo das Mikrofon in einer Umhänge-Tasche steckte. Die Schallimpulse wurden in elektrische umgesetzt und per Kabel einem Membran zugeführt, das im Rhythmus des Schallimpulse schwang. Das Membran drückte man ans Ohr, und seine mechanischen Schwingungen wurden als akustische Informationen wahrgenommen. Das Gerät wird u.a. hier beschrieben: http://hearing.siemens.com/de/10-ueber-uns/01-meilensteine/meilensteine.jsp?year=1924 .

  3. Laut Wikipedia gibt es TRAGBARE Hörgeräte aber erst seit den 50’er Jahren, mal abgesehen von der Stromversorgung.

    Außerdem, mit wem spricht die Frau in dem Film? Sie gestikuliert auch so, wie man es bei einer angeregten Unterhaltung tun würde.

    Und was die Frage mit dem Netz betrifft – da Zeitreisen derzeit (ha ha!) nicht möglich sind, käme diese Frau natürlich aus einer weit entfernten Zukunft – das Ding, was sie da hat, wäre demnach wohl kaum ein Handy, so wie wir es kennen. vielleicht telefoniert sie „in ihre Zeit“, vielleicht aber auch mit jemanden, der sich ebenfalls ins Jahr 1928 begeben hat – da würde dann ein einfaches Walkie Talkie reichen.

    Vielleicht ist es aber auch ein Alien, der ins Mutterschiff telefoniert…

    :-)

  4. @Der Planet Saturn lässt schön grüßen: Woher kennst Du denn diesen Film?

  5. Erinnert mich an Enterprise, wenn Kirk mit seinem Kommunikator in die Vergangenheit gereist ist..;-) Typischer Fall von Fehldeutung, wir sehen kein Handy und die hätten damals auch nicht funktioniert, wir sehen nur eine Frau hält sich was ans Ohr und spricht. Nicht mehr, nicht weniger, wie bei UFO-Sichtungen. Ich sehe was am Himmel was ich nicht erklären kann. Punkt. Und dann geht’s erst los mit „Ausserirdische“, Militärprojekte usw.

  6. wäre die frau eine zeitreisende, dann dürfte das handy als offentlichtlicher anachronismus überhaupt gar net funtionieren. und wie dämlich muß man sein, sich mit einem solchen gerät dann auch noch filmen zu lassen, das bringt doch den ganzten zeitverlauf durcheinander und verändert die zukunft auf tragische weise. stellt euch bloß mal vor 1928 hätten die wissenschaftler ein solches teil in die pfoten bekommen. das hätte alles verändert. nicht zuletzt den verlauf des zweiten weltkrieges.

  7. @Saturn:
    auch Wikipedia irrt sich öfter als man denkt.
    Western Electric hat sowas in Handy-Format (ähnl. Nokia Brikett 10x5x3cm) schon in den 20ern gebaut.

    Wie wäre es denn damit:

    http://www.hearingaidmuseum.com/gallery/Carbon/WesternElectric/info/westelect34a.htm

  8. Sollten irgendwann in ferner Zukunft Zeitreisen möglich sein – wir würden heute auf Schritt und Tritt Zeitreisenden begegnen! Unsere bekloppte Epoche wäre doch für die Leute von außerordentlichem Interesse. Und die würden sich verraten, garantiert.

  9. @Bernd:

    Ich bin halt Filmfreak… :-)

    „Der Planet Saturn lässt schön grüßen“ kenn ich bisher aber nur als Trailer – ist einfach nicht zu bekommen, weder als DVD, noch als Bootleg, VHS, oder Stream… :-(

    Wenn Du ’nen Tipp hast, immmer her damit. Ich kann auch englisch…

    @Victor: Thnx!

  10. @Saturn: Ich hab das Teil noch im Kino gesehen, unter dem Titel „Der Zombie aus dem Weltall“. Ich weiß nicht, wo man den heute herbekommt – ist nun aber auch nicht so dolle, würde ich sagen.

  11. @ Der Planet Saturn lässt schön grüßen:
    Die US-Urfassung des Saturn-Zombie-Films gibt es hier:
    http://www.youtube.com/user/TwaletBrush
    (>>>“The Incredible Melting Man“)

  12. @Ralf: Danke, ebenso kundig wie aufmerksam.

    Ich denke, der alte Originaltitel bringt den Inhalt wohl am besten zum Ausdruck – mit Zombies hat das Ganze zwar immerhin noch etwas mehr zu tun als z.B. „Der Irre vom Zombiehof“, aber nur unwesentlich.

  13. Würde ein Zeitreisender im Jahre 1928 in den USA ein Handy oder ein Funkgerät benutzen, würde er auf der Strasse auffallen und die Leute um ihn herum würden Fragen stellen. Bei einer Filmproduktion würde so etwas erst recht auffallen. Vielleicht zeigt die Aufnahme einen Passanten mit Zahnschmerzen, der versucht diese mit einer Wärmflasche zu lindern.

  14. Dass es Mobiltelefone gibt, die quer durch Zeit und Raum anrufen können, weiß doch jeder Fan von Doctor Who :) BTW., der Doctor, selbst Rationalist und Humanist durch und durch, versucht noch nicht einmal, dieses Phänomen zu erklären, welches er genauso wenig versteht wie die Funktionsweise seiner TARDIS. Macht immer wieder Freude.

    BTW2., schön hierher gefunden zu haben. Mein Freudenkreis dreht nach und nach in Richtung Eso und Pseudomedizin ab.

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